Leichte Seltene Erden wie Neodym und Praseodym machen die Magnete in Elektromotoren und Windturbinen stark, 98 Prozent dieser Magnete bezieht Europa aus China. Ende September verlängerten Washington und Peking ihren Handelsfrieden bis zum 10. Januar 2027. Mit am Verhandlungstisch saß Brüssel nicht.

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Für Autozulieferer, Maschinenbauer und Hersteller von Industrieantrieben verschiebt diese Verlängerung nur den Termin, an dem Pekings ausgesetzte Exportkontrollen wieder greifen könnten. Gleichzeitig zeigt der Markt ein paradoxes Bild: Neodym-Praseodym-Oxid kostet rund 98 Euro je Kilogramm, das mitgeförderte Cer keine 2 Euro. Diese Stoffgeschichte folgt den Ceriterden von der Mine in der Inneren Mongolei über die Glühstrümpfe des Carl Auer von Welsbach bis in die Lieferverträge deutscher Industriebetriebe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Anlass: Am 25. September 2026 verlängerten die USA und China ihren Handelsfrieden um zwei Monate bis zum 10. Januar 2027, die Aussetzung der chinesischen Exportkontrollen für Seltene Erden hängt daran.
  • Ein Markt, zwei Welten: Neodym und Praseodym stellen in Mountain Pass knapp 16 Prozent der geförderten Menge, im September aber rund 93 Prozent des Werts. Cer und Lanthan fallen als Massenware mit an.
  • Chinas Griff: Laut Internationaler Energieagentur raffinierte China 2024 rund 91 Prozent der Seltenen Erden und fertigte 94 Prozent der gesinterten Dauermagnete.
  • Erste Auswege: Neo Performance Materials fertigt seit September 2025 in Narva Magnete, MP Materials will ab dem vierten Quartal 2026 Magnete aus Texas an General Motors liefern, und bei Delitzsch darf das Start-up Hades seit August 2026 nach Seltenen Erden suchen.

Fünf Fragen, bevor Sie mitreden

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Wissenstest
Leichte Seltene Erden im Schnelltest
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1 Was bedeutet das griechische Wort, von dem Lanthan seinen Namen hat? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Carl Gustaf Mosander fand das Element 1839 versteckt in einer Cer-Probe und wählte das Wort „lanthanein“, verborgen sein. Mehr dazu im Geschichtskapitel.
2 Wer trennte 1885 in Wien das Didym in Praseodym und Neodym? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Carl Auer von Welsbach zerlegte das vermeintliche Element Didym und erfand danach Glühstrumpf und Zündstein. Seine Geschichte steht im zweiten Kapitel.
3 Welchen Anteil ihrer Seltenerdmagnete bezieht die EU aus China? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Das Brussels Institute for Geopolitics beziffert den Anteil auf 98 Prozent. Warum das so ist, erklärt das Geopolitik-Kapitel.
4 Welcher Anteil am Wert eines Kilogramms Seltenerdoxid aus Mountain Pass entfiel im September auf Neodym und Praseodym? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Knapp 16 Prozent der Menge lieferten rund 93 Prozent des Werts, Cer und Lanthan teilen sich den Rest. Die Rechnung steht im Preiskapitel.
5 Bis wann verlängerten die USA und China im September 2026 ihren Handelsfrieden? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Die Frist rückte vom 10. November 2026 auf den 10. Januar 2027. Was das für deutsche Betriebe heißt, steht im letzten Kapitel.

Was sind leichte Seltene Erden und wie entstehen sie?

Leichte Seltene Erden sind die vorderen Lanthanoide, vor allem Lanthan, Cer, Praseodym und Neodym. Diese Metalle reichern sich in Gesteinen aus erkalteter Karbonatit-Schmelze an und stecken dort in Mineralen wie Bastnäsit und Monazit.

Wo genau die Grenze zu den schweren Seltenen Erden verläuft, legt jede Institution etwas anders fest. Der US Geological Survey zählt Lanthan bis Gadolinium zu den leichten Elementen, viele Lehrbücher hören beim Europium auf, und chinesische Statistiken führen Samarium und Gadolinium als eigene mittelschwere Gruppe. Chemiker des 19. Jahrhunderts sprachen schlicht von Ceriterden und Yttererden, benannt nach den beiden Mineralen, aus denen sie die Elemente zuerst gewannen.

Selten sind diese Metalle nur dem Namen nach. Cer ist das häufigste aller Lanthanoide und kommt in der Erdkruste öfter vor als Zinn oder Blei, wie die Royal Society of Chemistry festhält. Knapp sind abbauwürdige Konzentrationen: Der US Geological Survey betont, dass die Elemente zwar verbreitet sind, sich aber seltener als die meisten anderen Rohstoffe zu förderbaren Lagerstätten verdichten.

Die Natur liefert die leichten Seltenen Erden immer als Gemisch, und zwar in einem festen Mischungsverhältnis. Im Konzentrat der kalifornischen Mine Mountain Pass entfallen laut Jahresbericht von MP Materials 50,2 Prozent des Seltenerdoxids auf Cer, 32,3 Prozent auf Lanthan und 15,7 Prozent auf Neodym und Praseodym. Der Rest von 1,8 Prozent verteilt sich auf Samarium, Europium, Gadolinium und schwerere Elemente.

Wer Neodym will, bekommt also mehr als das Fünffache an Cer und Lanthan mit dazu. Dieses Balance-Problem zieht sich durch die ganze Geschichte des Rohstoffs: Bergbaufirmen verdienen an einem kleinen Teil der Ausbeute und müssen den großen Rest irgendwo unterbringen.

Die größten Lagerstätten liegen in der Inneren Mongolei, in Kalifornien und in Westaustralien. Bayan Obo bei Baotou wurde 1927 als Eisenerzlager entdeckt, dort fallen die Seltenen Erden bis heute neben dem Eisenerz an. Mountain Pass in der Mojave-Wüste fördert Bastnäsit als Hauptprodukt, und Mount Weld in Westaustralien, entdeckt 1988, beliefert den australischen Konzern Lynas Rare Earths.

Die bekannten Reserven reichen weit. Der US Geological Survey schätzt sie weltweit auf mehr als 75 Millionen Tonnen Oxid, davon 44 Millionen Tonnen in China, 11 Millionen in Brasilien, 6,3 Millionen in Australien und 3,8 Millionen in Russland. Bei einer Weltförderung von rund 390.000 Tonnen im Jahr 2025 entspräche das rechnerisch fast 200 Jahren, allerdings gelten die Werte für alle Seltenen Erden zusammen, nicht nur für die leichten.

Geologisch knapp sind die leichten Seltenen Erden damit nicht, knapp ist die Fähigkeit, das Gemisch in reine Metalle zu zerlegen. Warum diese Trennung den eigentlichen Engpass bildet, erklärt unsere Stoffgeschichte über die Gruppe der Seltenen Erden insgesamt. Für die leichten Elemente kommt eine Besonderheit hinzu: Ihre Trennkosten fallen für das ganze Gemisch an, bezahlt werden sie aber fast nur über Neodym und Praseodym.

Auf den Punkt
  • Häufig statt selten: Cer kommt in der Erdkruste öfter vor als Zinn oder Blei
  • Festes Gemisch: In Mountain Pass stehen 15,7 Prozent Neodym und Praseodym gegen 82,5 Prozent Cer und Lanthan
  • Reserven: Mehr als 75 Millionen Tonnen Oxid weltweit, 44 Millionen davon in China

Wer entdeckte die leichten Seltenen Erden und wie begann der Rausch?

Weißes Feuerzeug auf Podest mit Zahl '1903' auf orangefarbenem Grund vor weißem Hintergrund
Seit 1903 schlägt Auermetall aus Cer und Eisen in Feuerzeugen Funken.

Den Anfang machte 1787 ein schwarzer Stein aus der Grube Ytterby bei Stockholm, gefunden von Carl Axel Arrhenius. Aus ähnlichen Mineralen isolierten Chemiker 1803 das Cer, 1839 das Lanthan und 1885 Praseodym und Neodym.

Das Cer entdeckten 1803 gleich zwei Forschergruppen. In Schweden untersuchten Jöns Jacob Berzelius und Wilhelm Hisinger ein schwedisches Mineral, in Berlin kam der Chemiker Martin Heinrich Klaproth unabhängig zum selben Ergebnis. Den Namen lieh sich das neue Element vom Asteroiden Ceres, benannt nach der römischen Göttin des Ackerbaus.

Im Januar 1839 bemerkte Carl Gustaf Mosander am Stockholmer Karolinska-Institut, dass sich ein Teil seines Ceroxids anders verhielt als der Rest. Er schloss auf ein weiteres Element und gab ihm nach dem griechischen Wort für verborgen den Namen Lanthan. Kurz darauf trennte Mosander aus derselben Probe einen zweiten Stoff ab, den er Didym nannte, griechisch für Zwilling.

Dieser Zwilling entpuppte sich als Paar. 1885 zerlegte der Wiener Chemiker Carl Auer von Welsbach das Didym durch wiederholtes Umkristallisieren in Praseodym und Neodym, dessen Name „neuer Zwilling“ bedeutet. Reines Neodym-Metall entstand erst 1925, vier Jahrzehnte nach der Entdeckung.

Auer von Welsbach machte aus der Laborchemie ein Geschäft. Sein Gasglühlicht, später mit einer Mischung aus Thorium- und Ceroxid optimiert, brachte Straßen und Wohnungen zum Leuchten, und 1903 erfand er eine Legierung aus Cer und Eisen, die beim Reiben Funken schlägt. Das Auermetall ist bis heute die Grundlage der Feuersteine in Reibradfeuerzeugen, und seine Treibacher Chemischen Werke in Kärnten produzieren noch immer. Mit Glühstrumpf und Zündstein wurden Seltene Erden erstmals zur Massenware, wenn auch in kleinen Mengen.

Auch die Glühlampe verdankt dem Österreicher einen Markennamen, der in Deutschland Industriegeschichte schrieb. Für seine Metallfadenlampen ließ er 1906 die Marke Osram eintragen.

Den eigentlichen Rausch lösten zwei Ereignisse aus. 1950 und 1951 kaufte die Molybdenum Corporation of America die Claims am Mountain Pass, und die kalifornische Mine wurde zur wichtigsten Quelle der USA. Drei Jahrzehnte später, 1983, stellten Masato Sagawa von Sumitomo Special Metals und John Croat von General Motors auf derselben Konferenz in Pittsburgh unabhängig voneinander den Magneten aus Neodym, Eisen und Bor vor.

Mit diesem Magneten bekam das Neodym seine heutige Rolle. Laut IEEE Spectrum sind rund 95 Prozent aller Dauermagnete inzwischen Neodym-Eisen-Bor-Magnete. Dass ausgerechnet General Motors 2026 auf die ersten Serienmagnete aus amerikanischer Fertigung wartet, schließt einen Kreis, der vor über vierzig Jahren in einem GM-Labor begann.

Auf den Punkt

Schwedische, deutsche und österreichische Chemiker entdeckten die leichten Seltenen Erden zwischen 1803 und 1885, Auer von Welsbach machte sie mit Glühstrumpf und Zündstein zur Ware. Den Durchbruch zum Industrierohstoff brachte 1983 der Neodym-Eisen-Bor-Magnet.

Wie haben leichte Seltene Erden die Weltkarte verändert?

Ein Gangschalthebel mit Holzgriff und einem Anhänger mit der Aufschrift LIZENZ auf einem Stein
Seit April 2025 verlangt China für sieben Seltene Erden Ausfuhrlizenzen, darunter Samarium und Gadolinium.

Leichte Seltene Erden haben China zur Rohstoffmacht gemacht. Das Land förderte 2025 laut US Geological Survey 270.000 von weltweit 390.000 Tonnen und beherrscht die Trennung und die Magnetfertigung fast vollständig.

Ein Satz begleitet diese Machtverschiebung seit über dreißig Jahren. Der Nahe Osten habe Öl, China habe Seltene Erden, soll Deng Xiaoping 1992 gesagt haben. Wörtlich belegt ist das Zitat nicht, überliefert wird der Satz trotzdem in fast jedem Bericht über den Rohstoff, weil er die Strategie Pekings knapp zusammenfasst: Rohstoffe als Hebel, nicht als bloße Exportware.

Im Westen geriet die eigene Förderung derweil aus dem Takt. Die alte Aufbereitungsanlage in Mountain Pass ging 2002 in den Wartungsbetrieb, der spätere Betreiber Molycorp beantragte im Juni 2015 Gläubigerschutz nach Chapter 11, und erst im Juli 2017 übernahm MP Materials die Mine aus der Insolvenzmasse. In diesen Jahren wuchs in Baotou und in Südchina die Industrie heran, die heute fast alle Seltenen Erden der Welt in reine Oxide und Metalle zerlegt.

Die Internationale Energieagentur hat das Ergebnis vermessen. China lieferte 2024 rund 60 Prozent der geförderten Magnet-Rohstoffe, raffinierte 91 Prozent der Seltenen Erden weltweit und fertigte 94 Prozent der gesinterten Dauermagnete, bei den Magneten lag Chinas Anteil 2005 noch bei rund 50 Prozent. Europa bezieht nach einer Analyse des Brussels Institute for Geopolitics 98 Prozent seiner Seltenerdmagnete aus China.

Im April 2025 zog Peking den Hebel erstmals in großem Stil. Für Samarium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Lutetium, Scandium und Yttrium verlangte das Handelsministerium plötzlich Ausfuhrlizenzen, darunter mit Samarium und Gadolinium zwei Elemente, die der US Geological Survey zu den leichten Seltenen Erden zählt. Der europäische Zuliefererverband CLEPA meldete im Juni 2025 stillstehende Fertigungslinien in Europa: Von Hunderten Lizenzanträgen war nur rund ein Viertel genehmigt.

Im Oktober 2025 folgte die zweite Welle mit Europium, Holmium, Erbium, Thulium und Ytterbium. Nach einer Einigung mit Washington setzte China diese Regeln im November für ein Jahr aus, die Lizenzpflicht vom April blieb bestehen. Bei den schweren Elementen sitzt der Engpass noch enger, wie unsere Stoffgeschichte über die schweren Seltenen Erden zeigt. Für die leichten gilt eine eigene Logik: Neodym und Praseodym stehen nicht auf der Lizenzliste, die Magnete daraus enthalten aber oft Dysprosium und Terbium, und genau diese Zutat kontrolliert Peking.

DatumMaßnahmeBetroffen
April 2025China führt Ausfuhrlizenzen einSamarium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Lutetium, Scandium, Yttrium
Juli 2025Pentagon steigt bei MP Materials ein, Mindestpreis für zehn JahreNeodym und Praseodym aus Mountain Pass
Oktober 2025China erweitert die KontrollenEuropium, Holmium, Erbium, Thulium, Ytterbium
November 2025China setzt die Oktober-Regeln für ein Jahr ausLizenzpflicht vom April bleibt
25. September 2026USA und China verlängern den Handelsfrieden bis 10. Januar 2027ausgesetzte Exportkontrollen
1. Januar 2027US-Rüstungsbeschaffung schließt Magnete chinesischen Ursprungs ausqualifizierte Rüstungssysteme
Chronik der Exportkontrollen und Gegenmaßnahmen. Quellen: US Geological Survey, MP Materials, MercoPress, Evolution Metals

Am 25. September 2026 verlängerten US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vizepremier He Lifeng den Handelsfrieden bis zum 10. Januar 2027. Laut MercoPress umfasste die bisherige Vereinbarung gesenkte US-Zölle und die Aussetzung chinesischer Exportkontrollen für Seltene Erden und kritische Mineralien. Eine Bekanntmachung des chinesischen Handelsministeriums, die die Aussetzung formal über den 10. November 2026 hinaus verlängert, lag bis zum Redaktionsschluss am 7. Oktober nicht vor.

Washington antwortet mit Staatsgeld und Vorschriften. Im Juli 2025 stieg das Pentagon mit Vorzugsaktien im Wert von rund 355 Millionen Euro bei MP Materials ein und garantierte für zehn Jahre einen Mindestpreis von umgerechnet rund 98 Euro je Kilogramm Neodym-Praseodym. Ab dem 1. Januar 2027 schließen die Beschaffungsregeln des US-Verteidigungsministeriums Magnete chinesischen Ursprungs aus qualifizierten Rüstungssystemen aus.

Die Europäische Union setzt auf Quoten statt auf Kapital. Der Critical Raw Materials Act verlangt, dass bis 2030 mindestens 10 Prozent des Bedarfs an strategischen Rohstoffen aus eigener Förderung, 40 Prozent aus eigener Verarbeitung und 25 Prozent aus Recycling stammen. Von keinem einzelnen Drittland soll die EU dann mehr als 65 Prozent einer Verarbeitungsstufe beziehen, bei den Magneten liegt sie derzeit bei 98 Prozent. So entsteht der Kreislauf, den jede Stoffgeschichte kennt: Die Abhängigkeit erzeugt Konflikte, und die Antwort darauf schafft neue Abhängigkeiten, diesmal von Subventionen und Staatsaufträgen.

Förder- und Verarbeitungsländer
Gefördert wird an vielen Orten, getrennt fast nur in China
Oben sehen Sie die Anteile an der Weltförderung 2025, in der Mitte Chinas Anteil an den Verarbeitungsstufen, unten die neuen Lieferwege außerhalb Chinas.
Förderung Seltener Erden 2025, Anteil an 390.000 Tonnen Oxid
China
69 %
USA
13 %
Australien
7 %
Myanmar
6 %
Chinas Anteil an den Verarbeitungsstufen
Raffination weltweit, 2024
91 %
Gesinterte Dauermagnete weltweit, 2024
94 %
Seltenerdmagnete der EU aus China, 2025
98 %
Neue Lieferwege außerhalb Chinas
Kalifornien→Texas
MP Materials trennt in Mountain Pass und fertigt seit Dezember 2025 Magnete in Fort Worth.
Westaustralien→Malaysia
Lynas fördert in Mount Weld und trennt das Konzentrat außerhalb Chinas.
Australien→Estland
Neo Performance Materials fertigt seit September 2025 in Narva bis zu 2.000 Tonnen Magnete im Jahr.
Hanau→South Carolina
Vacuumschmelze fertigt in Sumter rund 2.000 Tonnen im Jahr, der US-Konzern Energy Fuels will Vacuumschmelze übernehmen.
Südkorea→USA
Evolution Metals eröffnet am 17. Dezember 2026 in Pohang ein Magnetwerk, Ziel sind mehr als 10.000 Tonnen.
China→EU
Exportkontrollen ausgesetzt, der Handelsfrieden zwischen USA und China gilt bis 10. Januar 2027.

Warum sind leichte Seltene Erden für die Weltwirtschaft so wichtig?

Waage mit Sand und Schild „BILLIONEN“ links im Gleichgewicht mit Auto rechts auf Weiß
Laut Energieagentur hängen außerhalb Chinas rund 5,8 Billionen Euro Wirtschaftsleistung an Seltenen Erden.

Leichte Seltene Erden sind wichtig, weil aus Neodym und Praseodym die stärksten Dauermagnete entstehen. Setzt Peking seine Exportkontrollen voll durch, stehen laut Internationaler Energieagentur außerhalb Chinas jedes Jahr rund 5,8 Billionen Euro Wirtschaftsleistung auf dem Spiel.

Gemessen an der Menge ist der Markt winzig. Die gesamte Welt förderte 2025 rund 390.000 Tonnen Seltenerdoxid, Kupfer wird weltweit in zweistelligen Millionen Tonnen gefördert. Nach Wert entfallen laut Energieagentur rund 95 Prozent des Verbrauchs auf Dauermagnete, der US Geological Survey nennt Magnete ebenfalls als wichtigste Anwendung weltweit.

Die Hebelwirkung entsteht in den Branchen dahinter. Für die USA und Europa beziffert die Energieagentur das Risiko auf jeweils mehr als 1,3 Billionen Euro im Jahr, allein in der Autoindustrie außerhalb Chinas auf rund 2,7 Billionen Euro. Ein Magnet für wenige Euro entscheidet dort, ob ein Fahrzeug für Zehntausende Euro vom Band läuft.

Eine Börse für Seltene Erden existiert nicht. Die Preise entstehen in direkten Verträgen und werden von Preisagenturen wie Shanghai Metals Market, Benchmark Mineral Intelligence und Argus erhoben, im chinesischen Inlandsmarkt in Yuan, außerhalb Chinas in Dollar. Seit diesem Sommer laufen die beiden Preiswelten sichtbar auseinander: Benchmark ermittelte am 21. August für Neodym-Praseodym-Oxid außerhalb Chinas umgerechnet rund 84 Euro je Kilogramm, im chinesischen Inland rund 95 Euro.

China liefert inzwischen weniger, verdient aber mehr. Im August 2026 exportierte das Land laut Zollstatistik 4.735 Tonnen Seltene Erden, 18 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Von Januar bis August sank die Exportmenge um 11 Prozent auf 39.441 Tonnen, der Exportwert stieg im selben Zeitraum um 53,5 Prozent.

Laut Statistischem Bundesamt importierte Deutschland 2025 5.500 Tonnen Seltene Erden im Wert von 77,6 Millionen Euro. Der Anteil Chinas sank von 65,4 auf 55,4 Prozent, dahinter folgten Österreich mit 20 und Estland mit 11 Prozent. Beide Länder verarbeiten allerdings Vorprodukte, die zum Teil ebenfalls aus China stammen, und die Statistik erfasst nur die Rohstoffe, nicht die fertigen Magnete in Motoren und Generatoren.

Genau dort sitzt die eigentliche Verwundbarkeit. Ein Zulieferer, der Elektromotoren für Fensterheber, Lenkungen oder Antriebe baut, kauft keine Oxide, sondern fertige Magnete, und die kommen zu 98 Prozent aus China. Fallen diese Magnete aus, steht nicht nur die Fertigung von Elektroautos still, CLEPA betonte 2025 ausdrücklich, dass auch Bauteile für Verbrennerfahrzeuge betroffen waren.

LandFörderung 2024Förderung 2025Reserven
China270.000 t270.000 t44 Mio. t
USA45.500 t51.000 t1,9 Mio. t
Australien29.000 t29.000 t6,3 Mio. t
Myanmar27.000 t22.000 tkeine Angabe
Thailand2.100 t4.800 tkeine Angabe
Indien2.900 t2.900 tkeine Angabe
Brasilien560 t2.000 t11 Mio. t
Welt380.000 t390.000 tmehr als 75 Mio. t
Förderung und Reserven Seltener Erden in Tonnen Oxid, alle Elemente zusammen. Quelle: US Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2026
Auf den Punkt
  • Kleiner Markt: 390.000 Tonnen Oxid im Jahr, 95 Prozent des Werts gehen in Magnete
  • Großer Hebel: 5,8 Billionen Euro Wirtschaftsleistung außerhalb Chinas hängen laut Energieagentur daran
  • Falsche Statistik: Deutschland kauft nur 55 Prozent der Rohstoffe in China, die fertigen Magnete aber fast vollständig

In welchen Produkten stecken leichte Seltene Erden, und was verschwindet ohne sie?

Weiße Schachtel, im Deckel „Alltag“, innen Feuerstein, Scheibe, Linse auf Orange
Zündstein, Magnet und Linse: Leichte Seltene Erden stecken in vielen Alltagsprodukten.

Leichte Seltene Erden stecken in Elektromotoren, Windturbinen, Lautsprechern, Hybridakkus, Autokatalysatoren, Kameraobjektiven und Feuersteinen. Ohne Neodym und Praseodym fehlen vor allem kompakte, starke Elektromotoren, für die meisten anderen Anwendungen existiert Ersatz, der aber schlechter funktioniert.

Am meisten Neodym verbaut die Elektromobilität. In einem Elektroauto stecken nach einer Auswertung des Analysehauses Thunder Said Energy im Schnitt rund 1,5 Kilogramm Seltenerdmagnet, je nach Motorbauart zwischen null und vier Kilogramm. Zusätzlich brauchen Dutzende kleinere Stellmotoren für Sitze, Spiegel, Pumpen und Lenkung Magnete, auch im Verbrenner.

Lanthan steckte lange am auffälligsten im Hybridauto. Reuters berichtete 2009, dass der Akku eines Toyota Prius 10 bis 15 Kilogramm Lanthan enthält und der Elektromotor rund ein Kilogramm Neodym. Neben dem Lanthan braucht dieser Nickel-Metallhydrid-Akku vor allem Nickel, dessen Weltpreis inzwischen ein einziges Land bestimmt. Viele neuere Hybride fahren dagegen mit Lithium-Ionen-Akkus.

Ohne Lanthan liefen außerdem viele Raffinerien schlechter. Das Metall dient als Katalysator beim Aufspalten von Erdöl und verbessert optische Gläser, weshalb hochwertige Kamera- und Teleskopobjektive Lanthanoxid enthalten. Cer wiederum reinigt als Oxid im Autokatalysator die Abgase, poliert Brillengläser und Linsen und verhindert in selbstreinigenden Backöfen, dass sich Rückstände an den Wänden festsetzen.

Das älteste Alltagsprodukt kennt jeder Raucher. Mischmetall aus rund 65 Prozent Cer und 35 Prozent Lanthan schlägt beim Reiben Funken und steckt seit Auer von Welsbachs Erfindung im Feuerstein von Reibradfeuerzeugen. Der US Geological Survey führt dafür sogar eine eigene Preisreihe, im Jahr 2025 kostete Mischmetall im Schnitt rund 5 Euro je Kilogramm.

ProduktElementFunktionErsatz bei Lieferausfall
Fahrmotor im ElektroautoNeodym, PraseodymDauermagnet im Rotorfremderregte oder Asynchronmotoren, größer oder weniger effizient
Windturbine mit DirektantriebNeodym, PraseodymGenerator ohne GetriebeGetriebeturbine mit mehr Wartung
Lautsprecher, Kopfhörer, VibrationsmotorNeodymkleiner, starker MagnetFerritmagnet, größer und schwächer
HybridakkuLanthanWasserstoffspeicher in der AnodeLithium-Ionen-Akku
AutokatalysatorCerKatalysator für die Abgasreinigungnur mit Abstrichen
KameraobjektivLanthanGlas mit hoher Brechkraftdickere, schwerere Linsen
Brillenglas, DisplayglasCerPoliermittelandere Poliermittel, langsamer
FeuerzeugCer, LanthanZündstein aus MischmetallPiezozündung
Wo leichte Seltene Erden im Alltag stecken. Quellen: Royal Society of Chemistry, US Geological Survey, Thunder Said Energy, Reuters

Was bei einem Lieferausfall wegfällt, hängt am einzelnen Element. Fällt Cer aus, wird ein Feuerzeug teurer oder zündet elektrisch, und die Glaspolitur dauert länger. Fällt Neodym aus, stoppen die Bänder der Motorenhersteller, denn ein Ferritmagnet erreicht die Kraft eines Neodym-Magneten nur mit deutlich mehr Volumen, und für neue Motorkonzepte ohne Magnete müssen Autobauer ganze Antriebe umkonstruieren.

Der US Geological Survey fasst die Lage nüchtern zusammen: Für viele Anwendungen existieren Ersatzstoffe, sie funktionieren aber meist schlechter. CLEPA ergänzte während der Lieferstopps 2025, dass Investitionen in Motoren ohne Seltene Erden zwar laufen, aber kurzfristig keine Lösung bieten. Ein Lieferausfall trifft deshalb nicht die Feuerzeuge im Supermarkt zuerst, sondern die Antriebe in Autos, Windturbinen und Industrieanlagen.

Produkte und Lieferausfall
Alltag voller leichter Seltener Erden
Sechs Produkte, die Sie täglich nutzen. Die Markierung zeigt, was bei einem Lieferausfall passiert.
Elektroauto
Neodym, Praseodym
Im Schnitt rund 1,5 Kilogramm Magnet im Fahrmotor, dazu viele kleine Stellmotoren.
Band steht still
Windturbine
Neodym, Praseodym
Generatoren mit Direktantrieb arbeiten ohne Getriebe, aber mit großen Dauermagneten.
Ersatz mit Getriebe
Kopfhörer
Neodym
Kleine, starke Magnete in Lautsprechern und Vibrationsmotoren.
Ersatz größer und schwächer
Hybridakku
Lanthan
Im Prius steckten laut Reuters 10 bis 15 Kilogramm Lanthan im Akku.
Lithium-Ionen statt Lanthan
Kameraobjektiv
Lanthan, Cer
Lanthanglas bricht das Licht stärker, Ceroxid poliert die Linse.
Ersatz mit Abstrichen
Feuerzeug
Cer, Lanthan
Der Zündstein besteht aus Mischmetall mit rund 65 Prozent Cer.
Piezozündung

Wie setzt sich der Preis eines Kilogramms Seltenerdoxid zusammen?

Zwei Reagenzgläser mit weißem Pulver, Schildern für 93 % und 7 % sowie einer Sonnenbrille
Neodym und Praseodym stellen knapp 16 Prozent der Menge, aber rund 93 Prozent des Werts.

Den Preis eines Kilogramms Seltenerdoxid bestimmen fast allein Neodym und Praseodym. Zu chinesischen Inlandspreisen vom 24. September lieferten sie rund 15,30 Euro des Gesamtwerts von 16,50 Euro eines Kilogramms aus Mountain Pass, Cer und Lanthan zusammen nur rund 1,20 Euro.

Die Rechnung beruht auf zwei öffentlichen Quellen. Die Mengen stammen aus dem Jahresbericht von MP Materials, die Preise aus dem Wochenbericht von Shanghai Metals Market vom 24. September 2026: Neodym-Praseodym-Oxid kostete 737.000 bis 739.000 Yuan je Tonne, Ceroxid 14.000 bis 14.500 Yuan und Lanthanoxid 5.500 bis 6.000 Yuan. Zum Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 6. Oktober entspricht das rund 97,70 Euro, 1,90 Euro und 0,76 Euro je Kilogramm.

Ein Rechenbeispiel zeigt, was daraus folgt. Ein Kilogramm Oxid mit der Zusammensetzung aus Mountain Pass enthielte 157 Gramm Neodym-Praseodym im Wert von 15,34 Euro, 502 Gramm Cer für 0,95 Euro und 323 Gramm Lanthan für 0,25 Euro. Die übrigen 18 Gramm aus Samarium und schwereren Elementen fließen mangels einheitlichem Marktpreis nicht in die Rechnung ein.

BestandteilAnteil an der MengePreis je kg OxidWert je kg GemischAnteil am Wert
Neodym und Praseodym15,7 %rund 97,70 €15,34 €rund 93 %
Cer50,2 %rund 1,90 €0,95 €rund 6 %
Lanthan32,3 %rund 0,76 €0,25 €rund 1,5 %
Samarium und schwerere Elemente1,8 %nicht bewertetnicht bewertetnicht bewertet
Summe100 %rund 16,50 €100 %
Rechenbeispiel zum Wert eines Kilogramms Seltenerdoxid aus Mountain Pass. Quellen: MP Materials (Jahresbericht 2025), Shanghai Metals Market (24.09.2026), EZB-Referenzkurs vom 06.10.2026

Neodym-Praseodym kostet damit rund 52-mal so viel wie Cer und rund 128-mal so viel wie Lanthan. Für Förderer bedeutet das, dass knapp ein Sechstel der Ausbeute 93 Prozent des Umsatzes bringt, während der große Rest ebenfalls durch die Trennanlage muss. Lanthan und Cer laufen in dieser Rechnung als Beiprodukt mit, das wenig einbringt.

Auf dem Weg zum Magneten kommen weitere Stufen hinzu. Neodym-Praseodym-Metall kostete laut Shanghai Metals Market am selben Tag 893.000 bis 900.000 Yuan je Tonne, also rund 119 Euro je Kilogramm und gut ein Fünftel mehr als das Oxid. Die Umwandlung in Metall, das Legieren mit Eisen und Bor, das Sintern und das Magnetisieren erledigen in den allermeisten Fällen chinesische Betriebe, und jede Stufe verdient mit.

Wie viel davon der Staat übernimmt, zeigt das Beispiel MP Materials. Der Konzern setzte im zweiten Quartal 2026 rund 96 Millionen Euro um und verbuchte zusätzlich rund 16 Millionen Euro aus der Preisgarantie des Pentagons. Diese Zahlungen gleichen die Lücke zwischen dem Marktpreis und dem garantierten Mindestpreis von umgerechnet rund 98 Euro je Kilogramm aus, bezahlt aus dem US-Verteidigungshaushalt.

Die Preise für Neodym schwanken stark. Laut US Geological Survey kostete Neodym-Praseodym-Oxid im Jahresschnitt 2022 umgerechnet rund 110 Euro je Kilogramm, 2024 nur noch rund 49 Euro und 2025 wieder rund 61 Euro. Cer und Lanthan dagegen bewegen sich seit Jahren um ein bis zwei Euro, weil ihr Angebot an der Nachfrage nach Neodym hängt, nicht an der eigenen.

Hinzu kommt der Wechselkurs. Chinesische Inlandspreise entstehen in Yuan, Weltmarktpreise in Dollar, und der starke Euro mit 1,1269 Dollar am 6. Oktober macht Importe für deutsche Käufer derzeit günstiger. Kurios bleibt der Abstand zwischen den Märkten: Weil westliche Förderer ihre Ware lieber außerhalb Chinas verkaufen, lag Neodym-Praseodym-Oxid laut Benchmark im August außerhalb Chinas mit rund 84 Euro unter dem chinesischen Inlandspreis und unter dem Mindestpreis des Pentagons.

Preiszusammensetzung
Ein Sechstel der Menge, neun Zehntel des Werts
So verteilen sich Menge und Wert eines Kilogramms Seltenerdoxid aus Mountain Pass, berechnet mit chinesischen Inlandspreisen vom 24. September 2026.
Anteil an der Menge
15,7 %Cer 50,2 %Lanthan 32,3 %
Anteil am Wert von rund 16,50 Euro
Neodym und Praseodym 93 %
Neodym und PraseodymCerLanthanSamarium und Rest, ohne Preis
15,34 €
Wertbeitrag von Neodym und Praseodym je Kilogramm Gemisch
0,95 €
Wertbeitrag von Cer, obwohl Cer die Hälfte der Menge stellt
0,25 €
Wertbeitrag von Lanthan bei knapp einem Drittel der Menge

Wer verdient an leichten Seltenen Erden und wer zahlt drauf?

Münzzelle im orangefarbenen Netz mit Schild „Mindestpreis“ und Schnecke, vor weißem Hintergrund
Das Pentagon garantiert MP Materials zehn Jahre lang rund 98 Euro je Kilogramm Neodym-Praseodym.

Am meisten verdient China, das von der Mine bis zum fertigen Magneten fast jede Stufe besetzt, dazu westliche Förderer mit Staatsgarantie wie MP Materials. Drauf zahlen Steuerzahler, die Mindestpreise finanzieren, und Abnehmer in Europa, die ohne Ausweichquelle kaufen.

Chinas Exportzahlen zeigen, wie die Marktmacht wirkt. Von Januar bis August 2026 verschickte das Land 11 Prozent weniger Seltene Erden als im Vorjahreszeitraum und nahm dafür 53,5 Prozent mehr ein. Die Kontrolle über die Verarbeitung erlaubt Peking, sich die knappe Ware teuer bezahlen zu lassen und zugleich zu entscheiden, welcher Kunde beliefert wird.

Im Westen profitiert vor allem, wen der Staat absichert. MP Materials produzierte im zweiten Quartal 2026 laut Quartalsbericht 840 Tonnen Neodym-Praseodym-Oxid, 41 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, und verkaufte 1.006 Tonnen, ein Absatzplus von 127 Prozent. Rund 16 Millionen Euro der Quartalseinnahmen stammten aus der Preisgarantie des Pentagons.

Auch Europas neue Fabriken sind Gewinner, zumindest auf dem Papier. Das Magnetwerk von Neo Performance Materials im estnischen Narva fertigt seit September 2025 bis zu 2.000 Tonnen im Jahr, genug für rund eine Million Fahrzeuge, und zu den ersten Abnehmern zählen Bosch, Schaeffler, Mahle und General Motors. Den Rohstoff bezieht das Werk aus Australien.

Das Pentagon garantiert MP Materials einen Mindestpreis für Neodym, Europas Zulieferer zahlen den Marktpreis und hoffen auf Peking.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Die Verlierer sitzen am anderen Ende der Kette. Europäische Autozulieferer mussten im Frühjahr 2025 Fertigungslinien anhalten, weil chinesische Behörden nur rund ein Viertel der Lizenzanträge genehmigten. Mitbezahlen müssen außerdem die Steuerzahler in den USA, die über den Verteidigungshaushalt die Differenz zum Mindestpreis begleichen.

Einen klassischen Ressourcenfluch lösen die leichten Seltenen Erden nicht aus, dafür ist der Markt zu klein. Die gesamte US-Förderung von 51.000 Tonnen hatte 2025 laut US Geological Survey einen Wert von rund 213 Millionen Euro. Die Holländische Krankheit, bei der ein Rohstoffboom die Landeswährung so verteuert, dass andere Exportbranchen ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren, bekam ihren Namen vom niederländischen Erdgas der 1960er-Jahre und braucht Summen in ganz anderer Größenordnung.

Die Lasten tragen hier die Regionen um die Anlagen. Monazit enthält Thorium, das der US Geological Survey sogar steuerlich gesondert behandelt, und die Aufbereitung hinterlässt thoriumhaltige Rückstände, die sicher gelagert werden müssen. Länder mit eigener Trennindustrie halten die Wertschöpfung im Land, Länder mit bloßer Förderung exportieren Konzentrat und die Abhängigkeit gleich mit.

LandRolle in der KetteErgebnis
ChinaFörderung, Trennung, Metall, Magnet91 Prozent der Raffination, 94 Prozent der Sintermagnete (2024)
USAFörderung in Mountain Pass, neue MagnetfertigungMolycorp 2015 im Chapter-11-Verfahren, seit 2025 mit Staatsbeteiligung
AustralienFörderung in Mount Weld, Trennung in MalaysiaLynas trennt Neodym und Praseodym außerhalb Chinas
EstlandMagnetfertigung in NarvaMagnetwerk mit bis zu 2.000 Tonnen im Jahr seit September 2025
DeutschlandMagnetfertigung in Hanau, Recycling in Bitterfeldbeide Betriebe sollen an Käufer aus Nordamerika gehen
Rollen in der Kette der leichten Seltenen Erden. Quellen: Internationale Energieagentur, MP Materials, Neo Performance Materials, Vacuumschmelze, Mkango Resources
Auf den Punkt
  • Gewinner: China mit 53,5 Prozent mehr Exportwert bei weniger Menge
  • Abgesichert: MP Materials mit 127 Prozent mehr Absatz und Geld aus der Preisgarantie
  • Verlierer: Zulieferer ohne zweite Quelle und Steuerzahler, die Mindestpreise bezahlen

Wie mächtig ist die Seltenerd-Lobby?

Ein weiß-oranges Megafon mit einem Aufkleber auf dem Griff, auf dem
Die Seltenerd-Branche argumentiert mit nationaler Sicherheit, in den USA mit Erfolg.

Die Seltenerd-Lobby ist so mächtig wie ihr bestes Argument, die nationale Sicherheit. In den USA hat der Staat auf dieser Grundlage Beteiligungen, Mindestpreise und Abnahmegarantien beschlossen, Europa arbeitet bislang mit Quoten und deutlich kleineren Summen.

Das amerikanische Paket für MP Materials zeigt die Größenordnung. Neben der Beteiligung von rund 355 Millionen Euro und dem Mindestpreis für zehn Jahre verpflichtete sich das Pentagon, zehn Jahre lang sämtliche Magnete aus einem neuen Werk mit rund 10.000 Tonnen Kapazität abzunehmen, das ab 2028 anlaufen soll. JPMorgan und Goldman Sachs sagten dafür rund 890 Millionen Euro an Finanzierung zu, das Pentagon einen Kredit von rund 133 Millionen Euro für die Trennung schwerer Seltener Erden.

Die Sprache der Branche ist darauf zugeschnitten. MP Materials überschrieb die Mitteilung zum Pentagon-Deal mit dem Ziel der Magnet-Unabhängigkeit der USA, Evolution Metals verweist bei seinem Werk in Südkorea ausdrücklich auf das kommende Beschaffungsverbot für chinesische Magnete in Rüstungsgütern. Aus einem Industrierohstoff wird so eine Frage der Landesverteidigung, und für die gibt der Staat Geld leichter aus.

Europa hat mit dem Critical Raw Materials Act einen Rahmen gesetzt, aber kein vergleichbares Kapital. Laut Europäischem Rechnungshof ist die EU von ihrem Ziel, 10 Prozent der kritischen Rohstoffe selbst zu fördern, noch weit entfernt. Das französische Chemieunternehmen Solvay trennt in La Rochelle seit April 2025 Neodym-Praseodym in Magnetqualität und investiert bis zu 20 Millionen Euro, um im Herbst 2026 auch Dysprosium und Terbium zu gewinnen.

Für Deutschland läuft die Entwicklung in die Gegenrichtung. Der US-Bergbaukonzern Energy Fuels hat im Juni 2026 vereinbart, den Hanauer Magnethersteller Vacuumschmelze für umgerechnet rund 1,7 Milliarden Euro zu übernehmen, der Abschluss steht unter anderem unter dem Vorbehalt der Investitionsprüfung und ist für Anfang 2027 geplant. Im Mai 2026 kündigte der kanadische Rohstoffkonzern Mkango an, das Magnetrecycling Remloy in Bitterfeld für 8 Millionen Euro vom Hanauer Technologiekonzern Heraeus zu kaufen.

Zwischen politischem Anspruch und Realität klafft damit eine Lücke. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass Chinas Anteil an der Raffination von 85 Prozent im Jahr 2025 bis 2035 nur auf rund 70 Prozent sinkt, und das auch nur, falls alle geplanten Projekte tatsächlich entstehen. Während Washington sich an Unternehmen beteiligt und Preise garantiert, wandern die verbliebenen deutschen Magnetbetriebe an ausländische Eigentümer.

Auf den Punkt

In den USA bezahlt der Staat Beteiligung, Mindestpreis und Abnahme gleichzeitig, Europa setzt vor allem Quoten. Die Hanauer Vacuumschmelze und das Bitterfelder Remloy-Recycling sollen beide an Käufer aus Nordamerika gehen.

Wie kommen wir von leichten Seltenen Erden los?

Elektromotor und orangefarbene Kiste voll runder Metallstücke auf weißem Hintergrund
Recycling steht am Anfang: Das Werk in Bitterfeld verarbeitet bis zu 500 Tonnen Magnetlegierung im Jahr.

Ganz los kommt die Industrie von Neodym und Praseodym in den nächsten Jahren nicht, wohl aber von der Abhängigkeit von einem einzigen Lieferland. Die schnellsten Fortschritte machen neue Magnetwerke außerhalb Chinas, am weitesten zurück liegt das Recycling.

Im Verkehr existieren Motoren ohne Seltene Erden längst. Fremderregte Synchronmotoren erzeugen ihr Magnetfeld mit Strom in Kupferwicklungen, Asynchronmotoren kommen ganz ohne Dauermagnet aus. Beide Bauarten kosten aber Effizienz, Bauraum oder Gewicht, und kurzfristig bieten neue Antriebe nach Einschätzung von CLEPA keine Lösung.

Bei der Stromerzeugung ist der Weg ähnlich. Windturbinen mit Getriebe brauchen deutlich kleinere Magnete als Anlagen mit Direktantrieb, haben dafür mehr bewegliche Teile und mehr Wartungsaufwand. Für Chemie und Industrie stellt sich die Frage nicht: Lanthan für Raffineriekatalysatoren und Cer für Abgasreinigung und Glaspolitur fallen bei jeder Neodym-Förderung ohnehin in großen Mengen mit an.

Am schnellsten wächst die Magnetfertigung außerhalb Chinas. Narva liefert bis zu 2.000 Tonnen im Jahr, Vacuumschmelze in South Carolina rund 2.000 Tonnen, MP Materials plant ab 2028 ein Werk mit 10.000 Tonnen, und Evolution Metals strebt in Südkorea mehr als 10.000 Tonnen an. Den Takt gibt die US-Rüstungsbeschaffung vor, die ab Januar 2027 keine Magnete chinesischen Ursprungs mehr akzeptiert, und dieser Abnehmer zahlt auch höhere Preise.

WerkBetreiberKapazitätStand
Narva, EstlandNeo Performance Materialsbis zu 2.000 t im Jahrin Betrieb seit September 2025
Sumter, South CarolinaeVAC Magnetics, Vacuumschmelzerund 2.000 t im JahrProduktion seit 2025, Eröffnungsfeier im Juli 2026
Fort Worth, TexasMP Materialskeine AngabeMagnete seit Dezember 2025, Kundenfreigabe läuft
Neues Werk, Standort offenMP Materialsrund 10.000 t im JahrInbetriebnahme ab 2028 geplant
Pohang, SüdkoreaEvolution MetalsZiel mehr als 10.000 t im JahrEröffnung am 17. Dezember 2026 geplant
Neue Magnetwerke außerhalb Chinas. Quellen: Neo Performance Materials, Vacuumschmelze, MP Materials, Evolution Metals

Das Recycling hinkt hinterher. Der US Geological Survey meldet nur begrenzte Mengen, die aus Batterien, Magneten und Leuchtstofflampen zurückgewonnen werden, und das Werk in Bitterfeld kommt auf 500 Tonnen Magnetlegierung im Jahr. Der Critical Raw Materials Act verlangt bis 2030 einen Recyclinganteil von 25 Prozent an den strategischen Rohstoffen, für Seltene Erden ist das nach heutigem Stand nicht erreichbar.

Die Unabhängigkeit hat einen Preis, und das Pentagon hat ihn beziffert. Der garantierte Mindestpreis von rund 98 Euro je Kilogramm Neodym-Praseodym lag im August um rund 13 Euro über dem Marktpreis außerhalb Chinas. Diesen Aufschlag zahlen die US-Steuerzahler für eine Lieferkette, die im Krisenfall nicht von Peking abhängt.

Die Internationale Energieagentur rechnet bis 2035 nur mit einem Rückgang des chinesischen Raffinationsanteils auf rund 70 Prozent. Am längsten wird die Abhängigkeit nach unserer Einschätzung bei den kleinen Magneten in Lautsprechern, Stellmotoren und Haushaltsgeräten dauern, weil dort kein Rüstungskunde einen Mindestpreis bezahlt und jeder Cent über den Zuschlag entscheidet.

Auf den Punkt
  • Am schnellsten: neue Magnetwerke in Estland, den USA und Südkorea mit Rüstungskunden im Rücken
  • Am langsamsten: Recycling, bisher nur in kleinen Mengen wie 500 Tonnen Legierung in Bitterfeld
  • Preis der Unabhängigkeit: rund 13 Euro je Kilogramm über dem Markt, gemessen am Pentagon-Mindestpreis

Was bedeutet die verlängerte Atempause für Deutschland?

Stapel weißer Kartons mit orangen Aufklebern: „VORRAT“ und „Nur gucken, nicht anfassen“
Ein Lagerbestand über den 10. Januar 2027 hinaus kostet weniger als ein stehendes Band.

Für Deutschland bedeutet die Verlängerung bis zum 10. Januar 2027 zwei zusätzliche Monate Planungssicherheit, mehr nicht. Die Lizenzpflicht vom April 2025 gilt weiter, und für fertige Magnete aus Neodym und Praseodym hat die deutsche Industrie nur wenige Alternativen zu China.

Der Aufhänger dieser Stoffgeschichte ist eine Verhandlung, an der kein Europäer teilnahm. Am 25. September 2026 verständigten sich Scott Bessent und He Lifeng darauf, den Handelsfrieden zwischen den USA und China um zwei Monate zu verlängern, und mit ihm die Aussetzung der chinesischen Exportkontrollen vom Oktober 2025. Ob Peking die Frist danach erneut verschiebt, entscheidet sich in Gesprächen mit Washington, nicht mit Brüssel oder Berlin.

Für Verbraucher ändert sich kurzfristig wenig. Der Wert der Seltenen Erden in einem Elektroauto oder einem Paar Kopfhörer ist gemessen am Kaufpreis gering, die Gefahr liegt in der Verfügbarkeit. Steht ein Zulieferer ohne Magnete da, verschiebt sich die Auslieferung des Autos, und Produktionsstopps dieser Art erlebten europäische Zulieferer im Frühjahr 2025.

Für Unternehmen ist die Lage ernster. Deutschland importierte 2025 Seltene Erden für 77,6 Millionen Euro, bezieht die fertigen Magnete aber über Zulieferketten, die das Statistische Bundesamt nicht als Seltene Erden erfasst. Zulieferer von US-Rüstungskunden brauchen ab dem 1. Januar 2027 Magnete ohne chinesischen Ursprung, und die großen Alternativen in Europa heißen Neo in Narva und Vacuumschmelze mit Werken in Hanau, Finnland und der Slowakei.

Die Politik reagiert vor allem mit Genehmigungen. Das Sächsische Oberbergamt erteilte im August 2026 dem Münchner Start-up Hades die erste Erkundungserlaubnis für das Vorkommen Storkwitz bei Delitzsch, auf 28 Quadratkilometern werden rund 38.000 Tonnen Seltenerdoxid und 8.000 Tonnen Niob vermutet. Bis daraus Förderung wird, vergehen erfahrungsgemäß viele Jahre, und der Verkauf der Vacuumschmelze an Energy Fuels muss noch die Investitionsprüfung passieren.

SzenarioAnnahmeFolge für deutsche Betriebe
OptimistischWashington und Peking verlängern den Handelsfrieden über den 10. Januar 2027 hinaus, die Werke in Fort Worth, Narva und Sumter liefern verlässlichZweitquellen werden bezahlbar, die Lagerhaltung kann sinken
RealistischDie Frist wird in kurzen Schritten verlängert, die Lizenzpflicht vom April 2025 bleibtNeodym-Praseodym pendelt um 95 bis 100 Euro je Kilogramm, Planung bleibt kurzatmig
PessimistischDie Gespräche scheitern, die Regeln vom Oktober 2025 treten in KraftFertigungslinien stehen still wie im Frühjahr 2025
Drei Szenarien für die kommenden Monate. Einschätzung der Redaktion auf Basis von MercoPress, US Geological Survey, CLEPA und Shanghai Metals Market

Unternehmen sollten die Atempause nutzen, statt auf die nächste Verlängerung zu warten. Konkret heißt das, die eigenen Stücklisten nach Neodym-Magneten zu durchsuchen, Zulieferer nach dem Ursprung ihrer Magnete zu fragen und für kritische Teile eine zweite Bezugsquelle außerhalb Chinas zu qualifizieren, auch wenn sie teurer ist. Ein Lagerbestand, der über den 10. Januar 2027 hinausreicht, kostet weniger als ein stehendes Band.

Unsere Einschätzung fällt deutlich aus: Europa ist bei den leichten Seltenen Erden erpressbarer, als die Importstatistik nahelegt, weil die Abhängigkeit in den fertigen Magneten steckt. Die verlängerte Frist bis Januar ist ein Geschenk aus einer Verhandlung, die andere geführt haben, und bezahlt hat Europa dafür nichts. Die nächste Verlängerung könnte teurer werden.

Auf den Punkt
  • Frist: Die Aussetzung der Oktober-Regeln hängt am Handelsfrieden bis 10. Januar 2027
  • Engpass: fertige Magnete, nicht Rohstoffe, mit 98 Prozent China-Anteil in der EU
  • Hausaufgabe: Stücklisten prüfen, Zweitquelle qualifizieren, Lager über Januar hinaus anlegen

Glossar: 15 wichtige Fachbegriffe zu leichten Seltenen Erden

Aufgeschlagenes Buch, beschrifteter Stein und Lesezeichen mit QR-Code
Das Glossar erklärt 15 Fachbegriffe von Asynchronmotor bis Preisgarantie.

Asynchronmotor

Asynchronmotoren erzeugen das Magnetfeld im Rotor allein durch Induktion und kommen ohne Dauermagnete aus. Für Autobauer sind sie eine Ausweichlösung bei knappen Seltenen Erden, arbeiten aber meist weniger effizient als Motoren mit Neodym-Magneten.

Bastnäsit

Bastnäsit ist ein Fluorkarbonat-Mineral und das wichtigste Erz der leichten Seltenen Erden. Mountain Pass in Kalifornien und Bayan Obo in der Inneren Mongolei fördern das Mineral. Im Konzentrat aus Mountain Pass entfällt rund die Hälfte des Seltenerdoxids auf Cer.

Ceriterden

Ceriterden ist die historische Bezeichnung für die leichten Seltenen Erden, benannt nach dem Mineral Cerit, aus dem schwedische Chemiker das Cer gewannen. Das Gegenstück hieß Yttererden. Die Einteilung lebt in der heutigen Unterscheidung zwischen leichten und schweren Seltenen Erden fort.

Critical Raw Materials Act (CRMA)

Der Critical Raw Materials Act ist die EU-Verordnung über kritische Rohstoffe. Bis 2030 sollen 10 Prozent des Bedarfs an strategischen Rohstoffen aus eigener Förderung, 40 Prozent aus eigener Verarbeitung und 25 Prozent aus Recycling stammen, kein Drittland soll mehr als 65 Prozent liefern.

DFARS

DFARS steht für Defense Federal Acquisition Regulation Supplement, die Beschaffungsregeln des US-Verteidigungsministeriums. Ab dem 1. Januar 2027 schließen sie Magnete chinesischen Ursprungs aus qualifizierten Rüstungssystemen aus. Zulieferer von US-Rüstungskunden brauchen deshalb Magnete aus anderen Quellen.

Didym

Didym, griechisch für Zwilling, hielt Carl Gustaf Mosander 1839 für ein eigenes Element. Carl Auer von Welsbach zerlegte das vermeintliche Element 1885 in Praseodym und Neodym. Als Didymglas lebt der Name in Schutzbrillen für Schweißer weiter, die das grelle Natriumlicht filtern.

Ferritmagnet

Ferritmagnete bestehen aus Eisenoxid und Barium- oder Strontiumverbindungen und enthalten keine Seltenen Erden. Diese Magnete sind billig und weit verbreitet, für dieselbe Magnetkraft aber deutlich größer und schwerer als ein Neodym-Magnet.

Fremderregter Synchronmotor

Fremderregte Synchronmotoren erzeugen ihr Rotormagnetfeld mit Strom in Kupferwicklungen statt mit Dauermagneten. Diese Motoren kommen ohne Seltene Erden aus und gelten als wichtigste Alternative für Elektroautos, brauchen aber eine Stromübertragung auf den drehenden Rotor.

Karbonatit

Karbonatit ist ein seltenes magmatisches Gestein, das überwiegend aus Karbonatmineralen besteht. In solchen Gesteinen reichern sich leichte Seltene Erden besonders stark an. Mountain Pass zählt zu den bekanntesten Lagerstätten dieser Art.

Lanthanoide

Lanthanoide sind die 15 chemischen Elemente vom Lanthan bis zum Lutetium. Zusammen mit Scandium und Yttrium bilden sie die 17 Seltenen Erden. Die leichten Seltenen Erden stehen am Anfang dieser Reihe.

Mischmetall

Mischmetall ist eine Legierung aus mehreren Seltenen Erden, typischerweise rund 65 Prozent Cer und 35 Prozent Lanthan. Mit Eisen legiert entsteht daraus der Zündstein im Reibradfeuerzeug. Der US Geological Survey führt Mischmetall mit eigener Preisreihe.

Monazit

Monazit ist ein Phosphatmineral, das leichte Seltene Erden und Thorium enthält. Das Mineral fällt häufig in Schwermineralsanden an, etwa im Südosten der USA. Wegen des Thoriums erfordert die Aufbereitung einen sicheren Umgang mit radioaktiven Rückständen.

Neodym-Eisen-Bor-Magnet (NdFeB)

Neodym-Eisen-Bor-Magnete sind die stärksten Dauermagnete, die sich in Serie fertigen lassen. Masato Sagawa und John Croat stellten sie 1983 vor. Heute machen sie rund 95 Prozent aller Dauermagnete aus und stecken in Elektromotoren, Windturbinen und Lautsprechern.

NdPr-Oxid

NdPr-Oxid ist ein Gemisch aus Neodym- und Praseodymoxid, das Trennanlagen gemeinsam gewinnen, weil beide Elemente in Magneten ähnliche Aufgaben übernehmen. Das Oxid ist der wichtigste Preismaßstab des Markts und kostete im September 2026 in China rund 98 Euro je Kilogramm.

Preisgarantie

Eine Preisgarantie sichert einem Produzenten einen Mindestpreis zu, unabhängig vom Markt. Das Pentagon garantiert MP Materials seit Juli 2025 für zehn Jahre umgerechnet rund 98 Euro je Kilogramm NdPr-Oxid und gleicht die Differenz zum Marktpreis aus.

FAQ: Wie erpressbar machen leichte Seltene Erden Europa?

Sanduhr mit orangefarbenem Sand, Metallrahmen, FAQ-Anhänger und Zitat auf hellem Grund
Häufige Fragen zu leichten Seltenen Erden: Definition, Neodym, Vorkommen in Deutschland, Recycling und Preise.

Was sind leichte Seltene Erden?

Leichte Seltene Erden sind die vorderen Lanthanoide, vor allem Lanthan, Cer, Praseodym und Neodym. Je nach Definition zählen auch Samarium, Europium und Gadolinium dazu. Zusammen stellen diese Elemente in den meisten Lagerstätten den Großteil der Seltenen Erden, wirtschaftlich am wichtigsten sind Neodym und Praseodym für Dauermagnete.

Wofür braucht man Neodym?

Neodym braucht man vor allem für Neodym-Eisen-Bor-Magnete, die stärksten serienmäßig gefertigten Dauermagnete. Diese Magnete stecken in Fahrmotoren von Elektroautos, in Windturbinen mit Direktantrieb, in Lautsprechern, Kopfhörern und vielen kleinen Stellmotoren. Rund 95 Prozent aller Dauermagnete sind heute Neodym-Magnete.

Wo kommen Seltene Erden in Deutschland vor?

Das bekannteste deutsche Vorkommen liegt bei Storkwitz in der Nähe von Delitzsch in Sachsen. Dort werden rund 38.000 Tonnen Seltenerdoxid vermutet. Im August 2026 erhielt das Münchner Start-up Hades die erste Erkundungserlaubnis, eine Förderung ist noch nicht absehbar.

Kann man Seltene Erden recyceln?

Seltene Erden lassen sich recyceln, bisher geschieht das aber nur in kleinen Mengen. Der US Geological Survey meldet begrenzte Rückgewinnung aus Batterien, Magneten und Leuchtstofflampen. In Bitterfeld verarbeitet das Werk Remloy alte Magnete zu bis zu 500 Tonnen Legierung im Jahr.

Warum heißen Seltene Erden selten?

Seltene Erden heißen selten, weil abbauwürdige Konzentrationen selten sind, nicht die Elemente selbst. Cer kommt in der Erdkruste häufiger vor als Zinn oder Blei. Der Name stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert, als Chemiker die Oxide aus wenigen schwedischen Mineralen gewannen.

Wie teuer ist Neodym?

Neodym-Praseodym-Oxid kostete im chinesischen Inlandsmarkt Ende September 2026 umgerechnet rund 98 Euro je Kilogramm, das Metall rund 119 Euro. Außerhalb Chinas lag der Preis laut Benchmark im August bei rund 84 Euro je Kilogramm. Cer und Lanthan kosten dagegen nur ein bis zwei Euro.

Quellen

MercoPress | Trump and Xi end the state visit with the trade truce extended and no substantive deals (25.09.2026) | https://en.mercopress.com/2026/09/25/trump-and-xi-end-the-state-visit-with-the-trade-truce-extended-and-no-substantive-deals | besucht am 07.10.2026

U.S. Geological Survey | Mineral Commodity Summaries 2026: Rare Earths | https://pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2026/mcs2026-rare-earths.pdf | besucht am 07.10.2026

Internationale Energieagentur | Rare earth elements, Executive summary | https://www.iea.org/reports/rare-earth-elements/executive-summary | besucht am 07.10.2026

Internationale Energieagentur | Supply concentration, export restrictions and declining investment put critical mineral security at risk (16.07.2026) | https://iea.org/news/supply-concentration-export-restrictions-and-declining-investment-put-critical-mineral-security-at-risk | besucht am 07.10.2026

Shanghai Metals Market | Pr-Nd edges up with few firm orders, medium-heavy rare earth generally weak: SMM Rare Earth Weekly Review (24.09.2026) | https://news.metal.com/newscontent/104133944-pr-nd-edges-up-with-few-firm-orders-medium-heavy-rare-earth-generally-weak-smm-rare-earth-weekly-review | besucht am 07.10.2026

Benchmark Mineral Intelligence | Ex-China NdPr prices slip below price floor as oversupply builds (21.08.2026) | https://source.benchmarkminerals.com/article/ex-china-ndpr-prices-slip-below-110-kg-price-floor-as-oversupply-builds | besucht am 07.10.2026

MP Materials | Form 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (Verteilung des Seltenerdoxids im Konzentrat) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1801368/000180136826000008/mp-20251231.htm | besucht am 07.10.2026

MP Materials | MP Materials Reports Second Quarter 2026 Results | https://mpmaterials.com/news/mp-materials-reports-second-quarter-2026-results | besucht am 07.10.2026

MP Materials | MP Materials Announces Transformational Public-Private Partnership with the Department of Defense (10.07.2025) | https://investors.mpmaterials.com/investor-news/news-details/2025/MP-Materials-Announces-Transformational-Public-Private-Partnership-with-the-Department-of-Defense-to-Accelerate-U-S–Rare-Earth-Magnet-Independence/default.aspx | besucht am 07.10.2026

24/7 Wall St. | MP Materials is about to deliver GM’s first rare earth magnets not made in China (05.10.2026) | https://247wallst.com/investing/2026/10/05/the-pentagon-bet-400-million-that-one-u-s-company-could-break-chinas-rare-earth-monopoly-mp-materials-is-about-to-deliver-gms-first-rare-earth-magnets-not-made-in-china/ | besucht am 07.10.2026

TipRanks | Evolution Metals unveils major rare earth magnet facility (05.10.2026) | https://tipranks.com/news/company-announcements/evolution-metals-unveils-major-rare-earth-magnet-facility | besucht am 07.10.2026

CLEPA | Urgent action needed as China’s export restrictions on rare earths disrupt European automotive supply chains (04.06.2025) | https://www.clepa.eu/wp-content/uploads/2025/06/Statement_export-restrictions-by-China-rare-earths_PR_June-2025-CLEPA.pdf | besucht am 07.10.2026

Brussels Institute for Geopolitics | Rare earth elements (12.11.2025) | https://www.big-europe.eu/publications/2025-11-12-rare-earth-elements | besucht am 07.10.2026

Berliner Zeitung | Importabhängigkeit von China bei Seltenen Erden sinkt leicht, doch EU-Ziele sind noch in weiter Ferne (Daten des Statistischen Bundesamts, 15.04.2026) | https://www.berliner-zeitung.de/news/importabhaengigkeit-von-china-bei-seltenen-erden-sinkt-leicht-doch-eu-ziele-sind-noch-in-weiter-ferne-li.10030671 | besucht am 07.10.2026

International Magnesium Association | China August rare earths exports stay below year-to-date monthly average (09.09.2026) | https://ima-api.org/china-august-rare-earths-exports-stay-below-year-to-date-monthly-average/ | besucht am 07.10.2026

Auto Motor und Sport | Seltene Erden: Estland eröffnet erste Magnetfabrik Europas (22.09.2025) | https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/seltene-erden-estland-eroeffnet-erste-magnetfabrik-europas/ | besucht am 07.10.2026

Vacuumschmelze | eVAC Magnetics Holds Opening Ceremony for Sumter, South Carolina Rare-Earth Magnet Manufacturing Facility (16.07.2026) | https://vacuumschmelze.com/02_Pressreleases/2026/2026-07-16_Opening%20Ceremony%20Sumter.pdf | besucht am 07.10.2026

Bloomberg Law | US Miner Buys Rare-Earth Magnet Maker VAC (06/2026) | https://news.bloomberglaw.com/mergers-and-acquisitions/us-miner-buys-rare-earth-magnet-maker-vac-for-1-9-billion-1 | besucht am 07.10.2026

MarketScreener | Mkango acquires Heraeus Amloy unit for EUR8 million (20.05.2026) | https://www.marketscreener.com/news/mkango-acquires-heraeus-amloy-unit-for-eur8-million-ce7f5ad9dc8df324 | besucht am 07.10.2026

Shanghai Metals Market | Solvay invests €20m in rare earth separation at French plant (30.07.2026) | https://news.metal.com/en/newscontent/104033813-solvay-invests-%E2%82%AC20m-in-rare-earth-separation-at-french-plant-aims-for-autumn-production-start | besucht am 07.10.2026

Börse Express | VanEck Seltene Erden ETF: Storkwitz-Erlaubnis erteilt (05.08.2026) | https://www.boerse-express.com/news/articles/vaneck-seltene-erden-etf-storkwitz-erlaubnis-erteilt-etf-springt-935665 | besucht am 07.10.2026

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Thunder Said Energy | Electric vehicles: motors and magnets | https://thundersaidenergy.com/downloads/electric-vehicles-motors-and-magnets/ | besucht am 07.10.2026

Popular Science (nach Reuters) | Your Hybrid Car Is Hogging All the Rare Earth Metals (09/2009) | https://www.popsci.com/cars/article/2009-09/your-prius-hogging-all-rare-metals | besucht am 07.10.2026

Europäische Zentralbank | Euro-Referenzkurse vom 06.10.2026 (1 Euro = 1,1269 US-Dollar = 7,5554 Yuan) | https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/euro_reference_exchange_rates/ | besucht am 07.10.2026

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