Das Deutschlandnetz hat an der Autobahn Halbzeit: 100 von 200 geplanten Schnellladeparks auf Rastplätzen ohne Tankstelle sind in Betrieb. Fertig sollte das Netz Ende 2026 sein, beim bisherigen Bautempo zieht sich die zweite Hälfte bis 2028. An den großen Raststätten muss der Bund das Schnellladen nach einem Gerichtsbeschluss erst ausschreiben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm Parkplatz Räthisgraben an der A81 in Fahrtrichtung Stuttgart eröffnete Bundesverkehrsminister Steffen Bilger am 28. September den 100. Autobahn-Ladepark des Deutschlandnetzes. Sechs Ladepunkte liefern dort bis zu 400 Kilowatt, Betreiber ist E.ON Drive Infrastructure. Laut Autobahn GmbH lädt ein Mittelklassewagen in zehn Minuten Strom für 300 bis 500 Kilometer.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- 100 von 200 Deutschlandnetz-Ladeparks an unbewirtschafteten Autobahnrastplätzen sind in Betrieb, der jüngste an der A81.
- Beim bisherigen Tempo von gut sechs Eröffnungen im Monat dauert der Rest bis 2028.
- An Raststätten mit Tankstelle muss die Autobahn GmbH Schnellladesäulen nach einem Beschluss des OLG Düsseldorf ausschreiben.
- Für E-Lkw bereitet die Autobahn GmbH eine Ausschreibung an rund 230 Raststätten vor.
Wie weit ist das Deutschlandnetz an der Autobahn?

Mit dem Deutschlandnetz lässt das Bundesverkehrsministerium rund 9.000 zusätzliche Schnellladepunkte bauen: an etwa 900 Standorten in Städten und auf dem Land sowie an 200 Parkplätzen mit WC-Anlage entlang der Autobahnen.[1] Der Bund investiert dafür rund 2,3 Milliarden Euro.[2] An der Autobahn bauen und betreiben neben E.ON auch Autostrom Nord, Fastned und TotalEnergies die Ladeparks.
„Mit jedem neuen Standort schaffen wir Vertrauen in die Elektromobilität“, sagte Bilger bei der Eröffnung. E.ON-Geschäftsführer Timo Sillober verwies auf mehr als zwei Millionen zugelassene Elektroautos in Deutschland, deren Anteil an den Neuzulassungen derzeit über 30 Prozent liege.[1]
Warum dauert die zweite Hälfte länger?
Anfang Oktober 2025 meldete die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur 25 Autobahnstandorte in Betrieb und 58 im Bau. Das Netz sollte bis Ende 2026 „weitgehend vollständig“ sein.[2] Seitdem gingen in knapp zwölf Monaten 75 Ladeparks ans Netz. Hält dieses Bautempo, brauchen die übrigen 100 Standorte rund 16 Monate, also bis ins Frühjahr 2028.
Aufwendig ist vor allem der Netzanschluss. Drei Ladesäulen mit je 400 Kilowatt ziehen zusammen bis zu 1,2 Megawatt, so viel Leistung lag an einem Parkplatz mit WC-Anlage bislang nicht an. Jeder Standort braucht deshalb in der Regel einen eigenen Trafo und einen Anschluss ans Mittelspannungsnetz. Die EU-Verordnung AFIR verlangt seit Ende 2025 im transeuropäischen Kernnetz alle 60 Kilometer je Fahrtrichtung einen Ladepark mit mindestens 400 Kilowatt Gesamtleistung, ab Ende 2027 mit 600 Kilowatt.[3]
Was ändert sich an den großen Raststätten?
Tank & Rast und die Ostdeutsche Autobahntankstellen GmbH betreiben die meisten Raststätten mit Tankstelle und Restaurant. Deren Konzessionen hatte die Autobahn GmbH im April 2022 ohne Ausschreibung um Schnellladesäulen erweitert. Fastned klagte, und das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied am 6. März 2026 rechtskräftig: Das Recht, eine Tankstelle zu betreiben, umfasst keine Ladesäulen. Für Schnellladen an diesen Standorten braucht die Autobahn GmbH nun ein Vergabeverfahren.[4]
Für E-Lkw läuft die Vorbereitung bereits: An voraussichtlich rund 230 Raststätten sollen Ladeplätze für schwere Nutzfahrzeuge entstehen, als Teil eines Netzes mit 4.200 Ladepunkten an rund 350 Rastanlagen.[5] Der erste Scania-E-Lkw mit Megawatt-Laden fährt seit Kurzem bei einer deutschen Spedition. Den Bedarf in Europa beziffert der Herstellerverband ACEA bis 2030 auf 40.000 bis 50.000 Ladepunkte für Lkw.
Hundert Ladeparks an Parkplätzen mit WC-Häuschen sind ein Fortschritt, den Engpass für Pendler und Urlauber entschärfen sie nicht. Familien halten an der Raststätte mit Kaffee und Restaurant, und dort bringt erst der Düsseldorfer Beschluss den Wettbewerb.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Flotten und Dienstwagen?
Fuhrparkleiter sollten die Deutschlandnetz-Standorte in die Routenplanung übernehmen, gerade auf Strecken wie der A81. Weil die neuen Säulen Debit- und Kreditkarten annehmen,[1] lohnt der Preisvergleich mit den eigenen Ladetarifen. Im zweiten Quartal 2026 entfielen gut 27 Prozent aller Schnellladevorgänge in Deutschland auf den Marktführer EnBW; neue Betreiber an den Raststätten dürften diesen Vorsprung verkleinern. Wie weit ein Dienstwagen im Winter zwischen zwei Ladeparks kommt, zeigt der Reichweiten-Rechner.
Quellen
[1] Autobahn GmbH des Bundes: „Bundesverkehrsminister Bilger eröffnet 100. Autobahn-Schnellladepark auf A81“ (28. September 2026)
[2] Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur: „Deutschlandnetz: 100. Regionalstandort eröffnet“ (2. Oktober 2025)
[3] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2023/1804 über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR)“ (13. September 2023)
[4] Justiz NRW: „Oberlandesgericht Düsseldorf: Vereinbarung über Schnellladesäulen an bewirtschafteten Autobahnraststätten vergaberechtlich unzulässig“ (6. März 2026)
[5] Autobahn GmbH des Bundes: „Lkw-Schnellladenetz: Vorbereitung des Vergabeverfahrens für Ladeinfrastruktur auf bewirtschafteten Rastanlagen“ (18. September 2026)
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