Der BWRX-300 von GE Vernova Hitachi darf in den USA erstmals gebaut werden: Die US-Atomaufsicht NRC erteilte der Tennessee Valley Authority (TVA) am 29. September die Baugenehmigung für einen solchen Kleinreaktor mit 300 Megawatt am Standort Clinch River in Oak Ridge, Tennessee.[1] Den Betrieb deckt die Genehmigung noch nicht ab.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie NRC spricht vom ersten kommerziellen Small Modular Reactor (SMR) der USA. Was ein solcher Erstling kostet, zeigt das kanadische Schwesterprojekt in Darlington: Dort veranschlagt die kanadische Regierung für den ersten Block samt gemeinsam genutzter Anlagen umgerechnet rund 4,8 Mrd. €.
Das Wichtigste in Kürze
- Die NRC prüfte den Bauantrag der TVA in 14 Monaten und war damit vier Monate schneller als geplant.
- Vor dem Beladen mit Brennstoff braucht die TVA eine separate Betriebslizenz.
- Das US-Energieministerium unterstützt das Projekt mit 348 Mio. €.
- Der baugleiche erste Block in Kanada kostet rund 4,8 Mrd. € und soll Ende 2030 ans Netz gehen.
Was hat die NRC in Clinch River genehmigt?

Die NRC begann die formale Prüfung im Juli 2025, schloss die Sicherheitsbewertung im Juni 2026 ab und hielt im August eine öffentliche Anhörung in Oak Ridge ab.[1] „Vier Monate vor dem Zeitplan: So sieht die neue NRC aus“, sagte der NRC-Vorsitzende Ho K. Nieh. Den Boden bereitete eine Standortgenehmigung, die die TVA für Clinch River bereits 2019 erhalten hatte. Im Dezember 2025 sagte das US-Energieministerium dem Projekt umgerechnet rund 348 Mio. € zu.[2]
Der BWRX-300 ist ein Siedewasserreaktor mit 300 Megawatt elektrischer Leistung. GE Vernova Hitachi setzt nach eigener Darstellung auf eine vereinfachte Bauweise und auf Jahrzehnte an Betriebserfahrung mit Siedewasserreaktoren.[3] In Texas reichte das Unternehmen Blue Energy im September den ersten Teil eines weiteren Bauantrags ein; dort soll ein BWRX-300 neben einem Gaskraftwerk laufen.
Warum kostet der erste Kleinreaktor so viel?
Kleine Reaktoren sollen ihren Kostennachteil gegenüber Großkraftwerken über die Serie ausgleichen: Jeder weitere Block nutzt dieselben Bauteile und dieselben Genehmigungsunterlagen. „Der Einsatz in Flotten ist entscheidend, um die Kernenergie in den USA zu skalieren“, sagte Jason Cooper, Chef von GE Vernova Hitachi Nuclear Energy.[3] Ein Großkraftwerk verteilt seine Fixkosten auf viel Leistung, das SMR-Konzept baut dagegen auf Stückzahlen.
Wie teuer der Erstling vor jedem Serieneffekt ausfällt, zeigt Darlington. Die kanadische Regierung beziffert den ersten BWRX-300 von Ontario Power Generation samt gemeinsamer Infrastruktur auf umgerechnet rund 4,8 Mrd. €.[4] Alle vier geplanten Blöcke sollen zusammen knapp 13 Mrd. € kosten. Der Erstling kostet damit rechnerisch knapp 50 % mehr als der Durchschnitt der Serie. Insgesamt plant Kanada bis 2040 bis zu zehn neue Reaktoren.
Für Clinch River nennen weder die NRC noch GE Vernova in ihren Mitteilungen Baukosten. Das kanadische Budget bleibt deshalb der beste verfügbare Anhaltspunkt, zumal beide Betreiber denselben Reaktortyp bauen.
Wo der BWRX-300 entsteht
| Standort | Betreiber | Stand |
|---|---|---|
| Darlington, Kanada | Ontario Power Generation | im Bau, Betrieb bis Ende 2030 geplant |
| Clinch River, USA | Tennessee Valley Authority | Baugenehmigung seit 29.09.2026 |
| Texas, USA | Blue Energy | erster Teil des Bauantrags im September 2026 eingereicht |
| Włocławek, Polen | Orlen Synthos Green Energy | mindestens zwei Blöcke bis 2035 geplant |
Was bedeutet der Kleinreaktor für Unternehmen in Deutschland?
In Deutschland endete die kommerzielle Nutzung der Kernkraft am 15. April 2023 mit der Abschaltung von Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2.[5] Mehrere europäische Staaten vollziehen dagegen einen Kurswechsel. Die Schweiz hob im Juni das Neubauverbot für Atomkraftwerke auf, Italiens Senat stimmte im September für die Rückkehr zur Atomkraft. In Polen plant Orlen Synthos Green Energy in Włocławek mindestens zwei BWRX-300 mit zusammen 0,6 Gigawatt bis 2035.[6]
Clinch River zeigt, dass eine Atomaufsicht schneller entscheiden kann. Ob Kleinreaktoren billiger werden, beantwortet erst der dritte oder vierte Block, nicht der erste.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der erste BWRX-300 soll Ende 2030 in Kanada Strom liefern, die polnischen Blöcke bis 2035. Für die Energieplanung deutscher Unternehmen folgen daraus vier Punkte:
- Planen Sie Ihren Strombezug bis 2030 ohne neue Kernkraft. Schneller verfügbar sind Speicher, wie EnBW sie am alten Atomstandort Philippsburg baut.
- Verfolgen Sie Darlington als Kostenmaßstab: Die Inbetriebnahme Ende 2030 zeigt, ob das kanadische Budget hält.
- Sichern Sie als Betreiber eines Rechenzentrums oder eines energieintensiven Werks den Netzanschluss früh, denn der Strombedarf der KI treibt die Nachfrage nach Grundlaststrom.
- Beobachten Sie Polen: Das Projekt in Włocławek zeigt, wie ein EU-Staat den Reaktortyp genehmigt.
Welche Rohstofffragen hinter der Kernkraft stehen, zeigt unser Dossier zu Uran. Wo die großen Stromverbraucher im Land stehen, listet unser Überblick über die größten Rechenzentren Deutschlands.
Quellen
[2] U.S. Department of Energy: „Energy Department Selects TVA and Holtec to Advance Deployment of U.S. Small Modular Reactors, Dezember 2025“
[3] GE Vernova: „NRC issues first U.S. construction permit for a BWRX-300 small modular reactor, 29. September 2026“
[4] Regierung von Kanada, Major Projects Office: „Darlington New Nuclear Project“
[5] Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE): „Der Atomausstieg in Deutschland“
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