Kanada kündigt eine nationale Atom-Renaissance an und will bis 2040 bis zu zehn neue Reaktoren bauen. Treiber sind der wachsende Strombedarf durch Elektrifizierung und KI-Rechenzentren. Während die Welt zur Kernkraft zurückkehrt, steht Deutschland mit seinem Ausstieg zunehmend allein.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKernkraft erlebt weltweit ein Comeback, und Kanada macht daraus jetzt nationale Politik. Was ist Ihre Meinung dazu? Bis 2040 sollen dort bis zu zehn neue Reaktoren entstehen, angetrieben vom Strombedarf der Elektrifizierung und der KI-Rechenzentren. Der letzte kanadische Großreaktor ging 1993 ans Netz.
Das Wichtigste in Kürze
- Bis zu 10 Reaktoren: Zwei sollen bis 2035 gebaut werden, fünf weitere bis 2040 folgen.
- Treiber: Kanada will sein Stromnetz bis 2050 verdoppeln, auch für KI-Rechenzentren.
- Über 65 Milliarden Euro: So viel könnte der Ausbau laut Regierung kosten.
- DACH: Deutschland stieg 2023 aus der Kernkraft aus, der Rest der Welt baut zu.
Warum setzt Kanada wieder auf Reaktoren?

KI-Rechenzentren und die Elektrifizierung treiben den Strombedarf so stark, dass Kanada sein Netz bis 2050 verdoppeln will. Kernkraft liefert die planbare Grundlast rund um die Uhr, die Wind und Sonne allein nicht halten. Kleine modulare Reaktoren sollen Bauzeit und Kosten senken.
Den Anfang macht ein Vorzeigeprojekt in Ontario. Am Standort Darlington baut der Versorger OPG vier kleine modulare Reaktoren mit je 300 Megawatt, der erste soll um 2030 Strom liefern. Als erstes kommerzielles Projekt dieser Art in der G7 gilt es als Blaupause für die seriell gefertigten Reaktoren der Zukunft. Energieminister Tim Hodgson sagte dazu: „Ohne Kernenergie und ihre verlässliche Grundlast gibt es keinen glaubwürdigen Plan, das Netz zu verdoppeln.“
Kanada steht damit nicht allein. Die USA holen das Kernkraftwerk Three Mile Island zurück ans Netz, Großbritannien baut Sizewell C, und 38 Staaten haben sich auf der Klimakonferenz zur Verdreifachung der Kernkraft bis 2050 verpflichtet. Tech-Konzerne wie Amazon und Google sichern sich Reaktorstrom für ihre Rechenzentren. Wie eng KI und Atomstrom zusammenhängen, zeigt unser Beitrag dazu, wie KI den Uranpreis treibt.
Was bedeutet das für Deutschland?

Deutschland ist 2023 als prominentes Gegenbeispiel aus der Kernkraft ausgestiegen, während Kanada, die USA und 38 weitere Staaten zubauen. Für große KI-Rechenzentren zählt planbare Grundlast rund um die Uhr, und genau hier entsteht ein Standortnachteil.
Die Debatte um einen Wiedereinstieg ist 2026 zurück, sachlich bleibt das Bild aber gemischt. Studien zeigen, dass der Ausstieg die Großhandelspreise nicht erhöht hat. Zugleich verbrauchen deutsche Rechenzentren bereits gut 21 Milliarden Kilowattstunden im Jahr, Tendenz steigend. Den größeren Zusammenhang ordnen unsere Analysen zum Stromverbrauch der KI und zu den größten Rechenzentren Deutschlands ein. Für Entscheider zählt vor allem die Versorgungssicherheit am Standort.
Während halb Europa neue Reaktoren plant, diskutiert Deutschland noch über den Wiedereinstieg. Für rechenintensive KI ist verlässlicher Grundlaststrom kein Luxus, sondern die Eintrittskarte.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Beziehen Sie die Energiefrage in Ihre Standortplanung ein, wenn Sie rechenintensive Systeme betreiben. Verlässliche Grundlast und stabile Preise entscheiden zunehmend darüber, wo sich Rechenleistung wirtschaftlich lohnt.