Scania hat den ersten Elektro-Lkw mit Megawatt-Ladeanschluss an einen deutschen Kunden übergeben, die Spedition B&H Logistik. Der Scania 40 S zieht an der Säule bis zu 750 Kilowatt. Den Engpass bilden nun die Autobahn-Ladeparks: Säulen mit MCS-Stecker sind in Deutschland erst im Aufbau.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBeim Megawatt-Laden für Lkw zählt eine Zahl: 45 Minuten Pause schreibt das EU-Recht nach viereinhalb Stunden Lenkzeit vor. In dieses Fenster passt nach Scania-Angaben der Ladestopp des ersten E-Lkw mit Megawatt Charging System (MCS) in Deutschland.[1] B&H Logistik setzt den Scania 40 S im Fernverkehr ein; von den elf Lkw der Spedition fahren jetzt drei elektrisch.
Das Wichtigste in Kürze
- Scania hat B&H Logistik einen Scania 40 S mit MCS-Anschluss und einem 623-Kilowattstunden-Akku übergeben.
- Der Lkw lädt mit rund 750 Kilowatt in etwa 45 Minuten von 10 auf 90 Prozent.
- Die EU-Verordnung AFIR schreibt an Fernstraßen keine MCS-Säulen vor.
Was leistet der erste MCS-Lkw bei B&H Logistik?

Im Scania 40 S stecken sieben Batteriemodule mit zusammen 623 Kilowattstunden. Mehr bietet Scania nicht an. Im Betrieb zog der Lastwagen bis zu 1.000 Ampere aus der Säule und lud mit rund 750 Kilowatt.[1] Wo der Ladestopp stattfand, verrät der Hersteller nicht.
Unterwegs lädt B&H bevorzugt in Ladeparks von Milence, am Wochenende steht der Lkw zum Laden im eigenen Depot.[1] Milence gehört Daimler Truck, Volvo und Traton, dem Mutterkonzern von Scania. MCS-fähig sind auch der eTGX von MAN mit 750 Kilowatt und der FH Aero Electric von Volvo mit 700 Kilowatt.[3]
Warum sind 45 Minuten die entscheidende Zahl?
Ein E-Lkw, der in der Pflichtpause genug Strom für die nächste Etappe nachlädt, verliert gegenüber dem Diesel keine Fahrzeit. Beim Scania 40 S fließen von 10 bis 90 Prozent knapp 500 Kilowattstunden in den Akku, über die ganze Pause gerechnet braucht der Lastwagen dafür im Schnitt gut 650 Kilowatt.
An einer klassischen CCS-Säule mit 350 Kilowatt dauert derselbe Ladevorgang rechnerisch mindestens 85 Minuten, fast die doppelte Pause. Scania wirbt deshalb mit Teilladungen: Eine Ladung von 20 auf 75 Prozent in der Lenkpause genügt nach Herstellerrechnung für die Weiterfahrt, ohne dass jede Tour den größten Akku braucht.[2]
Mit dem Scania 40 S passt der Ladestopp erstmals in die Pause, die ohnehin im Fahrtenschreiber steht. Ob sich der E-Lkw rechnet, entscheidet jetzt die Zahl der Megawatt-Säulen an der Autobahn.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wo laden E-Lkw in Deutschland mit Megawatt?
Die EU-Verordnung AFIR verpflichtet die Mitgliedstaaten, bis 2030 alle 60 Kilometer am TEN-V-Kernnetz Lkw-Ladeparks mit zusammen mindestens 3.600 Kilowatt einzurichten.[4] Der einzelne Ladepunkt muss dafür nur 350 Kilowatt schaffen, ein MCS-Anschluss ist keine Pflicht. Private Betreiber treiben deshalb den Megawatt-Ausbau voran: Milence plant rund 70 Ladeparks in Europa, E.ON und Tank & Rast bauen MCS-Säulen an deutschen Autobahnen.
Der Herstellerverband ACEA beziffert den Bedarf auf 40.000 bis 50.000 Hochleistungs-Ladepunkte bis 2030, gebaut ist davon erst ein Bruchteil. Auch die Technik reift noch: Bei den Interoperabilitätstests des Branchenverbands CharIN zeigten MCS-Stecker 2026 Mängel bei Kompatibilität und Verriegelung. Seit Juli 2026 deckt eine Ergänzung der Kommunikationsnorm ISO 15118-20 auch das Megawatt-Laden ab.[3]
Bis Ende 2025 fuhren E-Lkw mautfrei. Seit Januar 2026 zahlen Elektro-Lkw 25 Prozent des Infrastrukturanteils plus die Anteile für Lärm und Luftverschmutzung. Der Kostenvorteil gegenüber dem Diesel schrumpft damit, doch die Hersteller müssen Elektro-Lkw trotzdem in den Markt bringen: Die CO2-Flottengrenzwerte der EU verlangen bis 2030 rund 45 Prozent weniger Ausstoß als 2019.
Flottenverantwortliche sollten beim Kauf eines E-Lkw den MCS-Anschluss mitbestellen, auch falls die Stammtouren heute an keiner Megawatt-Säule vorbeiführen. Vor der Wahl der Akkugröße lohnt ein Abgleich der Pausenorte mit den Ausbauplänen von Milence und E.ON. Steht am Pausenort verlässlich eine Megawatt-Säule, kann ein Batteriemodul weniger genügen. Der Lkw nimmt dann mehr Fracht auf.
Quellen
[1] electrive.net: „Scania liefert ersten E-Lkw mit MCS in Deutschland aus“ (26. September 2026)
[2] Scania: „Scania’s new under-cab battery module and Megawatt Charging System now available for order“ (Pressemitteilung, 27. Mai 2026)
[3] electrive.net: „CharIN Testival 2026: Interoperabilität wird zur Schlüsselaufgabe“ (26. September 2026)
[4] EUR-Lex: Verordnung (EU) 2023/1804 über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR)
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