Der französische Solarstromerzeuger TSE hat Silomais unter Solarmodulen in fünf Metern Höhe angebaut und im Dürresommer 2026 mehr geerntet als auf dem offenen Feld daneben. Die Zahlen stammen aus einer Pressemitteilung des Unternehmens und aus einer einzigen Saison. Eine gleich hohe Fraunhofer-Anlage am Bodensee hatte das im Hitzesommer 2018 bei Weizen und Sellerie vorgemacht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAgri-Photovoltaik musste sich im ostfranzösischen Amance unter Extrembedingungen beweisen: Zur Maisblüte stieg das Thermometer auf der offenen Fläche über 35 Grad. Unter dem Solardach wuchsen die Pflanzen im Schnitt 200 Zentimeter hoch, auf der Kontrollfläche 160 Zentimeter, der Trockenmasseertrag lag um 19,6 % höher.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Silomais brachte unter dem TSE-Solardach in Amance 19,6 % mehr Ertrag als die Kontrollfläche.
- Im Gerstenversuch in Chadeleuf sank die Verdunstung über die Saison um 20 %.
- Die Gerste erreichte 90 bis 96 % des Kontrollertrags, Frankreich verlangt mehr als 90 %.
- In normalen Jahren kostete Schatten den Mais bei der Purdue University im Mittel 7,7 % Ertrag.
Warum gedeiht Mais unter den Modulen in der Hitze besser?

Auf der Kontrollfläche in Amance blieben zur Blüte vor allem Kolben unfruchtbar, unter dem Solardach traten die Schäden seltener auf.[1] Den Mechanismus zeigen Messungen im Gerstenversuch in Chadeleuf: An Hitzetagen war die Luft auf Pflanzenhöhe zur heißesten Stunde 4,1 Grad kühler als auf der Kontrollfläche, die Verdunstung sank um 2,15 Millimeter pro Tag.[1]
Über die Saison verdunstete unter dem Dach ein Fünftel weniger Wasser, ein Hebel, den Betriebe von der Tröpfchenbewässerung kennen.
In gewöhnlichen Jahren kehrt sich die Rechnung um. Mais braucht viel Licht, die Purdue University maß unter einer hoch aufgeständerten, nachgeführten Anlage bei 20 bis 25 % Beschattung im Mittel 7,7 % weniger Ertrag.[2] Der Schatten wirkt damit wie eine Versicherung: In milden Jahren kostet er eine Prämie, im Dürrejahr zahlt er aus.
Wie viel Ertrag darf ein Solardach kosten?
In Chadeleuf testete TSE an Wintergerste zwei Steuerungen der drehbaren Module. Bei häufigem Wechsel zwischen Stromproduktion und Pflanzenstellung erreichte die Gerste 96 % des Kontrollertrags und ein um 3 % höheres Hektolitergewicht, bei Lichtfreigabe nur in Schlüsselstadien 90 %.[1] „Diese Ergebnisse zeigen, dass Agri-PV ihren Zweck erfüllen kann: das Licht zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Stromerzeugung zu teilen, selbst unter erheblichem Wasserstress“, sagt Frédéric Imbert, Direktor für agronomische Forschung und Entwicklung bei TSE.
Das französische Energierecht erkennt eine Anlage nur als agrivoltaisch an, solange der Hektarertrag über 90 % der Kontrollfläche liegt.[3] Die sparsamere Variante landet damit genau auf der Grenze, TSE wertet beide als regelkonform.
TSE misst in Amance 19,6 % mehr Mais unter dem Solardach. Belastbar wird diese Zahl erst nach mehreren Hitzesommern.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Betriebe in Deutschland?
Den deutschen Präzedenzfall lieferte der Hitzesommer 2018. In Heggelbach am Bodensee stehen die Module des Fraunhofer ISE ebenfalls fünf Meter über dem Acker. Sellerie brachte darunter 12 % und Winterweizen 3 % mehr Ertrag als die Referenzfläche, Kleegras verlor 8 %.[4] Die Universität Hohenheim erhob dort die Mikroklimadaten. Das EEG fördert solche Anlagen gezielt und erhöht den anzulegenden Wert für Agri-PV ab 2,10 Metern lichter Höhe.[5]
Abnehmer finden sich auch im Handel: Die Drogeriekette dm bezieht seit Juli 2026 Solarstrom von einer Apfelplantage in Baden. Vor einer Investition helfen vier Prüfschritte:
- Planen Sie eine Kontrollfläche ohne Module ein, sonst bleibt jeder Mehrertrag eine Behauptung.
- Wählen Sie Kulturen nach Lichtbedarf: In Heggelbach legte Sellerie zu, Kleegras verlor.
- Rechnen Sie mit mehreren Jahren, nicht mit dem Rekordsommer.
- Regeln Sie die Modulsteuerung vertraglich. In Chadeleuf entschied die Steuerung über sechs Prozentpunkte Ertrag.
Quellen
[1] TSE: „TSE Agrivoltaics: Excellent 2026 Agronomic Results“ (17. September 2026)
[2] Purdue University, npj Sustainable Agriculture: „Multi-year study of maize under elevated tracking agrivoltaic system and simplified yield modeling“ (2026)
[3] Légifrance: Code de l’énergie, Artikel R314-114 (Dekret Nr. 2024-318 vom 8. April 2024)
[4] Fraunhofer ISE: „Agrophotovoltaik: hohe Ernteerträge im Hitzesommer“ (12. April 2019)
[5] Bundesministerium der Justiz: § 48 Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2023), Absatz 1b
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