Wer heute an der Supermarktkasse steht, zahlt für seinen Wocheneinkauf spürbar mehr als noch vor wenigen Jahren. Das ist längst kein diffuses Gefühl mehr, sondern eine der am besten dokumentierten Preisbewegungen Europas. Immer deutlicher zeigt sich: Ein wachsender Teil dieses Aufschlags hat mit dem Wetter zu tun, genauer gesagt mit einem Klima, das aus dem Takt geraten ist. Die eigentlich interessante Frage lautet deshalb nicht, ob Essen teurer wird, sondern ob dieser Trend jemals wieder umkehrbar ist.

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Die kurze Antwort: Einzelne Preissprünge kommen und gehen, der strukturelle Trend dagegen gilt in Wissenschaft und Notenbanken als weitgehend unumkehrbar. Wer verstehen will, warum das so ist, muss den Weg eines Lebensmittels vom Feld bis zur Kasse gehen und dabei allen zuhören: den Bauern, der Industrie, den Verbrauchern, den Notenbankern und ihren Kritikern.

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Auf einen Blick

Klimaflation kurz erklärt

  • Einzelne Preissprünge bei Kakao, Kaffee oder Olivenöl sind reversibel, der klimabedingte Preissockel ist es nicht.
  • Eine Studie von PIK und EZB erwartet bis 2035 eine um bis zu 3,2 Prozentpunkte höhere Lebensmittelinflation pro Jahr.
  • Die niedrigen Preise der Jahre 2000 bis 2019 kehren laut Verbraucherzentrale nicht zurück.
  • Für Entscheider heißt das: dauerhaft höhere und schwankendere Rohstoffkosten einplanen.

Ein Sockel, der bleibt

Ein gefüllter Einkaufswagen steht in einem Supermarkt-Gang vor einem Kühlregal
Kakaopreise fallen, weil die Ernte 2025 besser ausfällt als erwartet und die Dürrefolgen der Vorjahre nachlassen

Um das Phänomen zu verstehen, muss man zwei Dinge sauber trennen, die im Alltag ständig verwechselt werden. Da sind zum einen die schwankenden Ausschläge. Eine Dürre lässt eine Ernte einbrechen, der Preis schießt hoch, und fällt die nächste Ernte besser aus, entspannt sich die Lage wieder. Genau das lässt sich derzeit bei Kakao beobachten, dessen Preise sinken, weil die Ernte 2025 vergleichsweise ordentlich ausfiel. Solche Bewegungen sind Konjunktur, kein Schicksal, und damit reversibel.

Zum anderen aber gibt es den Sockel, der sich unter diesen Schwankungen langsam aufbaut, und der bleibt. Die Verbraucherzentrale formuliert es unmissverständlich: Die niedrigen Lebensmittelpreise der Jahre 2000 bis 2019 werden nicht mehr erreicht werden. Zu viele Kostentreiber wirken gleichzeitig und dauerhaft: teurere Energie, teurere Düngemittel, höhere Personalkosten durch Arbeitskräftemangel und Mindestlohn sowie immer häufigere Missernten durch Extremwetter.

Diese Unterscheidung ist mehr als akademisch, denn sie entscheidet darüber, wie man reagieren sollte. Gegen einen konjunkturellen Ausschlag hilft Abwarten. Gegen einen strukturellen Sockel hilft nur, an dessen Ursachen anzusetzen, und die liegen zu einem wachsenden Teil im Klima.

Das Ende einer Ära billiger Lebensmittel

Die beiden Jahrzehnte vor der Pandemie waren, historisch betrachtet, eine Ausnahmezeit. Globalisierte Lieferketten, stabile Energiepreise, hohe Erntemengen und ein intensiver Preiswettbewerb zwischen Discountern hielten die Kosten für Nahrung in Deutschland bemerkenswert niedrig. Der Anteil der Ausgaben für Lebensmittel am Haushaltsbudget sank über Jahre, denn Essen war, gemessen am Einkommen, so günstig wie selten zuvor.

Diese Ära ist vorbei, und mehrere Ereignisse haben sie beendet. Die Pandemie störte Lieferketten, der russische Angriff auf die Ukraine trieb ab 2022 Energie-, Dünger- und Getreidepreise in die Höhe, und über all dem lagert sich nun der Klimaeffekt ab. Das Zusammenspiel dieser Schocks hat die Preise auf ein neues Niveau gehoben, von dem sie nicht mehr vollständig zurückkehren. Selbst wenn einzelne Krisen abklingen, bleibt der aufaddierte Effekt bestehen.

Was die Zahlen sagen

Der nüchterne Blick auf die Statistik zeigt das Ausmaß. In der EU ist der Einkaufskorb seit 2019 um rund ein Drittel teurer geworden. Bemerkenswert ist dabei die Schere zur allgemeinen Teuerung. Während die Gesamtinflation im Euroraum von ihrem Höchststand von 10,6 Prozent im Oktober 2022 auf zuletzt rund 2 Prozent zurückgegangen ist, brauchte die Nahrungsmittelinflation deutlich länger, um sich zu normalisieren. Nach Spitzenwerten von über 15 Prozent lag sie im Spätsommer 2025 immer noch bei gut 3 Prozent. Selbst als die allgemeine Inflation längst wieder im grünen Bereich war, blieb das Essen ein hartnäckiger Ausreißer.

Wie unberechenbar einzelne Produkte sein können, zeigt das Beispiel Butter. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine schwankt ihr Preis extrem. Zunächst stieg er rasant, im Sommer 2023 war deutsche Markenbutter plötzlich günstiger als vor dem Krieg, kurz vor Weihnachten 2024 erreichte sie dann einen Höchstwert. Solche Zickzackkurven zeigen, wie schwer sich Klimaeffekte, Herstellungskosten und schlichtes Wechselspiel von Angebot und Nachfrage im Einzelfall auseinanderhalten lassen.

In Deutschland fällt die Bewegung zuletzt moderater aus. Laut Statistischem Bundesamt lagen die Nahrungsmittelpreise im Sommer 2026 nur wenige Zehntelprozent über dem Vorjahr, mit teureren Posten bei Fleisch, Zucker und Süßwaren, aber günstigerer Butter und günstigeren Milchprodukten. Der eigentliche Alarm kommt jedoch nicht aus der Gegenwart, sondern aus der Zukunftsprojektion.

Eine vielbeachtete Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Europäischen Zentralbank, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment, hat modelliert, wie steigende Temperaturen die Preise treiben. Das Ergebnis ist eindringlich. Allein die Erwärmung könnte die Lebensmittelinflation bis 2035 um bis zu 3,2 Prozentpunkte pro Jahr erhöhen, die Gesamtinflation um bis zu 1,18 Prozentpunkte. Die Effekte verteilen sich nicht gleichmäßig, denn am stärksten reagieren heiße Regionen und heiße Sommer, und der globale Süden trägt die schwerste Last. Als Beleg dient der Rückblick auf 2022: Der damalige Hitzesommer hat die europäische Nahrungsmittelinflation nach Schätzung der Forschenden um etwa 0,6 Prozentpunkte nach oben gedrückt. PIK-Forscher Maximilian Kotz, Erstautor der Studie, rechnet damit, dass die bis 2035 erwartete Erwärmung solche Extremeffekte um rund die Hälfte verstärken wird.

Am Feldrand: die Perspektive der Erzeuger

Wie sich das anfühlt, weiß Christian Theisen. Der Landwirt bewirtschaftet in der Eifel einen Milchviehhof mit rund sechzig Kühen und baut das Futter selbst an, zur Hälfte Gras, zur Hälfte Mais. Nach Hitze und Dürre rechnet er beim Futtermais mit über 80 Prozent Verlust, die Grasflächen sind vertrocknet.

Hier in der Eifel sieht es aus wie in der Wüste.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Für einen Betrieb wie seinen ist ein solcher Ausfall existenziell. Fehlt das eigene Futter, muss teuer zugekauft werden, was die gesamte Kalkulation des Hofes ins Wanken bringt. Der Einzelfall fügt sich in ein größeres Bild. Der Deutsche Bauernverband rechnet für 2026 mit einer unterdurchschnittlichen Getreideernte, rund 3,3 Millionen Tonnen weniger als im Vorjahr, ein Minus von sieben Prozent. Beim Winterraps beträgt der Rückgang sogar etwa 20 Prozent, teils durch Schädlingsbefall, der wiederum von milderen Wintern begünstigt wird.

Werden Heu, Stroh und Futtermittel knapp, bleiben den Betrieben nur zwei Wege: mehr importieren oder den Tierbestand verkleinern. Beides treibt die Kosten für tierische Lebensmittel nach oben. Zum Vergleich: 2024 lag die Getreideernte bei nur 39 Millionen Tonnen, 2025 mit rund 45 Millionen Tonnen deutlich besser. Diese Sprünge von Jahr zu Jahr sind selbst schon ein Symptom wachsender Unberechenbarkeit.

Der Verband fordert deshalb finanzielle Hilfen: eine sofortige Steuersenkung auf Agrardiesel, vorgezogene EU-Direktzahlungen und eine Aufstockung der Düngemittelhilfen auf 180 Millionen Euro. Bemerkenswert an dieser Position ist ein innerer Widerspruch, auf den Kritiker regelmäßig hinweisen. Der Bauernverband beklagt die klimabedingten Ausfälle, leitet daraus aber ausdrücklich keine Forderung nach mehr Klimaschutz ab. Die Landwirtschaft ist damit zugleich Opfer des Klimawandels und, über Tierhaltung, Düngung und Maschinen, einer seiner Mitverursacher.

In der Lieferkette: wenn Rohstoffe zum Nadelöhr werden

Am sichtbarsten wird der Klimaeffekt bei einzelnen Rohstoffen, die auf ganz bestimmte Anbauregionen angewiesen sind und sich nicht ohne Weiteres verlagern lassen. Olivenöl ist zum Sinnbild geworden. Nach Missernten durch Dürre und Pilzbefall im Süden Spaniens brach die Produktion ein, der Preis für das „grüne Gold“ hat sich in der EU mehr als verdoppelt. Allein 2023 stieg er laut Statistischem Bundesamt um rund 20 Prozent. Das Tückische am Olivenbaum: Sowohl zu viel Regen als auch zu große Hitze schaden der Ernte, der Spielraum für gutes Wachstum wird enger.

Orangensaft erzählt eine ähnliche Geschichte. Im Hauptanbauland Brasilien haben Hitze, Wassermangel und eine Baumkrankheit die Ernte für die Saison 2024/2025 um etwa ein Viertel gedrückt, während die weltweite Nachfrage konstant hoch bleibt. Der Rohstoffpreis lag in der Spitze rund 150 Prozent über dem Niveau von 2022, und eine Entspannung ist vorerst nicht in Sicht. Bei Kaffee treibt der Klimawandel gleich doppelt. Die Kaffeepflanze braucht ein stabiles tropisches Klima innerhalb eines schmalen Gürtels rund um den Äquator, und Hitze, Schädlinge sowie Pilzkrankheiten bedrohen die Anbauflächen zunehmend.

Fachleute haben für dieses Muster einen Begriff geprägt: Climateflation, eingedeutscht Klimaflation. Gemeint ist der Preisanstieg, der direkt oder indirekt auf Klimafolgen zurückgeht. Weil die Landwirtschaft wie kaum ein anderer Sektor vom Wetter abhängt, schlägt jede Anomalie besonders empfindlich durch. Und der Effekt bleibt nicht beim Rohstoff. Steigt der Preis für Agrarrohstoffe, die als Basis für zahllose weitere Produkte dienen, pflanzt sich das durch die gesamte verarbeitende Industrie fort. Für Hersteller verarbeiteter Lebensmittel bedeutet das: Selbst wer effizient produziert, kann steigende Rohstoffkosten nur begrenzt abfedern, bevor er sie weitergeben muss.

Nicht alles ist Klima: die versteckten Aufschläge

So wichtig der Klimafaktor ist, wer ehrlich bleiben will, darf ihn nicht zum Alleinschuldigen erklären. Ein erheblicher Teil der Preissteigerungen der vergangenen Jahre war nach Einschätzung von Verbraucherschützern nicht ohne Weiteres nachvollziehbar. Neben höheren Energiekosten, der schwierigen weltpolitischen Lage und dem Arbeitskräftemangel spielen auch versteckte Preiserhöhungen und Mitnahmeeffekte eine Rolle, also Fälle, in denen Hersteller oder Handel gestiegene Kosten zum Anlass nehmen, ihre Margen auszuweiten.

Ein bekanntes Instrument ist die sogenannte Shrinkflation, bei der der Preis gleich bleibt und die Packung kleiner wird. Die Verbraucherzentralen fordern seit Langem, dass Politik und Bundeskartellamt die Preisbildung im Handel und bei den Herstellern sowie solche versteckten Steigerungen genauer untersuchen. Marktchecks haben gezeigt, dass sich identische oder vergleichbare Produkte zwischen Supermärkten und Discountern preislich extrem unterscheiden können, ein Hinweis darauf, dass Preise eben nicht allein durch Herstellungskosten bestimmt werden.

Für Verbraucher heißt das ganz praktisch: Vergleichen lohnt sich mehr denn je. Und für die Debatte heißt es: Der Klimaanteil am Kassenbon ist real, aber er lässt sich nicht sauber von anderen Aufschlägen trennen. „Klimaflation“ beschreibt einen echten Mechanismus, taugt aber nicht als Erklärung für jeden einzelnen Cent.

Im Blick der Notenbank

Dass sich ausgerechnet die EZB des Themas annimmt, ist kein Zufall. Für eine Zentralbank ist Climateflation aus mehreren Gründen heikel. Klimabedingte Preisschocks lassen sich mit dem klassischen Instrument, dem Leitzins, kaum bekämpfen, denn ein höherer Zins bringt keinen Regen und rettet keine Ernte. Die Notenbank steht damit vor einem Inflationstreiber, der sich ihrer Kontrolle weitgehend entzieht.

Zugleich können häufige, gefühlte Preissprünge die Inflationserwartungen der Verbraucher anheben. Und Erwartungen sind gefährlich, weil sie sich selbst bestätigen können. Rechnen Menschen fest mit weiter steigenden Preisen, ziehen sie Käufe vor und fordern höhere Löhne, was den Druck zusätzlich erhöht. Gerade Lebensmittel wiegen dabei schwer, weil man ihre Preise mehrmals pro Woche sieht, und sie prägen das Inflationsempfinden stärker als die meisten anderen Ausgaben. EZB-Ökonom Michael Dobrew geht davon aus, dass Preisschocks bei Lebensmitteln durch den Klimawandel künftig häufiger auftreten. Nicht zuletzt auf Betreiben von EZB-Präsidentin Christine Lagarde nimmt die Notenbank den Klimawandel deshalb zunehmend als geldpolitisches Risiko ernst.

Der Streit: richtiger Begriff, richtige Antwort?

So einig sich die Fachwelt über die grundsätzliche Richtung ist, so lebhaft wird über Deutung und Konsequenzen gestritten. Schon der Begriff „Klimaflation“ ist umstritten. Der PIK-Agrarwissenschaftler und ehemalige Landwirt Christoph Gornott hält das Schlagwort für irreführend. Inflation bezeichne Preissteigerungen bei gleichbleibender Menge und Qualität, denen Notenbanken mit Zinspolitik begegnen. Klimabedingt steigende Lebensmittelpreise seien aber etwas anderes, ein realer Verknappungseffekt, dem man mit anderen Mitteln entgegentreten müsse. Seine Prognose bleibt gleichwohl ernüchternd, denn Engpässe und Preissteigerungen dürften in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren weiter zunehmen.

Auch beim Umgang mit den Ernteausfällen scheiden sich die Geister. Agrarökonomen wie Martin Qaim von der Universität Bonn und Alfons Balmann vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) warnen davor, jede Ernteeinbuße staatlich zu kompensieren. Das sei angesichts künftiger Wetterextreme weder finanzierbar noch sinnvoll und bleibe ein „Tropfen auf den heißen Stein“, der die grundlegenden Probleme nicht löse. Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisiert die Subventionsforderungen des Bauernverbands scharf. Statt immer mehr Geld für Diesel und Kunstdünger brauche es Unterstützung für den klimasicheren Umbau der Landwirtschaft und eine Entlastung der Verbraucher.

Dahinter steht ein grundsätzlicher Konflikt. Kurzfristige Hilfen lindern die Not einzelner Extremjahre, verlängern aber möglicherweise ein Wirtschaften, das gegen künftige Wetterextreme nicht gewappnet ist. Wer heute nur die Ausfälle ausgleicht, ohne die Anpassung zu erzwingen, zahlt womöglich morgen doppelt.

Die globale Dimension: sehr ungleich verteilt

Ein vollständiger Blick darf nicht an der deutschen Grenze enden, denn die Lasten sind höchst ungleich verteilt. Große Industrienationen wie Deutschland können fehlende Ernten über den Weltmarkt kompensieren, und für die Bevölkerung bedeutet ein Ernteausfall in der Regel nur vorübergehend höhere Preise. Das ist ärgerlich, aber verkraftbar.

In den Ländern des globalen Südens sieht die Rechnung anders aus. Dort steigen bei einer schweren Missernte nicht nur die Preise, sondern am Ende fehlen schlicht die Lebensmittel, um genügend Menschen zu versorgen. Fehlen zudem finanzielle Rücklagen, kann das in extremen Fällen bis zur Hungersnot führen. Die Modellrechnungen von PIK und EZB zeigen genau dieses Muster, denn am empfindlichsten reagiert die Inflation auf heiße Sommer in den ohnehin heißen Regionen des Südens. Der Klimawandel verschärft damit eine bestehende Ungerechtigkeit, weil jene Weltregionen, die am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen haben, die schwersten Folgen für die Ernährungssicherheit tragen.

Was hilft, und was nicht

Die konstruktiven Antworten setzen an der Anpassung an. Viele Betriebe hoffen auf klimaresistente Sorten, die Hitze und Trockenheit besser vertragen. Weil die klassische Züchtung jedoch mehr Zeit braucht, als der Wandel der Umwelt zu lassen scheint, setzen Saatgut- und Agrochemiekonzerne zunehmend auf neue Verfahren der Genschere CRISPR/Cas, ein Feld mit eigenen regulatorischen, ethischen und akzeptanzbezogenen Debatten gerade in Europa. Andernorts wird mit veränderten Anbaumethoden experimentiert. In den Niederlanden wachsen Kartoffeln bereits auf salzhaltigen Böden, in Italien arbeiten Produzenten daran, Olivenbäume widerstandsfähiger zu machen.

Ebenso wichtig sind strukturelle Antworten: eine effizientere und intelligentere Bewässerung angesichts wachsenden Wassermangels, eine breitere Streuung von Anbauregionen sowie Anpassungen im Handel und in der Vorratshaltung. Auf Verbraucherseite lässt sich der Druck durch bewussteres Einkaufen, Preisvergleiche und weniger Lebensmittelverschwendung zumindest dämpfen.

Klar ist aber auch: Anpassung mildert die Folgen, sie kehrt den Trend nicht um. Solange sich das Klima nicht stabilisiert, bleibt der Aufwärtsdruck bestehen. Anpassung ist notwendig, bleibt aber Symptombehandlung, denn die Ursache liegt in der Erderwärmung selbst.

Fazit: reversibel im Detail, unumkehrbar im Ganzen

Zurück zur Ausgangsfrage. Der einzelne Preisschock ist reversibel, denn die schlechte Ernte dieses Jahres kann die gute des nächsten ablösen, und mancher Rohstoff wird wieder billiger. Der strukturelle Trend jedoch hängt untrennbar an seiner Ursache. Solange die Erwärmung fortschreitet, verschwindet der klimabedingte Sockel nicht, und das Preisniveau kann bestenfalls auf einem hohen Plateau verharren, nicht auf das alte Niveau der Jahre 2000 bis 2019 zurückfallen.

Wichtig bleibt die Einordnung. Klima ist nur einer von mehreren Treibern, neben Energiekosten, geopolitischen Krisen und teils auch Mitnahmeeffekten des Handels. Die Anteile sauber zu trennen, ist schwierig und wissenschaftlich umstritten. Unumkehrbar gilt für den klimabedingten Anteil, nicht dafür, dass jeder Cent auf dem Kassenbon dem Wetter zuzuschreiben wäre.

Bezahlbares Essen entscheidet sich nicht an der Ladentheke, sondern beim Tempo, mit dem wir die Ursachen angehen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Die eigentliche Stellschraube liegt damit nicht im Supermarkt, sondern beim Tempo, mit dem die Ursache selbst angegangen wird. Wer will, dass Essen bezahlbar bleibt, muss beim Klima ansetzen. Alles andere ist, im Wortsinn, ein Tropfen auf den heißen Stein.

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