Nvidia hat sein erst am 1. Juli gestartetes Umsatzbeteiligungs-Modell mit KI-Cloud-Anbietern nach weniger als zwei Monaten wieder pausiert. Ausgerechnet der Verkäufer der begehrtesten KI-Chips wollte an den Cloud-Umsätzen seiner Kunden mitverdienen und geriet damit intern unter Kartellverdacht. Der Rückzieher zeigt, wie eng Chipgeschäft und Finanzierung im KI-Boom inzwischen verzahnt sind.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Nvidia pausiert laut Wall Street Journal das am 1. Juli vorgestellte Revenue-Sharing mit KI-Cloud-Firmen.
- Das Modell koppelt Chipverkauf, Rückkaufgarantie und eine Beteiligung an den Cloud-Umsätzen der Kunden.
- Auslöser sind laut WSJ ein intern gemeldetes Kartellrisiko und Partner, denen die Auflagen zu eng waren.
- Für europäische Betreiber verschärft sich die Frage nach Nvidias Doppelrolle als Lieferant und Geldgeber.
Wie funktioniert Nvidias Umsatzmodell mit den KI-Clouds?

Ein Kreislauf steckt hinter dem Modell: Nvidia verkauft seine Beschleuniger an einen Cloud-Anbieter und garantiert, nicht vermietete Kapazität selbst anzumieten. Im Gegenzug kassiert der Konzern einen Anteil an den Umsätzen, die diese Chips in der Cloud erwirtschaften.[1]
Zwei Startdeals zeigten den Umfang: Der australische Betreiber Sharon AI erhält bis zu 40.000 GB300-Beschleuniger, das Projekt Firmus bis zu 170.000, zusammen rund 210.000 Einheiten. Für Firmus nannte das Wall Street Journal Kundenzusagen von 25 bis 30 Milliarden Dollar über sechs Jahre, umgerechnet etwa 22 bis 26 Milliarden Euro (Kurs 0,87, Stand 28. August 2026).
Der Reiz für Nvidia liegt darin, die Nachfrage nach den eigenen Chips selbst abzusichern. Garantierte Abnahme und eine Umsatzbeteiligung machen junge KI-Clouds finanzierbar, die sich die Milliardeninvestition sonst kaum leisten könnten. Dasselbe Prinzip trug schon die 218-Milliarden-Euro-Bürgschaft für OpenAIs Rechenzentrum.
Warum wird Nvidias Doppelrolle zum Risiko?
Zirkelfinanzierung nennen Kritiker das Muster: Nvidia finanziert die Nachfrage nach seinen eigenen Produkten. Kühlt der KI-Markt ab, trifft der Rückgang den Konzern doppelt, beim Chipverkauf und bei den geteilten Cloud-Umsätzen. Die Beteiligung reiht sich in eine ganze Serie ein. Für CoreWeave garantiert Nvidia den Rückkauf nicht verkaufter Rechenkapazität im Wert von rund 5,5 Milliarden Euro bis 2032. Die Kreditgarantie für OpenAIs Ohio-Rechenzentrum wurde später sogar wieder gekürzt.
Vom Zulieferer zum Geldgeber gewandelt, beunruhigt Nvidia damit die eigenen Juristen. Ein Konzern, der die Chips verkauft und zugleich an den Cloud-Umsätzen mitverdient, kann den Wettbewerb im entstehenden KI-Cloud-Markt lenken. Investoren wie der Big-Short-Anleger Michael Burry warnen ohnehin, dass die Branche ihre Gewinne zu optimistisch verbucht.
Ein Chipkonzern, der die Abnahme seiner eigenen Produkte garantiert und an den Erlösen mitschneidet, verkauft keine Hardware mehr, sondern verleiht sie gegen Beteiligung. Dieses Modell kann den Boom verlängern und den Absturz verschärfen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Stopp für europäische Betreiber?
Abhängigkeit prüfen lautet die erste Konsequenz. Europäische Rechenzentren und KI-Clouds beziehen ihre Beschleuniger fast vollständig von Nvidia. Anbieter wie Nebius sammeln Milliardenaufträge, hängen aber am selben Lieferanten. Beim Einkauf von Kapazität bei einer vom Chiphersteller mitfinanzierten Cloud lohnt ein Blick auf die Vertragskette, denn ein Teil der Miete fließt unter Umständen an den Lieferanten zurück.
Kartellrecht im Blick bleibt der zweite Punkt. In der EU fällt ein solches Modell rasch unter die Marktmachtprüfung des Digital Markets Act und das allgemeine Wettbewerbsrecht. Dieselbe Konzentrationsfrage treibt auch die Baubranche um, etwa wenn Hochtief den Rechenzentrums-Boom als Klumpenrisiko bezeichnet.
Konkret bleibt zweierlei: Bezugsquellen breiter streuen und sich Vertragsklauseln zu Rückkauf und Umsatzbeteiligung schon vor dem Einkauf offenlegen lassen.
Quelle
[1] Wall Street Journal, gemeldet von Reuters: „Nvidia pauses revenue-sharing deals with AI cloud companies“ (WSJ hinter Paywall).
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