Michael Burry, bekannt aus „The Big Short“, setzt erneut auf fallende Kurse: Puts gegen Nvidia und Palantir, dazu ein frischer Short auf Oracle. Sein Vorwurf zielt nicht auf die Nachfrage nach KI, sondern auf die Abschreibung in den Bilanzen. Für Anleger mit KI-Werten im Depot zählt genau diese Rechnung.

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Die Warnung wiegt schwer, weil Michael Burry 2008 gegen den US-Immobilienmarkt wettete und darüber zur Filmfigur wurde. Seinen Hedgefonds Scion schloss der Investor Ende 2025, seither kommen die Thesen öffentlich über den Substack „Cassandra Unchained“.[1] Nach den Rekordzahlen von Nvidia trifft diese Kritik einen Nerv.

Das Wichtigste in Kürze

  • Burry hält Puts gegen Nvidia und Palantir und shortet zusätzlich Oracle; die Nvidia-Calls dienen ihm nur als Absicherung.
  • Sein Kernvorwurf: Rechenzentrums-Betreiber schreiben KI-Chips über fünf bis sechs Jahre ab, obwohl die Technik nach zwei bis drei Jahren veraltet.
  • Die zu niedrig verbuchte Abschreibung beziffert Burry auf rund 151 Milliarden Euro bis 2028; Oracle überzeichne seinen Gewinn um 26,9 Prozent.
  • Das Klumpenrisiko trifft DACH-Anleger besonders: Ein MSCI-World-ETF steckt zu rund einem Viertel in wenigen US-Techwerten.

Wogegen wettet Michael Burry genau?

Schmelzender Eispfeil mit Anhänger: „Nutzungsdauer: 6 Jahre?“, Tropfen, Wasserlache
Scion verkaufte Optionen auf fünf Millionen Palantir- und eine Million Nvidia-Aktien im Wert von 945 Millionen Euro

Aus dem letzten Pflichtbericht von Scion, dem 13F für das dritte Quartal 2025, gingen Verkaufsoptionen auf rund fünf Millionen Palantir-Aktien und eine Million Nvidia-Aktien hervor, zusammen etwa 945 Millionen Euro Gegenwert.[2] Seit der Abmeldung des Fonds legt der Investor nichts mehr offen und verkündet die Wetten über den Newsletter.

Zuletzt kam ein Short auf Oracle dazu. Die gleichzeitig gekauften Nvidia-Calls nennt Burry ausdrücklich einen Hedge, dessen Prämie sein Short auf dieselbe Aktie aufwiegt.[1] Hinter der Skepsis steht ein Muster: Der KI-Ausbau läuft zunehmend auf Kredit, wie die Milliarden-Anleihe für Anthropics Chips zeigt, und viele Bewertungen sind hochgerechnet statt verdient.

Warum die Abschreibung zum Streitpunkt wird

Der Hebel liegt in der Nutzungsdauer der Grafikchips. Betreiber großer Rechenzentren verteilen die Kosten ihrer Nvidia-Beschleuniger buchhalterisch über fünf bis sechs Jahre. Burry hält das für zu lang, weil jede neue Chip-Generation die vorherige nach zwei bis drei Jahren entwertet. Ob daraus ein Crash der KI-Blase wird, bleibt offen.[1]

Je länger die Nutzungsdauer, desto kleiner die jährliche Abschreibung und desto größer der ausgewiesene Gewinn. Branchenweit summiert sich der Effekt laut Burry auf rund 151 Milliarden Euro zu niedrig verbuchte Abschreibung bis 2028; Oracle überzeichne seinen Gewinn um 26,9 Prozent, Meta um 20,8 Prozent.[1]

Nvidia widerspricht und verweist auf Kunden, die ihre Chips vier bis sechs Jahre nutzten. Die Praxis bleibt uneinheitlich: Amazon verkürzte 2025 die Nutzungsdauer eines Teils seiner Server, Meta verlängerte sie. Dass die Bonität mancher KI-Bauherren wackelt, zeigt die Herabstufung von Oracle auf BBB-.

Burrys Zahlen kann man bestreiten, seine Frage nicht: Ein Gewinn, der von der angenommenen Lebensdauer eines Chips abhängt, ist eine Buchungsentscheidung, keine Naturkonstante. Für Europas Anleger liegt darin die eigentliche Lektion der KI-Rallye.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Burrys Wette gegen die KI-Gewinne
Die zentralen Zahlen seiner These, Beträge in Euro umgerechnet (Kurs 0,86 Euro je Dollar, 27. August 2026)
945 Mio. €
Gegenwert der Put-Wetten gegen Nvidia und Palantir (13F, Q3 2025)
6 vs. 2 Jahre
angesetzte gegen reale Nutzungsdauer der KI-Chips
151 Mrd. €
von Burry geschätzte zu niedrige Abschreibung 2026 bis 2028
26,9 %
behauptete Gewinn-Überzeichnung bei Oracle bis 2028
Für Meta veranschlagt Burry bis 2028 eine Überzeichnung von 20,8 Prozent. Nvidia widerspricht und hält vier bis sechs Jahre Nutzungsdauer für gerechtfertigt.

Was bedeutet Burrys Warnung für DACH-Anleger?

Im deutschsprachigen Raum ist die Debatte kein US-Import. Ein MSCI-World-ETF steckt zu rund einem Viertel in einer Handvoll US-Techwerten, die alle an derselben KI-Wette hängen. Eine Neubewertung trifft private Depots und fondsgebundene Altersvorsorge unmittelbar, unabhängig vom Ausgang des Streits um die KI-Bewertungen.

Die Abschreibungsfrage betrifft auch die eigene Bilanz. Unternehmen mit GPU-Clustern legen die Nutzungsdauer nach IAS 16 selbst fest, und Wirtschaftsprüfer schauen seit Burrys Vorstoß genauer hin. Zwei Prüfungen lohnen sofort: das Klumpenrisiko im Depot messen und bei KI-Aktien die im Geschäftsbericht angesetzte Nutzungsdauer nachlesen.

Quellen

[1] Michael Burry: Newsletter „Cassandra Unchained“

[2] SEC EDGAR: Scion Asset Management, Pflichtbericht 13F-HR vom 3. November 2025

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