Mais steckt im Steak, in der Limonade, in der Cornflakes-Schale und im Benzin, ohne dass die meisten Menschen die goldene Pflanze dahinter je bewusst wahrnehmen. Nur ein kleiner Teil der Welternte wandert direkt als Nahrung auf den Teller, der große Rest verschwindet in Futtertrögen, Tanks und Fabriken.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Im Sommer 2026 trieb eine Hitzewelle die Sorge vor Ausfällen: Frankreich steuerte auf die schwächste Maisernte seit rund zwanzig Jahren zu, das Analysehaus Expana senkte seine EU-Prognose um fast vier Millionen Tonnen. Der Terminkontrakt an der Pariser Börse notierte über 230 Euro je Tonne, während Rekordernten in Argentinien und Australien den Preis zugleich dämpften. Um zu verstehen, warum ein unscheinbares Gras über Ställe, Sprit und Süßwaren bestimmt, lohnt der Blick rund 9.000 Jahre zurück nach Mexiko.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mais ist mengenmäßig das meistgeerntete Getreide der Welt und übertrifft Weizen und Reis, doch der Großteil wird verfüttert oder industriell verarbeitet.
  • Die USA ernten mit rund 380 Millionen Tonnen den meisten Mais, gefolgt von China und Brasilien, das den Welthandel neben den USA prägt.
  • Etwa 40 Prozent der US-Ernte werden zu Bioethanol vergoren und landen als Beimischung im Benzin, ein Erbe des Gesetzes von 2005.
  • Deutschland baut Mais auf rund 2,45 Millionen Hektar an, überwiegend als Silomais für Futter und Biogas, nicht als Nahrung für den Teller.
  • Die Hitze des Sommers 2026 und schwache Ernten in Europa treffen auf Rekordmengen in Südamerika und stellen die Futterkosten auf die Probe.

Bluff oder Wissen? Der Mais-Check

Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Wie gut kennen Sie Mais?
Testen Sie Ihr Vorwissen, die Auflösung liefert der Artikel.
1 Wo wurde Mais ursprünglich domestiziert? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Mais entstand vor rund 9.000 Jahren im Süden des heutigen Mexiko aus dem Wildgras Teosinte. Erst Kolumbus brachte ihn nach Europa. Kapitel 1 und 2 erzählen den Weg.
2 Wie heißt das Wildgras, aus dem der Mais gezüchtet wurde? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Teosinte trägt nur ein Dutzend harte Körner, der heutige Kolben Hunderte. Ohne die Hand des Menschen könnte sich Kulturmais nicht einmal aussäen. Kapitel 1 erklärt die Verwandlung.
3 Was geschieht mit rund 40 Prozent der US-Maisernte? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Etwa vier von zehn Maiskörnern aus den USA werden zu Bioethanol vergoren und landen als Beimischung im Benzin. Kapitel 4 und 9 zeigen die Folgen dieser Tank-Frage.
4 Welches Land erntet weltweit den meisten Mais? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Die USA ernten mit rund 380 Millionen Tonnen mehr Mais als jedes andere Land, gefolgt von China und Brasilien. Kapitel 3 ordnet die Machtverhältnisse ein.
5 Wofür wird Mais in Deutschland vor allem angebaut? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Der große Teil wächst als Silomais für Futtertröge und Biogasanlagen, nicht als Popcorn für den Teller. Kapitel 8 und 10 zeigen die Folgen für die Landschaft.

Was ist Mais und wie entsteht das Riesengras?

Skulptur: Maiskolben aus Popcorn und kleinen Kanistern auf Betonsockel mit Etikett
Mais ist ein Süßgras mit hohem Halm und großen Körnern in Reihen. Kulturmais kann sich ohne menschliche Hilfe nicht selbst aussäen

Botanisch ist Mais ein Süßgras, eng verwandt mit Weizen, Reis und Zuckerrohr. Die Art trägt den Namen Zea mays und bildet an einem hohen Halm große Kolben aus, an denen Hunderte Körner in engen Reihen sitzen.

Anders als seine wilden Verwandten kann sich Kulturmais nicht selbst aussäen, weil die Körner fest am Kolben haften und von den Hüllblättern eingeschlossen bleiben. Ohne die Hand des Menschen, der die Körner löst und in den Boden legt, würde die Pflanze binnen weniger Generationen verschwinden.

Sein Erfolg verdankt sich einem biochemischen Trick: Mais betreibt die besonders effiziente C4-Photosynthese und wandelt Sonnenlicht schneller in Masse um als die meisten anderen Nutzpflanzen. Das macht ihn zum Ertragschampion, gerade auf warmen, sonnigen Standorten.

Weltweit wird jedes Jahr mehr Mais geerntet als Weizen oder Reis, in der Größenordnung von über 1,2 Milliarden Tonnen. Die wichtigsten Anbaugürtel liegen im mittleren Westen der USA, in China, Brasilien, Argentinien und der Ukraine, wo Klima und Böden hohe Erträge erlauben.

Wie wurde aus einem Wildgras der wichtigste Acker der Welt?

Bildvergleich: Wildform links, Maiskolben rechts, Texttafel „9000 JAHRE ZUCHT“
Vom winzigen Wildgras Teosinte zum riesigen Kolben in 9000 Jahren Zucht

Der Ursprung liegt im Süden des heutigen Mexiko, wo Bauern vor rund 9.000 Jahren begannen, das unscheinbare Wildgras Teosinte zu nutzen. Dessen Fruchtstand trug nur ein Dutzend harte, von Schalen umschlossene Körner und erinnerte kaum an den heutigen Kolben.

Über Jahrtausende wählten indigene Gemeinschaften Mesoamerikas immer ertragreichere Pflanzen aus und verwandelten das Gras Schritt für Schritt in eine Grundnahrung. Für die Maya war Mais so zentral, dass ihre Schöpfungsgeschichte den Menschen aus Maisteig geformt sein lässt.

Mit den Schiffen des Kolumbus gelangte der Mais ab 1493 nach Europa und von dort rasch nach Afrika und Asien. In vielen Regionen wurde er zur Überlebenspflanze, weil er auf kargen Böden mehr Kalorien lieferte als heimisches Getreide.

Den Sprung zum Industrierohstoff brachte die Hybridzüchtung im frühen 20. Jahrhundert. Der Amerikaner Henry A. Wallace gründete 1926 die Firma Pioneer Hi-Bred und brachte den ersten kommerziellen Hybridmais auf den Markt, dessen Erträge die alten Sorten weit hinter sich ließen.

Wallace stieg später zum US-Landwirtschaftsminister und Vizepräsidenten auf und stieß eine Entwicklung an, die als Grüne Revolution um die Welt ging. Hochleistungssorten, Dünger und Bewässerung vervielfachten die Ernten, mit dem Mais als frühem Vorreiter.

Wie hat Mais die Weltkarte verändert?

Maiskolben mit Holzschild „Gentechnik? Halt“, an Draht aufgehängt, davor weiße Fläche
Mais als Streitobjekt im Handelskonflikt zwischen den USA und Mexiko

Rohstoffe sind nie nur Chemie, sie sind immer auch Politik, und beim Mais beginnt das mit der schieren Marktmacht der USA. Als mit Abstand größter Produzent und Exporteur setzen sie über die Börse in Chicago den Takt, an dem sich Preise rund um den Globus orientieren.

Wie eng Handel und Souveränität verflochten sind, zeigte der Streit mit Mexiko. Präsident López Obrador wollte 2023 per Dekret gentechnisch veränderten US-Mais aussperren, um heimische Sorten und die eigene Ernährungskultur zu schützen.

Die USA klagten vor dem Schiedsgericht des Freihandelsabkommens USMCA und bekamen im Dezember 2024 in allen sieben Punkten recht. Im Februar 2025 hob Mexiko die Beschränkungen auf, denn das Land ist mit Importen im Wert von 5,6 Milliarden Dollar der größte Abnehmer von US-Mais.

Auch der Krieg in der Ukraine machte Mais zur geopolitischen Größe, denn das Land zählt zu den führenden Exporteuren und liefert viel Futtermais nach Europa und Nordafrika. Blockaden im Schwarzen Meer trieben die Preise und trafen ärmere Importländer besonders hart.

Dass billiger Mais zur sozialen Sprengladung werden kann, führte 2007 die Tortilla-Krise in Mexiko vor. Als der Ethanol-Boom in den USA den Maispreis nach oben riss, wurde das Grundnahrungsmittel für Millionen unbezahlbar, und Zehntausende gingen auf die Straße.

Wo die Welt ihren Mais erntet
Anteile an Ernte und Handel 2025/26, gerundet
~ 380 Mio. t
USA, mit Abstand größter Produzent der Welt
~ 277 Mio. t
China, zweitgrößter Erzeuger, fast alles für den Eigenbedarf
~ 130 Mio. t
Brasilien, größter Exporteur neben den USA
~ 40 %
Anteil der US-Ernte, der zu Bioethanol vergoren wird
5,6 Mrd. $
Wert der US-Maisexporte nach Mexiko, dem größten Abnehmer, 2024
ABCC
ADM, Bunge, Cargill und Cofco prägen den Welthandel
Ein Getreidestreit vor Gericht

Im Dezember 2024 gab ein USMCA-Schiedsgericht den USA in allen sieben Punkten recht und kippte Mexikos Einfuhrsperre für Gentechnik-Mais. Im Februar 2025 hob Mexiko die Beschränkungen auf. Der größte Absatzmarkt für US-Mais blieb offen.

Warum ist Mais für die Weltwirtschaft so wichtig?

Eine Waage mit Maiskolben, Münzen und einem Schild „Chicago“ auf weißem Grund
An der Börse in Chicago entscheidet sich der Maispreis für die ganze Welt

Mais ist zuerst ein Futtermittel: Weltweit landen grob 60 Prozent der Ernte als Körner oder Silage im Trog von Rindern, Schweinen und Hühnern. Fast jedes Steak, jedes Ei und jeder Liter Milch beginnt damit als Maisfeld.

Der zweite große Block ist die Industrie, allen voran die Herstellung von Bioethanol. In den USA werden rund 40 Prozent der Ernte zu Sprit vergoren, dazu kommen Stärke, Süßungssirup und Kunststoffe, die den Mais zum Chemierohstoff machen.

Gehandelt wird das Korn vor allem an der Terminbörse in Chicago, notiert in US-Cent je Bushel, während Europa sich an der Pariser Euronext in Euro je Tonne orientiert. Über diese Kurse entscheidet sich, was ein Landwirt in Iowa oder der Ukraine für seine Ernte bekommt.

Deutschland ist bei Mais weitgehend Selbstversorger und baut ihn auf rund 2,45 Millionen Hektar an, führt aber Körner- und Futtermais zusätzlich ein. Fällt die Ernte in Frankreich oder am Balkan schwach aus, steigen die Futterkosten auch hierzulande spürbar.

In welchen Produkten steckt Mais, und was verschwindet ohne ihn?

Ein Einkaufskorb voller Lebensmittel mit orangen „enthält Mais“-Aufklebern vor weißem Hintergrund
Von der Limonade bis zum Fleisch steckt Mais oft unbemerkt im Einkauf

Die sichtbaren Maisprodukte kennt jeder: Popcorn, Cornflakes, Polenta, Tortillas und Zuckermais aus der Dose. Gemessen an der Welternte ist dieser direkte Verzehr jedoch ein Randposten.

Viel häufiger steckt Mais unsichtbar in anderen Waren. Aus der Stärke gewinnt die Industrie Glukose-Fruktose-Sirup, der Limonaden, Ketchup und Süßwaren süßt, sowie Bindemittel für Suppen, Soßen und Backwaren.

Selbst außerhalb der Küche ist das Korn präsent. Aus Maisstärke entsteht der biologisch abbaubare Kunststoff PLA für Becher und Folien, und ein wachsender Teil der Ernte wird zu Bioethanol, das in Deutschland als E10 im Tank landet.

Die entscheidende Frage lautet, was bei einem Ausfall wegbricht. Süßsirup und Stärke ließen sich durch Zucker, Weizen oder Kartoffel ersetzen, teurer zwar, aber möglich, während es für den billigen Energieträger im Futtertrog in dieser Menge keinen gleichwertigen Ersatz gibt.

Damit kippt zuerst nicht die Cornflakes-Schale, sondern der Stall. Ohne reichlich günstigen Mais wird nicht das Popcorn knapp, sondern das Fleisch teuer, weil die gesamte Tierhaltung auf dem Korn aufbaut.

Alltag voller Mais
Sechs Produkte, in denen das Korn steckt, meist unbemerkt
Fleisch, Milch und Eier
Silomais und Maisschrot füllen die Tröge, das meiste Korn wird erst über das Tier zum Lebensmittel.
Limonade und Süßwaren
Glukose-Fruktose-Sirup aus Maisstärke süßt Softdrinks, Ketchup und viele Fertigprodukte.
Cornflakes und Popcorn
Die sichtbaren Maisprodukte für den Teller, gemessen an der Welternte aber ein Randposten.
Fertigsuppen und Backwaren
Maisstärke bindet Soßen, hält Gebäck locker und steckt als Verdicker in vielen Regalen.
Bioethanol im Tank
Ein wachsender Teil der Ernte vergoren zu Sprit, in Deutschland als Beimischung E10.
Bioplastik und Verpackung
Aus Maisstärke entsteht der Kunststoff PLA für Becher, Folien und Einweggeschirr.
Was ohne Mais kippt

Süßungsmittel und Stärke lassen sich durch Zucker, Weizen oder Kartoffel ersetzen, wenn auch teurer. Beim günstigen Energie- und Eiweißträger im Trog gibt es in dieser Menge keinen gleichwertigen Ersatz. Fällt der Mais aus, wird zuerst das Fleisch knapp.

Wie setzt sich der Preis einer Packung Cornflakes zusammen?

Leere Müsliverpackung mit Maiskörnern und einem Schild „8 Prozent Mais“
In einer Packung Cornflakes macht das Rohkorn nur einen schmalen Preisanteil aus

Beim Kauf einer Packung Cornflakes fließt nur ein kleiner Teil des Geldes in das Korn selbst. Der Rohstoff Mais macht grob geschätzt weniger als ein Zehntel des Ladenpreises aus, der Rest entfällt auf alles, was danach kommt.

Den größten Brocken verschlingen Marke, Werbung und die Marge des Handels, gefolgt von der Verarbeitung in der Fabrik, wo das Korn gemahlen, geformt und geröstet wird. Verpackung, Transport und die Mehrwertsteuer teilen sich den Rest.

Diese Struktur erklärt, warum Verbraucher von Preissprüngen am Weltmarkt wenig merken. Verdoppelt sich der Maispreis, steigt die Packung nur um wenige Cent, während der Landwirt den vollen Ausschlag auf dem Feld trägt.

Umgekehrt geben Hersteller gestiegene Kosten oft schneller weiter, als sie Senkungen zurückgeben, ein Muster, das viele Rohstoffketten prägt. Auch der Dollarkurs spielt mit, weil der Weltmarkt in Dollar rechnet und ein starker Euro Importe verbilligt.

Was in einer Packung Cornflakes steckt
Grobe Größenordnung der Preisbestandteile, keine amtliche Kalkulation
Marke, Werbung und Marge~ 40 %
Größter Block, der Markenname und der Handel verdienen am meisten.
Verarbeitung und Rösten~ 25 %
Fabrik, Energie, Löhne und die Umwandlung des Korns zur Flocke.
Verpackung und Transport~ 20 %
Karton, Innenbeutel, Logistik und Regalfläche im Supermarkt.
Mehrwertsteuer~ 7 %
Ermäßigter Satz auf Lebensmittel in Deutschland.
Reiner Maisanteil~ 8 %
Nur das Rohkorn selbst, ein schmaler Streifen am Ladenpreis.
Der Rohstoff ist klein, die Kette ist lang

Verdoppelt sich der Weltmarktpreis für Mais, steigt eine Packung Cornflakes nur um wenige Cent. Den vollen Ausschlag tragen die Erzeuger auf dem Feld, während der Verbraucher ihn kaum spürt.

Wer verdient an Mais und wer zahlt drauf?

Eine Waage im Gleichgewicht mit einem Maiskolben, Zylinder, Strohhut und Schild „WER VERDIENT?“
Zwischen Handelskonzernen und Kleinbauern verteilt sich der Gewinn am Mais ungleich

Zu den Gewinnern zählen die großen Handelshäuser wie ADM, Bunge und Cargill, die zwischen Feld und Käufer sitzen, sowie Saatgutkonzerne wie Corteva, das Erbe von Pioneer, die jedes Jahr neues Hybridsaatgut verkaufen.

Auch viele US-Farmer profitieren, allerdings gestützt durch Subventionen und die garantierte Nachfrage der Ethanolindustrie. Ohne das staatliche Beimischungsgebot stünde ein großer Teil der Anbaufläche wirtschaftlich anders da.

Auf der Verliererseite stehen ärmere Importländer, in denen Mais die tägliche Grundnahrung ist und jeder Preissprung sofort die Teller trifft. In Teilen Afrikas und Lateinamerikas entscheidet der Weltmarkt über die Ernährungslage ganzer Regionen.

Hinzu kommt der ökologische Preis dort, wo Monokulturen Böden auslaugen und Artenvielfalt verdrängen. Der Vorteil des Maises, viel Ertrag auf wenig Fläche, kippt bei zu enger Fruchtfolge in einen Verlust an Bodenfruchtbarkeit.

Mais ist der stille Doppelgänger unserer Ernährung. Er füttert die Ställe, süßt die Getränke und fährt im Tank mit, und trotzdem taucht er auf keiner Zutatenliste prominent auf. Diese Unsichtbarkeit ist seine eigentliche Macht.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Wie mächtig ist die Mais-Lobby?

Maiskolben mit „Lobbyist“-Schild und kleiner Ledertasche auf grauem Grund
Die Ethanollobby sichert dem Mais einen garantierten Markt im Benzintank

Die stärkste Hebelwirkung entfaltet die Maiswirtschaft in den USA über die Ethanolpolitik. Der Renewable Fuel Standard von 2005 schrieb eine Mindestbeimischung von Biosprit zum Benzin vor und schuf damit einen riesigen, gesetzlich garantierten Absatzmarkt.

Der Corn Belt im Mittleren Westen besitzt zudem außergewöhnliches politisches Gewicht, weil die Präsidentschaftsvorwahlen traditionell in Iowa beginnen. Kaum ein Kandidat wagt es dort, die Ethanolförderung offen infrage zu stellen.

In Deutschland verlief die Förderung über die Biogasanlagen und das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das den Anbau von Energiemais jahrelang attraktiv machte. Erst ein gesetzlicher Deckel bremste den Trend, nachdem die Kritik an der Vermaisung lauter geworden war.

Gerahmt wird der Rohstoff gern als grüne Lösung, weil nachwachsender Mais fossile Energie ersetzen soll. Kritiker halten dagegen, dass Fläche und Förderung für den Tank fehlen, wo eigentlich Nahrung und Natur Vorrang hätten.

Wie kommen wir vom Mais im Tank los?

Hand mit Zapfpistole füllt Maiskörner in eine Tanköffnung, Ladekabel liegt daneben
Mit der Elektromobilität sinkt langfristig der Bedarf an Maisethanol im Tank

Der größte Hebel liegt beim Verkehr. Je mehr Autos elektrisch fahren, desto weniger Benzin und damit Beimischung wird gebraucht, was den Bedarf an Maisethanol langfristig sinken lässt.

Für den Rest setzen Fachleute auf Kraftstoffe der zweiten Generation, die aus Stroh, Reststoffen und Abfall statt aus Nahrungspflanzen entstehen. Diese Verfahren entschärfen die Tank-oder-Teller-Frage, sind aber noch teurer und weniger verbreitet.

Beim Futter helfen ausgewogenere Rationen, mehr Weidehaltung und heimische Eiweißpflanzen, den Maisanteil zu senken. Auch ein maßvollerer Fleischkonsum wirkt direkt, weil der meiste Futtermais erst über das Tier gebraucht wird.

In der Industrie lassen sich Süßungsmittel und Stärke teils durch Zucker oder andere Pflanzen ersetzen, und dürretolerante Sorten sollen Ausfälle in einem heißeren Klima dämpfen. Ein vollständiger Ausstieg ist unrealistisch, eine geringere Abhängigkeit aber machbar.

Was bedeutet die Dürre für Mais und für Deutschland?

Maiskolben auf rissiger Erde, Thermometer mit Anhänger „Ernte 2026“, auf Weiß
Hitze und Trockenheit drückten 2026 die Maisernte in Europa

Der Aufhänger vom Jahresbeginn ist im Sommer 2026 greifbar geworden: Hitze und Trockenheit in Frankreich, Ungarn und Teilen der USA drückten die Erträge, und Frankreich steuerte auf die schwächste Maisernte seit rund zwanzig Jahren zu.

Für deutsche Betriebe zählt vor allem der Futtermais. Schwache Ernten in Europa und ein Euronext-Preis über 230 Euro je Tonne verteuern die Rationen in den Ställen, was am Ende auf die Kosten für Milch und Fleisch durchschlägt.

Zugleich dämpfen Rekordernten in Argentinien und Australien den Weltmarkt, sodass die Preise weniger stark steigen, als es die europäische Trockenheit allein erwarten ließe. Die Versorgung bleibt gesichert, teurer wird sie dennoch.

Strukturell verändert sich der deutsche Maisanbau ohnehin. Die Silomaisfläche sank 2025 erstmals seit 2010 unter zwei Millionen Hektar, weil Viehbestände schrumpfen und die Biogasförderung ausläuft, was den Druck auf die Landschaft etwas mindert.

Für Verbraucher lohnt der nüchterne Blick: Steigende Maispreise treffen den Einkaufskorb nur gedämpft, spürbar wird es eher bei tierischen Produkten. Beim Sparen liegt der größte Hebel ohnehin beim Fleisch, nicht bei der Cornflakes-Packung.

Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe rund um Mais

Ein geöffnetes Buch mit Maiskorn-Zeichnung und einem bestickten Lesezeichen
Die wichtigsten Fachbegriffe rund um Mais im Überblick

Bioethanol

Bioethanol ist Alkohol, der durch Vergärung von Zucker und Stärke entsteht, im großen Stil aus Mais. Als Beimischung zum Benzin, etwa im deutschen E10, soll er fossilen Kraftstoff ersetzen und gilt zugleich als Kern der Tank-oder-Teller-Debatte.

Corn Belt

Corn Belt nennt man den Maisgürtel im Mittleren Westen der USA, vor allem Iowa, Illinois und Nebraska. Diese Region erntet den Löwenanteil des US-Maises und besitzt durch die frühen Vorwahlen in Iowa erhebliches politisches Gewicht.

Glukose-Fruktose-Sirup

Glukose-Fruktose-Sirup ist ein flüssiges Süßungsmittel aus Maisstärke, in den USA als High Fructose Corn Syrup bekannt. Es süßt Limonaden, Süßwaren und Fertiggerichte und ist oft billiger als Haushaltszucker.

Grüne Revolution

Grüne Revolution bezeichnet die Ertragssteigerung in der Landwirtschaft ab den 1940er Jahren durch Hochleistungssorten, Dünger und Bewässerung. Der Hybridmais aus den USA war ihr Ausgangspunkt, bevor Weizen und Reis folgten.

Hybridmais

Hybridmais entsteht aus der Kreuzung zweier reiner Elternlinien und bringt deutlich höhere Erträge. Der Nachbau lohnt sich nicht, weil die zweite Generation an Leistung verliert, weshalb Landwirte jedes Jahr neues Saatgut kaufen.

Körnermais

Körnermais ist Mais, der bis zur Kornreife auf dem Feld bleibt und gedroschen wird. Er dient als Futter, als Stärkerohstoff und als Lebensmittel und lässt sich lagern und über weite Strecken handeln.

Maisstärke

Maisstärke ist das aus dem Korn gewonnene Kohlenhydrat, das als Verdickungs- und Bindemittel dient. Sie steckt in Suppen, Backwaren und Soßen und ist zugleich Grundstoff für Sirup, Bioethanol und Bioplastik.

Renewable Fuel Standard

Renewable Fuel Standard ist das US-Gesetz von 2005, das eine Mindestbeimischung von Biokraftstoff zum Benzin vorschreibt. Es schuf einen riesigen, garantierten Absatzmarkt für Mais und trieb den Ausbau der Ethanolindustrie.

Silomais

Silomais wird als ganze Pflanze gehäckselt und unter Luftabschluss vergoren. Als energiereiches Futter und als Substrat für Biogasanlagen ist er in Deutschland die häufigste Form des Maisanbaus.

Teosinte

Teosinte ist das mexikanische Wildgras, aus dem der Mais gezüchtet wurde. Sein winziger Fruchtstand mit wenigen harten Körnern erinnert kaum an den heutigen Kolben und zeigt, wie stark der Mensch die Pflanze verändert hat.

USMCA

USMCA ist das nordamerikanische Freihandelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada. Über sein Schiedsgericht setzten die USA 2024 durch, dass Mexiko seine Sperre für Gentechnik-Mais aufheben musste.

Vermaisung

Vermaisung beschreibt die kritisierte Ausbreitung großer Maisflächen in Deutschland, vor allem für Biogas. Kritiker verbinden damit den Verlust von Artenvielfalt, Bodenverdichtung und ein eintöniges Landschaftsbild.

FAQ: Mais: Vom Grundnahrungsmittel zum Industrierohstoff

Zwei Karton-Sprechblasen mit Fragezeichen und Maiskolben sowie Schild „Fragen und Antworten“
Häufige Fragen rund um Mais, Futter und Bioethanol kurz beantwortet

Wofür wird Mais hauptsächlich verwendet?

Der größte Teil der Welternte geht in Futtertröge und in die Industrie, nicht direkt auf den Teller. Rund 60 Prozent werden verfüttert, ein wachsender Anteil zu Bioethanol vergoren, dazu kommen Stärke und Süßungsmittel. Direkt als Nahrung gegessener Mais wie Cornflakes, Polenta oder Popcorn ist gemessen an der Menge ein kleiner Posten.

Welches Land produziert das meiste Mais?

Die USA ernten mit rund 380 Millionen Tonnen weltweit den meisten Mais. Dahinter folgen China mit etwa 277 Millionen Tonnen, das fast alles selbst verbraucht, und Brasilien, das neben den USA der größte Exporteur ist. Zusammen bestimmen diese Länder den Weltmarktpreis.

Warum landet so viel Mais im Benzintank?

In den USA schreibt ein Gesetz von 2005 die Beimischung von Bioethanol zum Benzin vor, und das stammt fast vollständig aus Mais. Rund 40 Prozent der US-Ernte werden dafür vergoren. In Deutschland steckt der Maissprit als Teil der E10-Beimischung im Tank.

Wie abhängig ist Deutschland von Mais-Importen?

Deutschland deckt seinen Maisbedarf weitgehend aus eigenem Anbau, importiert aber Körnermais und Futtermittel zu. Auf rund 2,45 Millionen Hektar wächst Mais, das meiste als Silomais für Ställe und Biogasanlagen. Bei Missernten in Europa steigen die Futterkosten trotzdem spürbar.

Was ist der Unterschied zwischen Silomais und Körnermais?

Silomais wird als ganze Pflanze gehäckselt und vergoren, Körnermais liefert nur das reife Korn. Silomais landet im Futtertrog und in der Biogasanlage, Körnermais dient als Futter, Stärkerohstoff und Lebensmittel. In Deutschland überwiegt der Silomais deutlich.

Warum steht Mais in der Kritik?

Großflächiger Maisanbau kann Böden auslaugen, die Artenvielfalt senken und Erosion begünstigen. In Deutschland wuchs die Fläche vor allem durch Biogasanlagen stark, was als Vermaisung der Landschaft kritisiert wird. Dazu kommt die Tank-oder-Teller-Debatte um Mais als Sprit.

Quellen

U.S. Department of Agriculture | World Agricultural Supply and Demand Estimates, Feed Grains: Corn | https://www.usda.gov/oce/commodity/wasde | besucht am 22.07.2026

USDA Foreign Agricultural Service | Grain: World Markets and Trade | https://apps.fas.usda.gov/psdonline/circulars/grain.pdf | besucht am 22.07.2026

Statista | Weltweite Maisproduktion nach Ländern 2025/26 | https://de.statista.com/statistik/daten/studie/28883/umfrage/prognose-zur-maisproduktion-nach-laendern/ | besucht am 22.07.2026

Office of the U.S. Trade Representative | USMCA Biotech Corn Dispute | https://ustr.gov/about-us/policy-offices/press-office/press-releases/2025/february | besucht am 22.07.2026

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) | Maisanbau in Deutschland | https://mediathek.fnr.de/grafiken/bioenergie/biogas/maisanbau-in-deutschland.html | besucht am 22.07.2026

Bundeszentrum für Ernährung (BZL) | Gibt es eine Vermaisung der Landschaft? | https://www.landwirtschaft.de/umwelt/natur/biodiversitaet/gibt-es-in-deutschland-eine-vermaisung-der-landschaft | besucht am 22.07.2026

agrarheute | Maispreise und Anbauflächen 2025/26 | https://www.agrarheute.com/tag/maispreis | besucht am 22.07.2026

Landwirtschaftskammer Niedersachsen | Getreide- und Ölsaatenmarkt, USDA-Bericht | https://www.lwk-niedersachsen.de/lwk/news/68015 | besucht am 22.07.2026

Pflanzenforschung.de | Domestikationsgeschichte des Maises | https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/journal/die-evolution-des-maises-1782 | besucht am 22.07.2026

Trading Economics | Corn Price, Chart and News | https://tradingeconomics.com/commodity/corn | besucht am 22.07.2026

4,2 10 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?