Hülsenfrüchte erobern langsam die Äcker, auf denen sonst Weizen und Mais stehen. Im Dürresommer 2026 hat der Mais in Baden-Württemberg bis zu 80 Prozent Ertrag verloren, während die Kichererbse mit der Trockenheit gut zurechtkam. Ob daraus eine Wende wird, entscheidet sich nicht auf dem Feld allein.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Der Blick über ein vertrocknetes Maisfeld in der Rheinebene zeigt in diesem Sommer, wie verletzlich Deutschlands Ackerbau geworden ist. Zwei alte Kulturpflanzen drängen zurück auf die Felder, die genau das aushalten, woran Weizen und Mais gerade scheitern. Der Kaiserstuhl vor den Toren Freiburgs gehört zu den Orten, an denen dieser Wandel gerade Fahrt aufnimmt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Weizen und Mais geraten durch den Klimawandel zunehmend unter Druck. 2026 haben Betriebe in Baden-Württemberg beim Mais bis zu 80 Prozent Ernteverlust gemeldet.
  • Kichererbse und Linse vertragen Trockenheit gut und binden über Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft. Das spart Dünger und verbessert den Boden für die nächste Frucht.
  • Der Markt ist da: Deutschland importiert jährlich rund 40.000 Tonnen Speiselinsen, weil die heimische Fläche von etwa 2.000 Hektar die Nachfrage bei Weitem nicht deckt.
  • Eine vollständige Verdrängung von Weizen und Mais bleibt unrealistisch. Realistisch ist die Hülsenfrucht als Ergänzung in der Fruchtfolge und als Antwort auf die Eiweißwende.

Fünf Fragen, bevor Sie weiterlesen

Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Kichererbse, Linse und der Klimawandel
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wie viel Ertrag hat der Mais im Sommer 2026 in Teilen Baden-Württembergs verloren? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Einzelne Betriebe meldeten bis zu 50 bis 80 Prozent Ernteverlust, weil der Mais in der Hitze nicht richtig befruchtet wurde.
2 Woher beziehen Kichererbse und Linse ihren Stickstoff? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Über Knöllchenbakterien an den Wurzeln binden Leguminosen Stickstoff aus der Luft und hinterlassen ihn im Boden für die Folgefrucht.
3 Wo wurden die verschollenen Alblinsen-Sorten 2006 wiederentdeckt? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Die Sorten Späths Alblinse I und II galten als ausgestorben und tauchten in einer russischen Genbank wieder auf. Seit 2011 reicht die Ernte für den Markt.
4 Wie viele Speiselinsen importiert Deutschland ungefähr pro Jahr? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Rund 40.000 Tonnen Speiselinsen kommen jährlich aus Ländern wie Kanada, Indien und der Türkei. Die heimischen 2.000 Hektar decken nur einen Bruchteil.
5 Warum fiel die Kichererbsen-Ernte 2023 in Deutschland mager aus? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Die Kichererbse liebt trockene Sommer. 2023 war zu nass, deshalb brachten von rund 1.300 Hektar nur 100 bis 150 Hektar gute Qualität.

Dürresommer 2026: Weizen und Mais geraten unter Druck

Eine antike Waage auf einem Podest mit Getreide und Hülsenfrüchten, beschriftet mit „heimisch“
Landwirt Simon Ibach aus Sinzheim verliert durch Hitze und Wassermangel 50 bis 80 Prozent seiner Maisernte, da die Körner klein bleiben

Landwirt Simon Ibach aus Sinzheim bei Baden-Baden hat in diesem Sommer über seine Maisfelder geschaut und kaum ausgefüllte Kolben gefunden. Hitze und Wassermangel haben die Befruchtung verhindert, die Körner blieben klein. Ibach rechnet mit 50 bis 80 Prozent weniger Ertrag, wie er dem ZDF geschildert hat. Er steht mit diesem Befund nicht allein.

Der Deutsche Bauernverband hat für 2026 eine Getreideernte von rund 41,9 Millionen Tonnen erwartet, etwa sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Verbandspräsident Joachim Rukwied hat vor allem den Süden und Westen als Sorgenregionen benannt, wo fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten geführt haben. Der Weizenpreis lag zuletzt bei etwa 220 Euro pro Tonne.

Der Weizen dominiert die deutsche Fläche. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes stehen 2026 rund 6,03 Millionen Hektar Getreide auf den Feldern, allein der Winterweizen belegt mit etwa 2,9 Millionen Hektar fast die Hälfte davon. Diese Konzentration auf wenige Hauptkulturen macht die Ernte verwundbar: Trifft ein Wetterextrem genau die sensible Phase dieser Leitkultur, schlägt es voll auf die Gesamtbilanz durch.

Besonders hart hat es den Mais getroffen. Die Pflanze stammt aus warmen Regionen, doch ihre Blüte reagiert empfindlich auf Hitzestress. Steigen die Temperaturen während der Befruchtung über die kritische Schwelle, bleiben die Kolben lückenhaft. Genau das haben Betriebe von der Rheinebene bis nach Brandenburg 2026 beobachtet. Der Weizen leidet leiser, aber ebenso: Ein früh einsetzender Trockenstress lässt die Körner kleiner ausfallen, was Ertrag und Backqualität mindert.

Diese Dürre ist kein Ausreißer mehr. Das Forschungskonsortium World Weather Attribution hat berechnet, dass eine landwirtschaftliche Bodendürre in Westeuropa heute rund fünfmal so wahrscheinlich ist wie in einer Welt ohne Klimawandel. In Osteuropa liegt der Faktor sogar bei etwa elf. Die Klimaforscherin Sarah Kew vom niederländischen Wetterdienst verweist darauf, dass extreme Hitze zur Hauptursache europäischer Dürren wird, weil Wasser schneller aus Böden und Flüssen verdunstet.

Für die zwei wichtigsten Kulturen der deutschen Felder ist das eine schlechte Nachricht. Modellrechnungen zeigen, dass ein Grad mehr in der Wachstumsphase den Ertrag um etwa zehn Prozent drücken kann. Weizen deckt fast die Hälfte der deutschen Getreidefläche ab, beim Mais fällt die Wachstumsphase ausgerechnet in die heißesten Monate. Der Klimawandel schlägt dabei längst über den Acker hinaus durch und trifft Branchen, die kaum jemand auf der Rechnung hat.

Ökonomisch trifft das die Höfe doppelt. Sinkende Erntemengen bei schwankenden Preisen drücken die Deckungsbeiträge, während die Kosten für Diesel, Dünger und Pacht hoch bleiben. Ein einzelnes Dürrejahr lässt sich mit Rücklagen abfedern, eine Serie von Dürrejahren nicht. Aus Sicht der Redaktion ist diese Serie längst Realität, kein Katastrophenszenario für übermorgen.

Auf den Punkt

Die Dürre trifft Weizen und Mais mitten in der empfindlichsten Wachstumsphase. Was früher als Jahrhundertereignis galt, kehrt in Deutschland immer häufiger wieder. Genau diese Lücke suchen trockenheitsfeste Kulturen zu füllen.

Was die Hülsenfrucht kann, was dem Getreide fehlt

Freigestellte Pflanze mit Wurzeln und Knöllchen vor neutralem Hintergrund
Knöllchenbakterien binden Luftstickstoff: Die Linse düngt den Acker für die nächste Frucht gleich mit.

Kichererbse und Linse bringen genau die Eigenschaft mit, die im heißen Sommer zählt: Trockenheit macht ihnen wenig aus. Beide wurzeln tief und kommen mit kargen Böden zurecht, auf denen Weizen und Mais längst schlappmachen. Die Linse gedeiht auf steinigem Untergrund ohne Staunässe am besten, die Kichererbse liebt den trockenen Sommer sogar. Zu den genügsamen Kulturen zählt auch die anspruchslose Hirse, die ähnlich wenig Wasser braucht.

Der Grund für die Genügsamkeit liegt in der Wurzel. Kichererbse und Linse erschließen mit tiefen Pfahlwurzeln Wasser aus Bodenschichten, die der flach wurzelnde Mais nicht erreicht. Zugleich verdunsten beide Kulturen im Verhältnis zum gebildeten Ertrag weniger Wasser als Getreide. Diese hohe Wassernutzungseffizienz ist in einem Klima, das häufiger lange Trockenphasen bringt, bares Geld wert.

Der zweite Vorteil steckt unter der Erde. Als Leguminosen gehen Kichererbse und Linse eine Partnerschaft mit Knöllchenbakterien ein, die Stickstoff aus der Luft binden. Diesen Stickstoff nutzt die Pflanze selbst und hinterlässt einen Teil davon im Boden. Die Hülsenfrucht verhält sich damit wie ein Mieter, der die Wohnung sauberer hinterlässt, als er sie vorgefunden hat.

Für die Landwirtschaft bedeutet das zwei gesparte Kostenblöcke. Die Hülsenfrucht selbst braucht keinen Stickstoffdünger. Die Folgefrucht in der Fruchtfolge startet mit einem gut versorgten Boden. Weizen und Mais dagegen hängen am Mineraldünger, dessen Preis wiederum am Erdgas hängt. In einer Fruchtfolge wirkt die Leguminose deshalb wie ein Puffer gegen zwei Risiken gleichzeitig, gegen Trockenheit und gegen teure Betriebsmittel.

Die Stickstoff-Rechnung lässt sich beziffern. Mineralischer Stickstoffdünger wird überwiegend aus Erdgas hergestellt, weshalb sein Preis nach dem Gaspreisschock 2022 zeitweise stark gestiegen ist. Eine Hülsenfrucht in der Fruchtfolge senkt diesen Bedarf spürbar und macht den Betrieb ein Stück unabhängiger von den Weltmärkten für Energie und Dünger. Der Nutzen wächst also genau in den Jahren, in denen Dünger teuer ist.

Konkret hinterlässt eine Körnerleguminose je nach Kultur und Standort eine nennenswerte Menge Stickstoff für die Folgefrucht, die sonst als Mineraldünger zugekauft werden müsste. Dieser Effekt verteilt die Kosten der Hülsenfrucht auf zwei Erntejahre und verbessert die Gesamtbilanz der Fruchtfolge, selbst wenn die Leguminose in ihrem eigenen Jahr nur einen mittleren Ertrag bringt. Ein Betriebsleiter rechnet die Hülsenfrucht deshalb nie isoliert, sondern immer über die ganze Rotation.

Ganz ohne Haken kommt der Umstieg nicht. Die Erträge der Hülsenfrucht liegen deutlich unter denen von Weizen. Zudem schwankt die Ertragssicherheit stärker. Ein trockenes Jahr ist gut für die Kichererbse, ein nasses ruiniert die Ernte. Genau diese Schwankung entscheidet später darüber, ob aus der Nische ein ernstzunehmender Anbau wird.

Trockenheit und Stickstoff: Wo Hülsenfrüchte punkten

Vier Feldfrüchte, verglichen an den zwei Eigenschaften, die im Dürresommer 2026 den Unterschied machen.

Wie gut halten sie Trockenheit aus?

Mais
sehr empfindlich

Ausgerechnet in der heißen Blütezeit gesät: In Baden-Württemberg meldeten Betriebe 2026 bis zu 50 bis 80 Prozent Ernteverlust.

Weizen
empfindlich im Süden

Der Deutsche Bauernverband erwartet für 2026 rund 41,9 Millionen Tonnen Getreide, etwa 7 Prozent unter dem Vorjahr.

Kichererbse
trockenheitstolerant

Verträgt trockene Sommer gut und wurzelt tief. Der Haken sitzt umgekehrt: In nassen Jahren fällt die Ernte klein aus.

Linse
genügsam

Kommt mit langer Trockenheit und kargen, steinigen Böden zurecht, solange keine Staunässe im Feld steht.

Wer düngt den Acker von selbst?

Kichererbse und Linse gehören zu den Leguminosen. Über Knöllchenbakterien an den Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und hinterlassen ihn im Boden für die nächste Frucht. Weizen und Mais brauchen dafür Mineraldünger.

0 kg
Stickstoffdünger nötig für die Hülsenfrucht selbst
+ N
Stickstoff-Gutschrift für die Folgefrucht in der Fruchtfolge
1,66 %
Anteil der Körnerleguminosen an Deutschlands Ackerfläche (2025)

Kichererbse und Linse: zwei Comebacks auf deutschen Äckern

Zwei graue Päckchen mit Beschriftung für Alblinse und Kichererbse auf weißem Grund
2006 tauchten die verschollenen Alblinsen-Sorten in einer russischen Genbank wieder auf. Heute wachsen sie auf rund 2.000 Hektar.

Die Linse hat auf deutschen Böden eine lange Geschichte. Über Jahrhunderte gehörte die Schwäbische Alb zu den Hauptanbaugebieten, im 19. Jahrhundert standen dort mehrere Tausend Hektar. Mitte der 1950er Jahre stellten die Bauern den Anbau fast vollständig ein, weil die Ernte mühsam war und Importware aus Kanada, Indien und der Türkei billiger zu haben war. Die alten Sorten galten als verschollen.

Die Rückkehr liest sich wie ein Agrarkrimi. 2006 tauchten die Sorten Späths Alblinse I und II in einer russischen Genbank wieder auf. Seit 2011 reicht die Ernte für den Markt, aus der Nachfrage ist die Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa gewachsen, die sich 2014 in Lauteracher Alb-Feld-Früchte umbenannt hat. Heute wächst die Linse in Deutschland auf rund 2.000 Hektar, fast ausschließlich im Ökolandbau, mit Erträgen zwischen 0,6 und 1,2 Tonnen je Hektar.

Hinter dem Comeback stecken viel Handarbeit und Geduld. Die Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa hat nicht nur den Anbau organisiert, sondern auch Reinigung, Sortierung und Vermarktung in eigene Hände genommen. Genau diese Wertschöpfungstiefe hat die Alblinse vom Nischenprodukt zur regionalen Marke gemacht, für die Verbraucher spürbar mehr bezahlen als für anonyme Importware.

Über die Alb hinaus verteilt sich der Anbau auf wenige Regionen: das Heckengäu, Hohenlohe, das fränkische Umland und den hessischen Vogelsberg. Auch Brandenburg will an die alten Anbauzentren aufschließen und fördert ein Bio-Linsen-Projekt mit 295.000 Euro. Von allein käme dort kaum ein Betrieb auf die Linse, doch die Rechnung ist bestechend: Klimawandel, Trockenheit, schwache Böden und trotzdem eine Ernte.

Die Kichererbse ist der jüngere Neuzugang. 2023 stand die Kultur auf rund 1.100 bis 1.300 Hektar, unter anderem in der Rheinebene, am Kaiserstuhl, in Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Der Haken zeigte sich im selben Jahr: Wegen der feuchten Witterung brachten nur 100 bis 150 Hektar gute Qualität, wie das Portal praxis-agrar der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung dokumentiert. Der Agrarforscher Claas Nendel vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung bringt die Lage auf eine Formel: Mais unter Druck, Chancen für die Kichererbse.

Bei der Kichererbse fehlt eine solche Struktur noch weitgehend. Pioniere tasten sich vor, oft in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Direktvermarktern. Die Rheinebene rund um den Kaiserstuhl bietet mit warmen, trockenen Sommern gute Voraussetzungen, doch ein einziger verregneter August genügt, um die Jahresernte zu entwerten. Robuste Anbauverträge sind deshalb wichtiger als jeder Rekordertrag.

Auf den Punkt
  • Linse: rund 2.000 Hektar, Comeback über eine Genbank, Schwerpunkt Schwäbische Alb.
  • Kichererbse: rund 1.300 Hektar, jung und empfindlich gegen Nässe, Schwerpunkt Rheinebene und Osten.
  • Gemeinsam: noch Nische, aber mit klarem Rückenwind aus Klima und Nachfrage.

Der Markt: Die Nachfrage ist da, die Fläche fehlt

Voller Importcontainer mit Linsen neben kleiner Kichererbsenpflanze auf Erde mit Hinweisschild
Rund 40.000 Tonnen Speiselinsen importiert Deutschland pro Jahr, weil die heimische Fläche die Nachfrage nicht deckt.

Das eigentliche Argument für die Hülsenfrucht steht nicht auf dem Feld, sondern im Regal. Deutschland importiert jährlich rund 40.000 Tonnen Speiselinsen, überwiegend aus Kanada, Indien und der Türkei, wie der Industrieverband Agrar berichtet. Bei Kichererbsen kamen laut FAO 2018 rund 14.400 Tonnen ins Land, dreieinhalbmal so viel wie noch 2010. Die Nachfrage übersteigt das heimische Angebot bei beiden Kulturen um ein Vielfaches.

Insgesamt sind die Hülsenfrüchte auf dem Vormarsch, wenn auch von niedrigem Niveau. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes standen 2025 rund 276.000 Hektar Körnerleguminosen auf deutschen Äckern, also Erbsen, Ackerbohnen, Süßlupinen und Sojabohnen. Das entspricht 1,66 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche, dreimal so viel wie noch 2016. Kichererbse und Linse sind darin nur ein winziger Ausschnitt, den Destatis mangels Fläche gar nicht gesondert ausweist.

Der Preis erzählt dieselbe Geschichte. Heimische Bio-Linsen kosten im Handel ein Vielfaches der Importware und finden trotzdem Abnehmer, weil Herkunft und Geschichte mitverkauft werden. Diese Zahlungsbereitschaft ist der eigentliche Hebel: Solange Verbraucher den Aufpreis für regionale Hülsenfrüchte akzeptieren, trägt sich der Anbau auch bei bescheidenen Erträgen.

Die Politik fördert diesen Umbau seit Langem. Die Eiweißpflanzenstrategie des Bundes läuft bereits seit 2012 und will heimische Leguminosen als Eiweißquelle und als Baustein einer nachhaltigeren Landwirtschaft stärken. Ehrlich betrachtet fällt die Bilanz nach vierzehn Jahren dünn aus: Trotz Strategie bleibt der Anbau eine Nische. Fördergeld ersetzt eben keine funktionierende Wertschöpfungskette.

Auch die Agrarförderung setzt Anreize. Über die Gemeinsame Agrarpolitik der EU werden Leguminosen als stickstoffbindende Kulturen honoriert, weil sie Umwelt und Klima entlasten. Fördergeld allein schafft aber keinen Markt. Entscheidend bleibt, ob Mühlen, Schälbetriebe und Handel die heimische Ernte verlässlich abnehmen und zu einem fairen Preis vergüten.

Genau an dieser Kette hakt es. Nicht der Absatz ist das Problem, sondern die Vermarktung der heimischen Ware: Reinigung, Sortierung, Verpackung und der Zugang zum Handel. Wo das gelingt, wie bei Alb-Leisa, entsteht regionale Wertschöpfung, die weit über den reinen Rohstoffpreis hinausgeht. Wo es fehlt, bleibt der Landwirt auf seiner Ernte sitzen, obwohl der Markt sie eigentlich verlangt.

Import statt Acker: Deutschlands Hülsenfrucht-Bilanz

Bei Linsen und Kichererbsen wächst die Nachfrage schneller als die heimische Fläche. Den Rest liefert das Ausland.

Heimischer Anbau gegen Import

Linse
heimischer Anbaurund 2.000 ha
Speiselinsen-Import pro Jahrrund 40.000 t

Fast alle Speiselinsen auf deutschen Tellern stammen aus Kanada, Indien oder der Türkei.

Kichererbse
heimischer Anbau (2023)1.100 bis 1.300 ha
Import 2018 gegenüber 20103,5-mal so viel

2018 kamen laut FAO rund 14.400 Tonnen Kichererbsen ins Land, dreieinhalbmal so viel wie 2010.

Der Rahmen in Zahlen

276.000 ha
Körnerleguminosen gesamt in Deutschland (2025), das sind 1,66 Prozent der Ackerfläche
seit 2012
läuft die Eiweißpflanzenstrategie des Bundes zur Förderung des Leguminosen-Anbaus
100 bis 150 ha
der Kichererbsen-Fläche 2023 brachten wegen der Nässe gute Qualität, der Rest kaum

Die Eiweißwende auf dem Teller

Dampfende Schüssel Linsensuppe neben einer mit Kichererbsen gefüllten Sanduhr
Von rund 100 Kilogramm 1987 auf knapp 55 Kilogramm 2025: Der Fleischkonsum sinkt, die Nachfrage nach pflanzlichem Eiweiß wächst.

Hinter der wachsenden Nachfrage steht eine tiefe Verschiebung im Einkaufskorb. Der Fleischkonsum ist in Deutschland von rund 100 Kilogramm pro Kopf im Jahr 1987 auf 52,7 Kilogramm 2022 gefallen, den bisherigen Tiefstand. 2025 lag der Verzehr laut Greenpeace bei 54,9 Kilogramm, leicht höher, getragen vom Geflügel. Der langfristige Trend zeigt trotzdem klar nach unten.

Den Platz auf dem Teller füllt zunehmend pflanzliches Eiweiß. Fast die Hälfte der Bevölkerung bezeichnet sich als Flexitarier, rund zehn Prozent leben vegetarisch oder vegan. Pflanzenprotein liegt im Trend, wie schon der Aufstieg der Quinoa gezeigt hat. Hülsenfrüchte liefern genau dieses Eiweiß, dazu Ballaststoffe, Eisen und Zink. Das alles verursacht nur einen Bruchteil der Umweltbelastung von Fleisch.

Der Handel hat die Verschiebung längst eingepreist. Discounter und Supermärkte haben ihr Sortiment an Linsen, Kichererbsen und Fertiggerichten auf Hülsenfruchtbasis in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Hummus, Linsenbolognese und Kichererbsen-Snacks stehen heute in Regalen, in denen vor zehn Jahren fast nur Dosenware lag. Diese Sichtbarkeit senkt die Hemmschwelle und macht aus einem Ernährungstrend eine Gewohnheit.

Auch die offizielle Ernährungsempfehlung hat nachgezogen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät seit 2024 zu einer Kost, die zu mindestens drei Vierteln pflanzlich ist. Hülsenfrüchte hebt die Fachgesellschaft eigens hervor. Fleisch soll pro Woche 300 Gramm nicht überschreiten. Ein Grund für den Kurswechsel sind die Folgekosten: Nach einer Greenpeace-Studie verursacht die Ernährung in Deutschland jährlich rund 50 Milliarden Euro an versteckten Umwelt- und Gesundheitskosten, allein die Fleischproduktion schlägt mit etwa 21 Milliarden Euro zu Buche.

Ernährungswissenschaftlich sprechen ohnehin viele Argumente für die Hülsenfrucht. Der hohe Gehalt an Eiweiß, Ballaststoffen und Mineralstoffen bei niedrigem glykämischen Index passt zu den Empfehlungen gegen Übergewicht und Diabetes. Genau deshalb hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung Hülsenfrüchte in ihren neuen Empfehlungen aus der Beilagenrolle geholt.

Die Richtung dürfte sich verstetigen. Das Bundeszentrum für Ernährung rechnet in seinem Trendszenario damit, dass der Fleischverzehr bis 2045 auf etwa 40 Kilogramm sinkt, im beschleunigten Szenario sogar auf 30 Kilogramm. Für Kichererbse und Linse wächst damit ein Markt heran, den kein Fördertopf erzwingen musste.

Auf den Punkt

Weniger Fleisch, mehr Pflanze: Der Fleischkonsum ist seit 1987 fast halbiert, die DGE empfiehlt drei Viertel pflanzliche Kost. Hülsenfrüchte sitzen genau im Zentrum dieser Nachfrage.

Die Kichererbse rettet den deutschen Acker nicht, sie ergänzt ihn. Auf 1.300 Hektar wächst kein Gegenentwurf zum Weizen, sondern eine zweite Versicherung gegen den nächsten Dürresommer.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was gegen die schnelle Wende spricht

Mähdrescher-Modell auf Erd-Pflanzen-Gemisch mit Zettel: „zu nass. 2023“ vor weißem Grund
2023 brachten von rund 1.300 Hektar Kichererbsen nur 100 bis 150 Hektar gute Qualität. Nässe verträgt die Kichererbse schlecht.

So verlockend die Rechnung klingt, drei harte Hürden bremsen das Tempo. Die erste heißt Ertragssicherheit. Das Kichererbsen-Jahr 2023 hat gezeigt, wie schnell Nässe die Ernte verdirbt. Auch die Linse schwankt je nach Witterung zwischen 200 und 1.000 Kilogramm je Hektar. Ein Betrieb, der auf verlässliche Deckungsbeiträge angewiesen ist, kalkuliert solche Ausschläge ungern ein.

Die zweite Hürde ist die Ernte selbst. Die Linse wächst niedrig und neigt zum Lagern. Deshalb braucht die Pflanze eine Stützfrucht wie Leindotter oder Hafer als Kletterhilfe. Anschließend müssen beide Früchte wieder getrennt werden. Genau dieser Aufwand hat den Anbau in den 1950er Jahren zum Erliegen gebracht. Moderne Technik senkt ihn nur teilweise.

Die dritte Hürde ist der Saatgut- und Strukturmangel. Passendes Saatgut ist schwer zu bekommen, die pflanzenbauliche Erfahrung fehlt vielerorts. Ohne Aufbereiter und Abnehmer in der Region lohnt sich der Anbau nicht. Ein Betrieb, der heute umsteigen will, baut ein halbes Wertschöpfungssystem mit auf.

Ein Teil des Risikos steckt im Klima selbst. Zwar liebt die Kichererbse den trockenen Sommer, doch dasselbe Wetter, das den Weizen quält, bringt zunehmend auch Extreme in die andere Richtung: Starkregen, Hagel und nasse Erntefenster. Eine Kultur, die Feuchtigkeit schlecht verträgt, ist gegen solche Ausschläge nicht gefeit. Klimaanpassung heißt deshalb nicht, ein Risiko gegen ein anderes zu tauschen.

Und schließlich verschwinden Weizen und Mais nicht. Weizen bleibt das Brotgetreide, Mais dient als Futter und als Rohstoff für Biogas. Eine Fläche, die heute Futtermais trägt, lässt sich nicht ohne Weiteres in ein Kichererbsenfeld verwandeln, ohne dass die Lücke an anderer Stelle spürbar wird. Die Frage im Titel beantwortet sich damit ehrlich mit einem Nein, versehen mit einem großen Aber.

Auf den Punkt
  • Ertrag: stark schwankend, nasse Jahre ruinieren die Kichererbse.
  • Ernte: Linse braucht Stützfrucht und aufwändige Trennung.
  • Struktur: Saatgut, Erfahrung und Abnehmer fehlen oft.

Ausblick: Ergänzung statt Ersatz

Hand hält Pflanze mit „PLAN B“-Schild neben vertrocknetem Mais auf rissiger Erde
Hitzetolerante Sorten und clevere Fruchtfolgen: Die Hülsenfrucht wird zur zweiten Versicherung gegen den Dürresommer.

Die realistische Zukunft der Hülsenfrucht liegt nicht im Verdrängen, sondern in der Fruchtfolge. Als Glied zwischen zwei Getreidejahren bricht die Leguminose Krankheitszyklen, lockert den Boden und liefert Stickstoff gratis. Der Ertrag der Folgefrucht steigt dadurch, sodass sich der Anbau auch dann rechnet, wenn die Hülsenfrucht selbst nur mittelmäßig trägt.

Der zweite Hebel ist die Züchtung. Forschungsprojekte testen Linsensorten an klimatisch verschiedenen Standorten, um ertragreichere und robustere Varianten zu finden. Präsident Rukwied vom Bauernverband fordert seit Längerem hitzetolerantere und widerstandsfähigere Sorten. Für die Kichererbse gilt dasselbe: Ohne bessere Sorten bleibt die Ernte ein Wetterlotto.

Die Forschung liefert dafür die Grundlage. Neben der Sortenzüchtung untersuchen Institute wie das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, welche Kulturen unter künftigen Klimabedingungen wo am besten gedeihen. Für Landwirte entsteht daraus eine wachsende Wissensbasis, auf der sich Entscheidungen treffen lassen, statt ins Blaue zu experimentieren.

Drei Szenarien sind für die kommenden Jahre denkbar. Im konservativen Fall bleibt die Kichererbse eine Liebhaberkultur für trockene Gunstlagen. Im realistischen Fall wächst der Anbau stetig als Fruchtfolge-Baustein und regionale Spezialität. Im optimistischen Fall treffen bessere Sorten, gesicherte Abnahme und die Eiweißwende zusammen. Die Fläche vervielfacht sich dann innerhalb eines Jahrzehnts.

Für die Praxis heißt das Konkretes. Landwirte prüfen die Hülsenfrucht am besten im Verbund: als Fruchtfolgeglied, mit Vertragsanbau und einem festen Abnehmer, nicht als isoliertes Experiment. Verbraucher wiederum entscheiden mit dem Einkauf, indem sie zu heimischer Ware greifen. Am Kaiserstuhl vor Freiburg lässt sich schon heute besichtigen, wie aus einem trockenen Acker eine ökonomische Chance wird.

Für Verbraucher ist der Beitrag kleiner, aber real. Jede Packung heimischer Linsen oder Kichererbsen im Einkaufskorb stärkt die junge Wertschöpfungskette und macht den Anbau für den nächsten Betrieb attraktiver. Die Eiweißwende beginnt nicht im Ministerium, sondern an der Ladenkasse.

Auf den Punkt

Kichererbse und Linse ersetzen Weizen und Mais nicht, sondern ergänzen die Fruchtfolge und bedienen die Eiweißwende. Bessere Sorten und feste Abnehmer entscheiden über das Tempo.

Glossar: 13 wichtige Begriffe rund um Hülsenfrüchte und Klimaanpassung

Offenes Buch mit Suchleiste, Linsen, Kichererbsen und Zettel „Nicht für die Grüne Soße!“
13 Begriffe rund um Hülsenfrüchte, Stickstofffixierung und die Eiweißwende, kompakt erklärt.

Ackerbohne

Ackerbohne: Eine heimische Körnerleguminose mit hohem Eiweißgehalt, überwiegend als Futtermittel genutzt. Wie Kichererbse und Linse bindet die Ackerbohne Luftstickstoff und verbessert die Fruchtfolge. In der deutschen Anbaustatistik zählt die Ackerbohne zu den flächenstärksten Hülsenfrüchten.

Eiweißpflanzenstrategie

Eiweißpflanzenstrategie: Ein Förderprogramm des Bundes, das seit 2012 den Anbau heimischer Leguminosen wie Erbse, Bohne, Linse und Lupine stärken soll. Ziel sind mehr pflanzliches Eiweiß aus deutscher Erzeugung und eine nachhaltigere Landwirtschaft mit geringerem Düngerbedarf.

Eiweißwende

Eiweißwende: Die Verschiebung der Ernährung von tierischem zu pflanzlichem Eiweiß, auch Proteinwende genannt. Sinkender Fleischkonsum und wachsende Nachfrage nach Hülsenfrüchten und Fleischalternativen sind ihre sichtbarsten Zeichen in Deutschland.

Flexitarier

Flexitarier: Menschen, die ihren Fleischkonsum bewusst reduzieren, ohne ganz darauf zu verzichten. Fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung zählt sich dazu. Diese Gruppe treibt die Nachfrage nach pflanzlichem Eiweiß stärker als die kleinere Gruppe der Veganer.

Fruchtfolge

Fruchtfolge: Der geplante Wechsel der Kulturen auf einem Feld über mehrere Jahre. Eine Leguminose als Zwischenglied unterbricht Krankheitszyklen und reichert den Boden mit Stickstoff an, wovon die nachfolgende Getreidefrucht profitiert.

Hülsenfrucht

Hülsenfrucht: Die essbaren Samen von Pflanzen aus der Familie der Leguminosen, darunter Linse, Kichererbse, Erbse und Bohne. Hülsenfrüchte liefern viel pflanzliches Eiweiß und Ballaststoffe und gelten als Grundpfeiler einer nachhaltigen Ernährung.

Kichererbse

Kichererbse: Eine wärmeliebende, trockenheitstolerante Hülsenfrucht, die in Deutschland vor allem in Gunstlagen wie der Rheinebene und am Kaiserstuhl angebaut wird. In nassen Jahren fällt die Ernte klein aus, weshalb der Anbau bislang eine Nische bleibt.

Knöllchenbakterien

Knöllchenbakterien: Bodenbakterien, die in kleinen Knöllchen an den Wurzeln von Leguminosen leben. Diese Bakterien binden Stickstoff aus der Luft und stellen ihn der Pflanze zur Verfügung. Dieser Vorgang macht Mineraldünger überflüssig und hinterlässt Stickstoff im Boden.

Körnerleguminose

Körnerleguminose: Eine Leguminose, die zur Gewinnung reifer Körner angebaut wird, etwa Erbse, Ackerbohne, Sojabohne, Lupine, Linse und Kichererbse. In Deutschland standen 2025 rund 276.000 Hektar Körnerleguminosen, das sind 1,66 Prozent der Ackerfläche.

Linse

Linse: Eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt, in Deutschland vor allem auf der Schwäbischen Alb beheimatet. Nach dem Fast-Aussterben in den 1950er Jahren feiert die Kulturpflanze seit den 2010er Jahren ein Comeback, überwiegend im Ökolandbau.

Stickstofffixierung

Stickstofffixierung: Die Umwandlung von Luftstickstoff in eine für Pflanzen nutzbare Form. Bei Leguminosen übernehmen das die Knöllchenbakterien. Dieser natürliche Dünger spart Mineraldünger und senkt damit sowohl Kosten als auch Treibhausgasemissionen.

Stützfrucht

Stützfrucht: Eine begleitende Kultur wie Leindotter oder Hafer, an der sich niedrig wachsende Linsen hochranken. Die Stützfrucht verhindert das Lagern der Linse und erleichtert die Ernte. Anschließend werden beide Früchte wieder voneinander getrennt.

Trockenheitstoleranz

Trockenheitstoleranz: Die Fähigkeit einer Pflanze, längere Trockenphasen ohne starke Ertragseinbußen zu überstehen. Kichererbse und Linse bringen diese Eigenschaft mit, Mais und Weizen kaum. Im Zuge des Klimawandels wird diese Eigenschaft für die deutsche Landwirtschaft immer wichtiger.

FAQ: Verdrängen Kichererbsen und Linsen bald Weizen und Mais?

Eine alte Balkenwaage mit Linsen und Getreide. Darauf ein Schild mit der Aufschrift „FAQ“
Die häufigsten Fragen zu Anbau, Fläche und Zukunft von Kichererbsen und Linsen in Deutschland.

Kann man Kichererbsen in Deutschland anbauen?

Ja, Kichererbsen lassen sich in Deutschland anbauen, vor allem in trockenwarmen Gunstlagen wie der Rheinebene, am Kaiserstuhl und in Teilen Ostdeutschlands. 2023 standen rund 1.100 bis 1.300 Hektar. In nassen Jahren fällt die Ernte allerdings klein aus, weil die Kichererbse Feuchtigkeit schlecht verträgt.

Wo werden in Deutschland Linsen angebaut?

Linsen wachsen in Deutschland vor allem auf der Schwäbischen Alb, dazu im Heckengäu, in Hohenlohe, Franken und im hessischen Vogelsberg. Die Gesamtfläche liegt bei rund 2.000 Hektar, fast ausschließlich im Ökolandbau. Auch Brandenburg baut den Anbau mit Förderung aus.

Warum sind Hülsenfrüchte gut für den Boden?

Hülsenfrüchte binden über Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft und hinterlassen ihn im Boden. Das spart Mineraldünger und verbessert die Fruchtfolge, weil die nachfolgende Kultur von dem zusätzlichen Stickstoff profitiert.

Welche Feldfrüchte kommen mit Trockenheit am besten zurecht?

Zu den trockenheitstoleranten Kulturen zählen Kichererbse, Linse, Hirse und Sorghum. Sie wurzeln tief und kommen mit kargen Böden zurecht, während Mais und Weizen in Hitzephasen deutlich empfindlicher reagieren und schneller Ertrag verlieren.

Wie viel Fläche nehmen Hülsenfrüchte in Deutschland ein?

2025 standen rund 276.000 Hektar Körnerleguminosen auf deutschen Äckern, das sind 1,66 Prozent der Ackerfläche und dreimal so viel wie 2016. Linse und Kichererbse machen davon nur einen kleinen Bruchteil aus.

Ersetzen Kichererbsen und Linsen bald Weizen und Mais?

Nein, eine vollständige Verdrängung ist unrealistisch. Weizen bleibt Brotgetreide, Mais wichtiges Futter und Biogas-Rohstoff. Kichererbse und Linse wachsen aber als Ergänzung in der Fruchtfolge und als Antwort auf die sinkende Nachfrage nach Fleisch.

Quellen

  • Statistisches Bundesamt (Destatis) | Feldfrüchte und Grünland, Ackerland nach Hauptfruchtgruppen | https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Feldfruechte-Gruenland/_inhalt.html | besucht am 28.08.2026
  • praxis-agrar (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung) | Kichererbsen und Linsen für die menschliche Ernährung; Hülsenfrüchte | https://www.praxis-agrar.de/pflanze/ackerbau/kulturpflanzenvielfalt-und-fruchtfolge/kichererbsen-und-linsen-fuer-die-menschliche-ernaehrung | besucht am 28.08.2026
  • Industrieverband Agrar | Mehr Linsen aus deutschem Anbau | https://www.iva.de/iva-magazin/forschung-technik/mehr-linsen-aus-deutschem-anbau | besucht am 28.08.2026
  • ZDFheute | Hitze und Klimawandel: Dürre und Extremwetter setzen Landwirtschaft massiv zu | https://www.zdfheute.de/wissen/hitze-landwirtschaft-klimawandel-duerre-deutschland-100.html | besucht am 28.08.2026
  • Spektrum der Wissenschaft | Hitze und Dürre: Bauernverband erwartet deutlich kleinere Ernten | https://www.spektrum.de/news/hitze-und-duerre-bauernverband-erwartet-deutlich-kleinere-ernten/2340197 | besucht am 28.08.2026
  • Bauernzeitung | Kann Brandenburg zur neuen Linsen-Heimat werden? | https://www.bauernzeitung.de/news/brandenburg/linsen-in-brandenburg-die-kostbarsten-der-welt/ | besucht am 28.08.2026
  • Greenpeace | Fleischkonsum in Deutschland und weltweit | https://www.greenpeace.de/biodiversitaet/landwirtschaft/tierhaltung/fleischkonsum-deutschland-geht-zurueck | besucht am 28.08.2026
  • Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) | Die Zukunft des Fleischkonsums | https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/die-zukunft-des-fleischkonsums | besucht am 28.08.2026
  • Bildungsserver Hamburg | Folgen für landwirtschaftliche Kulturen | https://bildungsserver.hamburg.de/themenschwerpunkte/klimawandel-und-klimafolgen/landwirtschaftliche-kulturen-745578 | besucht am 28.08.2026
4,1 16 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?