Agri-Photovoltaik bringt dm seit Juli 2026 Solarstrom aus einer ungewöhnlichen Quelle. Über der Apfelplantage von Obstbauer David Mild im badischen Neuried-Dundenheim stehen die Module, den erzeugten Strom kauft die Drogeriekette über einen langfristigen Vertrag. Für Entscheider steckt darin ein Muster, das weit über die Apfelbäume hinausreicht.

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Agri-Photovoltaik erzeugt Strom und Ernte auf derselben Fläche. Rund zwei Gigawattstunden Solarstrom liefert die Anlage in Neuried jährlich an dm, geregelt über einen Stromabnahmevertrag mit dem Energiedienstleister EHA.[1] Spannend ist dabei weniger die Technik als die Frage, warum ein Handelskonzern seinen Strom direkt beim Obstbauern kauft.

Das Wichtigste in Kürze

  • dm bezieht seit Juli 2026 Solarstrom aus einer Agri-Photovoltaik-Anlage über einer Apfelplantage in Neuried-Dundenheim.
  • Ein Fünfjahresvertrag mit dem Dienstleister EHA sichert dm den Strom zu festen Konditionen, unabhängig von der Strombörse.
  • Rund zwei Gigawattstunden liefert die Anlage pro Jahr, die Module schützen zugleich die Apfelbäume vor Wetterextremen.
  • Für Unternehmen wird der direkte Ökostrom-Vertrag zum Werkzeug gegen schwankende Preise und für die eigene Klimabilanz.

Was kauft dm auf dem Acker ein?

Ein roter Apfel unter einem Solarmodul mit einem Etikett „Doppelernte“ auf weißem Grund
dm nutzt Agrivoltaik über Apfelplantage von David Mild: Solarmodule erzeugen Strom, während Bäume darunter wachsen. Zweiter Langfristvertrag für Ökostrom

dm sichert sich mit dem Vertrag planbaren Ökostrom direkt an der Quelle. Über der Apfelplantage von David Mild fangen aufgeständerte Module die Sonne ein, während darunter die Bäume weiterwachsen. Für dm ist es bereits die zweite langfristige Grünstrom-Bindung, nach dem Zehnjahresvertrag für einen förderfreien Solarpark in Bayern.

Für den Obstbauern zählt vor allem die Abnahmegarantie. „Der langfristige Abnahmevertrag durch dm schafft die nötige Planungssicherheit, um ein Projekt dieser Art wirtschaftlich umzusetzen“, sagt David Mild.[1]

Warum lohnt sich die Doppelnutzung?

Der eigentliche Hebel ist die doppelte Fläche. Dieselbe Wiese trägt oben Strom und unten Obst, statt beides gegeneinander auszuspielen. Die Module beschatten die Bäume und dämpfen Hagel, Sonnenbrand und Starkregen, ein Vorteil, den ein reines Solarfeld nicht bietet.

Für dm ist der Vertrag ein Preisanker. Ein Stromabnahmevertrag entkoppelt einen Teil der Kosten von der Börse, ähnlich wie sich Thyssenkrupp seinen Grünstrom-Preis langfristig sichert. Der Konzern kauft damit nicht nur Energie, sondern auch Ruhe in der Kalkulation.

Ein Stromvertrag mit dem Obstbauern nebenan ist kein Marketing, sondern Risikomanagement. Ein für fünf Jahre festgezurrter Preis schlägt jede Spekulation an der Strombörse.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Agri-Photovoltaik bei dm: Strom und Äpfel von einer Fläche

Wie der Stromabnahmevertrag vom 3. August 2026 funktioniert.

~2 GWh
Solarstrom pro Jahr für dm aus der Anlage
5 Jahre
Laufzeit des Stromabnahmevertrags mit EHA
1 Fläche, 2 Ernten
Äpfel unten, Strom oben in Neuried-Dundenheim

Das bringt es dm

  • planbarer Ökostrom-Preis, entkoppelt von der Strombörse
  • Beitrag zur eigenen Klimabilanz und zum ESG-Reporting
  • regionale Herkunft des Stroms, nachvollziehbar belegt

Das bringt es dem Obstbauern

  • feste Stromabnahme über fünf Jahre als zweites Standbein
  • Schutz der Apfelbäume vor Hagel, Sonnenbrand und Starkregen
  • Planungssicherheit für die Finanzierung der Anlage

Was heißt das für Ihre Energiekosten?

Solche Direktverträge werden zur Regel statt Ausnahme. Mit dem Auslaufen der garantierten Einspeisevergütung ab 2027 müssen neue Solaranlagen ihren Strom ohnehin selbst vermarkten. Abnehmer wie dm füllen genau diese Lücke. Das Solarpaket der Bundesregierung hat die Regeln für Agri-Photovoltaik zusätzlich gelockert.

Für Entscheider ergeben sich zwei Ansätze. Prüfen Sie, ob ein mehrjähriger Ökostrom-Vertrag Ihre Energiekosten stabiler macht als der Spotmarkt. Und rechnen Sie durch, ob eigene oder gepachtete Flächen sich für eine Doppelnutzung aus Anbau und Stromertrag eignen.

Häufige Fragen zur Agri-Photovoltaik

Was ist Agri-Photovoltaik?

Agri-Photovoltaik bezeichnet die gleichzeitige Nutzung einer Fläche für die Landwirtschaft und die Solarstromerzeugung. Aufgeständerte oder senkrechte Module stehen über oder zwischen den Kulturen, sodass unten weiter Obst, Gemüse oder Getreide wächst und oben Strom entsteht. Das vermeidet die Flächenkonkurrenz zwischen Acker und Solarpark.

Woher bezieht dm seinen Solarstrom?

dm bezieht seit Juli 2026 Solarstrom aus einer Agri-Photovoltaik-Anlage über der Apfelplantage von Obstbauer David Mild in Neuried-Dundenheim bei Offenburg. Die Anlage liefert rund zwei Gigawattstunden pro Jahr. Geregelt ist der Bezug über einen langfristigen Stromabnahmevertrag mit dem Energiedienstleister EHA.

Wie funktioniert ein Power Purchase Agreement?

Ein Power Purchase Agreement (PPA) ist ein direkter, meist mehrjähriger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Abnehmer. Der Abnehmer sichert sich feste Konditionen unabhängig von der Strombörse, der Erzeuger erhält im Gegenzug die Abnahme- und Planungssicherheit, die eine Anlage überhaupt finanzierbar macht.

Welchen Vorteil hat die Doppelnutzung für den Obstbauern?

Der Obstbauer nutzt dieselbe Fläche doppelt und gewinnt ein zweites Standbein aus dem Stromverkauf. Zugleich beschatten die Module die Apfelbäume und dämpfen Wetterextreme wie Hagel, Sonnenbrand und Starkregen. Der feste Abnahmevertrag über fünf Jahre liefert die nötige Planungssicherheit.

Quelle

[1] dm-drogerie markt: „Solarstrom aus Agri-Photovoltaik: dm beteiligt sich an neuem Energieprojekt“

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