Vinod Khosla setzt mit seinem Fonds auf Sabi, ein Start-up aus Palo Alto, das Hirnströme per Kappe in Text übersetzen will. Khosla Ventures führt die Seed-Runde über umgerechnet 43,5 Millionen Euro an, laut Forbes liegt die Bewertung danach bei rund 520 Millionen Euro. Ausgeliefert hat Sabi noch kein einziges Gerät.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür die Gedanken-Kappe von Sabi zahlt Vinod Khosla dieselbe Summe, mit der er 2019 als erster Wagniskapitalgeber bei OpenAI einstieg: umgerechnet 43,5 Millionen Euro. Neben Khosla Ventures beteiligen sich Accel, Initialized Capital, DST Global und der frühere OpenAI-Produktchef Kevin Weil. Sabi-Chef Rahul Chhabra gab die Finanzierung am 9. Oktober auf X bekannt.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Khosla Ventures führt Sabis Seed-Runde über 43,5 Millionen Euro an.
- Eine gemessene Trefferquote hat Sabi bisher nicht veröffentlicht.
- Die KI-Verordnung verbietet seit Februar 2025 die Emotionserkennung per KI am Arbeitsplatz.
Was baut Sabi mit Khoslas Geld?

Die Kappe misst die elektrische Hirnaktivität per Elektroenzephalografie (EEG), ohne Kontaktgel und durch das Haar hindurch. Nach Angaben des Start-ups sitzen darin 70.000 bis 100.000 Sensoren mit rund einem Millimeter Durchmesser, ausgelesen von einem eigenen Chip aus der Fertigung von TSMC.[2] Ein selbst trainiertes Hirnmodell soll gedachte Wörter erkennen und als Text an KI-Assistenten weitergeben. Als Datenbasis nennt Sabi rund 100.000 Stunden Aufnahmen von etwa 100 Probanden.
Laut Forbes will Chhabra bis Ende 2026 eine Mütze ausliefern, die Kappe soll später folgen. Als erstes Ziel nennt der Gründer rund 30 Wörter pro Minute. „Die großartigste und grundlegendste Anwendung einer Gehirn-Computer-Schnittstelle ist, direkt per Gedanken mit dem Computer zu kommunizieren“, sagte Khosla dem Magazin. Geräte ohne Operation hält der Investor laut Forbes für den einzigen Weg in den Massenmarkt.
Warum setzt Khosla auf Datenmengen statt auf Implantate?
Implantate wie bei Elon Musks Neuralink messen direkt am Gehirn und liefern sauberere Signale, verlangen aber eine Operation. Metas Forscher kamen 2025 mit EEG auf 67 Prozent falsch erkannte Buchstaben, mit der aufwendigeren Magnetoenzephalografie (MEG) auf 32 Prozent.[3] Im Juni 2026 erreichte dieselbe Gruppe mit MEG-Aufnahmen von neun Probanden zu je zehn Stunden eine Wortfehlerrate von 39 Prozent. Die Genauigkeit wuchs dabei log-linear mit der Datenmenge, schreiben die Autoren.[4]
Khosla setzt auf diese Skalierung: Sabi sammelt mehr als tausendmal so viele Aufnahmestunden wie Meta, allerdings mit dem schwächeren EEG-Signal. Bei OpenAI floss sein Geld 2019 ebenfalls in eine Skalierungsthese, lange vor dem ersten Produkt. Konkurrenz kommt aus Khoslas eigenem Portfolio: OpenAI investiert in Merge Labs, das Start-up von Sam Altman.
Seed-Runde unter Führung von Khosla Ventures, mit Accel, Initialized Capital, DST Global und Kevin Weil. Bewertung laut Forbes rund 520 Mio. €.
Sensoren mit rund 1 mm Durchmesser messen ohne Gel durch das Haar, ein eigener EEG-Chip von TSMC liest sie aus (Angaben Sabi).
EEG-Aufnahmen von etwa 100 Probanden nennt Sabi. Metas Studie vom Juni 2026 nutzte 90 Stunden MEG von neun Probanden.
falsch erkannte Buchstaben mit EEG bei Meta 2025, mit MEG 32 %. Mit mehr Daten sank die Wortfehlerrate 2026 auf 39 %. Sabi hat noch keine Quote veröffentlicht.
Khosla bezahlt für 100.000 Stunden Hirnströme, die Kappe ist nur das Messgerät dafür.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet eine Gedanken-Kappe für Unternehmen in der EU?
Die KI-Verordnung verbietet seit dem 2. Februar 2025 KI-Systeme, die am Arbeitsplatz oder in Bildungseinrichtungen Emotionen ableiten, ausgenommen sind medizinische und Sicherheitsgründe.[5] Ein Modell, das aus EEG-Daten neben Wörtern auch Ärger oder Zufriedenheit ableitet, fiele im Büro unter dieses Verbot. Die Bußgelder der KI-Verordnung reichen bei verbotenen Praktiken bis 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Lassen Hirnsignale Rückschlüsse auf die Gesundheit zu, gelten sie nach Artikel 9 der DSGVO als besonders geschützte Daten. In Deutschland bestimmt zudem der Betriebsrat mit, sobald eine technische Einrichtung Verhalten oder Leistung der Beschäftigten überwachen kann (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG). Pflegekräfte in den USA berichten bereits, dass KI und Überwachung am Arbeitsplatz ihre Arbeit verschlechtern.
Vor einem Test als Eingabegerät sollten Unternehmen zwei Fragen schriftlich klären. Wo verarbeitet der Anbieter die Rohsignale? Wertet sein Modell neben dem Text weitere Merkmale aus? Laut Sabi verschlüsselt die Kappe die Hirndaten schon im Sensor. Weitere Meldungen über die prägenden Köpfe der Branche sammelt das Archiv der Tech-Titanen.
Quellen
[1] Rahul Chhabra auf X: „we’ve raised $50M from Khosla Ventures, Accel, Initialized, Kevin Weil, DST Global“, 9. Oktober 2026
[2] Sabi: „Sabi: Just Think“
[3] arXiv: „Brain-to-Text Decoding: A Non-invasive Approach via Typing“, Lévy u. a., 18. Februar 2025
[4] arXiv: „Accurate Decoding of Natural Sentences from Non-Invasive Brain Recordings“, Zhang u. a., 29. Juni 2026
[5] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2024/1689 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz“, Artikel 5 und 99
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