OpenAI kauft das kalifornische Kamera-Startup Glass Imaging und zahlt dafür mehr als 260 Millionen Euro. Hinter der Firma stehen zwei frühere Apple-Ingenieure, die den Porträtmodus des iPhone entwickelt haben. Ihre Software erzeugt mit künstlicher Intelligenz eine Bildqualität aus winzigen Sensoren, die sonst nur große Kameras liefern. Für OpenAIs geplantes KI-Gerät liefert der Kauf die fehlende Linse.

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Mit dem Kauf von Glass Imaging belegt OpenAI erstmals mit barem Geld, dass der ChatGPT-Konzern eigene Hardware bauen will. Laut einem Bericht des Wall Street Journal wurde der Deal am 14. September 2026 bekannt, OpenAI selbst äußert sich nicht dazu. Der Zukauf reiht sich in eine Einkaufstour vor dem für nächstes Jahr erwarteten Börsengang.

Das Wichtigste in Kürze

  • OpenAI übernimmt das 2019 gegründete Kamera-Startup Glass Imaging für mehr als 260 Millionen Euro (über 300 Millionen US-Dollar, Kurs 0,87), so das Wall Street Journal.
  • Die Software GlassAI holt aus kleinen Sensoren eine Bildqualität heraus, die sonst großen Kameras vorbehalten bleibt.
  • Aufgebaut haben die Firma zwei frühere Apple-Ingenieure, Ziv Attar und Tom Bishop, die am Porträtmodus des iPhone mitwirkten.
  • Der Kauf stützt OpenAIs Hardware-Pläne, für die der Konzern 2025 bereits Jony Ives Firma io für 5,7 Milliarden Euro übernahm.

Was hat OpenAI mit einer Kamera vor?

Großes schwarzes Objektiv auf Podest, kleineres daneben
OpenAI entwickelt einen bildschirmlosen KI-Begleiter mit Kamera, der die Umgebung erfasst und über Smartphone mit dem Nutzer teilt

Ein bildschirmloser KI-Begleiter braucht Augen, keine Tastatur. Genau darauf zielt der Kauf, denn OpenAI arbeitet an einem kompakten Gerät ohne Display, das die Umgebung erfassen und über die Kamera mit dem Nutzer teilen soll.[2] Über ein eigenes Smartphone wird ebenfalls spekuliert. Ein solches Gerät hat keinen Platz für die dicke Optik einer Spiegelreflexkamera, und genau diese Lücke schließt die Technik von Glass Imaging.

Software statt Optik lautet die Wette. Die multimodale KI von OpenAI deutet Bilder nur so gut, wie die Kamera sie liefert. Ersetzt Software die Physik der Linse, werden winzige Sensoren zum Auge einer künstlichen Intelligenz, die sieht, was vor ihr liegt.

Wie holt Glass Imaging die Bildqualität aus Software?

Die Technik heißt GlassAI und ist ein neuronaler Bildsignal-Prozessor, der für jedes Kameramodul einzeln trainiert wird.[1] Das neuronale Netz lernt, wie eine bestimmte Linse das Bild verzerrt und wie der Sensor rauscht, und rechnet beide Fehler in einem einzigen Durchgang aus den Rohdaten heraus.

Zehnmal mehr Licht als eine übliche Smartphone-Linse verspricht das Unternehmen.[1] Aufgebaut haben Glass Imaging die früheren Apple-Ingenieure Ziv Attar und Tom Bishop, die am Porträtmodus des iPhone mitwirkten. Vor der Übernahme sammelte die 2019 gegründete Firma rund 26 Millionen Euro ein und wurde zuletzt mit etwa 87 Millionen Euro bewertet, einem Bruchteil des heutigen Kaufpreises.

Für die Bildqualität eines KI-Geräts kauft OpenAI nicht Objektive, sondern das Rechenmodell dahinter. Ausgerechnet Apples einstige Kamera-Köpfe liefern die Optik, die im ChatGPT-Konzern bisher fehlte.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was heißt das für den Datenschutz in Europa?

Ein Gerät, das ständig mitschaut und Bilder an eine KI schickt, stellt europäische Betriebe vor ein Datenschutzproblem. Sobald die Kamera fremde Personen erfasst, greift die DSGVO, und bei Gesichtern kommen die strengen Regeln für biometrische Daten hinzu. Der EU AI Act stuft Systeme, die Menschen im öffentlichen Raum biometrisch auswerten, zusätzlich als Hochrisiko ein.

Das Muster ist bekannt: Schon Metas kamerabestückte Ray-Ban-Brille löste bei deutschen Aufsichtsbehörden Bedenken aus, und die gescheiterte Humane-Pin zeigte, wie schnell ein ständig aufnehmendes Gerät am Alltag scheitert. Für IT-Verantwortliche heißt das, ein solches Gerät nicht ungeprüft in den Betrieb zu lassen.

Vor einer Anschaffung gehören deshalb eine Datenschutz-Folgenabschätzung und deutliche Aufnahme-Hinweise für umstehende Personen auf die Liste, und der Betriebsrat entscheidet mit. Bis dahin bleibt das kompakte KI-Gerät ein US-Versprechen, das in europäischen Büros erst noch bestehen muss.

OpenAI kauft Glass Imaging: der Deal in Zahlen
Ein Kamera-Startup soll dem geplanten KI-Gerät zu Bildqualität aus winzigen Sensoren verhelfen.
260 Mio. €
Kaufpreis für Glass Imaging (über 300 Mio. US-Dollar, laut Wall Street Journal, Kurs 0,87)
10x
mehr Licht als eine übliche Smartphone-Linse, laut Anbieter
2019
Gründungsjahr, Sitz Los Altos in Kalifornien
5,7 Mrd. €
zahlte OpenAI 2025 für Jony Ives Hardware-Firma io
Ein Gerät mit Dauerkamera berührt in Europa DSGVO und EU AI Act: Biometrische Daten und die Aufnahme fremder Personen brauchen eine Rechtsgrundlage.

Quellen

[1] Glass Imaging: „GlassAI Technology“

[2] OpenAI: „sam & jony introduce io“

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