Ein vertraulicher Schaltplan aus Apples Hardware-Labor taucht in der Arbeit eines OpenAI-Ingenieurs auf. Die dazugehörigen Dateien sollen längst gelöscht sein. Mit dieser Darstellung verschärft Apple seine Klage gegen OpenAI und dessen Gerätesparte io. Der Fall wirft für jeden Arbeitgeber die Frage auf, was ein Mitarbeiter beim Wechsel mitnehmen darf.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAcht Jahre lang entwarf Chang Liu bei Apple Elektronik für iPhone und Apple Watch. Im Januar 2026 wechselte der Ingenieur zu OpenAI und behielt dabei offenbar ein von Apple ausgegebenes MacBook. Genau dieses Gerät steht nun im Zentrum des Geheimnisstreits zwischen beiden Konzernen: Apple wirft OpenAI vor, belastende Daten vernichtet zu haben, statt sie im Prozess offenzulegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple beschuldigt OpenAI in einer neuen Gerichtsschrift, im laufenden Verfahren Beweise zu vernichten.
- Ein früherer Apple-Ingenieur soll einen vertraulichen Schaltplan heruntergeladen und bei OpenAI verwendet haben.
- Mehr als 400 ehemalige Apple-Beschäftigte arbeiten inzwischen bei OpenAI, das mit Jony Ives Team eigene Hardware entwickelt.
- Am 1. Oktober 2026 verhandelt ein Bundesgericht in San Jose über Apples Eilantrag und OpenAIs Antrag auf Abweisung.
Was wirft Apple OpenAI konkret vor?

Forensik am MacBook: In einer am Montag eingereichten Gerichtsschrift schildert Apple, was die Auswertung des einbehaltenen Rechners ergeben haben soll. Nach Apples Darstellung lud Liu einen vertraulichen Schaltplan für einen Stromwandler herunter und ließ die Vorlage in seine Arbeit bei OpenAI einfließen. Zusätzlich habe er ein Programm genutzt, das denselben Namen trägt wie eine interne Apple-Anwendung. Brisanter noch: Liu soll einer OpenAI-Kollegin die Anweisung geschickt haben, Belege zu löschen, was die Kollegin zusagte.[1]
OpenAI widerspricht. Nach eigener Darstellung hielt der KI-Konzern bei der Abwerbung die branchenüblichen Standards ein. Liu habe einer früheren Kollegin nur helfen wollen, als er auf Cloud-Daten zugriff. Bereits im August beantragte OpenAI, die gesamte Klage abzuweisen; darüber verhandelt das Gericht am 1. Oktober.
Warum wandern Apples Ingenieure zu OpenAI?
Ein Massenwechsel steht hinter dem Einzelfall. Mehr als 400 frühere Apple-Beschäftigte arbeiten laut Apple heute bei OpenAI, das mit dem Designteam von Jony Ive ein eigenes KI-Gerät baut, einen tellerförmigen Lautsprecher in der Größe eines Eishockey-Pucks. Attraktiv wird der Wechsel auch durch das Recht: Kalifornien verbietet nachvertragliche Wettbewerbsverbote fast vollständig, weshalb kein US-Konzern den Abgang seiner Fachkräfte zur Konkurrenz aufhalten kann. Apple selbst baut derweil seine eigene KI-Hardware kräftig aus.
Das Geschäftsgeheimnis wird damit zum einzigen Hebel. Genau deshalb häufen sich in der KI-Branche die Prozesse: OpenAI hat gerade erst dem Entwicklerwerkzeug Cursor den Modellzugang entzogen, und Sony und Warner klagen gegen Anthropic wegen der Songs in dessen KI-Training. Die Grenze zwischen legitimem Erfahrungswissen und mitgenommenem Betriebsgeheimnis verläuft mitten durch jeden Jobwechsel.
Der teuerste Datenabfluss kommt nicht über ein Botnetz, sondern über einen Arbeitsvertrag mit Kündigungsfrist. Sobald Fachkräfte gehen, geht ihr Wissen mit, und nur klare Regeln entscheiden, was davon rechtmäßig ist.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für deutsche Unternehmen?
In Deutschland liegt der Rechtsrahmen anders. Das Geschäftsgeheimnisgesetz schützt vertrauliche Unterlagen nur, solange ein Unternehmen sie mit angemessenen Maßnahmen sichert, etwa durch abgestufte Zugriffsrechte und schriftliche Vertraulichkeitsvereinbarungen. Anders als Kalifornien erlaubt Deutschland zudem ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot, allerdings nur gegen eine Karenzentschädigung von mindestens der Hälfte der letzten Bezüge.
Drei Maßnahmen senken das Risiko beim Weggang von Fachkräften:
- Firmengeräte am letzten Arbeitstag einziehen und sämtliche Zugänge sofort sperren.
- Sensible Konstruktions- und Prozessdaten mit einem Rechtekonzept schützen, das jeden Kopiervorgang protokolliert.
- Vertraulichkeitsvereinbarungen schriftlich festhalten, damit die Grenze zum klagbaren Geheimnisverrat später belegbar bleibt.
Vorsorge schlägt Klage. Prüfen Sie vor dem nächsten Offboarding, welche Unterlagen wirklich schutzbedürftig sind und wer darauf zugreifen kann. Diese Basis hält keinen entschlossenen Abgang auf, entscheidet aber vor Gericht, ob ein Wissensvorsprung erlaubt war oder unrechtmäßig kopiert wurde.
Quelle
[1] United States District Court, Northern District of California: Apple Inc. v. Liu, Az. 5:26-cv-07078 (Gerichtsakte)
Mehr Newshunger?
- Anthropic pausiert riskantes KI-Training nach eigenmächtigen Claude-Aktionen
- OpenAI entzieht Cursor den Modellzugang nach der SpaceX-Übernahme
- Sony und Warner verklagen Anthropic wegen zehntausender Songs im Claude-Training
- OpenAIs Werbung in ChatGPT erreicht eine Jahresrate von 870 Millionen Euro
- xAI verklagt eigene Nutzer wegen Grok-Deepfakes