ChatGPT-Werbung ist binnen 200 Tagen zu einem Milliardengeschäft herangewachsen. OpenAI erreicht mit den Anzeigen im Chatbot eine hochgerechnete Jahresumsatzrate von 870 Millionen Euro und schaltet die Werbung inzwischen in mehr als 40 Ländern, darunter 31 europäische Märkte. Für Unternehmen öffnet sich ein neuer Werbekanal, für die Neutralität der KI-Antworten beginnt eine heikle Phase.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- OpenAI erreicht mit Werbung in ChatGPT eine hochgerechnete Jahresumsatzrate von 870 Millionen Euro, rund 200 Tage nach dem Start (Kurs 0,87, Stand 31. August 2026).
- Die Anzeigen laufen für Gratis- und Go-Nutzer, also für den Großteil der etwa eine Milliarde Wochennutzer; bezahlte Gespräche und Nutzerprofile bleiben für Werbetreibende gesperrt.
- OpenAI weitet die Werbung auf über 40 Länder aus, darunter 31 europäische Märkte, und öffnet die Selbstbuchung schrittweise.
- Bis 2030 peilt OpenAI 87 Milliarden Euro Werbeumsatz an und käme damit in die Nähe von Google.
Was hat OpenAI mit der Werbung erreicht?

OpenAI meldet für sein Werbegeschäft eine hochgerechnete Jahresumsatzrate von einer Milliarde Dollar, umgerechnet rund 870 Millionen Euro (Kurs 0,87, Stand 31. August 2026).[1] Vom US-Start im Februar bis zu dieser Marke vergingen keine sieben Monate. Sechs Wochen nach dem Pilotstart lag die Rate noch bei umgerechnet 87 Millionen Euro, seither hat sich der Wert verzehnfacht.
Die Anzeigen erscheinen deutlich markiert und getrennt von den Antworten des Chatbots, wie OpenAI betont. Werbetreibende erhalten keinen Zugriff auf private Gespräche oder Nutzerprofile. Ausgespielt wird die Werbung an Gratis- und Go-Nutzer, die den Großteil der rund eine Milliarde Wochennutzer stellen.
In Europa läuft die Werbung inzwischen in 31 Märkten. Die Selbstbuchung öffnet OpenAI seit dem 31. August schrittweise auch für Indien, den Nahen Osten und Nordafrika, ergänzt um Agenturpartner und zunächst freigegebene Kategorien.
Warum ist Werbung für OpenAI so wichtig?
Die Antwort liegt in den Kosten. Der Betrieb der großen Modelle verschlingt Milliarden, und die Abo-Erlöse allein decken diese Rechnung nicht. Werbung soll die zweite Säule werden, rechtzeitig vor dem für das vierte Quartal 2026 erwarteten Börsengang, der den Konzern mit umgerechnet rund 741 Milliarden Euro bewertet.
Der eingeschlagene Weg folgt einem bekannten Muster. Google und Meta haben vorgemacht, wie sich ein kostenloses Massenprodukt über Anzeigen finanziert, und OpenAI überträgt dieses Modell neben die etablierten Wege des Online-Marketings. Die eigenen Prognosen fallen steil aus: 2026 rechnet der Konzern mit umgerechnet 2,18 Milliarden Euro Werbeumsatz, bis 2030 mit 87 Milliarden Euro. Damit käme OpenAI in die Nähe von Googles Werbegeschäft.
Marketingteams müssen ChatGPT ab sofort als Werbefläche einplanen. Zugleich steht die Glaubwürdigkeit der KI-Antwort auf dem Spiel, sobald bezahlte Botschaften neben den Ergebnissen erscheinen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet ChatGPT-Werbung für Unternehmen im DACH-Raum?
Für Werbetreibende in Deutschland, Österreich und der Schweiz entsteht ein Kanal mit großer Reichweite, der jedoch strengen EU-Regeln unterliegt. Die Datenschutz-Grundverordnung begrenzt das Targeting, und der Digital Services Act verlangt eine klare Kennzeichnung jeder Anzeige sowie Schranken beim Profiling. OpenAI verspricht bereits markierte Anzeigen ohne Zugriff auf Gespräche, die konkrete Umsetzung in der EU bleibt abzuwarten.
Heikel wird der Kanal für die Sichtbarkeit in KI-Antworten. Bislang zählte allein, ob ein Text als Quelle zitiert wird, was die Generative Engine Optimization antreibt. Bezahlte Anzeigen verschieben diese Logik, weil gekaufte Botschaften künftig neben den organischen Ergebnissen stehen. Werkzeuge wie BuzzView oder OtterlyAI messen bereits, wie präsent eine Marke in KI-Antworten ist.
Der Rat für Entscheider bleibt nüchtern. Prüfen Sie am besten, ob sich ein Test in ChatGPT für Ihre Zielgruppe lohnt, und behalten Sie die Kennzeichnungspflichten im Blick. Wichtig bleibt zugleich das Vertrauen: Laut einer Ipsos-Befragung sagen 63 Prozent der Nutzer, dass Werbung das Vertrauen in KI-Antworten senkt.
Quelle
[1] OpenAI: „A milestone in expanding access to AI“