OpenShot 4.0 bringt eine Funktion in den kostenlosen Videoschnitt, für die Kreative bislang ein Abo oder einen Cloud-Dienst brauchten: Objekte lassen sich per KI aus dem Bild freistellen, und das Rechenmodell dafür läuft komplett auf dem eigenen Rechner. Am 30. August 2026 veröffentlichte OpenShot Studios die neue Hauptversion, den größten Sprung der Software seit Jahren.

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Freistellen, Farbkorrektur und Bildschirmaufnahme galten lange als Domäne teurer Programme von Adobe oder als Funktion, die Videomaterial in die Cloud schickt. Diese drei Bausteine stecken nun in einem quelloffenen Werkzeug ohne Lizenzkosten.

Das Wichtigste in Kürze

  • OpenShot 4.0 stellt Objekte per KI frei; die Modelle wie EfficientSAM laufen lokal im ONNX-Format, ohne Cloud und ohne Abo.
  • Eine neue Aufnahmeansicht nimmt Bildschirm, Webcam, Mikrofon und Systemton gleichzeitig auf, jede Quelle als eigenen Clip.
  • Der Effekt Color Grade bringt Farbräder, Kurven, .cube-LUTs und Videoskope in den Schnitt.
  • Der Umstieg auf Qt 6 sichert die Weiterentwicklung, die Lizenz bleibt GPL, der Download kostenlos für Windows, macOS und Linux.

Was steckt in OpenShot 4.0?

Filmstreifen mit Vogel-Ausstanzung, daneben kleiner schwarzer Holzvogel und Etikett mit „0 €“
Neue Aufnahmeansicht zeichnet Bildschirm, Webcam, Mikrofon und Systemton simultan auf. Jede Quelle wird als separater Clip in der Zeitleiste erfasst und ermöglicht nachträgliches Schneiden

Aufnahme ohne Zusatzsoftware: Die neue Aufnahmeansicht zeichnet Bildschirm, Webcam, Mikrofon und Systemton in einem Durchgang auf. Jede Quelle landet als eigener Clip in der Zeitleiste, sodass sich Ton, Kamerabild und Bildschirm hinterher getrennt schneiden lassen. Auf Linux nutzt die Software die nativen Wege über X11 und Wayland mit PipeWire.[1]

Farbkorrektur wie im Studio: Der Effekt Color Grade bringt getrennte Farbräder für Schatten, Mitten und Lichter, vier bearbeitbare Kurven, Unterstützung für .cube-LUTs sowie Skope wie Waveform, Histogramm und Vektorskop. Zehn neue Effekte kamen hinzu, von Filmkorn bis Beat-Sync.[1]

Warum ist die lokale KI der eigentliche Bruch?

Rechnen auf dem eigenen Gerät: Der neue Effekt Object Mask setzt auf frei verfügbare Modelle wie EfficientSAM, die OpenShot ins ONNX-Format übersetzt und vor Ort ausführt. Sie markieren ein Motiv mit wenigen Punkten, woraus eine animierte Maske entsteht, ganz ohne Upload und ohne Abo.[2] Das Freistellen bewegter Objekte, in bezahlten Programmen als Roto-Werkzeug bekannt, verlässt so die Cloud.

Ein größerer Trend: Der Schritt reiht sich in eine Bewegung ein, die Rechenarbeit von den Servern zurück auf das Gerät holt. Der E-Mail-Client Comail hält seine KI-Suche lokal, und iFlytek bringt quelloffene Modelle direkt aufs Endgerät. Sensibles Videomaterial bleibt so auf dem Arbeitsrechner, statt an einen fremden Dienst zu gehen.

OpenShot 4.0 in Zahlen
Was die neue Hauptversion des quelloffenen Videoeditors mitbringt
10
neue Effekte stecken in Version 4.0, von Filmkorn bis Beat-Sync
4 Quellen
nimmt die neue Ansicht gleichzeitig auf: Bildschirm, Webcam, Mikrofon und Systemton
0 €
Lizenzkosten, die Software steht unter der GPL für Windows, macOS und Linux
61,8 %
schneller arbeitet der Weichzeichner gegenüber Version 3.5.1
lokal
laufen die KI-Modelle im ONNX-Format, ohne Cloud und ohne Abo

Ein Freistell-Werkzeug ohne Abo und ohne Cloud verschiebt die Grenze zwischen Hobby und Profigerät. Für Agenturen zählt dabei weniger der gesparte Monatsbeitrag als die Gewissheit, dass Kundenmaterial den eigenen Rechner nicht verlässt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Agenturen und Mittelstand?

Datenschutz ohne Umweg: Bleibt das Rohmaterial auf dem Arbeitsrechner, entfällt der Auftragsverarbeitungsvertrag, den ein Cloud-Schnitt mit Kundenvideos nach der DSGVO verlangt. Agenturen, die fremdes Bildmaterial bearbeiten, sparen sich damit eine rechtliche Baustelle.

Frei nutzbar, auch im Betrieb: OpenShot steht unter der GPL und läuft ohne Lizenzgebühr auch kommerziell. Für Tutorials und kurze Social-Media-Clips lohnt ein Test der Aufnahmeansicht, für Linux-Arbeitsplätze der Blick auf die neue Wayland-Unterstützung. Freie Bausteine für solche Projekte, etwa quelloffene UI-Sounds, liegen ohnehin bereit.

Quellen

[1] OpenShot: „OpenShot 4.0: Record, Edit, and Color Like Never Before“

[2] OpenShot (GitHub): openshot-qt (Projekt-Repository)

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