Vinod Khosla hat auf X den Chef des KI-Coding-Start-ups Factory der Lüge bezichtigt, obwohl Khosla Ventures im September selbst in das Start-up investiert hat. Anlass ist der Wechsel eines Factory-Beraters zum Rivalen Cognition, an dem Khoslas Fonds ebenfalls beteiligt ist. Gründer in der DACH-Region sollten nach dem Streit ihre Beraterverträge prüfen.

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„Sie sind ein angeschlagener Konkurrent aus der zweiten Reihe“: Mit diesem Satz wandte sich Vinod Khosla am Abend des 30. September an Factory-Chef Matan Grinberg. Der Gründer von Khosla Ventures stellte sich damit im Streit zweier KI-Coding-Firmen gegen eine eigene Beteiligung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Factory-Chef Matan Grinberg wirft dem früheren Berater Chris Degnan vor, mit dem Rivalen Cognition gesprochen zu haben, während er noch an Factory-Sitzungen teilnahm; Degnan und Cognition bestreiten das.
  • Vinod Khosla bezichtigte Grinberg auf X der Lüge, sein Partner Keith Rabois stellte sich auf die Seite von Factory.
  • Khosla Ventures ist an beiden Firmen beteiligt, Cognition ist mit 41,8 Milliarden Euro fast zehnmal so hoch bewertet wie Factory.
  • Nach dem deutschen Geschäftsgeheimnisgesetz bleibt Wissen im Beirat nur geschützt, wenn ein Start-up angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen nachweisen kann.

Was werfen sich Factory und Cognition vor?

Zwei Pflanzen in Töpfen mit Markierungen flankieren eine Gießkanne auf weißem Grund
Matan Grinberg beendet am 30. September auf X die Zusammenarbeit mit Chris Degnan wegen unethischen Verhaltens bei Cognition-Gesprächen

Matan Grinberg eröffnete den Streit am 30. September auf X: „Wir beenden die Zusammenarbeit mit Chris Degnan wegen unethischen Verhaltens im Zusammenhang mit Cognition.“[1] Degnan, früher Vertriebschef von Snowflake, hatte Factory rund ein Jahr lang beraten und laut TechCrunch an Board-Sitzungen teilgenommen. Laut Grinberg sprach der Berater wochenlang parallel mit Führungskräften von Cognition. Am selben Tag stellte Cognition Degnan als neuen Chief Revenue Officer vor.[2]

Die Gegenseite widerspricht. „Sie haben mich nicht entlassen. Ich habe am Montag meine Beraterrolle niedergelegt und Ihnen gesagt, dass ich zu Cognition gehe“, schrieb Degnan an Grinberg.[3] Cognition-Chef Scott Wu nannte die Vorwürfe unwahr: Cognition habe kein Interesse an Informationen über Factory, und Degnan habe solche nie angesprochen.[4] Bislang stehen öffentliche Vorwürfe gegeneinander, ein Gerichtsverfahren ist nicht bekannt.

Warum greift Khosla die eigene Beteiligung an?

In seinem Post nennt Khosla die Darstellung, Degnan sei entlassen worden, eine glatte Lüge und wirft dem Factory-Chef Verzweiflung vor.[5] Grinberg antwortete, er wolle keine E-Mails veröffentlichen, Khoslas Darstellung sei aber „sachlich falsch“.[6] Khosla Ventures gehörte Mitte September zu den Geldgebern der Factory-Runde über 174 Millionen Euro bei 4,35 Milliarden Euro Bewertung.[7] Laut TechCrunch hält der Fonds zugleich Anteile an Cognition, dem Entwickler des Agenten Devin und des Coding-Modells SWE-2.

Im eigenen Haus fand Khosla keinen Rückhalt. Keith Rabois, Managing Director bei Khosla Ventures, schrieb: „Schon ein Vorstellungsgespräch bei einem Konkurrenten ist per se unethisch, während man an Board-Sitzungen und Board-Dinnern teilnimmt.“[8]

Die Bewertungen zeigen, wie ungleich die beiden Rivalen dastehen. Cognition sammelte am 8. September rund 1,74 Milliarden Euro bei einer Bewertung von 41,8 Milliarden Euro ein,[9] fast das Zehnfache von Factory. Wie viel Khosla Ventures an den beiden Firmen hält, ist nicht öffentlich. Ein Wagniskapitalgeber schuldet die Rendite seinen Anlegern, nicht einzelnen Gründern, und bleibt deshalb bei zwei Rivalen im Portfolio selten neutral. Sequoia Capital zog 2020 bei einem ähnlichen Konflikt die Konsequenz: Der Fonds gab seine Beteiligung am Zahlungsdienstleister Finix zurück und verzichtete auf das investierte Geld, weil Finix zu nah an die Portfoliofirma Stripe gerückt war.

Ein Investor, zwei Rivalen: Khosla Ventures zwischen Factory und Cognition
Beteiligte, Bewertungen und Ablauf des Streits um den Berater Chris Degnan, Stand 2. Oktober 2026
Khosla VenturesBeteiligt an beiden Firmen. Gründer Vinod Khosla stellt sich gegen Factory, Managing Director Keith Rabois verteidigt Factory.
Factory
  • Chef: Matan Grinberg, Mitgründer
  • Bewertung: 4,35 Milliarden Euro nach der Runde vom 15. September
  • Neues Kapital: 174 Millionen Euro, unter anderem von Khosla Ventures und Sequoia Capital
  • Position: wirft Degnan unethisches Verhalten vor
Cognition
  • Chef: Scott Wu, Mitgründer
  • Bewertung: 41,8 Milliarden Euro nach der Runde vom 8. September
  • Neues Kapital: rund 1,74 Milliarden Euro, angeführt von Andreessen Horowitz und Accel
  • Position: weist die Vorwürfe zurück, stellt Degnan als Vertriebschef ein
So lief der Streit ab
  1. 28.09.2026Degnan legt nach eigener Darstellung seine Beraterrolle bei Factory nieder
  2. 30.09.2026Grinberg verkündet auf X das Ende der Zusammenarbeit, Cognition stellt Degnan als Chief Revenue Officer vor
  3. 30.09.2026Vinod Khosla nennt Factory auf X einen Konkurrenten aus der zweiten Reihe
  4. StatusÖffentliche Vorwürfe und Dementis, kein Gerichtsverfahren bekannt

Ein Investor, der zwei Rivalen finanziert, wird im ersten Streit zur Partei. Gründer sollten deshalb vor der Unterschrift fragen, welche Konkurrenten ihr Geldgeber noch im Portfolio hält.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet der Streit für Start-ups in der DACH-Region?

Europäische Kunden setzen beide Werkzeuge bereits ein. Cognition nennt Mercedes-Benz als Anwender seines Agenten Devin,[9] auf der Website von Factory steht der niederländische Zahlungsdienstleister Adyen unter den Kunden.[10]

Rechtlich hängt in Deutschland viel an der Geheimhaltung. Das Geschäftsgeheimnisgesetz schützt eine Information nur, wenn ihr Inhaber angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen getroffen hat.[11] Ein Berater ohne Verschwiegenheitsvereinbarung, der Board-Unterlagen sieht, kann diesen Schutz aushebeln. Wie schnell aus einem Wissensabfluss ein Gerichtsstreit wird, zeigt Apples Klage gegen OpenAI wegen mutmaßlich entwendeter Hardware-Geheimnisse.

Für Gründer und Geschäftsführer folgt daraus:

  • Nehmen Sie in Beirats- und Beraterverträge gerne eine Verschwiegenheitspflicht auf, dazu die Pflicht, Gespräche mit Wettbewerbern sofort offenzulegen.
  • Fragen Sie Investoren vor einer Finanzierungsrunde, an welchen direkten Konkurrenten sie beteiligt sind, und begrenzen Sie für diesen Fall deren Informationsrechte.

FAQ: Vinod Khosla greift Factory öffentlich an, obwohl sein Fonds an beiden Rivalen beteiligt ist

Wer ist Vinod Khosla?

Vinod Khosla ist ein US-Investor indischer Herkunft, der 1982 Sun Microsystems mitgründete und 2004 den Wagniskapitalgeber Khosla Ventures im kalifornischen Menlo Park gründete. Khosla Ventures investiert vor allem in KI, Klimatechnik und Gesundheit.

Was macht Factory?

Factory ist ein 2023 von Matan Grinberg und Eno Reyes gegründetes Start-up aus San Francisco, das KI-Agenten für die Softwareentwicklung anbietet. Die Agenten mit dem Namen Droids schreiben, testen und prüfen Code. Im September 2026 lag die Bewertung bei 4,35 Milliarden Euro.

Was ist Cognition AI?

Cognition ist ein KI-Unternehmen aus San Francisco, das den Coding-Agenten Devin entwickelt. Nach eigenen Angaben überschritt der hochgerechnete Jahresumsatz im September 2026 eine Milliarde US-Dollar, rund 870 Millionen Euro. Zu den Kunden zählen Citi, Nvidia und Mercedes-Benz.

Was ist ein Board-Beobachter?

Ein Board-Beobachter nimmt an den Sitzungen des Aufsichtsgremiums eines US-Unternehmens teil, ohne dort abzustimmen. Investoren lassen sich diese Rolle häufig vertraglich zusichern. Die Verschwiegenheit regelt meist eine eigene Vereinbarung, weil gesetzliche Treuepflichten für Beobachter in der Regel nicht gelten.

Was ist ein Chief Revenue Officer?

Ein Chief Revenue Officer (CRO) verantwortet alle Bereiche eines Unternehmens, die Umsatz bringen, meist Vertrieb, Kundenbetreuung und oft auch Marketing. Die Rolle ist vor allem in US-Softwarefirmen verbreitet. Im Mittelstand entspricht die Funktion am ehesten einer Vertriebsleitung in der Geschäftsführung.

Quellen

[1] Matan Grinberg auf X: „We are terminating Chris Degnan for unethical conduct involving Cognition.“

[2] Cognition auf X: „We’re thrilled to welcome Chris Degnan as our Chief Revenue Officer“

[3] Chris Degnan auf X: „Really disappointed to see this. Here are the facts“

[4] Scott Wu auf X: „Hey Matan, CEO of Cognition here“

[5] Vinod Khosla auf X: „You are a struggling second tier competitor“

[6] Matan Grinberg auf X: „I would rather not post email receipts“

[7] Factory: „Factory raises $200M at $5B valuation“

[8] Keith Rabois auf X: „It is unethical per se to even interview at a competitor“

[9] Cognition: „Do it all with Devin: Announcing our Series E“

[10] Factory: „Factory | Agent-Native Software Development“

[11] Gesetze im Internet: „§ 2 GeschGehG: Begriffsbestimmungen“

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