Vonovia will in Berlin vorerst keine neuen Wohnungsprojekte beginnen, solange die Vergesellschaftung großer Bestände politisch im Raum steht. Das berichtet Business Insider unter Berufung auf Konzernchef Luka Mucic. Nach den rund 1.000 Wohnungen, die derzeit entstehen, wäre in der Hauptstadt vorerst Schluss.[1]
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Vonovia-Neubau in Berlin hängt damit an den Gesprächen von Linken, SPD und Grünen über eine neue Landesregierung. Die Linke ging aus der Wahl vom 20. September mit 25,7 % als stärkste Kraft hervor und will große Wohnungsbestände in Gemeineigentum überführen. Zusammen mit der Tochter Deutsche Wohnen besitzt Vonovia rund 130.000 Wohnungen in der Stadt.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Vonovia stellt die rund 1.000 Berliner Wohnungen im Bau fertig, neue Projekte will der Konzern laut Business Insider vorerst nicht starten.
- Die Linke drängt in den Sondierungen mit SPD und Grünen auf die Vergesellschaftung, die SPD lehnt sie ab.
- Die Bundeskoalition will Landesgesetze zur Enteignung von Wohnungskonzernen per Bundesgesetz ausschließen.
- Der Beleihungsgrad (LTV) von Vonovia lag Ende Juni bei 46,0 %.
Warum stellt Vonovia neue Projekte in Berlin zurück?

Ein Neubau trägt sich über Jahrzehnte, aus den Mieten fließen Baukosten und Zinsen nach und nach zurück. Droht die Übertragung des Bestands an eine Anstalt öffentlichen Rechts gegen eine Entschädigung unter Marktwert, fehlt jeder neuen Wohnung die Kalkulationsgrundlage. Laut Deutsche Wohnen sieht der Gesetzentwurf der Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ 40 bis 60 % des Marktwerts vor, betroffen wären Unternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin.[3]
Dazu kommt die Bilanz: Zum 30. Juni stieg der Beleihungsgrad auf 46,0 % nach 45,4 % ein Jahr zuvor. Im Neubau seien die Marktunsicherheiten weiterhin zu spüren, schrieb Vonovia im August.[4] Bei dieser Verschuldung konkurriert jedes Berliner Projekt um Kapital mit Standorten, an denen keine Enteignung droht.
Ein Baustopp schafft so wenig neue Wohnungen wie eine Enteignung. Berlin zahlt in beiden Fällen mit Wartezeit.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Hat Vonovia schon einmal den Neubau angehalten?
Im Januar 2023 kündigte Vorstand Daniel Riedl an, dass Vonovia im gesamten Jahr kein neues Bauprojekt beginnen werde, und nannte dabei auch Berlin. Als Gründe führte er die Zinsen und um mehr als 16 % gestiegene Baukosten an.[5] Im Herbst 2023 bezifferte der Konzern die zurückgestellten Wohnungen auf 60.000, Vorstandschef Rolf Buch machte damals auch die Debatte über einen Mietenstopp mitverantwortlich. Eine politische Debatte nannte Vonovia also schon beim ersten Neubau-Stopp als Mitgrund.
Wie realistisch ist eine Enteignung überhaupt?
Das Rahmengesetz vom März 2026 überträgt selbst keine Wohnung, dafür bräuchte Berlin ein eigenes Gesetz nach Artikel 15 des Grundgesetzes. Im Juli verabredete die Bundeskoalition, solche Landesgesetze auszuschließen. Mucic zeigte sich im September zuversichtlich, dass das Vorhaben kommt.[2] Die SPD, Partner der angestrebten Koalition, lehnt Enteignungen ab.[6] Wie schon beim Streit um das Tempelhofer Feld steht Neubau gegen Umverteilung des Bestands.
Bauunternehmen und Handwerksbetriebe in der Region verlieren damit vorerst einen großen Auftraggeber. Für Mieter im Bestand ändert sich nichts, das Angebot an Neubauwohnungen schrumpft jedoch. Ohnehin bremst das deutsche Baurecht den Wohnungsbau, auch LEG Immobilien investiert lieber in den Bestand. Ob Vonovia in Berlin wieder plant, entscheidet sich damit im Koalitionsvertrag: Klammert er die Vergesellschaftung aus, entfällt der genannte Grund für den Stopp.
Quellen
[1] Business Insider: „Vonovia erwägt Neubau-Stopp: Konzernchef warnt vor Folgen der Enteignungsdebatte“ (10.10.2026)
[2] t-online (dpa): „Berliner Wohnungskrise: Vonovia will ‚Teil der Lösung‘ sein“ (19.09.2026)
[3] Deutsche Wohnen: „Vergesellschaftung in Berlin: Aktueller Stand“ (abgerufen 10.10.2026)
[4] Vonovia: „Attraktives Wachstum im Kerngeschäft und positive Wertentwicklung im Portfolio“, Halbjahresmitteilung (05.08.2026)
[5] Börsen-Zeitung: „Vonovia stoppt alle Neubaustarts für 2023“ (31.01.2023)
[6] ZDFheute: „Rot-Rot-Grün in Berlin: Warum der Weg zur Koalition noch weit ist“ (Oktober 2026)
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