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Leicht geänderte Routen für fünf Prozent der Flüge würden laut Bill Gates die meisten wärmenden Kondensstreifen verhindern. Gates veranschlagt dafür umgerechnet weniger als 8,70 Euro je Tonne Emissionen. Die Deutsche Flugsicherung hielt solche Umwege nach drei Jahren Forschung noch nicht für alltagstauglich. Bis Ende 2027 muss die EU-Kommission berichten, ob Kondensstreifen künftig unter den Emissionshandel fallen sollen.

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„Es sind einfach Wolken“, schreibt Bill Gates am 8. Oktober in seinem Blog Gates Notes über Kondensstreifen und widerspricht damit dem Glauben an giftige Chemtrails.[1] Langlebige Streifen verursachen nach Darstellung des Microsoft-Mitgründers etwa die Hälfte der Erwärmung durch den Luftverkehr.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Gates will mit Umwegen für fünf Prozent der Flüge die meisten wärmenden Kondensstreifen vermeiden.
  • Die Kosten beziffert Gates auf unter 8,70 Euro je Tonne Emissionen.
  • Im DFS-Projekt D-KULT kosteten kurzfristige Umleitungen 20 bis 60 Prozent der Kapazität im Luftraum.
  • Airlines melden der EU seit 2025 auch die Wirkung ihrer Kondensstreifen.

Was rechnet Gates vor?

Modellflugzeug auf Ständer mit Watte-Umleitungsschleife und Schild „Umleitung“ auf Grau
Flugzeugtriebwerke stoßen Wasserdampf und Rußpartikel aus. In kalter Luft bilden sich Eiskristalle, die als Zirruswolken wachsen und nachts Wärme zurückhalten. Ihre Beseitigung könnte zwei Prozent der Erderwärmung reduzieren

Flugzeugtriebwerke stoßen Wasserdampf und Rußpartikel aus. In kalter, feuchter Luft gefriert der Dampf an den Partikeln zu Eiskristallen. Die meisten Streifen lösen sich schnell auf, manche wachsen über Stunden zu Zirruswolken heran. Nachts halten diese Eiswolken Wärme fest. Verschwänden die wärmenden Streifen, fielen laut Gates bis zu zwei Prozent der gesamten Erderwärmung weg.

Den Hebel sieht Gates im Flugplan, den Airlines vier bis acht Stunden vor dem Start einreichen. Weil die kritischen Luftschichten meist dünn sind, genüge ein Flug knapp darüber oder darunter, bei 0,1 Prozent mehr Kerosin über alle Flüge gerechnet. Kondensstreifen zu vermeiden koste unter 8,70 Euro je Tonne, wahrscheinlich nur 0,90 bis 1,70 Euro, nachhaltiger Flugkraftstoff dagegen 113 Euro und mehr.

Gates hat die gemeinnützige Initiative Contrails.org mitgegründet, zudem ist der Luftverkehr ein Schwerpunkt seiner Klimaplattform Breakthrough Energy. Die Initiative stellt Airlines kostenlose Planungssoftware bereit und absolvierte nach Gates’ Angaben im vergangenen Jahr mit American Airlines und Google Research mehr als 100 Testflüge. Sich selbst nennt der Milliardär einen „unvollkommenen Boten“, weil er Privatflugzeuge nutzt.

Warum hält die Deutsche Flugsicherung die Umwege für verfrüht?

Im Projekt D-KULT unter Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) beide Wege getestet.[3] Kurzfristige Umleitungen durch die Lotsen kosteten in Echtzeitsimulationen 20 bis 60 Prozent der Kapazität im Luftraum. Besser schnitt Gates’ Variante ab: In einem Test mit 100 Flügen planten Airlines die Umwege schon vor dem Start ein.

Die Handarbeit dahinter war laut DFS jedoch so aufwendig, dass sich das Verfahren derzeit nicht auf den Regelbetrieb übertragen lässt. Zudem erwiesen sich die Wetterdaten als weniger robust als erwartet. Bei den Wetterdaten liegt der wunde Punkt der Rechnung, denn Gates setzt voraus, dass sich die kritischen Zonen zuverlässig vorhersagen lassen. Ob die Umwege mehr Erwärmung vermeiden, als ihr zusätzliches CO₂ verursacht, wertet das DLR noch aus.

Kondensstreifen: Rechnung gegen Praxistest
Was Bill Gates verspricht und was die DFS im Projekt D-KULT gemessen hat
Betroffene Flüge
5 %

aller Flüge weltweit müssten laut Gates die Route ändern, meist nur die Flughöhe. Der Mehrverbrauch über alle Flüge liegt laut Gates bei 0,1 % Kerosin.

Kosten je Tonne
unter 8,70 €

veranschlagt Gates je vermiedener Tonne Emissionen, wahrscheinlich nur 0,90 bis 1,70 €. Nachhaltiger Flugkraftstoff kostet laut Gates ab 113 €.

Kapazität im Luftraum
20–60 %

gingen in DFS-Simulationen verloren, sobald Lotsen Flüge kurzfristig umleiteten. Vorab geplante Umwege gelangen in 100 Testflügen, verlangten aber viel Handarbeit.

Fahrplan der EU
31.12.2027

Bis dahin legt die EU-Kommission einen Bericht vor, ob der Emissionshandel auch Kondensstreifen erfassen soll. Airlines melden die Effekte seit 2025.

Der Preis von unter zwei Euro je Tonne gilt nur auf dem Papier, solange Airlines jeden Umweg von Hand planen.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet das für Airlines und Unternehmen in der EU?

Seit dem 1. Januar 2025 berichten Fluggesellschaften in der EU jährlich über ihre Nicht-CO₂-Effekte, ausdrücklich einschließlich der Kondensstreifen.[4] Bis zum 31. Dezember 2027 muss die EU-Kommission einen Bericht vorlegen und gegebenenfalls vorschlagen, den Emissionshandel auf diese Effekte auszuweiten.

Bekämen Kondensstreifen einen Preis, würde aus Gates’ Rechnung ein Geschäftsfall: Ein Umweg mit etwas mehr Kerosin könnte dann billiger sein als die Zertifikate für die Wolke. Wie schwer Kerosin in der Bilanz einer Airline wiegt, zeigt der Gewinneinbruch bei Lufthansa.

Fragen Sie bei vielen Dienstreisen gerne Ihre Reisestelle, ob die gebuchten Airlines die Nicht-CO₂-Effekte pro Flug ausweisen.

Quellen

[1] Gates Notes: „For an affordable climate win, look to the sky“, Bill Gates, 8. Oktober 2026

[2] Bill Gates auf X: „Persistent contrails are responsible for about half of the temperature increase caused by aviation“, 8. Oktober 2026

[3] DFS Deutsche Flugsicherung: „Projekt D-KULT: Wege zu klimafreundlicherem Luftverkehr“, 2. Februar 2026

[4] EUR-Lex: „Richtlinie (EU) 2023/958 zur Änderung der Richtlinie 2003/87/EG in Bezug auf den Beitrag des Luftverkehrs“, Artikel 1 Nr. 7 (Artikel 14 Absatz 5)

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