Ratingagenturen schicken ihre Rechnung an Ihren Finanzchef, der vor der ersten Anleihe wochenlang Zahlen liefert, Fragen der Analysten beantwortet und am Ende eine Buchstabenfolge erhält. Beim Abitur würde das niemand akzeptieren. Mit solchen Aufträgen setzte allein die Ratingsparte von S&P Global 2025 rund 4,19 Milliarden Euro um und behielt davon 65 Prozent als bereinigten operativen Gewinn.

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Ratingagenturen bewerten Deutschland ohne Auftrag des Bundes: S&P Global, Fitch, Scope, KBRA und Morningstar DBRS führen ihre Bestnote für die Bundesrepublik ausdrücklich als unaufgefordertes Rating. Moody’s hat die Note Aaa am 18. September bestätigt, S&P legt am 23. Oktober nach. Die Einnahmen holen sich die Agenturen bei Unternehmen, Banken und Fonds, deren Anleihen sie benoten, und zwar mit bereinigten operativen Margen von 64 bis 65 Prozent.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bezahlt wird die Note vom Schuldner: Seit den 1970er-Jahren stellen die großen Agenturen ihre Ratings den Emittenten in Rechnung, Anleger lesen die Einstufung in der Regel kostenlos.
  • Das Geld kommt aus zwei Töpfen: einer Gebühr je neuer Anleihe und laufenden Überwachungsgebühren. Bei Moody’s entfielen 2025 zwei Drittel des Ratingumsatzes auf neue Emissionen.
  • S&P, Moody’s und Fitch teilen sich in der EU 91,87 Prozent des Umsatzes mit Ratings. Scope, die größte Agentur mit Sitz in der EU, kommt auf 1,23 Prozent.
  • Den eigentlichen Schutzwall liefert die Regulierung: Banken, Versicherer und die Europäische Zentralbank knüpfen Eigenkapital und Sicherheiten an externe Noten.
Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Wer bezahlt die Noten der Ratingagenturen?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 In welchem Jahr vergab John Moody die ersten Anleiheratings? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Moody veröffentlichte seine ersten Anleiheratings im April 1909, überwiegend für Eisenbahnanleihen. 1860 erschien das Eisenbahnbuch von Henry Varnum Poor, 1975 erfand die SEC den Status der NRSRO.
2 Welchen Anteil am Umsatz mit Ratings in der EU haben S&P, Moody’s und Fitch zusammen? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Laut ESMA-Bericht vom Dezember 2025 entfallen 50,42 Prozent auf S&P, 29,63 Prozent auf Moody’s und 11,82 Prozent auf Fitch. Scope als größte Agentur mit Sitz in der EU kommt auf 1,23 Prozent.
3 Wer bezahlt das AAA-Rating von S&P für Deutschland? Aufklappen ↓
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Richtig: C. S&P bezeichnet sein Rating für Deutschland ausdrücklich als unaufgefordert. Dasselbe gilt für Fitch, Scope, KBRA und Morningstar DBRS. Die Einnahmen holen sich die Agenturen bei Unternehmen, Banken und Fonds.
4 Wie hoch war die bereinigte operative Marge der Ratingsparte von S&P Global 2025? Aufklappen ↓
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Richtig: B. S&P Global wies für seine Ratingsparte 2025 eine bereinigte operative Marge von 65 Prozent aus. Moody’s kam mit seiner Ratingsparte auf 63,6 Prozent, im zweiten Quartal 2026 lagen beide bei rund 68 Prozent.
5 Wie viel Prozent der 2006 von Moody’s mit AAA bewerteten Hypothekenpapiere wurden später herabgestuft? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Laut der Untersuchungskommission des US-Kongresses wurden 83 Prozent dieser Papiere später herabgestuft. 2006 vergab Moody’s an jedem Arbeitstag 30 Mal die Bestnote für hypothekenbezogene Wertpapiere.

Wer steckt hinter den Ratingagenturen, und wie fing alles an?

Ein Holzstempel mit einem Anhänger mit Euro-Symbol und dem Wort „AAA“ auf weißem Hintergrund
Henry Varnum Poor veröffentlichte 1860 Finanzdaten von Eisenbahnen, John Moody verga b 1909 erste Anleiheratings, Fitch führte 1924 die AAA-Skala ein

Am Anfang standen Eisenbahnanleihen und Handbücher für Anleger. Henry Varnum Poor veröffentlichte 1860 Finanzdaten amerikanischer Eisenbahnen, John Moody vergab im April 1909 die ersten Anleiheratings, und Fitch führte 1924 die Skala von AAA abwärts ein. Bezahlt haben damals die Leser, nicht die Schuldner.

Poors Buch „History of Railroads and Canals of the United States“ machte Finanz- und Betriebszahlen öffentlich, die die Bahngesellschaften bis dahin für sich behielten. Für Anleger war das die erste brauchbare Bilanzlektüre über eine Branche, die damals den amerikanischen Kapitalmarkt beherrschte. 1906 gründete Luther Blake das Standard Statistics Bureau, das Daten zu rund 100 US-Unternehmen sammelte. Anfang der 1940er-Jahre schlossen sich Standard und Poor’s zusammen. 1966 kaufte der Verlag McGraw-Hill die Agentur.

John Moody verlegte ab 1900 ein Handbuch über Industrie- und sonstige Wertpapiere. Nach einer Pause kehrte er 1909 mit einer Idee an die Finanzmärkte zurück, die das Geschäft bis heute prägt: Er fasste sein Urteil über eine Anleihe in Buchstaben zusammen. Die Symbole übernahm er aus den Kreditauskünften des Handels, die Kaufleute damals über die Zahlungsfähigkeit von Geschäftspartnern informierten. Am 1. Juli 1914 entstand Moody’s Investors Service als eigene Gesellschaft.

Die Fitch Publishing Company entstand 1913 in New York, gegründet von John Knowles Fitch, Henry P. Clancy und Fabian Levy. Ihr bleibender Beitrag ist die Notenskala AAA, AA, A, BBB, BB, die Fitch 1924 einführte und die heute als Standard gilt. Moody’s schreibt bis heute Aaa, Aa und Baa, die Logik ist dieselbe.

Heute gehören die drei Agenturen sehr verschiedenen Eigentümern. S&P Global ist an der New Yorker Börse notiert und beschäftigte Ende 2025 rund 44.500 Menschen. Bei Moody’s hält Warren Buffetts Berkshire Hathaway 24,7 Millionen Aktien, laut den Hauptversammlungsunterlagen vom März 2026 knapp 13,9 Prozent. Fitch gehört vollständig dem Medienkonzern Hearst, der 2018 die letzten 20 Prozent für umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro von der französischen Fimalac kaufte.

Auf den Punkt

Die drei großen Agenturen stammen aus dem Verlagsgeschäft des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, als Anleger für Handbücher und Noten bezahlten. Heute sind zwei davon börsennotiert, die dritte gehört einem Medienkonzern.

Wie wurde aus Eisenbahn-Handbüchern ein Oligopol?

Schloss mit Schlüsseln und Anhänger
Seit 1975 knüpfte die US-Börsenaufsicht Eigenkapitalregeln an die Noten von Moody’s, S&P und Fitch.

Zwei Weichenstellungen in den 1970er-Jahren machten aus Verlagen Torwächter: Die Agenturen ließen sich fortan von den Schuldnern bezahlen, und die US-Börsenaufsicht SEC schrieb ihre Noten 1975 in die Kapitalregeln für Wertpapierhändler. Ab da wurde das Rating für viele Emittenten zur Bedingung, um Anleihen an Banken, Händler und Versicherer zu verkaufen.

Den Wechsel vom Investor zum Emittenten als zahlender Kunde datiert die SEC in einem Bericht von 2003 auf die Mitte der 1970er-Jahre. Als Gründe nennt die Behörde zwei Dinge: Die Agenturen konnten ihre Noten nicht mehr auf zahlende Abonnenten begrenzen, und die Analyse wurde aufwendiger. Lawrence White von der New York University zählt vier mögliche Erklärungen auf. Der Schnellkopierer machte Handbücher leicht vervielfältigbar, die Pleite der Eisenbahngesellschaft Penn Central 1970 verschreckte den Anleihemarkt, Aufseher verlangten Noten für Bankanlagen, und Agenturen bedienen zwei Marktseiten zugleich. Welche Erklärung zutrifft, hat nach Whites Worten nie jemand abschließend geklärt.

Folgenreicher war die zweite Weiche. 1975 knüpfte die SEC die Eigenkapitalpflichten von Brokern an die Noten „national anerkannter statistischer Ratingorganisationen“, kurz NRSRO. Anerkannt waren damals genau drei: Moody’s, S&P und Fitch. Die Untersuchungskommission des US-Kongresses zur Finanzkrise nannte diesen Schritt später das Wendejahr der Regulierung, wobei Ratings schon seit 1931 in den Regeln der Bankenaufsicht standen.

Der Rechtsprofessor Frank Partnoy hat für diese Abhängigkeit einen Begriff geprägt, der das Geschäftsmodell besser erklärt als jede Bilanz: regulatorische Lizenzen. Vor der SEC sagte Partnoy 2009, die Agenturen hätten sich vom Verkauf von Informationen auf den Verkauf von Schlüsseln verlegt, die die Finanzmärkte aufschließen. Emittenten zahlen also weniger für die Meinung der Analysten als für die Eintrittskarte zu Pensionskassen, Versicherern und Banken.

Wie fest dieser Schlüssel im Schloss steckt, zeigt der Standardansatz der Bankenaufsicht nach Basel III. Eine Bank, die einem Unternehmen mit AA-Rating Geld leiht, gewichtet den Kredit mit 20 Prozent und braucht entsprechend wenig Eigenkapital. Für einen Schuldner ohne Rating gilt ein Risikogewicht von 100 Prozent, für eine Note unter BB- sogar 150 Prozent. Bei Staatsanleihen mit Noten von AAA bis AA- verlangen die Regeln gar kein Eigenkapital.

Externe NoteRisikogewicht UnternehmenRisikogewicht Staaten
AAA bis AA-20 %0 %
A+ bis A-50 %20 %
BBB+ bis BBB-75 %50 %
BB+ bis BB-100 %100 %
B+ bis B-150 %100 %
unter B-150 %150 %
ohne Rating100 %100 %
Wie die Note das Eigenkapital einer Bank bestimmt, Standardansatz nach Basel III. Quelle: Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, Basel Framework CRE20.

Bei Staaten entscheidet die Note damit über die Frage, wie viel Eigenkapital Banken für ihre Anleihen vorhalten müssen. Wie die Agenturen dafür eine ganze Volkswirtschaft zur Note verdichten, ist eine eigene Wissenschaft aus Wachstum, Schulden und Institutionen. Die Europäische Zentralbank akzeptiert Wertpapiere als Sicherheit nur ab der Bonitätsstufe 3, also ab BBB- oder Baa3, und auch nur von fünf anerkannten Agenturen: Morningstar DBRS, Fitch, Moody’s, S&P und Scope.

Auf den Punkt
  • Zahler: Seit den 1970er-Jahren bezahlen Emittenten ihre Noten, als mögliche Gründe gelten der Schnellkopierer und die Pleite von Penn Central.
  • Gesetz: 1975 machte die SEC drei Agenturen zum Maßstab für Eigenkapital, seither hängen Bank- und Versicherungsregeln an ihren Buchstaben.
  • Preis: Ohne Rating gilt ein Firmenkredit bei der Bank als Risiko mit 100 Prozent Gewicht, mit AA nur mit 20 Prozent.

Wie verdienen Ratingagenturen tatsächlich ihr Geld?

Roter Kaugummiautomat mit orangefarbenen Kugeln und Etikett vor weißem Hintergrund
Bei Moody’s kamen 2025 zwei Drittel des Ratingumsatzes aus Gebühren für neue Anleihen.

Ratingagenturen verdienen an zwei Stellen: an einer Gebühr für jede neue Anleihe, die sie benoten, und an laufenden Gebühren für die Überwachung bestehender Noten. Bei Moody’s brachte das Neugeschäft 2025 zwei Drittel der 3,66 Milliarden Euro Ratingumsatz, die Überwachung ein Drittel.

Zwei Töpfe, ein Prinzip

Moody’s beschreibt die Trennung in der Bilanz nüchtern. Das Transaktionsgeschäft umfasst das erste Rating einer neuen Emission und andere einmalige Gebühren, das wiederkehrende Geschäft die Gebühren für die laufende Beobachtung. 2025 kamen bei der Ratingsparte Moody’s Investors Service 2,43 Milliarden Euro aus Transaktionen und 1,22 Milliarden Euro aus wiederkehrenden Gebühren. S&P Global teilt ähnlich auf und meldete für seine Sparte Ratings 2,19 Milliarden Euro aus Transaktionen und 2,00 Milliarden Euro aus dem übrigen Geschäft.

Bei S&P steckt im zweiten Topf mehr als die Überwachung. Dort verbucht der Konzern auch Jahrespauschalen für Großkunden, Ratings ganzer Unternehmen statt einzelner Anleihen sowie die Research-Erlöse der indischen Tochter Crisil. Eine Bank, die jedes Jahr Dutzende Anleihen begibt, zahlt also gern einen Rahmenvertrag statt Einzelpreise. Für die Agentur bedeutet das planbares Geld, auch in Jahren, in denen weniger emittiert wird.

Womit die Marktführer ihr Geld verdienen
Umsatz der Ratingsparten 2025 in Milliarden Euro, aufgeteilt in Gebühren für neue Anleihen und wiederkehrende Erlöse.
S&P Global Ratings
2,192,00
4,19 Mrd. € Umsatz: neue Emissionen (dunkel) und Überwachung, Jahrespauschalen, Research (hell)
Moody’s Investors Service
2,431,22
3,66 Mrd. € Umsatz: neue Emissionen (dunkel) und laufende Überwachung (hell)
65 %
bereinigte operative Marge der S&P-Ratingsparte 2025
63,6 %
bereinigte operative Marge der Moody’s-Ratingsparte 2025
+25 %
Ratingumsatz von Moody’s im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal

Umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 6. Oktober 2026. Beide Konzerne weisen die Gebühren für neue Anleihen als Transaction Revenue aus. Margen bereinigt laut Geschäftsberichten.

Wer am meisten zahlt

Die größte Kundengruppe von Moody’s sind Unternehmen. Die Sparte Corporate Finance brachte 2025 umgerechnet 1,89 Milliarden Euro, mehr als die Hälfte des Ratingumsatzes. Banken und Versicherer folgten mit 0,67 Milliarden Euro, Staaten, Kommunen und Infrastrukturprojekte mit 0,56 Milliarden Euro, verbriefte Kredite mit 0,50 Milliarden Euro. Gemessen an der Lautstärke, mit der über Länderratings gestritten wird, ist der öffentliche Sektor ein kleiner Kunde.

Sparte von Moody’s Investors ServiceUmsatz 2025davon neue Emissionendavon wiederkehrend
Unternehmen (Corporate Finance)1,89 Mrd. €1,38 Mrd. €0,51 Mrd. €
Banken und Versicherer0,67 Mrd. €0,37 Mrd. €0,30 Mrd. €
Staaten, Kommunen, Infrastruktur0,56 Mrd. €0,39 Mrd. €0,17 Mrd. €
Verbriefte Kredite (Structured Finance)0,50 Mrd. €0,28 Mrd. €0,22 Mrd. €
Ratingsparte gesamt3,66 Mrd. €2,43 Mrd. €1,22 Mrd. €
Wer bei Moody’s für Ratings zahlt. Quelle: Moody’s, Ergebnismitteilung 2025 (Table 6); ohne die Position MIS Other, umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 06.10.2026.

Margen wie eine Gelddruckerei

Die Kosten eines Ratings bestehen vor allem aus Analysten, Software und Rechtsabteilung. Weil eine zusätzliche Anleihe desselben Emittenten wenig neue Analyse verlangt, wächst der Gewinn schneller als der Umsatz. S&P Global wies für seine Ratingsparte 2025 eine bereinigte operative Marge von 65 Prozent aus, Moody’s für seine Ratingsparte 63,6 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 stiegen beide Werte weiter, auf 68 und 68,3 Prozent.

Die Belegschaft ist schlank. Moody’s Investors Service zählte Ende 2025 genau 6.128 Beschäftigte, darunter 1.659 Ratinganalysten. Auf jeden Beschäftigten der Sparte kamen damit rechnerisch rund 600.000 Euro Umsatz. Für die Analysten ist die neue Anleihe eines bekannten Schuldners Routine, für die Agentur trotzdem ein neuer Rechnungsposten.

Das zweite Standbein: Daten

Beide Konzerne haben aus den Ratings längst ein Datengeschäft gemacht. Moody’s Analytics, die Sparte für Risikomodelle, Software und Firmendaten, setzte 2025 umgerechnet 3,19 Milliarden Euro um und liegt damit fast gleichauf mit der Ratingsparte. Bei S&P Global machen die Ratings nur noch knapp 31 Prozent des Konzernumsatzes aus, der Rest stammt aus Marktdaten, Indizes und Rohstoffpreisen. Die Ratings liefern den Ruf und die Kundenbeziehungen, die Datensparten verkaufen das Wissen ein zweites Mal.

Woher das Wachstum kommt

Getrieben wird das Geschäft vom Emissionsvolumen. Moody’s meldete für 2025 weltweite Anleiheemissionen im Gegenwert von mehr als 5,8 Billionen Euro, einen Rekord, und rund ein Fünftel des Wachstums im Transaktionsgeschäft ging auf Private Credit zurück, also auf Kredite von Fonds statt Banken. S&P Global rechnete im zweiten Quartal 2026 Emissionen im Gegenwert von 1,13 Billionen Euro ab, 25 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Im selben Zeitraum wuchs der Ratingumsatz von Moody’s gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent, das Transaktionsgeschäft sogar um 34 Prozent.

Einen neuen Großkunden haben die Agenturen in den Konzernen gefunden, die Rechenzentren für künstliche Intelligenz bauen. S&P Global zählte im ersten Halbjahr 2026 abgerechnete Emissionen von Hyperscalern im Gegenwert von 150 Milliarden Euro. Jede dieser Milliardenanleihen braucht eine Note. Die Gebühr richtet sich nach dem Volumen.

Auf den Punkt
  • Neugeschäft: Zwei Drittel des Moody’s-Ratingumsatzes hängen an neuen Anleihen und schwanken mit dem Kapitalmarkt.
  • Marge: Bereinigt bleiben bei beiden Marktführern rund zwei Drittel des Ratingumsatzes als operativer Gewinn.
  • Daten: Moody’s Analytics setzt fast so viel um wie die Ratings und verkauft das Wissen der Analysten ein zweites Mal.

Wie groß ist die Marktmacht der großen drei?

Drei große orangefarbene Schachtürme und ein winziger grauer Bauer auf weißem Grund
S&P, Moody’s und Fitch vereinen laut ESMA 91,87 Prozent des Ratingumsatzes in der EU.

Die drei Großen beherrschen den Markt fast vollständig. In der EU entfielen laut der Finanzaufsicht ESMA 91,87 Prozent des Umsatzes mit Ratings auf S&P, Moody’s und Fitch. In den USA stammten Ende 2024 laut SEC 93,38 Prozent aller ausstehenden Ratings von denselben drei Agenturen.

Die ESMA rechnet jedes Jahr nach, wie sich der Umsatz der in der EU registrierten Agenturen verteilt. Im Bericht vom Dezember 2025, der auf den Abschlüssen für 2024 beruht, kommt S&P Global auf 50,42 Prozent, ein Plus von 2,6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahresbericht. Moody’s folgt mit 29,63 Prozent, Fitch mit 11,82 Prozent. Dahinter folgt eine Reihe kleiner Anbieter: Morningstar DBRS mit 1,99 Prozent, Scope mit 1,23 Prozent, KBRA mit 0,97 Prozent, die deutschen Agenturen Creditreform Rating und GBB-Rating mit je 0,32 Prozent.

Drei Agenturen, ein Markt
Marktanteile der in der EU registrierten Ratingagenturen nach Umsatz mit Ratings und Nebenleistungen, Abschlüsse 2024.
S&P Global
50,42 %
Anteil am Ratingumsatz in der EU
Moody’s
29,63 %
Anteil am Ratingumsatz in der EU
Fitch
11,82 %
Anteil am Ratingumsatz in der EU
Morningstar DBRS
1,99 % Anteil am Ratingumsatz in der EU
Scope
1,23 % Anteil am Ratingumsatz in der EU
KBRA
0,97 % Anteil am Ratingumsatz in der EU
Creditreform Rating
0,32 % Anteil am Ratingumsatz in der EU
GBB-Rating
0,32 % Anteil am Ratingumsatz in der EU
91,87 %
des EU-Ratingumsatzes entfallen auf S&P, Moody’s und Fitch
93,38 %
der ausstehenden US-Ratings stammten Ende 2024 von den drei Großen
5
Agenturen erkennt die EZB für ihren Sicherheitenrahmen an

Marktanteile laut ESMA, CRA Market Share Report 2025 (18. Dezember 2025), Auswahl. US-Anteil laut SEC-Bericht über die NRSRO (April 2026). Anerkannte Agenturen laut EZB: Morningstar DBRS, Fitch, Moody’s, S&P und Scope.

Das Bild in den USA unterscheidet sich wenig. Die SEC zählte Ende 2025 zehn registrierte NRSRO, doch die drei Großen vereinten 2024 zusammen 92,4 Prozent des Umsatzes dieser Agenturen. Bei Staatsanleihen lag ihr Anteil an den ausstehenden Ratings bei 98,6 Prozent. Vor der Finanzkrise, im Jahr 2007, hielten die drei Großen noch 98,8 Prozent aller ausstehenden Ratings in den USA. Siebzehn Jahre Reformen haben den Anteil also um gut fünf Prozentpunkte gedrückt.

Warum Wettbewerb wenig ändert

Die EU hat 2013 versucht, kleinere Agenturen per Prüfpflicht zu stärken. Wer als Emittent zwei oder mehr Agenturen beauftragt, muss seitdem prüfen, ob eine davon höchstens 10 Prozent Marktanteil hat, und eine Absage dokumentieren. Eine Pflicht zur Beauftragung folgt daraus nicht. Für strukturierte Finanzprodukte schreibt die Verordnung zwei voneinander unabhängige Ratings vor. Bei einem Marktanteil der drei Großen von über 90 Prozent landet auch der zweite Auftrag meist bei einem von ihnen.

Mehr Wettbewerb macht die Noten zudem nicht automatisch besser. Die Ökonomen Bo Becker und Todd Milbourn untersuchten, was geschah, als Fitch in den 2000er-Jahren Marktanteile gegenüber Moody’s und S&P gewann. Ihr Befund im Journal of Financial Economics von 2011: Die Noten stiegen, und ihre Fähigkeit, Zahlungsausfälle vorherzusagen, nahm ab. Wir halten das für den unbequemsten Befund der ganzen Debatte. Solange der Schuldner zahlt und auswählt, belohnt ein zusätzlicher Anbieter am Markt vor allem den großzügigsten Prüfer.

Scope, der europäische Herausforderer

Die einzige europäische Agentur, deren Noten die EZB anerkennt, sitzt in Berlin. Florian Schoeller gründete Scope 2002 als Analysefirma für alternative Investments, zehn Jahre später kamen Kreditratings dazu. Zu den Ankeraktionären gehört neben Schoeller die AQTON SE von BMW-Großaktionär Stefan Quandt, seit 2022 stiegen außerdem AXA, die Groupe BPCE und Crédit Agricole Assurances ein. Im November 2023 nahm der EZB-Rat Scope als Ratingquelle für den Sicherheitenrahmen des Eurosystems auf, allerdings vorerst ohne Ratings für verbriefte Kredite.

Bei Staaten ist Scope stärker, als der Umsatzanteil vermuten lässt. Unter den in der EU bewerteten Instrumenten von Staaten und öffentlichen Emittenten kommt die Berliner Agentur laut ESMA Ende September 2025 auf einen Abdeckungsgrad von 40,0 Prozent, S&P auf 57,9 Prozent, Fitch auf 21,7 Prozent und Moody’s auf 20,7 Prozent. Weil viele Papiere mehrere Noten haben, ergeben die Anteile zusammen mehr als 100 Prozent. Am Umsatz ändert das wenig: Das deutsche Länderrating etwa vergibt Scope unaufgefordert, Geld fließt dafür nicht.

Auf den Punkt
  • Anteil: Gut 92 Prozent des Ratingumsatzes in EU und USA gehen an S&P, Moody’s und Fitch.
  • Reformen: Seit 2007 sank der Anteil der drei an den US-Ratings nur von 98,8 auf 93,38 Prozent.
  • Paradox: Als Fitch Marktanteile gewann, wurden die Noten großzügiger und sagten Ausfälle schlechter voraus.

Wer ist bei Ratingagenturen eigentlich das Produkt?

Eine schwarze Pfeife und ein orangefarbenes Schlüsselband mit einem Schild mit der Aufschrift „Bezahlt“ sind auf einem neutralen weißen Hintergrund ausgelegt
Im Emittent-zahlt-Modell wählt und bezahlt der Schuldner die Agentur, die ihn benotet.

Das Produkt ist die Glaubwürdigkeit des Schuldners, und der Schuldner bezahlt sie selbst. Anleger lesen die Noten meist kostenlos. Emittenten zahlen und wählen die Agentur aus: Moody’s Investors Service erzielte 2006 rund 86 Prozent seines Umsatzes mit ihren Zahlungen.

Die Rollen verteilen sich ungewöhnlich. Der Kunde ist der Schuldner, der Nutzer ist der Anleger, und für die Nachfrage sorgt die Aufsicht, die Banken und Versicherern Noten vorschreibt. Ein Fußballspiel nach diesem Muster hätte einen Schiedsrichter, den der Heimverein bezahlt und zuvor aus drei Kandidaten auswählt. Pfiffe gegen die Heimmannschaft kämen trotzdem vor, nur müsste sich jeder Schiedsrichter überlegen, ob er beim nächsten Heimspiel noch gefragt ist.

Das US-Justizministerium hat diesen Interessenkonflikt 2017 im Vergleich mit Moody’s ausdrücklich benannt. Im Emittent-zahlt-Modell würden die Agenturen von genau der Partei ausgewählt, die die bewerteten Wertpapiere zusammenstellt, vermarktet und deshalb von besseren Noten profitiert. Die SEC hatte schon 2008 interne E-Mails veröffentlicht, in denen ein Analyst schrieb, man würde ein Papier auch dann bewerten, wenn Kühe das Papier strukturiert hätten. Eine andere Nachricht sprach davon, Kriterien anzupassen, weil sonst Aufträge verloren gingen.

Die Ökonomen Vasiliki Skreta und Laura Veldkamp haben das Muster als Rating-Shopping beschrieben. Bei komplexen Papieren gehen die Urteile der Agenturen weit auseinander, und der Emittent veröffentlicht nur die beste Note. Je mehr Agenturen zur Wahl stehen, desto größer wird nach ihrem Modell die Verzerrung.

Staaten: benotet, aber nicht zahlend

Bei Ländern dreht sich das Verhältnis um. Für fünf der sechs Agenturen, die Deutschland bewerten, ist der Bund kein Auftraggeber: S&P nennt sein AAA für Deutschland ausdrücklich ein unaufgefordertes Rating, ebenso Fitch, Scope, KBRA und Morningstar DBRS. Wie sich diese Länderratings finanzieren, legen die Agenturen nicht offen. Unsere Einschätzung: Länderratings sind für die Agenturen ein Schaufenster. Keine andere Note wird so häufig zitiert, und jede Herabstufung eines Staats macht die Agentur bekannter, die sie ausspricht.

Weil Länderratings ganze Märkte bewegen, gelten in der EU seit 2013 strenge Termine. Jede Agentur legt Ende Dezember für das Folgejahr höchstens drei Veröffentlichungstermine für unaufgeforderte Länderratings fest, alle an einem Freitag, veröffentlicht wird nach Börsenschluss. Abweichen darf eine Agentur nur mit ausführlicher Begründung. S&P tat genau das im Oktober 2025: Die Agentur senkte Frankreich am 17. Oktober von AA- auf A+, obwohl der Termin erst Ende November geplant war.

Fitch hatte Frankreich schon am 12. September 2025 auf A+ herabgestuft, Moody’s beließ die Note Aa3, setzte den Ausblick aber auf negativ. An den Märkten zeigt sich die Folge: Laut EZB rentierten zehnjährige französische Anleihen im August 2026 mit 4,00 Prozent, italienische mit 3,99 Prozent. Für seine Staatsfinanzierung zahlt Paris damit so hohe Zinsen wie Rom, obwohl die Agenturen Frankreich weiterhin besser bewerten als Italien.

Auf den Punkt

Der Schuldner kauft seine eigene Glaubwürdigkeit, der Anleger bekommt sie gratis mitgeliefert. Staaten bilden die Ausnahme: Deutschland wird von fünf Agenturen ausdrücklich unaufgefordert benotet und zahlt nichts.

Was kostet ein Rating wirklich, und wer trägt die Kosten?

Altes Taxameter vor weißem Hintergrund mit Digitalanzeige und Anhänger
S&P verlangte im Januar 2026 für die meisten US-Unternehmensanleihen 8,35 Basispunkte des Volumens.

Ein Rating kostet zwischen einigen Hundert Euro und mehreren Hunderttausend Euro je Emission, je nach Volumen und Agentur. Fitch nennt für einzelne Emissionen eine Spanne von umgerechnet rund 900 bis 666.000 Euro. Bezahlt wird die Rechnung vom Emittenten, die Kosten tragen am Ende seine Anleger und Kunden.

Vollständige Preislisten finden sich selten, die Spannen stehen in den Pflichtangaben gegenüber der SEC. Fitch gibt dort für Einzelemissionen Gebühren von umgerechnet rund 900 bis 666.000 Euro an, für Jahrespauschalen von häufigen Emittenten rund 8.900 Euro bis 1,33 Millionen Euro. Moody’s nannte bis 2024 eine Obergrenze von umgerechnet rund 4,4 Millionen Euro, in den aktuellen Angaben steht keine Spanne mehr.

Konkreter wird S&P. Laut einer Analyse von Morningstar verlangte die Agentur im Januar 2026 für die meisten Unternehmensanleihen in den USA einen Listenpreis von 8,35 Basispunkten des Emissionsvolumens, mindestens aber umgerechnet rund 137.500 Euro. Ein Jahr zuvor lag der Satz bei 8,10 Basispunkten, der Preis stieg also um 3,1 Prozent. Ein Rechenbeispiel: Angenommen, ein Konzern begäbe eine Anleihe im Gegenwert von 500 Millionen Euro, dann läge die Gebühr nach Listenpreis bei rund 417.500 Euro, und dazu kämen die jährlichen Überwachungsgebühren.

Dass auch Staaten zahlen können, zeigt ein öffentlich einsehbarer Vertrag der Slowakei. Das Finanzministerium in Bratislava zahlte Fitch für die Jahre 2020 und 2021 jeweils eine Jahresgebühr von 80.050 Euro, für 2022 dann 82.550 Euro. Für internationale Emissionen über 2 Milliarden Euro kam ein Basispunkt hinzu, gedeckelt bei 120.000 Euro im Jahr. Für einen Staat ist das ein Kleinbetrag, für die Agentur ein sicherer Jahresumsatz ohne Ausfallrisiko.

FallGebührStand
Fitch, einzelne Emissionrund 900 € bis 666.000 €Form NRSRO 2026
Fitch, Jahrespauschale für häufige Emittentenrund 8.900 € bis 1,33 Mio. €Form NRSRO 2026
Moody’s, Obergrenze je Ratingrund 4,4 Mio. €zuletzt 2024 veröffentlicht
S&P, Listenpreis US-Unternehmensanleihen8,35 Basispunkte, mindestens rund 137.500 €Januar 2026
Fitch, Länderrating Slowakei80.050 € pro Jahr, Deckel 120.000 €Vertrag 2020 und 2021
Rating für eine Mittelstandsanleihe30.000 € bis 50.000 €Schätzung 2013
Externes Rating im Mittelstand10.000 € bis 30.000 € pro JahrSparkassen-Ratgeber, undatiert
Was ein Rating kostet. Quellen: Fitch und Moody’s (Form NRSRO), Morningstar, Vertragsregister der Slowakei, Anleihen Finder, Sparkasse; Dollarbeträge umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 06.10.2026.

Was der Mittelstand zahlt

Für mittelständische Unternehmen veröffentlichen die Agenturen keine Tarife. Der Kapitalmarktberater Peter Thilo Hasler bezifferte die Kosten eines Ratings für eine Mittelstandsanleihe schon 2013 auf 30.000 bis 50.000 Euro, bei Gesamtkosten der Emission von 3 bis 5 Prozent des Volumens. Ein Ratgeber der Sparkassen nennt für ein externes Rating jährliche Kosten von etwa 10.000 bis 30.000 Euro. Creditreform Rating veranschlagt für ein Unternehmensrating meist vier bis sechs Wochen Arbeit.

Am Ende steht eine Kette der Überwälzung. Der Emittent rechnet die Gebühr in die Kosten seiner Finanzierung ein und gibt sie über Preise an seine Kunden weiter. Der Anleger zahlt indirekt über eine etwas niedrigere Rendite und trägt zusätzlich das Risiko, dass die Note falsch war. Die Agentur selbst trägt das Risiko einer Fehleinschätzung nur begrenzt: Die Vergleiche nach der Finanzkrise kamen Jahre später und blieben unter einem Jahresgewinn.

Auf den Punkt
  • Volumen: Die Gebühr wächst mit der Anleihe, bei S&P mit 8,35 Basispunkten und einem Mindestpreis von rund 137.500 Euro.
  • Preissetzung: Der Listenpreis von S&P stieg binnen eines Jahres um 3,1 Prozent, ohne dass Kunden ausweichen konnten.
  • Mittelstand: Für ein Rating zur Mittelstandsanleihe nannten Berater schon 2013 Kosten von 30.000 bis 50.000 Euro.

Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Kartenhaus mit Karte ganz oben, die einen orangefarbenen Punkt mit „AAA“ zeigt
83 Prozent der 2006 von Moody’s mit AAA bewerteten Hypothekenpapiere wurden später herabgestuft.

Gewinner sind vor allem die Aktionäre: S&P Global ist an der Börse rund 103,6 Milliarden Euro wert, Moody’s rund 69,5 Milliarden Euro. Draufgezahlt haben in der Finanzkrise die Anleger, die sich auf AAA-Noten für Hypothekenpapiere verließen. Die späteren Vergleiche der Agenturen lagen jeweils unter dem heutigen Jahresgewinn ihrer Ratingsparten.

Beim Schlusskurs vom 6. Oktober 2026 war das Paket von 24,7 Millionen Moody’s-Aktien, das Berkshire Hathaway hält, umgerechnet rund 9,9 Milliarden Euro wert. Für einen langfristigen Investor ist eine Agentur mit regulatorischer Lizenz und zwei Dritteln Marge fast ein Lehrbuchfall.

Die Rechnung der Finanzkrise

Wie teuer das Modell für andere werden kann, hat die Untersuchungskommission des US-Kongresses 2011 aufgeschrieben. Von 2000 bis 2007 bewertete Moody’s knapp 45.000 hypothekenbezogene Wertpapiere mit AAA, im Jahr 2006 waren das 30 an jedem Arbeitstag. Von den 2006 mit AAA bewerteten Papieren wurden später 83 Prozent herabgestuft. Das Versagen der Agenturen nannte die Kommission „wesentliche Rädchen im Getriebe der finanziellen Zerstörung“.

Zugleich verdienten die Agenturen an genau diesen Papieren am besten. Strukturierte Finanzprodukte wie hypothekenbesicherte Wertpapiere machten 2005, 2006 und 2007 laut Kommission fast die Hälfte der Ratingumsätze von Moody’s aus, von 2000 bis 2007 hatten sich diese Erlöse mehr als vervierfacht. Die Anleger, die AAA für sicher hielten, zahlten mit Abschreibungen, die Steuerzahler mit Bankenrettungen.

Die ersten Warnsignale kamen Jahre früher. Den Energiekonzern Enron stuften die Agenturen laut einem SEC-Bericht von 2003 bis vier Tage vor dem Insolvenzantrag als guten Schuldner ein. Am Morgen der Pleite von Lehman Brothers im September 2008 hatten die kurzfristigen Schuldpapiere der Bank nach den Worten des Ökonomen Lawrence White noch ein Investment-Grade-Rating der großen Agenturen.

Von jedem Euro Ratingumsatz behält Moody’s bereinigt 64 Cent als operativen Gewinn, bezahlt von den Benoteten.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Strafen im Verhältnis

Die juristische Aufarbeitung kam spät. 2015 zahlte S&P in einem Vergleich mit dem US-Justizministerium und 19 Bundesstaaten umgerechnet rund 1,22 Milliarden Euro und räumte Fehlverhalten bei Ratings von Hypothekenpapieren aus den Jahren 2004 bis 2007 ein. Moody’s folgte 2017 mit umgerechnet rund 767 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Ratingsparte von S&P erwirtschaftete 2025 einen bereinigten operativen Gewinn von umgerechnet rund 2,73 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie der damalige Vergleich.

JahrAgenturBehördeBetragAnlass
2015S&PUS-Justizministerium, 19 Bundesstaatenrund 1,22 Mrd. €Ratings für Hypothekenpapiere 2004 bis 2007
2017Moody’sUS-Justizministerium, 21 Bundesstaatenrund 767 Mio. €Ratings für riskante Hypothekenpapiere
2019FitchESMA5,13 Mio. €Interessenkonflikte durch einen Anteilseigner
2021Moody’sESMA3,70 Mio. €Interessenkonflikte durch Anteilseigner
2023S&PESMA1,11 Mio. €Ratings vor Begebung der Papiere veröffentlicht
2024Moody’s, S&P, FitchSECje rund 17,7 Mio. €, Fitch rund 7,1 Mio. €nicht archivierte Kommunikation
2024ScopeESMA2,20 Mio. €Interessenkonflikte
2026Moody’s DeutschlandESMA2,15 Mio. €Fehlmeldungen an die Aufsicht
Vergleiche und Bußgelder der Ratingagenturen, Auswahl. Quellen: US-Justizministerium, SEC, ESMA; Dollarbeträge umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 06.10.2026.

Die laufenden Bußgelder bewegen sich in anderen Dimensionen. Die ESMA verhängte gegen Moody’s Deutschland zuletzt im Juli 2026 eine Strafe von 2.145.000 Euro wegen Fehlmeldungen an die Aufsicht. Die SEC verlangte 2024 von Moody’s und S&P je umgerechnet rund 17,7 Millionen Euro, weil Mitarbeiter dienstliche Nachrichten über private Kanäle verschickt hatten, die nicht archiviert wurden. Gemessen an Ratingumsätzen in Milliardenhöhe sind das Betriebskosten.

Auf den Punkt

Die Gewinne der Agenturen bleiben bei den Aktionären, die Folgen falscher Noten tragen Anleger und Steuerzahler. Selbst der größte Vergleich der Branche entsprach weniger als einem halben Jahresgewinn der heutigen S&P-Ratingsparte.

Wie politisch sind Ratingagenturen?

Ein Kalenderblatt mit dem Wort FREITAG in einem orangefarbenen Kreis
Länderratings dürfen in der EU nur an höchstens drei festen Freitagen im Jahr erscheinen.

Ratingagenturen sind politisch, weil ihre Noten über die Zinsen ganzer Staaten mitentscheiden. Die EU stellte die Branche deshalb 2009 unter eigene Regeln und im Juli 2011 unter die Aufsicht der ESMA, die USA verpflichteten ihre Behörden 2010, Verweise auf Ratings aus den eigenen Vorschriften zu streichen.

Die europäische Ratingverordnung von 2009 war eine Antwort auf die Finanzkrise, die Novelle von 2013 zielte vor allem auf Länderratings und Interessenkonflikte. Seit 2013 gelten neben dem Kalender für Länderratings eine Rotationspflicht bei Wiederverbriefungen, bei denen eine Agentur höchstens vier Jahre lang neue Papiere desselben Originators benoten darf, und die Pflicht zu zwei Ratings bei strukturierten Produkten.

In den USA verlangte das Dodd-Frank-Gesetz vom Juli 2010 von den Bundesbehörden, Verweise auf Ratings aus ihren Regeln zu entfernen und durch eigene Standards der Kreditwürdigkeit zu ersetzen. Gebrochen hat das die Stellung der drei Großen nicht. Ihr Anteil an den ausstehenden US-Ratings sank seit 2007 nur um gut fünf Prozentpunkte, und der internationale Basler Standard für Bankkapital arbeitet weiter mit externen Noten.

Die Supermacht verliert ihr AAA

Wie empfindlich Regierungen reagieren, zeigen die Vereinigten Staaten. S&P nahm den USA im August 2011 als erste Agentur das AAA, Fitch folgte am 1. August 2023. Finanzministerin Janet Yellen nannte die Entscheidung von Fitch damals „willkürlich“ und auf „veralteten Daten“ beruhend. Am 16. Mai 2025 senkte schließlich auch Moody’s die Note auf Aa1, seither haben die USA bei keiner der drei großen Agenturen mehr die Bestnote.

Auch in Europa reißen die Konflikte nicht ab. Am 18. September 2026 stufte Moody’s Polen von A2 auf A3 herab, das polnische Finanzministerium nennt als Begründung die Erwartung einer anhaltend schwächeren Haushaltslage. Am selben Abend bestätigte die Agentur das Aaa für Deutschland. Die Afrikanische Union startet nach einem Bericht von Gulf News an diesem 7. Oktober in Mauritius mit der AfCRA eine eigene Ratingagentur, weil sich viele Mitgliedstaaten von den drei Großen benachteiligt sehen. 23 afrikanische Staaten haben laut dem Bericht gar kein Rating einer großen Agentur. Die Marktführer bauen ihre Präsenz auf dem Kontinent trotzdem aus: S&P Global übernahm im Juli 2026 die nigerianische Ratingagentur Agusto & Company.

Deutschland vor dem nächsten Termin

Für Deutschland stehen die nächsten Prüfungen fest. S&P veröffentlicht sein Länderrating am 23. Oktober, Fitch am 13. November. Der frühere Chef der Länderratings bei S&P, Moritz Kraemer, heute bei der LBBW, erinnerte im September daran, dass sich die Zahl der Staaten mit AAA seit der Finanzkrise fast halbiert hat. Bei S&P führte ein negativer Ausblick historisch in fast 60 Prozent der Fälle tatsächlich zu einer Herabstufung.

AgenturNote und AusblickZuletzt bestätigtAuftrag des Bundes
Moody’sAaa, stabil18.09.2026im Bericht nicht ausgewertet
ScopeAAA, stabil04.09.2026unaufgefordert
KBRAAAA, stabil04.09.2026unaufgefordert
FitchAAA, stabil15.05.2026unaufgefordert, nächster Termin 13.11.2026
Morningstar DBRSAAA, stabil08.05.2026unaufgefordert
S&PAAA, stabil24.04.2026unaufgefordert, nächster Termin 23.10.2026
Wie die Ratingagenturen Deutschland bewerten. Quellen: Deutsche Finanzagentur und die dort verlinkten Ratingberichte, Termine laut LBBW Research.

Die Berichte zeigen, wo die Agenturen hinschauen. Scope erwartet, dass die deutsche Schuldenquote von 63,5 Prozent der Wirtschaftsleistung 2025 auf 73,9 Prozent im Jahr 2031 steigt. Hinter dieser Zahl stehen Demografie, Sozialausgaben und eine wachsende Zinslast, die wir im Beitrag über die Leistungsgesellschaft ausführlich beschrieben haben. Noch vergeben alle sechs Agenturen die Bestnote mit stabilem Ausblick.

Auf den Punkt
  • Regeln: Seit 2011 beaufsichtigt die ESMA alle Agenturen in der EU, Länderratings erscheinen nur an festen Freitagen.
  • Konflikte: Die USA haben seit Mai 2025 bei keiner der drei großen Agenturen mehr ein AAA.
  • Termine: Deutschland erwartet S&P am 23. Oktober und Fitch am 13. November 2026.

Was könnte das Geschäftsmodell der Ratingagenturen zu Fall bringen?

Jenga-Turm mit weißgestrichenen Steinen; ein orangener Stein mit dem Wort „PRIVAT“ ragt heraus
Private Kredite wachsen an den großen Agenturen vorbei, ihre Noten bleiben unveröffentlicht.

Kurzfristig wenig: Beide Marktführer wuchsen im zweiten Quartal 2026 zweistellig. Langfristig drohen drei Brüche, nämlich ein Vertrauensverlust wie 2008, ein Kreditmarkt, der an den großen Agenturen vorbei wächst, und Aufseher, die sich von externen Noten lösen.

Private Kredite, private Noten

Der Finanzstabilitätsrat FSB schätzte das weltweite Volumen privater Kredite von Fonds Ende 2024 auf umgerechnet 1,3 bis 1,8 Billionen Euro. In diesem Markt entstehen Noten, die niemand öffentlich einsehen kann. Der FSB warnte im Mai 2026, dass solche Privatratings, teils von kleineren, wenig bekannten Agenturen, Versicherer anlocken sollen, die für ihre Kapitalanforderungen auf Noten angewiesen sind. Die europäische Ratingverordnung nimmt private Ratings ausdrücklich aus, ihre Weitergabe ist auf höchstens 150 Empfänger begrenzt.

Die US-Versicherungsaufsicht NAIC kündigte in einem Brief an Senatorin Elizabeth Warren vom 24. September 2026 an, Ratinganbieter systematisch zu prüfen. Eine der Leitfragen lautet, ob bestimmte Anbieter durchgehend Noten vergeben, die zu großzügig oder zu streng erscheinen. Egan-Jones, einer der bekanntesten Anbieter in diesem Segment, beziffert die Zahl der 2025 bewerteten privaten Kredite auf mehr als 3.000. Im Juli 2026 lehnte die SEC den Antrag der Agentur ab, wieder Ratings für verbriefte Kredite und Staatsanleihen vergeben zu dürfen. Die Behörde zweifelte an ausreichenden Ressourcen für integre Ratings.

Die großen Agenturen kämpfen um denselben Markt und wachsen dort selbst. Moody’s meldete im zweiten Quartal 2026 mehr als 40 Prozent Wachstum bei Transaktionen rund um private Kredite, S&P im ersten Quartal ein Plus von 25 Prozent beim Ratingumsatz in diesem Segment. Ein Unfall im Private-Credit-Markt träfe also nicht nur die kleinen Anbieter, sondern auch das Vertrauen in Kreditnoten insgesamt.

Künstliche Intelligenz und Börse

Am 10. Februar 2026 verlor die Aktie von S&P Global an einem Tag 9,7 Prozent, Moody’s 6,8 Prozent. Neben einer schwachen Gewinnprognose nannten Händler laut Reuters die Sorge, künstliche Intelligenz könne Analyse und Finanzdaten billiger machen. Wir halten die Sorge für berechtigt, sie zielt nur auf die falsche Sparte. Eine Software kann eine Bilanz schneller lesen als ein Analyst, eine Zulassung der Aufsicht bekommt sie dadurch nicht. Bedroht sind zuerst die Datensparten, erst später die Ratings.

Drei Szenarien für die nächsten fünf Jahre

  • Fortschreibung: Emissionen für Rechenzentren und private Kredite halten den Umsatz hoch, die Margen bleiben bei rund zwei Dritteln.
  • Kreditunfall: Ausfälle bei privat bewerteten Krediten treffen Versicherer, Aufseher verschärfen die Regeln für alle Agenturen.
  • Regelbruch: Aufsichten ersetzen externe Noten stärker durch eigene Modelle, und der Preis der regulatorischen Lizenz sinkt.

Am wahrscheinlichsten halten wir die Fortschreibung. Die Geschichte seit 2008 zeigt, dass selbst ein Versagen von historischem Ausmaß das Oligopol nicht aufgebrochen hat, solange Gesetze und Aufseher die Noten weiter verlangen.

Auf den Punkt

Die größte Gefahr für die Agenturen kommt aus dem Markt für private Kredite, in dem Noten unsichtbar bleiben und Aufseher die Großzügigkeit kleinerer Anbieter prüfen. Künstliche Intelligenz bedroht zuerst die Datensparten, nicht die regulatorische Lizenz.

Was bedeuten Ratingagenturen für deutsche Unternehmer?

Waage mit AAA-Siegel vs. Münzen und Schild „LIEFERUNG ERWARTET“
Der Bund bekommt sein AAA unaufgefordert, Mittelständler zahlen für ein Rating fünfstellige Beträge.

Für die meisten Mittelständler zählt das interne Rating ihrer Hausbank mehr als eine Note von S&P oder Moody’s. Ein externes Rating lohnt sich vor allem für Unternehmen, die Anleihen begeben oder institutionelle Investoren gewinnen wollen. Dann kostet die Note Wochen an Vorbereitung, Offenlegung und jedes Jahr fünfstellige Gebühren.

Die Bank bewertet einen Kreditnehmer mit eigenen Verfahren, und für kleine Firmen scheiden externe Ratings nach Einschätzung der KfW wegen der Kosten oft aus. Ein externes Rating hilft dort, wo die Aufsicht danach fragt. Creditreform Rating beschreibt eine Unternehmensnote für Anleihen als nahezu Pflicht, weil Banken nach der europäischen Kapitalverordnung und Versicherer nach Solvency II ihre Anlagen mit externen Noten gewichten. Die Zahl der Unternehmen mit eigenem Rating von Creditreform beziffert die Agentur auf über 100.

Auch im Kreditgeschäft kann eine Note helfen, wenn auch weniger, als Berater gern versprechen. Im Standardansatz von Basel III gewichtet eine Bank einen Kredit an ein Unternehmen mit BBB-Rating mit 75 Prozent, an ein Unternehmen ohne Rating mit 100 Prozent. Spürbar wird der Vorteil erst bei größeren Volumen. Großbanken mit eigenen Risikomodellen rechnen ohnehin mit ihrem internen Urteil.

Was Sie jetzt tun sollten

  1. Interne Note kennen: Fragen Sie Ihre Bank gern direkt nach Ihrer Ratingklasse und den Kennzahlen, die sie am stärksten bewegen.
  2. Externes Rating nur mit Plan: Ein Rating lohnt sich, sobald eine Anleihe, ein Schuldschein oder ein großer Investor konkret ansteht, nicht als Imagepflege.
  3. Kleinere Agenturen prüfen: Scope, Creditreform Rating und GBB-Rating sind in der EU registriert, und bei zwei Aufträgen verlangt die Verordnung ohnehin, eine kleinere Agentur zu prüfen.
  4. Termine im Blick behalten: Die Länderratings für Deutschland am 23. Oktober und 13. November prägen die Renditen der Bundesanleihen, an denen sich Kreditzinsen orientieren.

Für die kommenden zwölf Monate sind drei Verläufe denkbar. Im günstigen Fall bestätigen S&P und Fitch das AAA mit stabilem Ausblick, und die Finanzierungskosten bleiben berechenbar. Im mittleren Fall bliebe die Note, doch eine Agentur senkte den Ausblick auf negativ, was die Debatte über den Haushalt verschärfen würde. Im ungünstigen Fall folgte eine echte Herabstufung, und Anleger verlangten für Bundesanleihen höhere Zinsen, die sich in Unternehmenskrediten fortsetzen würden.

Unsere Haltung zum Schluss: Das Geschäftsmodell der Ratingagenturen beruht weniger auf überlegener Analyse als auf dem Platz, den Gesetzgeber und Aufseher den drei Großen zugewiesen haben. Solange Banken, Versicherer und Zentralbanken ihre Regeln an externe Noten knüpfen, bezahlt der Schuldner seinen Prüfer und die Aktionäre der Agenturen verdienen zwei Drittel jedes Umsatzeuros. Die Bundesrepublik bekommt ihr AAA gratis, der Mittelständler mit Anleiheplänen zahlt für seine Note. Ändern könnten das nur die Aufseher, nicht die Agenturen.

Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zu Ratingagenturen

Ein aufgeschlagenes Buch mit grauem Einband, einem orangefarbenen Lesezeichen und einem AAA-Tag
Von Basispunkt bis unaufgefordertes Rating: die wichtigsten Begriffe zu Ratingagenturen.

Basispunkt

Basispunkt heißt ein Hundertstel eines Prozentpunkts. Ratingagenturen berechnen ihre Gebühr für neue Anleihen oft in Basispunkten des Emissionsvolumens: S&P verlangte im Januar 2026 für die meisten US-Unternehmensanleihen 8,35 Basispunkte, also 0,0835 Prozent des Volumens.

Emittent-zahlt-Modell

Emittent-zahlt-Modell nennt man die Praxis, dass der Herausgeber einer Anleihe die Ratingagentur bezahlt und nicht der Anleger. Die großen Agenturen stellten in den 1970er-Jahren darauf um. Kritiker sehen darin einen eingebauten Interessenkonflikt, weil der Kunde von einer guten Note profitiert.

Investment Grade

Investment Grade bezeichnet Noten von AAA bis BBB- bei S&P und Fitch oder Aaa bis Baa3 bei Moody’s. Viele institutionelle Anleger richten ihre Anlagegrenzen an dieser Schwelle aus. Papiere darunter gelten als spekulativ und zahlen höhere Zinsen.

Länderrating

Länderrating heißt die Note für die Kreditwürdigkeit eines Staats. In der EU dürfen Agenturen unaufgeforderte Länderratings höchstens an drei vorab festgelegten Terminen im Jahr veröffentlichen, jeweils freitags nach Börsenschluss.

NRSRO

NRSRO steht für Nationally Recognized Statistical Rating Organization, den Status, den die US-Börsenaufsicht SEC seit 1975 an Ratingagenturen vergibt. Ende 2025 waren zehn Agenturen registriert. US-Regeln für Kapital und Anlagen verwiesen lange auf die Noten dieser Agenturen.

Private Credit

Private Credit bezeichnet Kredite, die Fonds und Versicherer direkt an Unternehmen vergeben, ohne Bank und ohne Börse. Der Finanzstabilitätsrat FSB schätzte das Volumen Ende 2024 auf umgerechnet 1,3 bis 1,8 Billionen Euro. Die Noten dafür bleiben meist unveröffentlicht.

Ratingausblick

Ratingausblick nennt man die Einschätzung einer Agentur, in welche Richtung sich eine Note mittelfristig bewegen dürfte: positiv, stabil oder negativ. Ein negativer Ausblick ging bei S&P historisch in fast 60 Prozent der Fälle einer Herabstufung voraus.

Rating-Shopping

Rating-Shopping heißt die Praxis von Emittenten, mehrere Agenturen um eine vorläufige Einschätzung zu bitten und nur die günstigste Note zu beauftragen oder zu veröffentlichen. Das Muster gilt als eine Ursache der zu guten Noten für Hypothekenpapiere vor 2008.

Risikogewicht

Risikogewicht bestimmt, wie viel Eigenkapital eine Bank für einen Kredit vorhalten muss. Im Standardansatz nach Basel III hängt das Gewicht an der externen Note: 20 Prozent bei AA, 75 Prozent bei BBB, 100 Prozent für Unternehmen ohne Rating.

Strukturiertes Finanzprodukt

Strukturiertes Finanzprodukt heißt ein Wertpapier, das Zahlungen aus einem Bündel von Krediten weiterreicht, etwa aus Hypotheken oder Autokrediten. Die Bündel werden in Tranchen mit unterschiedlichem Risiko zerlegt, die jeweils eine eigene Note bekommen.

Transaktionsumsatz

Transaktionsumsatz nennen Moody’s und S&P die Gebühren für das erste Rating neuer Emissionen und andere einmalige Leistungen. Der Wert schwankt mit dem Anleihemarkt und machte bei Moody’s 2025 zwei Drittel des Ratingumsatzes aus.

Überwachungsgebühr

Überwachungsgebühr bezeichnet die laufende Zahlung des Emittenten dafür, dass die Agentur eine bestehende Note beobachtet und bei Bedarf anpasst. Diese wiederkehrenden Erlöse stabilisieren den Umsatz der Agenturen in Jahren mit wenigen Neuemissionen.

Unaufgefordertes Rating

Unaufgefordertes Rating heißt eine Note, die eine Agentur ohne Auftrag des bewerteten Schuldners vergibt. Das AAA für Deutschland ist bei S&P, Fitch, Scope, KBRA und Morningstar DBRS ausdrücklich als unaufgefordert gekennzeichnet.

FAQ: Wie verdienen Ratingagenturen ihr Geld?

Ein Holzstempel mit der Gravur „HABE FRAGEN?“ über dem orangen Abdruck „FAQ“
Häufige Fragen zu Ratingagenturen, ihren Gebühren und dem Rating Deutschlands.

Was ist eine Ratingagentur?

Eine Ratingagentur bewertet, wie wahrscheinlich ein Schuldner seine Anleihen und Kredite pünktlich zurückzahlt, und drückt das in Noten wie AAA oder BBB aus. Die drei größten Agenturen stammen aus den USA, darunter Moody’s und Fitch. In der EU beaufsichtigt die Finanzaufsicht ESMA seit 2011 alle registrierten Agenturen.

Welche Ratingagenturen sitzen in Deutschland?

In Deutschland sitzen unter anderem Scope Ratings in Berlin, Creditreform Rating und GBB-Rating. Scope ist die größte Agentur mit Sitz in der EU und kam laut ESMA auf 1,23 Prozent des Umsatzes. Auch die drei großen US-Agenturen arbeiten über eigene Gesellschaften in Deutschland.

Was bedeutet ein AAA-Rating?

AAA ist die Bestnote für die Kreditwürdigkeit eines Schuldners, Moody’s schreibt Aaa. Die Note besagt, dass die Agentur das Ausfallrisiko für äußerst gering hält. Deutschland hat diese Note bei allen sechs Agenturen, die das Land bewerten, die USA bei keiner der drei großen mehr.

Wer bezahlt Ratingagenturen?

Meist bezahlt der Schuldner selbst, also das Unternehmen, die Bank oder der Fonds, der eine Anleihe begibt. Anleger lesen die Noten in der Regel kostenlos. Ausnahmen sind unaufgeforderte Ratings, etwa für Deutschland, und private Ratings, die nur ein kleiner Kreis von Investoren zu sehen bekommt.

Warum stehen Ratingagenturen in der Kritik?

Kritiker werfen den Agenturen einen Interessenkonflikt vor, weil die benoteten Schuldner zahlen. In der Finanzkrise erwiesen sich viele AAA-Noten für Hypothekenpapiere als falsch, Moody’s und sein größter Konkurrent zahlten deshalb später Vergleiche von zusammen rund 2 Milliarden Euro an US-Behörden.

Welches Rating hat Deutschland?

Deutschland hat bei allen sechs Agenturen, die das Land bewerten, die Bestnote mit stabilem Ausblick. Moody’s bestätigte das Aaa am 18. September 2026. Die nächsten Prüfungen durch die beiden anderen großen Agenturen stehen am 23. Oktober und am 13. November 2026 an.

Quellen

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S&P Global | Second Quarter 2026 Earnings Release (28.07.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/64040/000006404026000040/spgi2q2026-earningsrelease.htm | besucht am 07.10.2026

S&P Global | Second Quarter 2026 Earnings Call Slides (28.07.2026) | https://investor.spglobal.com/files/doc_financials/2026/q2/S-P-Global-2Q-2026-Earnings-Call-Slides-7-28-2026.pdf | besucht am 07.10.2026

S&P Global | Annual Report on Form 10-K 2025 | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/64040/000006404026000013/spgi-20251231.htm | besucht am 07.10.2026

S&P Global | Investor Fact Book 2016: Overview | https://s29.q4cdn.com/690959130/files/doc_downloads/investor-fact-book/ifb-sections/SP-Global-2016-Investor-Fact-Book-Overview.pdf | besucht am 07.10.2026

Moody’s | Fourth Quarter and Full Year 2025 Earnings Release (18.02.2026) | https://s203.q4cdn.com/694693571/files/doc_financials/2025/q4/4Q25-Earnings-Release-vFINAL.pdf | besucht am 07.10.2026

Moody’s | Second Quarter 2026 Earnings Release (22.07.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1059556/000162828026049104/a2q26earningsrelease.htm | besucht am 07.10.2026

Moody’s | Annual Report on Form 10-K 2025 | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1059556/000162828026009136/mco-20251231.htm | besucht am 07.10.2026

Moody’s | Proxy Statement 2026 (04.03.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1059556/000105955626000019/mco-20260304.htm | besucht am 07.10.2026

Moody’s Investors Service | Moody’s Role in the Global Capital Markets (2009) | https://www.moodys.com/sites/products/ProductAttachments/Moody’s%20Investors%20Service%20Descriptor.pdf | besucht am 07.10.2026

Moody’s Investors Service | Disclosure (2007) | https://www.moodys.com/uploadpage/Mco%20Documents/MIS%20Disclosure.pdf | besucht am 07.10.2026

Moody’s Investors Service | Form NRSRO 2024, Exhibit 5 | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1698547/000119312524080917/d811079dex99e5nrsro.pdf | besucht am 07.10.2026

Fitch Group | History | https://fitch.group/history | besucht am 07.10.2026

Fitch Ratings | Form NRSRO 2026, Exhibit 2 | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1652282/000110465926036549/tm269846d1_ex99-e2.pdf | besucht am 07.10.2026

O’Dwyer’s | Hearst dives deeper into financial info services (12.04.2018) | https://www.odwyerpr.com/story/public/10483/2018-04-12/hearst-dives-deeper-into-financial-info-services.html | besucht am 07.10.2026

Morningstar | S&P Global Ratings disclosures continue to show solid pricing power (06.01.2026) | https://www.morningstar.com/company-reports/1416922-sp-global-ratings-disclosures-continue-to-show-solid-pricing-power | besucht am 07.10.2026

Centrálny register zmlúv der Slowakei | Vertrag Finanzministerium und Fitch Ratings, Verlängerung 2019 | https://www.crz.gov.sk/data/att/4394044_dokument1.pdf | besucht am 07.10.2026

ESMA | CRA Market Share Report 2025 edition (18.12.2025) | https://www.esma.europa.eu/sites/default/files/2025-12/ESMA84-900617762-2652_CRA_Market_Share_Calculation_2025.pdf | besucht am 07.10.2026

ESMA | Moody’s Germany fined EUR 2,145,000 for misreporting to ESMA (02.07.2026) | https://www.esma.europa.eu/press-news/esma-news/moodys-germany-fined-eur-2145000-misreporting-esma | besucht am 07.10.2026

ESMA | ESMA fines Fitch EUR 5,132,500 for breaches of conflict of interest requirements (28.03.2019) | https://www.esma.europa.eu/press-news/esma-news/esma-fines-fitch-%E2%82%AC5132500-breaches-conflict-interest-requirements | besucht am 07.10.2026

ESMA | ESMA fines Moody’s EUR 3.7 million for conflicts of interest failures (30.03.2021) | https://www.esma.europa.eu/press-news/esma-news/esma-fines-moody%E2%80%99s-%E2%82%AC37-million-conflicts-interest-failures | besucht am 07.10.2026

ESMA | ESMA fines S&P EUR 1.11 million for failures related to premature release of credit ratings (24.03.2023) | https://www.esma.europa.eu/press-news/esma-news/esma-fines-sp-eu111-million-failures-related-premature-release-credit-ratings | besucht am 07.10.2026

ESMA | ESMA fines Scope EUR 2,197,500 for breaches of conflict of interest obligations (22.03.2024) | https://www.esma.europa.eu/press-news/esma-news/esma-fines-scope-eur-2197500-breaches-conflict-interest-obligations | besucht am 07.10.2026

ESMA | Call for Evidence on restricted subscription and private credit ratings (16.04.2026) | https://www.esma.europa.eu/sites/default/files/2026-04/ESMA00-666616337-488_Call_for_Evidence_on_the_restricted_subscription_and_private_credit_ratings.pdf | besucht am 07.10.2026

Amt für Veröffentlichungen der EU | Verordnung (EU) Nr. 513/2011 über Ratingagenturen | http://publications.europa.eu/resource/celex/32011R0513 | besucht am 07.10.2026

Amt für Veröffentlichungen der EU | Verordnung (EU) Nr. 462/2013 über Ratingagenturen | http://publications.europa.eu/resource/celex/32013R0462 | besucht am 07.10.2026

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U.S. Securities and Exchange Commission | Report on the Role and Function of Credit Rating Agencies (Januar 2003) | https://www.sec.gov/news/studies/credratingreport0103.pdf | besucht am 07.10.2026

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The Motley Fool | S&P Global Q1 2026 Earnings Call Transcript (28.04.2026) | https://www.fool.com/earnings/call-transcripts/2026/04/28/sp-global-spgi-q1-2026-earnings-transcript/ | besucht am 07.10.2026

Stock Analysis | S&P Global und Moody’s: Marktkapitalisierung (06.10.2026) | https://stockanalysis.com/stocks/spgi/market-cap/ | besucht am 07.10.2026

Creditreform Rating | Corporate Rating | https://www.creditreform-rating.de/en/ratings/corporate-rating.html | besucht am 07.10.2026

Creditreform | Unternehmensrating: individuell wie ein Check-up beim Arzt (04.01.2024) | https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/unternehmensrating-individuell-wie-ein-check-up-beim-arzt | besucht am 07.10.2026

Sparkasse | Unternehmensrating: So bewerten Banken Ihre Bonität | https://www.sparkasse.de/fk/ratgeber/corporate-finance/unternehmensrating.html | besucht am 07.10.2026

Anleihen Finder | Peter Thilo Hasler: Die Kosten einer Mittelstandsanleihe (16.07.2013) | https://www.anleihen-finder.de/die-kosten-einer-mittelstandsanleihe-kolumne-von-peter-thilo-hasler-0009861.html | besucht am 07.10.2026

KfW Research | KfW-Mittelstandspanel 2025 | https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-Mittelstandspanel/KfW-Mittelstandspanel-2025.pdf | besucht am 07.10.2026

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