Cisco Talos hat die Windows-Schadsoftware VOLTA untersucht, die ihre Beute von einem Sprachmodell bewerten lässt. Das Modell soll aus gestohlenen Passwörtern, Sitzungen und Quittungen ableiten, was ein Opfer wert ist. Lehnt es die Aufgabe ab, fragt das Programm das nächste Modell.[1]
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Mit dem gestohlenen Gmail-Zugang durchsucht VOLTA das Postfach des Opfers nach Quittungen von Amazon, Uber Eats oder PayPal, um die Wohnadresse zu bestätigen. Talos-Forscher Ryan Fetterman beschreibt in seinem Bericht vom 31. Oktober, wie daraus ein Steckbrief mit Preisliste für den Täter wird.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- VOLTA stiehlt Browser-Passwörter, Cookies, Krypto-Wallets und Anmeldesitzungen von Diensten wie Slack, Discord und Steam.
- Ein Sprachmodell ordnet die Beute nach Geldwert und bewertet das Sicherheitsverhalten des Opfers.
- Verweigert ein Modell die Antwort, probiert die Schadsoftware bis zu zwei weitere Modelle.
- Laut Talos lässt sich ein Teil des Diebstahls bremsen, wenn nur bekannte Programme Chrome ohne Fenster starten dürfen.
Wie bewertet VOLTA ihre Opfer?

Nach dem Diebstahl stellt VOLTA ein Datenpaket zusammen: Wohnort, Arbeitgeber, geschätztes Geburtsjahr, die letzten vier Ziffern der Kreditkarte, frühere Bestellungen bei Lieferdiensten. Das Paket geht über den Vermittlungsdienst OpenRouter an ein Sprachmodell. Laut Anweisung soll das Modell die Werte in drei Stufen ordnen und einschätzen, wie sorgfältig das Opfer mit Passwörtern umgeht.[1]
Die Anfrage läuft über den Internetanschluss des Opfers, ein eigener Server der Täter taucht nicht auf. Die Ergebnisse landen laut Talos in einem Telegram-Chat. Die Schadsoftware löscht sich danach selbst.[1] Neu ist die Beute nicht: Gestohlene Zugangsdaten aus solchen Programmen öffneten schon 165 Firmenkonten beim Cloud-Anbieter Snowflake.
Warum rechnet die Schadsoftware mit Absagen der Modelle?
Voreingestellt ist Claude Opus 4.6 von Anthropic. Enthält die Antwort Sätze wie „Ich kann nicht“, wechselt VOLTA zu Kimi K2 und danach zu Gemini 2.5 Flash. Die Temperatur, also der Zufallsanteil der Antwort, steht auf niedrigen 0,2. Talos liest daraus, dass der Entwickler mit Absagen rechnete und gleichbleibende Ergebnisse wollte.[1]
Zugangsdaten und Telegram-Kanal stehen in sechs austauschbaren Platzhaltern. Talos schließt daraus auf einen Baukasten zum Verkauf, mit dem auch wenig versierte Käufer bewertete Opferlisten erhalten.[1] Anthropic hatte im August 2025 über einen Erpresser berichtet, der Claude Code bei mindestens 17 Organisationen gestohlene Finanzdaten auswerten und Lösegeldsummen festlegen ließ.[3] Im September stellte Talos mit CLOSEDQUORUM eine Schadsoftware vor, deren Fernsteuerung ein KI-Modell selbstständig übernimmt. Einen Einsatz gegen echte Opfer konnte Talos dort nicht bestätigen.[2]
Die Zahlen
Der Ablauf
Was sollten Unternehmen jetzt tun?
Chrome verschlüsselt Cookies unter Windows seit Version 127 so, dass nur der Browser selbst sie lesen kann. Schadsoftware braucht dafür Systemrechte oder muss Code in Chrome einschleusen, was Virenscanner eher bemerken.[4] Laut Talos umgeht VOLTA den Schutz über einen Chrome-Start ohne sichtbares Fenster.[1]
Das Sprachmodell stiehlt nichts, es sortiert die Beute. Jede gespeicherte Anmeldung im Browser steht damit auf einer Preisliste.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
- Chrome-Start begrenzen: Nur freigegebene Programme dürfen Chrome mit dem Parameter
--headlessaufrufen, jeder andere Aufruf löst eine Warnung aus.[1] - Keine Administratorrechte: Ohne erhöhte Rechte muss Schadsoftware Code in Chrome einschleusen und fällt eher auf.[4]
- Protokoll sichern: Nach einem Befall die Datei
volta_debug.txtim Ordner AppData aufheben. Darin steht, was abgeflossen ist. Danach überall abmelden und Passwörter ändern.[1] - Meldefrist beachten: Fließen Kunden- oder Mitarbeiterdaten ab, muss die Aufsichtsbehörde möglichst binnen 72 Stunden davon erfahren, sofern den Betroffenen ein Risiko droht.[5]
Wallets, deren Wiederherstellungsphrase unverschlüsselt auf der Festplatte lag, gelten laut Talos als vollständig kompromittiert. Das Guthaben gehört dann in eine neue Wallet. Zugangsdaten legen Sie nach der Empfehlung von Talos am besten in Speichern ab, die ein Sicherheitschip des Rechners schützt.[1]
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Cisco Talos, Ryan FettermanAppraisal by AI: Model-driven victim prioritization in the VOLTA infostealer
- Cisco Talos, Ryan FettermanThe Closed Quorum: Inside the first reported autonomous AI C2 implant
- AnthropicDetecting and countering misuse of AI: August 2025
- Google Security Blog, Will HarrisImproving the security of Chrome cookies on Windows
- Datenschutz-GrundverordnungVerordnung (EU) 2016/679, Artikel 33
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