Seit Sonntagmorgen zahlt Binance wieder Bitcoin aus. Am Donnerstagabend hatte ein Angreifer Token für 6,3 Mrd. Dollar (rund 5,5 Mrd. Euro) aus den Wallets der Kryptobörse abgezogen, den Schaden ersetzt Binance aus Notreserve, Versicherungstopf und Firmenkasse.
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Binance wollte am Sonntag zwischen 7 und 10 Uhr deutscher Zeit die erste Stufe freigeben, kurz nach 7 Uhr meldete die Statusseite laut Reuters die ersten Bitcoin-Auszahlungen. Auf der Liste stehen 15 Blockchains, darunter Ethereum, Solana und XRP.[1] Stand: Sonntag, 1. November, 8:30 Uhr.
Das Wichtigste in Kürze
- Binance gibt Auszahlungen in Stufen frei, zuerst über 15 Blockchains.
- Nach eigenen Angaben hat die Börse 95 % der gestohlenen Werte ersetzt, rund 5,2 Mrd. Euro.
- Der Angreifer kam über den Laptop eines Mitarbeiters an die Auszahlungssysteme.
- Den technischen Untersuchungsbericht hat Binance noch nicht vorgelegt.
Woher nimmt Binance 5,5 Mrd. Euro?

Für den Ersatz hat Binance mehr als 6,34 Mrd. Dollar aus Firmenmitteln zurückgelegt, davon 5 Mrd. Dollar in genau den gestohlenen Token.[2] Das Geld stammt aus der Notreserve SAFU, aus einem Versicherungsfonds für Terminkontrakte und aus der Firmenkasse.[3] Zehn große Token wie Bitcoin, Ether und USDT sind laut Binance wieder vollständig gedeckt. Die fehlenden 5 % entfallen auf kleinere Token, die am Markt erst in ausreichender Menge zu kaufen sind.[1]
Deckung heißt dabei nicht Rückholung. Rund 3 Mrd. Dollar haben Stablecoin-Herausgeber und andere Partnerfirmen eingefroren, diese Summe rechnet Binance nicht in die Deckung ein.[2] Der SAFU-Fonds, den die Börse wieder auf rund 1 Mrd. Dollar auffüllen will, hätte den Schaden allein nicht getragen.[3]
Wie kam der Angreifer an die Auszahlungen?
Am Donnerstag gegen 21 Uhr flossen die Token aus den ständig mit dem Internet verbundenen Wallets der Börse ab.[2] Nach ersten Erkenntnissen der Börse gelangte der Angreifer über den gekaperten Laptop eines Mitarbeiters aus dem Serverbetrieb in einen Software-Container und gab von dort unberechtigte Auszahlungsaufträge ab.[4] Einen Abfluss privater Schlüssel hat die Börse nicht gefunden, dafür weitere Einfallstellen, über die Binance noch schweigt.[2]
Von den beiden Erklärungen aus der Nacht des Abflusses bestätigt sich die zweite: Der Schlüssel blieb sicher, das Signatursystem unterschrieb Aufträge eines scheinbar berechtigten Dienstes. Der bestverwahrte Schlüssel schützt wenig, solange ein einzelnes Arbeitsgerät Aufträge auslösen darf. Rechner von Entwicklern sind ein bekanntes Einfallstor, wie zuletzt der Einbruch bei Northflank und eine manipulierte Claude-Code-Erweiterung zeigten.
Den Ernstfall kennt die Börse ohne festen Firmensitz schon. Nach dem Diebstahl von 7.000 Bitcoin im Mai 2019 ersetzte Binance den Schaden aus SAFU und stoppte Auszahlungen rund eine Woche. Bei Bybit liefen die Auszahlungen weiter, als im Februar 2025 rund 1,3 Mrd. Euro verschwanden, die Börse füllte die Reserven binnen Tagen mit Krediten auf. Binance setzte die Auszahlungen diesmal rund zweieinhalb Tage aus.
Vier Tage in fünf Schritten (deutsche Zeit)
Binance kauft sich mit 5,5 Mrd. Euro Vertrauen zurück. Den Bericht zum Laptop schuldet die Börse ihren Kunden trotzdem.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Unternehmen mit Kryptobeständen?
Den Ersatz begründet Binance mit einer eigenen Zusage. Einen gesetzlichen Anspruch regelt in der EU die Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA): Zugelassene Verwahrer haften für Verluste, die ihnen zuzurechnen sind, bis zum Marktwert zum Zeitpunkt des Verlusts.[5] Welche Anbieter zugelassen sind, steht im Register der EU-Wertpapieraufsicht ESMA. Wie genau Aufseher hinschauen, zeigt das Bußgeld der irischen Zentralbank gegen Coinbase.
Firmen mit Guthaben bei Binance sollten jetzt handeln:
- Kontostände vor und nach dem Abfluss sichern, für Buchhaltung und mögliche Ansprüche
- Ab Dienstag mit dem angekündigten Reservenachweis selbst prüfen, ob das eigene Guthaben gedeckt ist[3]
- Langfristige Bestände in eine Hardware-Wallet direkt vom Hersteller verschieben, seit in Ledger-Geräten eines Zwischenhändlers ein Spionagechip auftauchte
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- BinanceSecurity Incident | Recovery Update #4: Withdrawals Resume in Phases (2026-11-01)
- BinanceSecurity Incident Update #2 (2026-10-30)
- BinanceSecurity Incident | Recovery Update #3: 90% of Stolen Assets Replenished; Proof of Reserves Snapshot Provided (2026-10-31)
- BinanceSecurity Incident Update (2026-10-30)
- Verordnung (EU) 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte (MiCA)Artikel 75 Absatz 8
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