Um 12:43 Uhr ging am Freitag bei Northflank eine Warnung des Sicherheitsunternehmens Wiz ein. Gut zwei Stunden später forderte der Plattformanbieter alle Kunden auf, sämtliche Zugangsdaten auszutauschen: Angreifer könnten jede gespeicherte Umgebungsvariable im Klartext kennen.[1] In der Nacht meldeten Kunden, dass Fremde ihre Schlüssel für KI-Dienste benutzen.
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Northflank ist laut Wiz die neunte Entwicklerplattform, die im Oktober einen Einbruch gemeldet hat.[2] Wiz hat verfolgt, was mit Schlüsseln aus einem dieser Einbrüche geschah, und fand Abfragen an KI-Modelle für vermutlich mehr als 100.000 Dollar.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Northflank könnten Angreifer alle gespeicherten Umgebungsvariablen im Klartext kennen, die Ursache des Einbruchs ist noch offen.
- Kunden berichten von fremder Nutzung ihrer Schlüssel für KI-Dienste.
- Wiz zählt im Oktober neun betroffene Plattformen, der Anbieter Zeabur stellt nach dem zweiten Einbruch den Betrieb ein.
- Ein Schlüssel muss beim ausstellenden Dienst widerrufen werden, Löschen auf der Plattform reicht nicht.
Was ist bei Northflank passiert?

Auf Northflank lassen Unternehmen Anwendungen, Datenbanken und Builds laufen. Die Statusseite nennt den Ablauf: Um 13:02 Uhr griffen erste Notfallmaßnahmen im Netzwerk, ab 14 Uhr half das Notfallteam von Wiz. Am Samstagmorgen meldete die Seite für Netzwerk, Dienste, Datenbanken und Builds weiterhin einen großflächigen Ausfall.[1]
Bestätigte Erkenntnisse zur Ursache hat Northflank bisher nicht veröffentlicht. Seit Freitagnachmittag lassen sich die Passwörter von Postgres- und MongoDB-Datenbanken auf der Plattform austauschen, seit Samstag 2:04 Uhr sehen alle Kunden Zugriffsprotokolle, auch Kunden im kostenlosen Tarif. Die IP-Adressen hinter den gemeldeten Missbrauchsfällen ähneln laut Northflank denen aus dem Wiz-Bericht.[1]
Warum sind Umgebungsvariablen so begehrt?
Eine Plattform muss die Zugangsdaten ihrer Kunden entschlüsseln, um sie an die laufenden Anwendungen zu übergeben. Verschafft sich ein Angreifer Zugriff auf diesen internen Ablauf, liest er die Schlüssel vieler Kunden auf einmal. Die Cloud Security Alliance (CSA) beschreibt genau dieses Muster bei Fireworks AI, OpenCode und Railway.[3] Bei Railway hatten Angreifer vor zehn Tagen entschlüsselte Umgebungsvariablen von Kunden ausgelesen. Zeabur traf am 14. Oktober der zweite Einbruch binnen zwei Monaten, der Anbieter schaltet seine Server bis Ende Dezember ab.[4]
KI-Schlüssel lassen sich sofort zu Geld machen. In zwei von Wiz untersuchten Fällen testete jemand die gestohlenen Schlüssel binnen 30 Minuten. Tage später liefen über einen einzigen Schlüssel 1,7 Millionen Anfragen in 13 Stunden. Zum Listenpreis kosteten beide Fälle zusammen laut Wiz vermutlich über 100.000 Dollar, rund 89.500 Euro. Wiz fand zwei Wiederverkäufer, die Zugang zu KI-Modellen mit Rabatt anbieten und deren Server die Schlüssel geprüft hatten.[2]
Die Zahlen
Der Ablauf
Was sollten Unternehmen jetzt tun?
Die CSA rät, jede Plattform mit gespeicherten KI-Schlüsseln als Teil der eigenen Angriffsfläche zu behandeln.[3] Für Unternehmen, die unter NIS2 fallen, ist das auch eine Pflicht: § 30 BSIG verlangt, die Lieferkette abzusichern, ausdrücklich auch die Beziehungen zu Diensteanbietern.[5]
Ein KI-Schlüssel ohne Ausgabenlimit ist ein Blankoscheck. Neun Einbrüche in einem Monat zeigen, wie schnell ihn Fremde einlösen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Diese Schritte empfehlen Northflank und die CSA:
- Beim Aussteller widerrufen: Erzeugen Sie neue Schlüssel bei OpenAI, Anthropic, Google oder Ihrem Cloud-Anbieter und sperren Sie die alten dort. Ein auf der Plattform gelöschter Schlüssel bleibt gültig.[3]
- Abrechnungen prüfen: Sehen Sie die Nutzungsdaten Ihrer KI-Anbieter mindestens ab Mitte September auf sprunghafte Anstiege, Modelle, die Sie nicht nutzen, und ungewöhnliche Rechenzentrumsregionen durch.[3]
- Schlüssel trennen: Nutzen Sie je Plattform und Anwendung einen eigenen Schlüssel mit Ausgabenlimit nahe am erwarteten Verbrauch.[3]
- Datenbanken abschotten: Schalten Sie bei Datenbanken auf Northflank den öffentlichen Zugang ab.[1]
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- NorthflankStatusseite, Meldung „Security incident“, 30. und
- Wiz‚Black October‘ for AI Developer Platforms, Benjamin Read und Rami McCarthy
- Cloud Security AllianceInference Providers as the Prize: Platform-Chain Campaigns Against AI Serving
- ZeaburZeabur is shutting down: what happens next, Yuanlin Lin
- Bundesministerium der Justiz§ 30 BSI-Gesetz, Risikomanagementmaßnahmen, Absatz 2 Nummer 4
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