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Die Horst Brandstätter Group will auf dem Gelände des stillgelegten Playmobil-Werks in Dietenhofen einen Rechenzentrums-Campus mit zunächst 100 Megawatt errichten. Der Nürnberger Netzbetreiber N-Ergie hat der Gruppe die Netzkapazität dafür bereits zugesichert. Laut Nürnberger Nachrichten fehlt deshalb einem Rechenzentrum, das Anthropic im nahen Hirschneuses plant, vorerst die Kapazität.

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Ende Juni stellte Playmobil die Produktion in Dietenhofen im Landkreis Ansbach ein, 350 Beschäftigte verloren ihre Stelle. Im Juli kam das Inventar der Fabrik unter den Hammer, am 28. Oktober präsentierte die Gruppe den Plan für das leere Areal unter dem Namen Playmobil digital vor.[1]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Campus soll auf rund 18 Hektar entstehen und lässt sich über die ersten 100 Megawatt Anschlussleistung hinaus erweitern.
  • In den kommenden Jahren will die Playmobil-Mutter einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Weder Mieter noch Zeitplan oder neue Arbeitsplätze nennt die Gruppe.
  • In welcher Reihenfolge ein Verteilnetzbetreiber knappe Kapazität vergibt, legt er bislang selbst fest, solange er niemanden benachteiligt.

Was plant die Playmobil-Mutter in Dietenhofen?

Steckdose mit Aufschrift „Belegt“ und danebenstehender kleiner Server vor weißem Hintergrund
Areal mit doppelter 110-kV-Netzanbindung. Solarmodule zunächst in bestehenden Hallen, später Neubauten. Vier Pachtmodelle von Baufeld bis Rechenleistung

Das Areal ist bereits doppelt an das 110-Kilovolt-Netz angebunden. Erste Module sollen in den bestehenden Hallen entstehen, später sollen Neubauten dazukommen. Die Gruppe bietet vier Modelle an, vom gepachteten Baufeld mit Stromanschluss bis zur fertigen Rechenleistung. Die Brandstätter-Gruppe gibt an, mit internationalen Interessenten im Gespräch zu sein.[1]

Die Projektseite führt den Status „in Entwicklung“. Eine Projektgesellschaft fehlt noch, bis zu ihrer Gründung tritt die Holding selbst als Anbieterin auf.[2] Im Geschäftsjahr 2024/25 sank der Umsatz der Gruppe auf 409 Millionen Euro, das Ergebnis blieb negativ. Als Belastung nannte das Unternehmen hohe Energiekosten in Deutschland.[3] Für ein Rechenzentrum zählt nach Darstellung der Gruppe vor allem, dass hohe elektrische Anschlussleistung langfristig verfügbar ist. Genau die bringt das alte Werk mit.

Warum fehlt dem Projekt in Hirschneuses die Netzkapazität?

Nach einem Bericht der Nürnberger Nachrichten plant Anthropic in Mittelfranken ein KI-Rechenzentrum, das vier Milliarden Euro kosten soll. Die dafür nötige Netzkapazität habe N-Ergie bereits der Brandstätter-Gruppe zugesagt.[4] Laut Bayerischem Rundfunk fehlt dem Vorhaben in Hirschneuses, einem Ortsteil von Neuhof an der Zenn, derzeit die nötige Netzkapazität. Zu dem Standort hat sich Anthropic öffentlich nicht geäußert. In Norwegen hatte sich das Unternehmen im August 121 Megawatt aus Wasserkraft.

Die Brandstätter-Gruppe widerspricht der Lesart, ihr Campus stehe anderen Vorhaben im Weg: „Ein Campus, der von Anfang an auf viele Partner ausgelegt ist, versperrt niemandem den Weg, er öffnet ihn.“[1] Paragraf 17 des Energiewirtschaftsgesetzes verpflichtet Netzbetreiber zum diskriminierungsfreien Anschluss, eine Rangfolge bei Engpässen legt die Vorschrift nicht fest. Die Übertragungsnetzbetreiber vergeben ihre Anschlüsse seit April nach Projektreife statt nach Eingang. Verteilnetzbetreiber wie N-Ergie müssten dieses Verfahren auch nach dem Gesetzentwurf zum Netzpaket vom August nicht übernehmen.[5]

Vom Playmobil-Werk zum Rechenzentrum
Was die Horst Brandstätter Group in Dietenhofen plant und was noch offen ist
18 ha
Industrieareal in Dietenhofen, im Eigentum der Gruppe
100 MW
geplante Anschlussleistung für den Campus, ausbaufähig
110 kV
vorhandener Netzanschluss, doppelt angebunden
350
Stellen fielen mit dem Ende der Produktion weg
Wo das Projekt steht
Ende Juni 2026
Playmobil stellt die Produktion in Dietenhofen ein und verlagert sie ins Ausland.
28.10.2026
Die Gruppe stellt Playmobil digital vor und nennt eine Kapazitätszusage von N-Ergie.
offen
Projektgesellschaft, erste Mieter, Baugenehmigung für Neubauten und Zeitplan.

Solange das Gesetz keine Rangfolge kennt, wird der Netzbetreiber zum eigentlichen Standortplaner für Rechenzentren.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet das für die Region?

Nach dem Energieeffizienzgesetz muss ein Rechenzentrum, das ab Juli 2028 in Betrieb geht, einen Anteil wiederverwendeter Energie von mindestens 20 Prozent einplanen. Ab Januar 2027 müssen Betreiber ihren Strom zudem bilanziell vollständig aus erneuerbaren Quellen decken.[6] Die Gruppe will die Abwärme an Unternehmen oder kommunale Wärmenetze abgeben.[1]

In Wenzenbach bei Regensburg entscheidet dagegen der Übertragungsnetzbetreiber TenneT über den Netzanschluss für bis zu 300 Megawatt. Der Memminger Stadtrat beschloss am Montag, einen Bebauungsplan für drei Rechenzentren aufzustellen, ohne Anschlussleistung oder Betreiber zu nennen. Gemeinden mit Anfragen für Rechenzentren sollten deshalb die Netzkapazität beim Netzbetreiber klären, bevor sie einen Bebauungsplan aufstellen. Betriebe mit hohem Wärmebedarf rund um Dietenhofen können sich schon jetzt über die Ansprechpartner auf der Projektseite an die Gruppe wenden.

Quellen

6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Horst Brandstätter GroupPlaymobil digital: Horst Brandstätter Group entwickelt Rechenzentrums-Campus mit 100 MW Leistung und Ausbaupotenzial darüber hinaus28.10.2026
  2. Playmobil digitalRechenzentrum Dietenhofen, Projektseite mit Impressum (abgerufen 29.10.2026)
  3. Horst Brandstätter GroupHorst Brandstätter Group stabilisiert Geschäftsentwicklung und stellt Weichen für zukünftiges WachstumMai 2026
  4. Nürnberger NachrichtenAnthropic will Mega-Rechenzentrum in Mittelfranken bauen – Playmobil-Pläne verhindern das (28.10.2026, hinter Bezahlschranke)
  5. Rödl & PartnerKnappe Netzanschlusskapazitäten: Was folgt nach dem Windhundprinzip?02.09.2026
  6. Energieeffizienzgesetz§ 11 Klimaneutrale Rechenzentren (abgerufen 29.10.2026)

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