Von Januar bis September bestellten Kunden bei der Traton Group 253.100 Lkw, Busse und Transporter, 25 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Absatz von Elektro-Lkw verdoppelte sich auf 1.389 Fahrzeuge und reicht trotzdem nicht für die CO2-Ziele der EU, wie Vorstandschef Christian Levin einräumt.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Dennoch drohen uns Strafen in Millionenhöhe“, schrieb Levin in der Neunmonatsmitteilung vom Mittwoch.[1] Der Münchner Nutzfahrzeugkonzern mit den Marken Scania, MAN, International und Volkswagen Truck & Bus steigerte im selben Zeitraum das bereinigte operative Ergebnis um 13 % auf 2,31 Mrd. €.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Auftragseingang stieg in den ersten neun Monaten um 25 % auf 253.100 Fahrzeuge, bei Lkw um 28 %.[1]
- Traton setzte 1.389 Elektro-Lkw ab, nach 646 ein Jahr zuvor, ein Anteil von 0,76 % am Lkw-Absatz.
- Jedes Gramm CO2 je Tonnenkilometer über dem EU-Ziel kostet bis 2029 je neuem Lkw 4.250 €.
- Die Jahresprognose bleibt: 0 bis 7 % mehr Absatz und Umsatz.
Woher kommen die zusätzlichen Aufträge?

Den größten Sprung machte Nordamerika: Dort bestellten Kunden gut doppelt so viele Lkw wie ein Jahr zuvor, ein Plus von 105 %. In Asien-Pazifik stieg der Lkw-Auftragseingang um 55 %, in Südamerika um 18 % und in Europa um 7 %.[1] Deutschland lag nach neun Monaten 3 % unter dem Vorjahr, im dritten Quartal allein aber 9 % darüber.
Unbereinigt blieb das operative Ergebnis mit 1,73 Mrd. € auf Vorjahreshöhe, bereinigt um Sondereffekte stieg die Rendite von 6,3 auf 6,9 %. Höhere Zoll- und Rohstoffkosten bremsten laut Traton. Der Umsatz wuchs um 3 % auf 33,3 Mrd. €.
Warum reichen doppelt so viele E-Lkw nicht?
Die Basis bleibt winzig. Den 1.389 Elektro-Lkw stehen 182.815 abgesetzte Lkw gegenüber, Elektrobusse gingen sogar leicht auf 1.283 Stück zurück.[1] Im dritten Quartal lag der Elektroanteil des Konzerns unter 1 %, wie schon die Absatzzahlen von Mitte Oktober zeigten. „Das Absatzniveau reicht jedoch bei Weitem noch nicht aus, um die CO₂-Ziele der EU zu erreichen“, schreibt Levin.
Die Abgabe folgt einer festen Formel aus der Verordnung (EU) 2019/1242. Für die Berichtsjahre 2025 bis 2029 müssen neue schwere Lkw im Flottenschnitt 15 % weniger CO2 ausstoßen als im Bezugszeitraum 2019/2020, ab 2030 liegt die Vorgabe bei 45 %. Jedes Gramm CO2 je Tonnenkilometer über dem Ziel kostet 4.250 €, multipliziert mit der Zahl der neuen Fahrzeuge. Ab 2030 steigt der Satz auf 6.800 €.[2]
Seit Mai gewährt die Verordnung (EU) 2026/1046 den Herstellern für 2025 bis 2029 mehr Spielraum bei den Emissionsgutschriften, die Zielwerte blieben unverändert.[3] Die Konkurrenz steht kaum besser da: Daimler Truck kam im dritten Quartal auf 1,3 % Elektroanteil.
Lkw-Auftragseingang nach Regionen
Traton verkauft doppelt so viele Elektro-Lkw und kommt trotzdem auf 0,76 %. Brüssel rechnet in Flottenschnitten, nicht in Wachstumsraten.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Speditionen in Deutschland?
Beim Elektro-Lkw konkurrieren inzwischen auch Anbieter aus China: Die Spedition Gartner kaufte 40 E-Lkw, die Hälfte davon Superpanther aus China. Beim Laden setzt Traton auf Milence, ein Gemeinschaftsunternehmen mit Daimler Truck und Volvo. Bis 2030 braucht Europa nach Branchenschätzungen rund 40.000 Megawatt-Ladepunkte.
Für Fuhrparkleiter folgt daraus:
- Fragen Sie bei Angeboten für Diesel-Lkw nach, ob der Hersteller drohende CO2-Abgaben in den Preis einrechnet.
- Rechnen Sie Strecken mit festen Pausen zuerst durch, denn ein Ladestopp am Megawatt-Lader passt in die Lenkpause.
Für das vierte Quartal erwartet Finanzchef Michael Jackstein eine weiterhin positive Geschäftsentwicklung.[1]
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- TRATON SETRATON GROUP steigert in den ersten neun Monaten 2026 Absatz, Umsatz und Ergebnis (Pressemeldung)
- Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2019/1242 zur Festlegung von CO2-Emissionsnormen für neue schwere Nutzfahrzeuge (konsolidierte Fassung, Artikel 8)
- Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2026/1046 zur Änderung der Verordnung (EU) 2019/1242 hinsichtlich der Berechnung von Emissionsgutschriften
Mehr Newshunger?
- Traton verkauft mehr Lkw, der Elektroanteil fällt unter 1 Prozent
- Scania zieht den E-Lkw-Bau in China vor, wo 2026 fast jeder dritte neue Lkw elektrisch fahren dürfte
- Sonntagsfahrverbot: Der BDEW will Elektro-Lkw an Sonn- und Feiertagen fahren lassen
- Daimler Truck: Absatz steigt um 26 Prozent, der Elektroanteil sinkt auf 1,3 Prozent
- Spedition Gartner kauft 40 E-Lkw und setzt zur Hälfte auf Superpanther aus China
- BioLNG statt Diesel: Der pragmatische Weg der Speditionen durch die CO2-Grenzwerte
