770 vollelektrische Lkw und Busse hat die Traton Group im dritten Quartal 2026 abgesetzt, 6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Gesamtabsatz des Münchner Nutzfahrzeugkonzerns stieg im selben Zeitraum um 10 Prozent auf 78.900 Fahrzeuge.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDamit sank der Elektroanteil auf 0,98 Prozent. Den Rückgang verursacht allein die US-Marke International: Ihr Elektroabsatz brach um 72 Prozent ein, während Scania und MAN deutlich zulegten.
Das Wichtigste in Kürze
- Traton verkaufte von Juli bis September 78.900 Lkw, Busse und Transporter, getragen von einem Plus von 48 Prozent bei International in den USA.
- Batterieelektrisch fuhren 770 dieser Fahrzeuge, ihr Anteil am Absatz fiel von 1,15 auf 0,98 Prozent.
- Die europäischen Marken Scania und MAN steigerten den Elektroabsatz zusammen um 40 Prozent auf 630 Fahrzeuge.
- Absatzdaten nach Regionen legt Traton am 28. Oktober mit der Neunmonatsmitteilung vor.
Warum sinkt der Elektroanteil, obwohl Traton mehr verkauft?

Die vier Marken entwickeln sich gegenläufig.[1] International steigerte den Absatz auf 19.900 Fahrzeuge, verkaufte aber nur noch 100 vollelektrische, nach 360 im Vorjahresquartal. Bei den europäischen Marken wuchs der E-Absatz dagegen: Scania lieferte 250 Elektrofahrzeuge aus, 55 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, MAN kam mit 380 auf ein Plus von 32 Prozent. Gemessen am eigenen Absatz erreicht MAN damit einen Elektroanteil von 1,6 Prozent, Scania von 1,1 Prozent.
Traton selbst nennt nur eine starke Belebung der Kundennachfrage in den USA. Naheliegend ist derselbe Vorzieheffekt, den Daimler Truck wenige Tage zuvor ausgewiesen hat: US-Fuhrparks kaufen Diesel-Lkw nach alter Norm, bevor strengere Stickoxid-Grenzwerte der Umweltbehörde EPA ab dem Modelljahr 2027 die Motoren verteuern. Bei Daimler Truck fiel der Elektroanteil im selben Quartal auf 1,3 Prozent. Traton hatte schon für das erste Halbjahr ein kräftiges Bestellplus in Nordamerika gemeldet, das jetzt als Auslieferung ankommt.
Wie weit ist Traton vom EU-Ziel für 2030 entfernt?
Ab 2030 müssen neue schwere Lkw in der EU im Flottenschnitt 45 Prozent weniger CO2 ausstoßen als 2019.[2] Nach Rechnung des Herstellerverbands ACEA verlangt das einen Anteil von rund 35 Prozent emissionsfreier Fahrzeuge. Verfehlt ein Hersteller den Wert, zahlt er für jedes Gramm CO2 je Tonnenkilometer über dem Ziel eine Abgabe, hochgerechnet auf seine gesamte Jahresproduktion.
Scania und MAN gehörten im September zu den sieben Herstellern, die auf der IAA Transportation drei Jahre Aufschub für die 2030-Stufe forderten. Mit rund einem Prozent Elektroanteil liegen selbst die wachsenden europäischen Traton-Marken weit unter den rund 35 Prozent, die ACEA für 2030 veranschlagt.
Scania und MAN verkaufen 40 Prozent mehr E-Lkw, doch in Amerika füllen Spediteure ihre Höfe mit Diesel-Lkw nach alter Norm.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
+55 %, Gesamtabsatz 22.100
+32 %, Gesamtabsatz 24.500
−72 %, Gesamtabsatz 19.900 (+48 %)
nach 10, Gesamtabsatz 12.500
Was heißt das für Flotten in Deutschland?
Für Speditionen bleibt der Kostenvorteil des E-Lkw bei der Maut länger erhalten als ursprünglich geplant: Der Bund hat die Befreiung emissionsfreier schwerer Nutzfahrzeuge bis zum 30. Juni 2031 verlängert.[3] In der Schweiz zahlen E-Lkw ab 2031 Schwerverkehrsabgabe, anfangs mit Rabatt. Deutschland liegt bei den Neuzulassungen schwerer Elektro-Lkw laut ACEA mit 4,3 Prozent vor dem EU-Schnitt von 2,4 Prozent.
Fuhrparkleiter sollten Ersatzbeschaffungen bis 2030 jetzt mit Mautersparnis und den geplanten Megawatt-Ladepunkten durchrechnen. Hält Brüssel am Ziel fest, dürften die Hersteller drohende Abgaben in die Dieselpreise einrechnen. Auch das Servicenetz für E-Lkw gehört in den Vergleich, weil Werkstattwege über die Standzeit entscheiden.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- TRATON SETRATON GROUP steigert dank starkem US-Geschäft Absatz im dritten Quartal 2026 um 10 % auf 78.900 Fahrzeuge
- Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2024/1610 zur Verschärfung der CO2-Emissionsnormen für neue schwere Nutzfahrzeuge
- Bundesministerium der Justiz§ 1 Bundesfernstraßenmautgesetz (Absatz 2 Nummer 7)
Mehr Newshunger?
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