Elektro-Lastwagen fahren in der Schweiz bis Ende 2030 ohne Schwerverkehrsabgabe und sparen als 40-Tonner damit rund einen Euro je Kilometer. Ab 2031 zahlen auch sie die LSVA, zunächst mit mindestens 70 Prozent Rabatt, ab 2036 zum vollen Tarif.

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Die Gratisfahrt der E-Lkw in der Schweiz hat jetzt ein Enddatum: Das Parlament in Bern hat die Teilrevision des Schwerverkehrsabgabegesetzes am 2. Oktober verabschiedet, der Nationalrat in der Schlussabstimmung mit 133 zu 24 Stimmen bei 39 Enthaltungen.[1] Den Anlass liefert der Erfolg der Elektro-Lastwagen selbst. Im ersten Halbjahr 2026 fuhren 26,3 Prozent der neu zugelassenen schweren Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen rein elektrisch.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Batterie- und Wasserstoff-Lkw bleiben bis Ende 2030 von der LSVA befreit.
  • Der Rabatt beträgt 2031 mindestens 70 Prozent, 2032 mindestens 50 Prozent und 2035 noch 10 Prozent.
  • Die konkreten Tarife legt der Bundesrat fest, gegen das Gesetz läuft die Referendumsfrist.
  • Deutschland befreit E-Lkw bis zum 30. Juni 2031 von der Lkw-Maut.

Was hat das Parlament beschlossen?

Ein weißer E-Lkw mit einem gelben Schild an der Schranke, auf dem steht:
Rabatttreppe für E-Lkw-Maut: 70 Prozent 2031, dann schrittweise 50, 30, 20, 10 Prozent bis 2036

Nach dem Ende der Befreiung folgt eine Rabatttreppe: 70 Prozent im Jahr 2031, danach 50, 30, 20 und 10 Prozent, ab 2036 entfällt der Nachlass. Der Bundesrat hatte die Abgabe für E-Lkw schon ab 2029 vorgeschlagen, der Nationalrat setzte zwei zusätzliche Jahre durch.[3][4]

Ändert der Bund künftig die Kriterien der Abgabekategorien, muss er das mindestens sieben Jahre im Voraus festlegen.[3] Die Vorlaufzeit soll Fuhrparkbetreibern Planungssicherheit geben. In Kraft tritt die Reform erst nach Ablauf der Referendumsfrist. Gegen das Gesetz können Gegner binnen 100 Tagen 50.000 Unterschriften sammeln.

Warum verzichtet die Schweiz nicht länger auf das Geld?

Die LSVA brachte 2024 rund 1,8 Milliarden Franken ein, umgerechnet etwa 1,93 Milliarden Euro (EZB-Kurs vom 5. Oktober 2026: 1,074 Euro je Franken). Zwei Drittel gehen an den Bund und von dort größtenteils in den Bahninfrastrukturfonds, ein Drittel an die Kantone.[3] Jeder abgabefrei fahrende E-Lkw schmälert damit den Topf für die Bahn, die den Güterverkehr von der Straße holen soll.

Die Befreiung gilt in der Branche als wichtigster Kostenhebel hinter dem hohen E-Anteil. Ein Euro-6-Diesel zahlt seit 2025 in der günstigsten Kategorie 2,39 Rappen je Tonnenkilometer.[5] Ein 40-Tonner kommt damit auf 95,6 Rappen je Kilometer, rund 1,03 Euro. Bei 100.000 Kilometern im Jahr spart ein E-Lkw heute also rund 103.000 Euro Abgabe. Mit 70 Prozent Rabatt schrumpft der Vorteil 2031 auf gut 72.000 Euro, ab 2036 entfällt er (eigene Rechnung auf Basis des heutigen Tarifs).

Was die LSVA für den E-Lkw bedeutet
Schweiz, Beschluss vom 2. Oktober 2026, Beträge in Euro
70 %
Mindestrabatt für E- und Wasserstoff-Lkw im Jahr 2031, ab 2036 kein Nachlass mehr
26,3 %
der neuen schweren Nutzfahrzeuge über 3,5 t fuhren im ersten Halbjahr 2026 rein elektrisch
1,03 €
LSVA je Kilometer für einen 40-Tonner nach heutigem Tarif der günstigsten Kategorie
1,93 Mrd. €
LSVA-Einnahmen 2024, zwei Drittel davon an den Bund und größtenteils an die Bahn

Was ändert sich für Speditionen aus Deutschland?

Deutschland hat die Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw bis zum 30. Juni 2031 verlängert und damit den Spielraum der Eurovignetten-Richtlinie ausgeschöpft.[6] Beide Länder beenden das Privileg also im selben Jahr. Für elektrische Transitverkehre durch die Schweiz steigen die Kosten schon ab Januar 2031, ein halbes Jahr früher als auf deutschen Autobahnen.

Die Schweiz finanziert ihre Bahn mit dem Lkw. Je erfolgreicher der E-Lkw wird, desto weniger kann sie sich seine Befreiung leisten.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Bei acht Jahren Nutzungsdauer fällt für einen heute bestellten E-Lkw ab 2031 die Abgabe an, also in der zweiten Hälfte seiner Einsatzzeit. Flottenplaner sollten die Gesamtkosten deshalb mit der Treppe rechnen, nicht mit der Nullabgabe von heute. Die österreichische Spedition Gartner etwa hat 40 neue E-Lkw beschafft, die Hälfte davon von der chinesischen Marke Superpanther. Wie viel Strecke tatsächlich elektrisch läuft, zeigt die Bilanz zur E-Lkw-Realität 2026. Die Ladekosten hängen zudem am Ausbau des Megawatt-Ladenetzes an den Autobahnen.

Quellen

[1] Schweizer Parlament: „25.058 Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe LSVA. Weiterentwicklung. Teilrevision SVAG“ (Schlussabstimmung 2. Oktober 2026)

[2] auto-schweiz: „Nutzfahrzeuge sorgen für Wachstum“ (8. Juli 2026)

[3] Schweizerischer Bundesrat: „Bundesrat verabschiedet Botschaft zur Weiterentwicklung der LSVA“ (28. Mai 2025)

[4] ASTAG Schweizerischer Nutzfahrzeugverband: „LSVA: Der Beschluss des Nationalrats in 7 Punkten“ (11. März 2026)

[5] Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG): „Gültige LSVA-Tarife ab 01.01.2025“

[6] Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM): „Start von TollNow und Verlängerung der Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw“ (Dezember 2025)

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