Bei Tesco hängen an mehr als 10.000 Produkten zwei Preise: einer für alle und ein niedrigerer für Inhaber der Clubcard. Im ersten Halbjahr 2026/27 verdiente der britische Marktführer nach Steuern 1,06 Milliarden Pfund, umgerechnet 1,27 Milliarden Euro. An Dividenden und Aktienrückkäufen überwies Tesco im selben Halbjahr 1,40 Milliarden Euro an seine Aktionäre.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenAm 8. Oktober 2026 hob Tesco die Prognose für das laufende Geschäftsjahr an. Das bereinigte operative Ergebnis soll nun zwischen 3,77 und 3,94 Milliarden Euro liegen, das Programm für den Rückkauf eigener Aktien wächst von 897 Millionen auf 1,14 Milliarden Euro. Im Halbjahr bis Ende August stieg der Umsatz zu konstanten Wechselkursen um 1,6 Prozent, das bereinigte operative Ergebnis um 6,5 Prozent auf 2,13 Milliarden Euro.
Als Gründe nennt der Konzern einen besseren Warenkorb mit mehr Produkten der Premium-Eigenmarke Finest, das Sparprogramm Save to Invest und neue Erlösquellen wie das Werbegeschäft Tesco Media. Woher bezieht ein Lebensmittelhändler mit gut vier Prozent Marge so viel Geld, und wer bezahlt am Ende dafür?
Das Wichtigste in Kürze
- Tesco setzte im Geschäftsjahr bis Februar 2026 ohne Mehrwertsteuer und Kraftstoff 79,6 Milliarden Euro um und erzielte ein bereinigtes operatives Ergebnis von 3,77 Milliarden Euro, eine Marge von 4,3 Prozent der Erlöse einschließlich Kraftstoff. Nach Steuern blieben 2,14 Milliarden Euro Gewinn.
- Für Dividenden und Aktienrückkäufe gab Tesco im selben Jahr 2,84 Milliarden Euro aus, ein Drittel mehr als der Gewinn. Möglich machen das ein Mittelzufluss über dem Gewinn, mehr offene Lieferantenrechnungen, der Erlös aus dem Verkauf der Bank und höhere Schulden.
- Die Clubcard erreicht in Großbritannien mehr als 24 Millionen Haushalte. Ihre Einkaufsdaten speisen das Werbegeschäft Tesco Media und die Analysetochter dunnhumby.
- Die höchste Marge im Konzern erzielen Versicherungen und Finanzdienstleistungen: 200 Millionen Euro Ergebnis bei 1,34 Milliarden Euro Erlös, knapp 15 Prozent.
- Mit 27,8 Prozent Marktanteil führt Tesco den britischen Lebensmittelhandel, Aldi und Lidl kommen zusammen auf 19,1 Prozent. Für das Geschäft in Tschechien und der Slowakei soll laut Retail Gazette die Schwarz Gruppe bieten.
Fünf Fragen an der Kasse
1 In welchem Jahr führte Tesco die Kundenkarte Clubcard ein? Aufklappen ↓
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2 Wie viel blieb Tesco im Geschäftsjahr 2025/26 von 100 Euro Erlös als Gewinn nach Steuern? Aufklappen ↓
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3 Welche Sparte erzielte 2025/26 die höchste Marge im Konzern? Aufklappen ↓
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4 An welche Bank verkaufte Tesco 2024 sein Bankgeschäft? Aufklappen ↓
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5 Wie viele Clubcard-Haushalte zählte Tesco im Herbst 2025 in Großbritannien? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Tesco und wie fing alles an?
Tesco geht auf Jack Cohen zurück, der 1919 im Londoner Stadtteil Hackney mit seinem Entlassungsgeld aus der Armee einen Marktstand eröffnete. Den Namen setzte er aus den Initialen seines Teelieferanten T. E. Stockwell und den ersten beiden Buchstaben seines Nachnamens zusammen.
Restposten aus dem Heer
Jacob Edward Cohen, Sohn eines Schneiders aus Łódź, kam in Whitechapel im Londoner East End zur Welt. Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte er überschüssige Vorräte der Armee auf und verkaufte sie an einem Marktstand in Hackney. Wie die Fachzeitschrift The Grocer rekonstruiert hat, blieb ihm am ersten Tag ein Viertel der Einnahmen als Gewinn.
Von solchen Margen ist der heutige Konzern weit entfernt.
1924 kam der erste Artikel unter eigenem Namen in den Verkauf, ein Tee. Aus T. E. S. für Thomas Edward Stockwell und CO für Cohen wurde TESCO. Um 1930 eröffnete Cohen am Londoner Stadtrand in Burnt Oak und Becontree die ersten festen Läden.
Sein Leitsatz, überliefert von der Wochenzeitung The Jewish Chronicle, lautete „Pile it high, sell it cheap“: viel Ware, niedriger Preis, schneller Umschlag. Bis 1939 wuchs das Netz auf mehr als 100 Läden, 1934 kam das erste Zentrallager in Edmonton hinzu, mit zehn Lastwagen und 24 Beschäftigten.
Geld von der Börse, Ware im Selbstbedienungsregal
Das Kapital für das Wachstum holte sich Cohen 1947 an der Börse. Die Aktien waren laut The Grocer 174-fach überzeichnet. Ein Jahr später testete Tesco in St Albans die Selbstbedienung, 1958 öffnete in Maldon der erste Supermarkt.
In den Sechzigerjahren setzte Tesco auf Rabattmarken der Firma Green Shield, die Kundschaft sammelte sie in Heften und tauschte sie gegen Prämien. 1977 schaffte der Konzern die Marken unter dem Namen Operation Checkout wieder ab und senkte mit dem gesparten Geld die Preise. Belohnung für Treue und niedrige Preise für alle, zwischen diesen beiden Polen pendelt Tesco seither, bis heute an der Kasse.
Punkte gegen Daten
1995 führte Tesco die Clubcard ein, eine Kundenkarte, die Einkäufe mit Punkten belohnt und jeden Einkauf einem Haushalt zuordnet. Binnen zwölf Monaten hatte die Karte fünf Millionen Mitglieder. Im selben Jahr überholte Tesco den Rivalen Sainsbury’s und wurde zum größten Lebensmittelhändler Großbritanniens.
Cohen verkaufte Ware, die andere loswerden wollten.
Der Konzern von heute verkauft zusätzlich Wissen über die Menschen, die bei ihm einkaufen, an die Hersteller der Ware. Vom Marktstand bleibt der Grundsatz, mit kleinem Aufschlag auf großer Menge zu verdienen, vom Rest fast nichts.
Cohen baute Tesco auf billiger Ware, schnellem Umschlag und Börsenkapital auf. Mit der Clubcard kam 1995 das Werkzeug, das aus Einkäufen Daten macht und das Geschäftsmodell bis heute prägt.
Wie wurde aus der Idee ein Imperium?

Tesco wuchs durch Zukäufe ganzer Ladenketten, durch Verbrauchermärkte am Stadtrand und ab Mitte der Neunzigerjahre im Ausland, vor allem unter Terry Leahy. Nach dem Bilanzskandal von 2014 zog sich der Konzern auf Großbritannien, Irland und Mitteleuropa zurück und kaufte den Großhändler Booker.
Ketten kaufen, Fläche vergrößern
Den ersten großen Sprung brachten Übernahmen. 1960 kaufte Tesco 212 Filialen der Kette Irwin, 1968 folgten 217 Läden von Victor Value. Im selben Jahr eröffnete in Crawley der erste großflächige Verbrauchermarkt mit rund 3.700 Quadratmetern, später kamen Tankstellen hinzu.
Kraftstoff macht bis heute einen Teil der Erlöse aus: 7,2 von 88,1 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025/26, rund 8 Prozent.
In den Neunzigerjahren drehte Tesco an zwei Stellen zugleich. Die Billiglinie Value und der Werbespruch „Every Little Helps“, auf Deutsch etwa „Jede Kleinigkeit hilft“, kamen 1993, die Clubcard 1995. 1992 öffnete der erste kleine Innenstadtladen unter dem Namen Tesco Metro, 2002 brachte die Übernahme von T&S Stores auf einen Schlag 862 kleine Nahversorger.
Leahys Weltreich
Terry Leahy übernahm 1997 die Konzernführung. In seiner Amtszeit stieg der Marktanteil in Großbritannien laut The Grocer von 20 auf mehr als 30 Prozent. Parallel ging Tesco ins Ausland: 1995 nach Ungarn und Polen, mit 13 Warenhäusern der US-Kette Kmart nach Tschechien und in die Slowakei, ab 1998 nach Thailand, Südkorea, Taiwan, Malaysia, Japan und China.
2007 folgte mit Fresh & Easy der Versuch, in den USA Fuß zu fassen. Er scheiterte, Tesco gab die Kette wieder auf.
Ihren Höhepunkt erreichten die Umsätze 2013. Ein Jahr später entdeckte der neue Konzernchef Dave Lewis, dass Tesco seinen Gewinn zu hoch ausgewiesen hatte, nach The Grocer um umgerechnet 388 Millionen Euro. 2015 meldete der Konzern einen Verlust von umgerechnet 7,65 Milliarden Euro, Lewis strich das Sortiment zusammen, das damals rund 90.000 Artikel umfasste.
Rückzug auf die Insel
Auf den Skandal folgte der Rückzug. Im Dezember 2020 verkaufte Tesco die Geschäfte in Thailand und Malaysia an die thailändische CP Group, für nach heutigem Kurs rund 9,6 Milliarden Euro. Davon flossen 5,98 Milliarden Euro als Sonderdividende an die Aktionäre und 2,99 Milliarden Euro in die Pensionskasse.
Gekauft hat Tesco in dieser Phase vor allem in der Heimat. 2017 vereinbarte der Konzern die Übernahme von Booker, dem größten Lebensmittelgroßhändler Großbritanniens, laut The Grocer im Wert von umgerechnet 4,66 Milliarden Euro. Booker beliefert Gastronomen und kleine Läden und brachte die Ladenmarken Londis, Premier und Budgens mit, unter denen selbstständige Kaufleute ihre Geschäfte führen.
Der stärkste Verfolger stand zur selben Zeit selbst zum Verkauf. Asda, seit 1999 im Besitz von Walmart, ging im Oktober 2020 für nach heutigem Kurs 8,13 Milliarden Euro mehrheitlich an die Brüder Mohsin und Zuber Issa und den Finanzinvestor TDR Capital. Ken Murphy führt Tesco seit Oktober 2020. Der Konzern zählt heute 5.135 Märkte, setzt 79,6 Milliarden Euro um und beschäftigte im Jahresschnitt 336.123 Menschen, obwohl Tesco nur noch in fünf Ländern eigene Märkte betreibt.
- 1919Jack Cohen verkauft in Hackney Restbestände der Armee an einem Marktstand.
- 1924Erster Artikel unter eigenem Namen: ein Tee, benannt nach dem Lieferanten T. E. Stockwell und Cohen.
- 1947Börsengang, die Aktien sind 174-fach überzeichnet.
- 1958Erster Supermarkt in Maldon, zehn Jahre später der erste großflächige Verbrauchermarkt in Crawley.
- 1995Start der Clubcard, Tesco überholt Sainsbury’s, erste Märkte in Mitteleuropa.
- 1997Terry Leahy wird Konzernchef, Expansion nach Asien ab 1998.
- 2014Dave Lewis deckt einen zu hoch ausgewiesenen Gewinn auf.
- 2017Vereinbarte Übernahme des Großhändlers Booker.
- 2020Verkauf von Thailand und Malaysia an die CP Group, Ken Murphy wird Konzernchef.
- 2024Verkauf des Bankgeschäfts an Barclays.
- 2026Höhere Prognose im Oktober, Berichte über einen Verkauf in Mitteleuropa.
Wie verdient Tesco tatsächlich sein Geld?

Tesco verdient vor allem am Lebensmittelhandel in Großbritannien und Irland, der 2025/26 87 Prozent des bereinigten operativen Ergebnisses von 3,77 Milliarden Euro lieferte. Die höchste Marge erzielen Versicherungen und Finanzdienstleistungen, die Kundenkarte Clubcard verbindet beides mit dem Werbegeschäft.
Drei Sparten, drei Margen
Im Geschäftsjahr bis zum 22. Februar 2026 setzte Tesco ohne Mehrwertsteuer und Kraftstoff 79,6 Milliarden Euro um, auf 52 Wochen gerechnet. Davon stammten 63,4 Milliarden Euro aus Großbritannien und Irland, 10,8 Milliarden Euro aus dem Großhandel Booker und 5,37 Milliarden Euro aus Ungarn, Tschechien und der Slowakei.
Beim Ergebnis fällt das Gewicht der Heimat noch größer aus. Großbritannien und Irland erwirtschafteten 3,28 Milliarden Euro, Booker 349 Millionen Euro, Mitteleuropa 137 Millionen Euro. Gemessen an den Erlösen einschließlich Kraftstoff kam das Kerngeschäft auf 4,7 Prozent Marge, Booker auf 3,2 Prozent und Mitteleuropa auf 2,5 Prozent.
Gewachsen ist vor allem der Lebensmittelverkauf auf der Insel. Auf vergleichbarer Fläche legten die Lebensmittel in Großbritannien um 5,2 Prozent zu, frische Ware um 6,9 Prozent.
Die Premium-Eigenmarke Finest wuchs um 14,5 Prozent, der Onlinehandel um 11,2 Prozent auf 14,3 Prozent der britischen Umsätze.
Geschrumpft ist der Tabak. Bei Booker sank der Umsatz mit Zigaretten und Tabak flächenbereinigt um 9,5 Prozent auf 1,83 Milliarden Euro, im ersten Halbjahr 2026/27 um weitere 8,9 Prozent.
Versicherung, Devisen, Telefon
Unter dem Dach des britischen Kerngeschäfts führt Tesco eine Sparte, die im Geschäftsbericht nur in einem Satz unter der Segmentrechnung auftaucht. Versicherungen und Finanzdienstleistungen erlösten 2025/26 1,34 Milliarden Euro und erzielten ein bereinigtes operatives Ergebnis von 200 Millionen Euro, eine Marge von 14,9 Prozent.
Zum Vergleich: Der Supermarkt daneben kommt auf ein Drittel davon.
Tesco verkauft über die Sparte Auto-, Haus-, Reise-, Tier- und Lebensversicherungen an mehr als 2,5 Millionen Kundinnen und Kunden, betreibt das drittgrößte Netz von Geldautomaten im Land und ist der zweitgrößte Anbieter von Reisedevisen. Im ersten Halbjahr 2026/27 stieg das Ergebnis um umgerechnet 6 auf 126 Millionen Euro.
Kreditkarten, Ratenkredite und Sparkonten unter dem Namen Tesco vertreibt seit November 2024 die Bank Barclays, die das Bankgeschäft gekauft hat und mit Tesco einen exklusiven Kooperationsvertrag über zunächst zehn Jahre schloss. Tesco Mobile, 2003 als Gemeinschaftsunternehmen mit O2 gegründet, zählte im Herbst 2026 sechs Millionen Mobilfunkkunden.
Neu hinzugekommen sind Provisionen. Auf dem Onlinemarktplatz verkaufen mehr als 1.000 fremde Händler, Spielwaren in den Märkten liefert die Kette The Entertainer gegen Provision, die Tesco statt des Umsatzes verbucht.
Daten aus 24 Millionen Haushalten
Im Herbst 2025 zählte Tesco mehr als 24 Millionen Clubcard-Haushalte in Großbritannien. Tesco gibt an, dass dort 84 Prozent des Geschäfts über die Clubcard laufen, in Irland und Mitteleuropa jeweils 87 Prozent. Ob Umsatz oder Zahl der Einkäufe gemeint ist, sagt der Konzern nicht.
Mehr als 10.000 Produkte kosten mit Karte weniger, nach Tesco-Rechnung spart ein Haushalt so bis zu 483 Euro im Jahr.
Bezahlt wird der Rabatt mit dem Kassenbon. Jeder Einkauf mit Karte verrät, welcher Haushalt wann was gekauft hat. Seit 2026 bekommen rund 2,5 Millionen Kundinnen und Kunden zusätzlich persönliche Clubcard-Preise, also Rabatte auf Produkte, die Tesco anhand der bisherigen Einkäufe auswählt.
Aus den Daten macht Tesco auf zwei Wegen Geld. Die Tochter dunnhumby verkauft Datenanalyse, Software und Werbedienste an Händler und Markenhersteller. Tesco Media verkauft Werbung an Hersteller, die ihre Produkte in der App, auf der Website und auf mehr als 7.500 Bildschirmen in den Märkten zeigen wollen.
Im ersten Halbjahr 2026/27 stieg die Zahl der Werbekunden bei Tesco Media um 17 Prozent. Über die Handscanner, mit denen Kundinnen und Kunden beim Einkauf selbst scannen, buchten Hersteller doppelt so viel Werbung wie ein Jahr zuvor.
Was Tesco Media umsetzt, veröffentlicht Tesco nicht.
In der Bilanz taucht der Wert der Daten kaum auf. Für dunnhumby weist Tesco einen Firmenwert von 170 Millionen Euro aus, die Daten selbst haben keine eigene Bilanzposition. Sichtbar werden die Kundenkarten nur als Schuld: Punkte, die noch nicht eingelöst sind, bucht Tesco als Verbindlichkeit gegenüber der Kundschaft.
Wo die Marge entsteht
Versicherungen und Finanzdienstleistungen brachten 2025/26 gut 5 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses bei weniger als 2 Prozent der Erlöse.
Bei Booker drückt der Tabak. Zigaretten machen 17 Prozent des Großhandelsumsatzes aus, der Absatz schrumpft Jahr für Jahr, und die Marge liegt mit 3,2 Prozent unter der des Einzelhandels.
Mitteleuropa verdient mit 2,5 Prozent am wenigsten. Als Gründe nennt Tesco mehr Wettbewerb, besonders in der Slowakei, und Druck durch staatliche Regulierung.
Unsere Einschätzung: Die Clubcard ist der Hebel, der Einkauf und Kundschaft verbindet. Mit der Karte bezahlt die Kundschaft auch mit Daten, und was Tesco aus diesen Daten erfährt, verkauft der Konzern als Werbung und Analyse an dieselben Hersteller, bei denen er einkauft.
Billige Preise, bezahlt vom Sparprogramm
Am Anfang der Kette stehen die Preise. Im Januar 2026 weitete Tesco die Dauertiefpreise von 1.000 auf 3.000 Produkte aus, dazu kommt ein Preisabgleich mit Aldi auf zuletzt rund 700 Artikeln.
Mehr als 10.000 Produkte waren am Ende des Geschäftsjahres billiger als zu Beginn, im Schnitt um 9,5 Prozent.
Gegenfinanziert hat Tesco die Preissenkungen mit dem Umsatzwachstum und mit dem Sparprogramm Save to Invest, das 2025/26 Kosten von umgerechnet 640 Millionen Euro einsparte, im ersten Halbjahr 2026/27 weitere 300 Millionen Euro. Gespart wird bei Energie, beim Kommissionieren von Onlinebestellungen, bei Schwund und beim Nachfüllen der Regale.
Die Einsparung fließt in die Preise, die Preise holen Marktanteile, und die Marktanteile füllen die Datenbank der Clubcard. Mit den Daten wiederum verkauft Tesco Media Werbung.
Größe beim Einkauf, Größe beim Werbekunden
Mit 28,5 Prozent Marktanteil im Geschäftsjahr war Tesco der größte Abnehmer im britischen Lebensmittelhandel. In der jährlichen Lieferantenumfrage des Beratungshauses Advantage lag Tesco 2026 zum elften Mal in Folge auf Platz eins.
Im Werbegeschäft wächst der Vorteil mit der Größe: Je mehr Haushalte mit Karte einkaufen, desto genauer lässt sich messen, ob eine Anzeige zu einem Kauf geführt hat. Genau diese Messbarkeit verkauft Tesco Media an die Hersteller. Mit der Zahl der Märkte steigen dagegen die Mieten: Die Leasingverbindlichkeiten lagen Ende August 2026 bei 9,39 Milliarden Euro.
Was sich seit 2021 verschoben hat
In fünf Jahren hat Tesco sein Modell verkleinert und zugleich verdichtet. Asien ist verkauft, die Bank ebenfalls, Mitteleuropa steht nach Berichten der Retail Gazette zur Disposition. Neu sind das Werbegeschäft, die Schnelllieferung Whoosh, die im Halbjahr um 37 Prozent wuchs, der Marktplatz und das Liefer-Abo Delivery Saver mit 836.000 Abonnenten.
Dazu kam ein Rückkaufprogramm ohne Pause. Seit Oktober 2021 hat Tesco eigene Aktien für umgerechnet 5,74 Milliarden Euro zurückgekauft. In den vier Geschäftsjahren bis Februar 2026 stieg das bereinigte operative Ergebnis im Schnitt um 7,9 Prozent pro Jahr, der Umsatz um 5,2 Prozent.
- Ware: 79,6 Milliarden Euro Umsatz, 4,7 Prozent Marge im Kerngeschäft.
- Karte: mehr als 24 Millionen Clubcard-Haushalte, 84 Prozent des britischen Geschäfts laufen über die Karte.
- Werbung: 17 Prozent mehr Werbekunden bei Tesco Media, Umsatz nicht veröffentlicht.
- Versicherung: 200 Millionen Euro Ergebnis bei 14,9 Prozent Marge.
Wie groß ist die Marktmacht von Tesco?

Tesco hielt in den zwölf Wochen bis zum 4. Oktober 2026 laut Worldpanel by Numerator 27,8 Prozent des britischen Lebensmittelhandels, mehr als Sainsbury’s und Asda zusammen. Den Anteil verteidigt Tesco mit Kartenpreisen, die einen Wechsel zur Konkurrenz teurer machen.
Einer vorn, zwei Discounter im Rückspiegel
Hinter Tesco folgen Sainsbury’s mit 15,2 Prozent und Asda mit 11,5 Prozent. Asda verlor im Vorjahresvergleich 0,3 Punkte und als einziger großer Händler auch Umsatz. Aldi kommt auf 10,5 Prozent, Lidl auf 8,6 Prozent, 0,4 Punkte mehr als ein Jahr zuvor bei einem Umsatzplus von 7,1 Prozent.
Zusammen halten die beiden deutschen Discounter 19,1 Prozent des Markts.
Tesco selbst wuchs im selben Zeitraum um 1,0 Prozent und gab 0,1 Punkte Marktanteil ab. Der Konzern verweist auf ein starkes Vorjahr, in dem Wettbewerber mit eigenen Problemen kämpften, und auf ein Plus von 0,23 Punkten über zwei Jahre. Im Dezember 2025 erreichte der Anteil laut Geschäftsbericht den höchsten Stand seit zehn Jahren.
Im Onlinehandel ist der Vorsprung größer. Bei Lebensmitteln mit Lieferung nach Hause hält Tesco 36,7 Prozent, Schnelllieferungen nicht mitgerechnet. In Irland hält Tesco 24,1 Prozent des gesamten Lebensmittelhandels.
Der Preis von Aldi als Messlatte
Den Preiskampf hat Tesco an den Discountern ausgerichtet. Rund 700 Artikel gleicht der Konzern im Programm Aldi Price Match an den Preis von Aldi an, dazu kommen 3.000 Dauertiefpreise und mehr als 10.000 Clubcard-Preise. Tesco bezeichnet sich als günstigsten Vollsortimenter Großbritanniens.
Mit Lidl stritt Tesco vor Gericht. Im März 2024 bestätigte das Berufungsgericht in London, dass das Logo der Clubcard-Preise, ein gelber Kreis auf blauem Quadrat, die Marke von Lidl verletzte.
Tesco kündigte an, das Logo zu ändern. Den Austausch auf mehr als acht Millionen Schildern hatte die eigene Rechtsabteilung vor Gericht auf mehr als 8,3 Millionen Euro beziffert.
Unsere Einordnung: Das Urteil traf ein Symbol, nicht das System. Die Kartenpreise blieben, nur das Schild darüber bekam eine neue Form.
Warum Wechseln teuer wird
Die stärkste Bindung schafft die Clubcard selbst. Ohne Karte zahlt die Kundschaft bei mehr als 10.000 Produkten den höheren Preis, und Rabatte auf Versicherungen erhält sie zusätzlich nur mit Karte, etwa 10 Prozent auf die Autoversicherung. Dazu kommen Abos und Verträge: 836.000 Haushalte zahlen für Delivery Saver, ein Abo für Lieferungen nach Hause, und sechs Millionen Kundinnen und Kunden telefonieren mit Tesco Mobile.
Gebunden sind auch die Kaufleute, die unter den Booker-Marken Londis, Premier oder Budgens ihren Laden führen. Im ersten Halbjahr 2026/27 kamen 275 Läden hinzu. Die angeschlossenen Läden beziehen Sortiment und Ladenmarke aus einer Hand, ein Wechsel zum Konkurrenten hieße neues Schild, neue Lieferkette und neue Preise.
Gemessen am Net Promoter Score, der die Weiterempfehlungsbereitschaft auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 misst, ist die Kundschaft zufrieden wie nie. Tesco meldet für Großbritannien 33 Punkte, drei mehr als zum Ende des Geschäftsjahres.
- Marktanteil: 27,8 Prozent, mehr als Sainsbury’s und Asda zusammen.
- Discounter: Lidl gewinnt am meisten Marktanteil, mit Aldi zusammen 19,1 Prozent.
- Bindung: Kartenpreise, Liefer-Abo, Handyvertrag, Versicherungsrabatt.
- Online: 36,7 Prozent Anteil bei Lebensmitteln mit Lieferung.
Wer ist bei Tesco eigentlich das Produkt?

Bei Tesco ist die Kundschaft Käufer und Produkt zugleich: Mit der Clubcard bezahlt sie die Ware und liefert ihre Einkaufsdaten, aus denen Tesco Werbung und Analysen für Markenhersteller macht. Die Hersteller zahlen doppelt, mit Rabatten beim Einkauf und mit Geld für Werbung.
Rabatt gegen Kassenbon
Die Clubcard funktioniert wie ein Pfandautomat. Die Kundschaft gibt etwas ab, ihren Kassenbon samt Haushaltsnummer, und bekommt dafür einen Nachlass zurück. Was der Automat mit dem Leergut anfängt, sieht niemand am Regal.
Bei Tesco landet das Leergut bei dunnhumby und Tesco Media.
Für die Kundschaft ist der Tausch nicht schlecht. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA wertete für einen 2024 veröffentlichten Bericht rund 50.000 Produkte mit Kartenpreisen bei Tesco, Sainsbury’s, Waitrose, Co-op und Morrisons aus. Bei 92 Prozent lag der Kartenpreis tatsächlich unter dem üblichen Preis, im Schnitt sparten Mitglieder je nach Händler 17 bis 25 Prozent.
Ohne Karte zahlt die Kundschaft den vollen Preis. Vier von zehn Befragten trauen den Kartenpreisen laut CMA trotzdem nicht.
Hersteller zahlen zweimal
Markenhersteller zahlen Tesco auf zwei Wegen. Beim Einkauf gewähren die Hersteller Mengenrabatte, Zuschüsse für Aktionen und Werbung und weitere Gebühren, die Tesco im Konzernabschluss als Lieferantenvergütungen mindernd vom Wareneinsatz abzieht. Wie hoch diese Summe ist, veröffentlicht Tesco nicht.
Die Abschlussprüfer zählen die korrekte Verbuchung dieser Zahlungen zu den besonders wichtigen Prüfungssachverhalten, weil die Verbuchung Ermessen verlangt und anfällig für Manipulation ist.
Der zweite Weg führt über Tesco Media. Hersteller kaufen Anzeigen in der App, auf Bildschirmen im Markt und auf den Handscannern, gezielt für die Haushalte, die laut Clubcard zu ihrer Zielgruppe gehören. Hellmann’s, Nestlé und Walkers brachten im ersten Halbjahr 2026/27 neue Produkte zuerst und exklusiv bei Tesco in die Regale.
Lieferanten als Bank
Am deutlichsten zeigt die Bilanz, wer den Händler finanziert. Ende Februar 2026 schuldete Tesco seinen Lieferanten 8,20 Milliarden Euro aus Lieferungen und Leistungen, das Warenlager war 3,39 Milliarden Euro wert. Die offenen Rechnungen der Lieferanten betrugen das 2,4-Fache des Werts der Ware im Regal und im Lager.
Rechnungen über 812 Millionen Euro ließen sich Lieferanten über ein Finanzierungsprogramm vorzeitig auszahlen.
Pünktlich bezahlt wurde dabei nicht immer. 2016 stellte die Aufsichtsstelle für den Lebensmittelhandel fest, dass Tesco zwischen 2013 und 2015 Lieferanten systematisch verspätet bezahlt und einseitig Beträge von Rechnungen abgezogen hatte, teils mit Absicht. Tesco musste seine Zahlungsabläufe ändern.
Die Menschen an der Kasse
Die Beschäftigten bilden den größten Kostenblock nach der Ware. 2025/26 gab Tesco 11,3 Milliarden Euro für Löhne, Sozialabgaben und Renten aus. Ein Beschäftigter in der Mitte der britischen Lohnskala kam auf 30.876 Euro im Jahr, Konzernchef Murphy auf fast 13 Millionen Euro, das 420-Fache des mittleren Lohns.
Leserinnen und Leser in Deutschland begegnen Tesco am ehesten als Lieferant, als Wettbewerber oder im Urlaub an der Kasse in London, Dublin oder Prag.
Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?

Von 100 Euro Erlös blieben Tesco im Geschäftsjahr 2025/26 nach allen Kosten, Zinsen und Steuern 2,42 Euro. Den größten Teil bezahlt die Kundschaft an der Kasse, einen Teil der Rabatte finanzieren Lieferanten, und wer ohne Karte einkauft, zahlt mehr.
| Posten | Euro je 100 Euro Erlös | Anmerkung |
|---|---|---|
| Umsatzkosten | 92,49 | Ware und Versicherungsleistungen, rechnerisch auch der Großteil der Kosten für Märkte und Personal, abzüglich Lieferantenvergütungen |
| Rohertrag | 7,51 | was nach den Umsatzkosten übrig bleibt |
| Verwaltung | 3,46 | Zentrale, IT, Konzernfunktionen |
| Operatives Ergebnis | 4,05 | einschließlich Sondereffekten, bereinigt 4,33 Euro |
| Zinsen, netto | 0,79 | vor allem für Leasingverträge der Märkte |
| Steuern | 0,84 | Steuersatz auf den bereinigten Gewinn 26,8 Prozent |
| Gewinn nach Steuern | 2,42 | für Dividenden und Rücklagen |
| Zum Vergleich in denselben 100 Euro: Personal 12,84 Euro, Abschreibungen 2,57 Euro, Erlöse aus Kraftstoff 8,12 Euro | ||
Ein Rohertrag von 7,51 Euro
Allein das Personal kostete 12,84 Euro je 100 Euro Erlös, mehr als der gesamte Rohertrag. Ein großer Teil der Kosten für Märkte und Beschäftigte steckt deshalb rechnerisch schon in den Umsatzkosten von 92,49 Euro. Aus dem Rohertrag von 7,51 Euro bezahlt der Konzern Verwaltung, Zinsen und Steuern.
Die Rechnung beruht auf dem Konzernabschluss für 53 Wochen bis zum 28. Februar 2026 mit Erlösen von 88,1 Milliarden Euro. Darin stecken 7,2 Milliarden Euro aus dem Verkauf von Kraftstoff. Das Personal kostete mehr als fünfmal so viel, wie am Ende als Gewinn bleibt. Steigen die Löhne um 1 Prozent, kostet das Tesco rechnerisch rund 113 Millionen Euro, gut ein Zwanzigstel des Jahresgewinns.
Zwei Preise für dieselbe Dose
Bei mehr als 10.000 Produkten zahlt die Kundschaft einen von zwei Preisen. Mit Clubcard sparte ein Haushalt nach Tesco-Rechnung im Geschäftsjahr bis zu 483 Euro. Ohne Karte zahlt die Kundschaft den regulären Preis und bekommt auch keine Punkte, die sich später in Gutscheine umwandeln lassen.
Ein Teil der Kartenpreise geht auf Lieferanten zurück. Zuschüsse für Aktionen gehören zu den Lieferantenvergütungen, die Tesco vom Wareneinsatz abzieht.
Welcher Anteil eines Rabatts beim Hersteller und welcher bei Tesco hängen bleibt, legt der Konzern nicht offen.
Unsere Lesart: Bei einem Rohertrag von 7,51 Euro je 100 Euro kann Tesco Preissenkungen nur durchhalten, weil Lieferanten mitzahlen, Kosten sinken und Daten zusätzliches Geld bringen. Der Kartenpreis ist eine Mischkalkulation aus allen drei Quellen.
Wer am Ende zahlt
Auch der Staat bittet zur Kasse. 2025/26 zahlte Tesco 601 Millionen Euro Gewinnsteuern, die Sozialversicherungsbeiträge stiegen um 37 Prozent auf 1,00 Milliarden Euro. Die höheren Beiträge der Arbeitgeber und eine neue Abgabe auf Verpackungen nennt Tesco ausdrücklich als Kostentreiber. Weitergereicht werden Kosten auch an der Zapfsäule: Im ersten Halbjahr 2026/27 stiegen die Erlöse aus Kraftstoff um 19,7 Prozent, vor allem weil höhere Ölpreise die Preise an der Tankstelle nach oben trieben.
Von 100 Euro Erlös blieben 2,42 Euro als Gewinn, das Personal kostete 12,84 Euro. Ohne Clubcard zahlt die Kundschaft bei mehr als 10.000 Produkten mehr. Welchen Teil der Rabatte Lieferanten finanzieren, legt Tesco nicht offen.
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Am meisten profitieren die Aktionäre: 2025/26 überwies Tesco ihnen 2,84 Milliarden Euro an Dividenden und über Aktienrückkäufe, bei 2,14 Milliarden Euro Gewinn. Unter Druck stehen Lieferanten, der Großhandel mit Tabak, die Märkte in Mitteleuropa und die Konkurrenz von Asda.
| Gruppe | Entwicklung | Einordnung |
|---|---|---|
| Aktionäre | 1,12 Milliarden Euro Dividenden und 1,72 Milliarden Euro Aktienrückkäufe im Geschäftsjahr 2025/26 | gewinnen, Ausschüttung 133 Prozent des Gewinns |
| Konzernchef Ken Murphy | fast 13 Millionen Euro Gesamtvergütung 2025/26 | gewinnt, 420-mal so viel wie ein Beschäftigter in der Mitte der Lohnskala |
| Beschäftigte in den britischen Märkten | angekündigt 5,1 Prozent mehr Stundenlohn, 15,87 Euro je Stunde | gewinnen beim Lohn, Zahl der Stellen sinkt leicht |
| Kundschaft mit Clubcard | bis zu 483 Euro Ersparnis im Jahr | gewinnt, liefert dafür Einkaufsdaten |
| Markenhersteller | zahlen Lieferantenvergütungen und Werbung | abhängig vom größten Abnehmer |
| Großhandel Booker | Tabakumsatz minus 8,9 Prozent im Halbjahr | verliert ein schrumpfendes Geschäft |
| Märkte in Mitteleuropa | 2,6 Prozent Marge im Halbjahr, Verkauf im Gespräch | ungewisse Zukunft für mehr als 22.000 Beschäftigte |
| Asda | 11,5 Prozent Marktanteil, Umsatz minus 0,5 Prozent | verliert Marktanteil, Lidl gewinnt am stärksten |
Mehr ausgeschüttet als verdient
Die Ausschüttung an die Aktionäre lag im Geschäftsjahr 2025/26 um ein Drittel über dem Gewinn nach Steuern. Die Dividende stieg um 5,8 Prozent auf umgerechnet 17,3 Cent je Aktie, zusätzlich kaufte Tesco eigene Aktien für 1,72 Milliarden Euro zurück.
Im ersten Halbjahr 2026/27 wiederholte sich das Bild: 1,40 Milliarden Euro an die Aktionäre bei 1,27 Milliarden Euro Gewinn.
Der Grund liegt im Abstand zwischen Gewinn und Geldfluss. Abschreibungen auf Märkte, Lager und Software mindern den Gewinn um 2,26 Milliarden Euro, ohne dass in diesem Jahr Geld abfließt. Dem standen Investitionen von 1,81 Milliarden Euro und Leasingzahlungen gegenüber. Den Ausschlag gaben die Lieferanten: Weil mehr Rechnungen offen blieben, flossen 460 Millionen Euro zusätzlich in die Kasse. Unter dem Strich standen 2,34 Milliarden Euro Free Cashflow.
Den Rest deckten Sondermittel. Rund 837 Millionen Euro aus dem Verkauf der Bank an Barclays gab Tesco im Geschäftsjahr an die Aktionäre weiter, die Nettoschulden stiegen um 1,33 Milliarden Euro auf 12,6 Milliarden Euro.
Unsere Einordnung: Die Rückkäufe haben sich für die verbliebenen Aktionäre gelohnt. Seit 2021 kaufte Tesco im Schnitt zu umgerechnet 3,93 Euro je Aktie zurück, im Winter 2025/26 lag der Kurs im Dreimonatsschnitt bei 5,35 Euro. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg 2025/26 um 6,0 Prozent, das bereinigte operative Ergebnis nur um 0,8 Prozent.
Lohn rauf, Stellen runter
Für die Beschäftigten in den britischen Märkten kündigte Tesco eine Lohnerhöhung um 5,1 Prozent auf umgerechnet 15,87 Euro je Stunde an, nach Tesco-Rechnung 43 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Mehr als 22.000 Beschäftigte erzielten zuletzt über den Aktiensparplan zusammen einen Gewinn von 160 Millionen Euro.
Zugleich sank die Zahl der Beschäftigten im Jahresschnitt von 341.108 auf 336.123. Das Sparprogramm setzt bei Abläufen in den Märkten an, bei Kommissionierung, Nachfüllen und künftig bei elektronischen Preisschildern.
Abhängig vom größten Kunden
Für Markenhersteller ist Tesco Kunde und Werbeplattform zugleich. Mehr als ein Viertel dessen, was Britinnen und Briten im Lebensmittelhandel ausgeben, landet in einer Tesco-Kasse, und die Daten der Clubcard entscheiden mit, welche Marke im Regal und in der App sichtbar wird.
Ein Hersteller, der Tesco als Kunden verliert, verliert den Zugang zu mehr als einem Viertel des britischen Lebensmittelmarkts.
In Mitteleuropa steht mehr auf dem Spiel als die Marge. Tesco beschäftigt in Tschechien, Ungarn und der Slowakei mehr als 22.000 Menschen in 570 eigenen Märkten.
Laut Retail Gazette will Tesco das Geschäft in Tschechien und der Slowakei getrennt vom ungarischen verkaufen, erste Gebote waren bis Ende September 2026 erwartet. Tesco äußert sich dazu nicht.
Tesco vermarktet sich als günstigster Vollsortimenter, doch 2025/26 flossen an die Aktionäre 2,84 Milliarden Euro bei 2,14 Milliarden Euro Gewinn.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie politisch ist Tesco?

Tesco spendet nicht an Parteien, macht aber öffentlich Druck gegen höhere Steuern auf große Märkte. 2020 zahlte der Konzern nach heutigem Kurs rund 700 Millionen Euro Steuererlass aus der Pandemie freiwillig zurück, 2025 warnte Ken Murphy vor höheren Abgaben für große Läden.
Keine Spenden, klare Worte
Im Geschäftsjahr 2025/26 leistete Tesco laut Geschäftsbericht keine politischen Spenden und hatte keine politischen Ausgaben, wie schon im Vorjahr. Was der Konzern für Verbände und Interessenvertretung ausgibt, weist der Bericht nicht gesondert aus.
Gehör verschafft sich Tesco über den Konzernchef. Im Juli 2025 wandte sich Ken Murphy gegen Pläne von Schatzkanzlerin Rachel Reeves, die Gewerbegrundsteuer nach Größe zu staffeln. Supermärkte und Warenhäuser sollten mehr zahlen, kleinere Läden und Onlinehändler weniger.
Eine höhere Last für große Läden schade den Innenstädten, statt ihnen zu helfen, sagte Murphy laut Retail Gazette, viele dieser Märkte seien die Frequenzbringer ihrer Viertel.
Unsere Einordnung: Das Argument hat Gewicht, Tesco vertritt damit aber auch eigene Interessen. Der Konzern betreibt in Großbritannien 814 große Märkte, also genau die Art von Läden, die nach den Plänen mehr zahlen sollten.
Die Rückzahlung von 2020
Im Dezember 2020 kündigte der Konzern an, den Erlass der Gewerbegrundsteuer zurückzuzahlen, den er während der Lockdowns erhalten hatte, nach heutigem Kurs rund 700 Millionen Euro. Das Geschäft habe sich als widerstandsfähig erwiesen, die Pandemie koste Tesco ohnehin mehr als die Entlastung, begründete der Vorstand den Schritt.
Bis Februar 2021 zahlten auch Sainsbury’s, Asda, Morrisons, Aldi und Lidl ihren Steuererlass zurück.
Auflagen und Abgaben
Zweimal haben Aufseher das Geschäftsmodell seit 2016 genauer untersucht. Die Aufsichtsstelle für den Lebensmittelhandel rügte 2016 verspätete Zahlungen an Lieferanten, die Wettbewerbsbehörde CMA fand 2024 bei den Kartenpreisen kaum Anlass zur Kritik. Eine Geldbuße folgte in beiden Fällen nicht.
Höhere Kosten kamen 2025/26 aus der Gesetzgebung. Tesco nennt im Geschäftsbericht die gestiegenen Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung und die neue Abgabe für Verpackungen nach dem Prinzip der erweiterten Herstellerverantwortung. Vor diesem Hintergrund prüfte der Vorstand das Budget neu, bevor er die Preissenkungen im Frühjahr 2025 freigab.
Bei den Gewinnsteuern liegt Tesco über dem britischen Regelsatz von 25 Prozent.
Der Steuersatz auf den bereinigten Gewinn betrug im ersten Halbjahr 2026/27 26,8 Prozent, vor allem weil Abschreibungen auf manche Anlagegüter steuerlich nicht abzugsfähig sind.
Das Bild vom freundlichen Nachbarn
Bei den Grocer Gold Awards der Fachzeitschrift The Grocer erhielt Tesco 2026 zum zwölften Mal in Folge den Titel des beliebtesten Supermarkts Großbritanniens.
Der Konzern verteilt Obst und Gemüse an mehr als 1.000 Schulen, sponsert die Frauen-Fußballliga Women’s Super League und verspricht 5.000 Praktikumsplätze für junge Erwachsene.
Unsere Lesart: Jedes dieser Programme stärkt die Bindung an die Marke, und von dieser Bindung leben die Kartenpreise.
- Spenden: keine politischen Spenden 2025/26.
- Steuern: Widerstand gegen höhere Abgaben für große Läden.
- Aufsicht: Rüge 2016 wegen verspäteter Zahlungen, Kartenpreise 2024 kaum beanstandet.
- Image: zum zwölften Mal beliebtester Supermarkt.
Was könnte Tesco zu Fall bringen?

Am gefährlichsten sind für Tesco die wachsenden Discounter, eine dünne Marge, die schon kleine Kostensprünge spürbar macht, und strengere Regeln für Kartenpreise und Daten. Ein schneller Absturz ist bei 27,8 Prozent Marktanteil und 2,34 Milliarden Euro Free Cashflow unwahrscheinlich.
Lidl wächst siebenmal so schnell
Lidl steigerte den Umsatz in Großbritannien in den zwölf Wochen bis Anfang Oktober 2026 um 7,1 Prozent, Tesco um 1,0 Prozent. Zusammen mit Aldi halten die deutschen Discounter 19,1 Prozent des Markts.
Tesco reagiert mit Preisabgleich und Dauertiefpreisen, also mit genau den Mitteln, die den Rohertrag von 7,51 Euro je 100 Euro schmälern.
Am schnellsten von allen wuchs der Lieferdienst Ocado, um 12,4 Prozent, wenn auch auf einen Anteil von nur 2,2 Prozent.
Wenige Zehntel, viel Geld
Die Marge verzeiht wenig.
Bei Erlösen von gut 86 Milliarden Euro auf 52 Wochen kosten 0,3 Prozentpunkte weniger Marge rechnerisch rund 260 Millionen Euro Ergebnis. Steigen die Löhne um einen Prozentpunkt stärker als geplant, fehlen rund 113 Millionen Euro.
Fest stehen auch die Mieten. Leasingverbindlichkeiten von 9,39 Milliarden Euro binden den Konzern auf Jahre an seine Märkte und Lager, auch wenn die Kundschaft sich verlagert.
Regeln für Karte und Daten
Die Clubcard ist zugleich Stärke und Angriffsfläche. Die Verbraucherorganisation Which? verlangte im August 2024, die Leitlinien zu Preisaktionen um Kartenpreise zu ergänzen, und nannte dabei Beispiele von Tesco.
Schärfere Regeln für Kartenpreise oder für die Nutzung von Einkaufsdaten in der Werbung würden genau das Geschäft treffen, das Tesco zuletzt am stärksten ausgebaut hat.
Dazu kommen Abgaben. Über die Besteuerung großer Märkte wird in Großbritannien seit 2025 gestritten, Verpackungsabgabe und Sozialversicherung haben die Kosten bereits erhöht.
Tabak, Ausland, Geopolitik
Bei Booker schrumpft mit dem Tabak ein Sortiment, das 17 Prozent des Großhandelsumsatzes ausmacht. In Mitteleuropa hängt die Zukunft von einem möglichen Verkauf ab, dessen Ausgang offen ist. Für das zweite Halbjahr nennt Tesco die anhaltenden geopolitischen Spannungen als Unsicherheit, höhere Ölpreise haben schon die Erlöse an der Zapfsäule nach oben getrieben.
| Szenario bis 2031 | Annahme | Folge für Tesco |
|---|---|---|
| Optimistisch | Werbegeschäft und Schnelllieferung wachsen weiter, Mitteleuropa wird zu gutem Preis verkauft | Marge steigt Richtung 5 Prozent, Rückkäufe laufen weiter |
| Realistisch | Lidl und Aldi gewinnen weiter leicht Anteile, Tesco hält rund 27 bis 28 Prozent | Ergebnis wächst langsam, Sparprogramm gleicht Kosten aus |
| Pessimistisch | Strenge Regeln für Kartenpreise und Daten, Preiskrieg mit den Discountern | Marge fällt unter 4 Prozent, Rückkäufe werden gekürzt |
Die Szenarien sind eine Einschätzung der Redaktion. Grundlage sind die Zahlen des Geschäftsjahres 2025/26 und des ersten Halbjahres 2026/27.
Was bedeutet Tesco für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Tesco betreibt in Deutschland keine Märkte, ist aber für deutsche Händler, Hersteller und Anleger ein Lehrstück. Die deutschen Discounter Aldi und Lidl greifen Tesco in Großbritannien an, die Schwarz Gruppe soll für die Märkte in Tschechien und der Slowakei bieten.
Die Schwarz Gruppe als möglicher Käufer
Die Halbjahreszahlen vom 8. Oktober haben auch eine deutsche Seite. Tesco verdient in Mitteleuropa mit 2,6 Prozent Marge im Halbjahr am wenigsten, und laut Retail Gazette arbeitet der Konzern mit den Banken Goldman Sachs und Citi an einem Verkauf.
Für Tschechien und die Slowakei soll die Schwarz Gruppe bieten, zu der neben Lidl auch Kaufland gehört.
Ende August betrieb Tesco in Tschechien 185 und in der Slowakei 187 eigene Märkte, dazu 113 Läden von Franchisenehmern in Tschechien.
Mit Lidl und Kaufland ist die Schwarz Gruppe in Tschechien schon breit vertreten. Ein Kauf würde den tschechischen Lebensmittelhandel weiter konzentrieren und dürfte laut der Prager Nachrichtenseite Expats.cz von den Wettbewerbsbehörden geprüft werden.
Auch Ahold Delhaize, Betreiber der Kette Albert in Tschechien, und Jerónimo Martins, Eigentümer von Biedronka, werden als Interessenten genannt. Keiner der Beteiligten äußert sich dazu.
Kartenpreise vor deutschen Gerichten
Was Tesco mit der Clubcard vormacht, beschäftigt in Deutschland die Gerichte. Der Verbraucherzentrale Bundesverband klagte gegen Rabatte, die nur per App gelten, weil sie ältere Menschen ohne Smartphone benachteiligen könnten.
Das Oberlandesgericht Bamberg wies die Klage gegen Netto im März 2026 ab, das Oberlandesgericht Hamm die gegen Penny im April 2026. Ende September 2026 wies das Brandenburgische Oberlandesgericht auch die Klage gegen Lidl ab, nach einem dpa-Bericht ohne Entscheidung in der Sache, weil sich der Senat für nicht zuständig hielt.
Ein zweites Verfahren gegen Lidl dreht sich um die Frage, ob Kundinnen und Kunden mit ihren Daten bezahlen. Das Oberlandesgericht Stuttgart wies die Klage 2025 ab, der Fall liegt nun beim Bundesgerichtshof.
Unsere Einschätzung: In Großbritannien prüft die Wettbewerbsbehörde, ob der Kartenpreis wirklich günstiger ist, in Deutschland prüfen Gerichte, ob er überhaupt zulässig ist. Für Händler mit eigener App lohnt der Blick auf die Insel, weil Tesco seit mehr als 30 Jahren vorführt, wie aus Rabatten ein Geschäft mit Daten wird.
Was Lieferanten und Mittelständler lernen
Deutsche Markenhersteller, die an Tesco liefern, verhandeln mit einem Abnehmer, der zugleich Werbeplattform ist. Regalplatz und Sichtbarkeit in der App und auf den Bildschirmen im Markt werden zum Paket, und die Wirkung misst Tesco mit Daten, die der Hersteller selbst nicht hat. Der Großhändler Booker erinnert entfernt an die selbstständigen Kaufleute bei Edeka und Rewe. Unter Londis, Premier und Budgens führen Unternehmer eigene Läden mit Ware aus einer Hand, nur gehört der Lieferant einem Konzern und keiner Genossenschaft.
| Szenario für die nächsten 12 Monate | Annahme | Folge für deutsche Leser |
|---|---|---|
| Optimistisch | Tesco erreicht das obere Ende der Prognose von 3,94 Milliarden Euro, Verkauf in Mitteleuropa ohne Hürden | Schwarz Gruppe wächst in Tschechien und der Slowakei, Rückkäufe stützen die Aktie |
| Realistisch | Ergebnis in der Mitte der Spanne, Verkaufsverhandlungen ziehen sich hin | Lidl und Aldi gewinnen in Großbritannien weiter leicht Anteile |
| Pessimistisch | Preiskampf in Großbritannien, Wettbewerbshüter bremsen einen Verkauf an die Schwarz Gruppe | Druck auf Lieferanten steigt, höhere Werbebudgets für Regalplatz |
Auch diese Szenarien sind eine Einschätzung der Redaktion, Grundlage ist die Prognose vom 8. Oktober 2026.
Was folgt daraus?
- Verbraucher: In Tesco-Märkten in Großbritannien, Irland oder Tschechien gelten viele niedrige Preise nur mit Clubcard, im Gegenzug erfährt Tesco, was im Korb liegt.
- Händler: Kartenpreise und Werbegeschäft gehören zusammen, ein Treueprogramm ohne Datenstrategie verschenkt den zweiten Teil.
- Lieferanten: Verträge mit großen Händlern sollten regeln, welche Daten aus Werbekampagnen zurückfließen.
- Anleger: Rückkäufe und Dividende hängen am Free Cashflow, nicht am Gewinn, und der Free Cashflow hängt auch an den Lieferanten.
- Schwarz Gruppe: soll für 372 eigene Tesco-Märkte in Tschechien und der Slowakei bieten.
- Discounter: Aldi und Lidl halten in Großbritannien 19,1 Prozent.
- Gerichte: App-Rabatte in Deutschland bislang nicht verboten, Datenfrage beim Bundesgerichtshof.
- Hersteller: Regalplatz und Werbung werden zum Paket.
Glossar: 16 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von Tesco

Aktienrückkauf
Beim Aktienrückkauf kauft ein Unternehmen eigene Aktien an der Börse und zieht sie meist ein. Der Gewinn verteilt sich danach auf weniger Aktien, der Gewinn je Aktie steigt. Tesco kaufte im Geschäftsjahr 2025/26 eigene Aktien für umgerechnet 1,72 Milliarden Euro zurück, seit Oktober 2021 für 5,74 Milliarden Euro.
Bereinigtes operatives Ergebnis
Das bereinigte operative Ergebnis ist der Gewinn aus dem laufenden Geschäft vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten wie Wertberichtigungen oder Umbaukosten. Tesco steuert das Geschäft über diese Kennzahl. 2025/26 lag das bereinigte operative Ergebnis bei umgerechnet 3,77 Milliarden Euro, für 2026/27 erwartet der Konzern 3,77 bis 3,94 Milliarden Euro.
Category Captain
Ein Category Captain ist ein Hersteller, der einen Händler bei der Gestaltung einer ganzen Warengruppe berät, oft auch bei Produkten der Konkurrenz. Wettbewerbshüter sehen das kritisch, weil der Hersteller Einfluss auf Regalplatz gewinnt. Die britische Aufsichtsstelle für den Lebensmittelhandel verwies die Praxis 2016 zur Prüfung an die Wettbewerbsbehörde.
Clubcard-Preise
Clubcard-Preise sind niedrigere Preise, die bei Tesco nur Inhaber der Kundenkarte Clubcard bekommen. Mehr als 10.000 Produkte sind so ausgezeichnet. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA fand 2024 bei 92 Prozent der untersuchten Kartenpreise im Handel eine echte Ersparnis gegenüber dem üblichen Preis.
Dauertiefpreis
Ein Dauertiefpreis ist ein dauerhaft niedriger Preis ohne zeitlich begrenzte Aktion. Händler setzen ihn bei Produkten ein, die Kundschaft häufig kauft und deren Preis sie kennt. Tesco weitete die Dauertiefpreise im Januar 2026 von 1.000 auf 3.000 Produkte aus, ergänzend zum Preisabgleich mit Aldi.
Eigenmarke
Eine Eigenmarke ist eine Produktlinie, die ein Händler unter eigenem Namen herstellen lässt. Tesco führt Eigenmarken in mehreren Preislagen, an der Spitze die Premiumlinie Finest. Der Umsatz von Finest wuchs im Geschäftsjahr 2025/26 in Großbritannien um 14,5 Prozent und im ersten Halbjahr 2026/27 um weitere 8,9 Prozent.
Flächenbereinigtes Wachstum
Das flächenbereinigte Wachstum, englisch like-for-like, misst den Umsatz in Märkten, die seit mindestens einem Jahr geöffnet sind, zusammen mit dem Onlinegeschäft. Neue Märkte, Kraftstoff und Wechselkurseffekte fallen heraus. Bei Tesco wuchs der Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2026/27 auf dieser Basis um 1,0 Prozent.
Free Cashflow
Der Free Cashflow ist das Geld, das aus dem laufenden Geschäft nach Investitionen, Zinsen und Steuern übrig bleibt. Aus ihm bezahlen Unternehmen Dividenden und Aktienrückkäufe. Tesco erzielte 2025/26 umgerechnet 2,34 Milliarden Euro, mehr als den Gewinn nach Steuern, vor allem weil mehr Lieferantenrechnungen offen blieben und so 460 Millionen Euro zusätzlich in die Kasse flossen.
Gewerbegrundsteuer
Die Gewerbegrundsteuer, in Großbritannien business rates genannt, ist eine Abgabe auf gewerblich genutzte Immobilien, die sich nach deren Mietwert richtet. Für Händler mit großen Märkten ist die Abgabe ein bedeutender Kostenblock. Tesco wandte sich 2025 gegen Pläne, große Läden stärker zu belasten als kleine.
Leasingverbindlichkeit
Eine Leasingverbindlichkeit ist die Pflicht, künftige Mieten für Märkte, Lager oder Fahrzeuge zu zahlen. Seit dem Bilanzstandard IFRS 16 stehen diese Zahlungen als Schuld in der Bilanz. Bei Tesco lagen die Leasingverbindlichkeiten Ende August 2026 bei umgerechnet 9,39 Milliarden Euro, gut drei Viertel der Nettoschulden.
Lieferantenvergütung
Als Lieferantenvergütung bezeichnet der Handel Zahlungen von Herstellern an Händler, etwa Mengenrabatte, Zuschüsse für Werbung und Aktionen oder Gebühren für Platzierungen. Tesco zieht diese Zahlungen vom Wareneinsatz ab, nennt die Summe aber nicht. Die Abschlussprüfer zählen ihre Verbuchung zu den besonders wichtigen Prüfungssachverhalten.
Nahversorger
Ein Nahversorger ist ein kleiner Laden in Wohnvierteln, Innenstädten oder an Bahnhöfen, mit Grundsortiment und langen Öffnungszeiten. Tesco betreibt solche Läden unter dem Namen Express und über die Tochter One Stop. Ende August 2026 gehörten zum britischen Netz 2.164 Nahversorger von Tesco und 694 eigene Läden von One Stop.
Nettoschulden
Nettoschulden sind die Finanzschulden eines Unternehmens abzüglich seiner flüssigen Mittel. Tesco rechnet die Leasingverbindlichkeiten mit ein. Ende August 2026 lagen die Nettoschulden bei umgerechnet 12,0 Milliarden Euro, das Zweifache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Tesco peilt das 2,3- bis 2,8-Fache an.
Retail Media
Retail Media bezeichnet Werbung, die Händler auf eigenen Websites, in Apps und in Märkten an Hersteller verkaufen. Grundlage sind die Einkaufsdaten der Kundschaft, mit denen sich die Wirkung bis zum Kassenbon messen lässt. Bei Tesco heißt das Geschäft Tesco Media, die Zahl der Werbekunden stieg im ersten Halbjahr 2026/27 um 17 Prozent.
Rohertrag
Der Rohertrag ist der Teil der Erlöse, der nach Abzug der Umsatzkosten bleibt. Aus ihm bezahlt ein Händler Verwaltung, Zinsen und Steuern. Bei Tesco lag der Rohertrag 2025/26 bei 7,51 Euro je 100 Euro Erlös, weil der Konzern einen großen Teil der Kosten für Märkte und Personal bereits den Umsatzkosten zuordnet.
Vollsortimenter
Ein Vollsortimenter ist ein Lebensmittelhändler mit breitem Angebot an Marken, Eigenmarken, Frischware und Bedientheken, im Gegensatz zum Discounter mit schmalem Sortiment. Tesco bezeichnet sich als günstigster Vollsortimenter Großbritanniens und gleicht dafür rund 700 Preise an die des Discounters Aldi an.
FAQ: Wie zahlt Tesco den Aktionären mehr als den Gewinn aus?

Wem gehört Tesco?
Tesco ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Welwyn Garden City nördlich von London, die Aktien liegen bei institutionellen und privaten Anlegern. Größter gemeldeter Einzelaktionär ist der Vermögensverwalter BlackRock mit 6,64 Prozent der Stimmrechte. Mehr als 22.000 Beschäftigte halten über ein Belegschaftsprogramm ebenfalls Aktien.
Hat Tesco Märkte in Deutschland?
Nein, Tesco betreibt in Deutschland keine Märkte. Der Konzern ist in Großbritannien, Irland, Tschechien, Ungarn und der Slowakei vertreten. Deutsche Händler treffen Tesco vor allem als Wettbewerber: Aldi und Lidl halten in Großbritannien zusammen 19,1 Prozent Marktanteil, die Schwarz Gruppe soll für die Märkte in Tschechien und der Slowakei bieten.
Wie viele Mitarbeiter hat Tesco?
Tesco beschäftigte im Geschäftsjahr 2025/26 im Schnitt 336.123 Menschen, umgerechnet auf Vollzeitstellen 227.188. Der größte Teil arbeitet in Großbritannien und Irland, knapp 15.200 beim Großhändler Booker und gut 22.100 in Mitteleuropa. Im Vorjahr lag der Schnitt bei 341.108 Beschäftigten.
Wer ist der Chef von Tesco?
Ken Murphy leitet Tesco seit Oktober 2020 als Konzernchef. Seine Gesamtvergütung lag im Geschäftsjahr 2025/26 umgerechnet bei fast 13 Millionen Euro, davon gut 1,8 Millionen Euro Grundgehalt. Finanzchef ist seit Mai 2021 Imran Nawaz.
Was bedeutet der Name Tesco?
Der Name setzt sich aus den Initialen des Teelieferanten Thomas Edward Stockwell und den ersten beiden Buchstaben des Gründers Jack Cohen zusammen. Unter diesem Namen kam 1924 ein Tee in den Verkauf, der erste Artikel unter eigener Marke. Cohen hatte das Geschäft 1919 mit einem Marktstand in Hackney begonnen.
Wie viele Filialen hat Tesco?
Ende August 2026 zählte Tesco 5.135 Märkte und Standorte. Davon lagen 3.678 in Großbritannien, 194 in Irland und 570 in Mitteleuropa, dazu 188 Standorte von Booker und 505 Läden von Franchisenehmern, vor allem unter dem Namen One Stop.
Quellen
21 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 28.10.2026
- Tesco PLCAnnual Report and Financial Statements 2026 (Geschäftsbericht 2025/26, elektronische Fassung)
- Tesco PLCInterim Results 2026/27
- Tesco PLCInterim Results 2025/26
- Tesco PLCAnnual Report and Notice of Meeting 2026
- Reuters via EuronextUK grocery inflation accelerates over last month, says Worldpanel
- Retail GazetteLidl owner joins race for Tesco’s Central European business
- Expats.czLidl, Albert and Biedronka owners eye Tesco’s Czech stores amid EU exit
- The GrocerTesco’s defining moments
- The Jewish ChronicleFrom market stall to supermarket giant: the man who made Tesco
- Retail GazetteTesco finalises £8bn sale of Asia business
- Retail GazetteConfirmed: Walmart agrees £6.8bn sale of Asda to Issa brothers & TDR Capital
- Grocery GazetteTesco begins 10-year partnership with Barclays as sale of banking operations completes
- Groceries Code Adjudicator (GOV.UK)Tesco breached Code
- Competition and Markets Authority (GOV.UK)Review of loyalty pricing in the groceries sector: executive summary
- Which?Which? calls for action to tackle murky and confusing loyalty pricing practices
- The GrocerTesco to change Clubcard Prices logo after losing trademark battle with Lidl
- Retail GazetteTesco and Sainsbury’s bosses slam Reeves’s fresh business rates tax plan
- Tesco PLC (Investegate)Tesco decides to repay business rates relief
- Retail GazetteAll the retailers that have paid back the business rates holiday
- Verbraucherzentrale BundesverbandFragen und Antworten zu den Supermarkt-App-Klagen der Verbraucherzentrale
- Europäische ZentralbankEuro-Referenzkurs Pfund Sterling
