Die Tunnelbohrmaschine „Caroline“ erreichte nach der Fahrt unter der Themse am 27. September ihren Zielschacht in Gravesend, 49 Tage früher als geplant. Der Hersteller aus Schwanau holt drei von vier seiner Maschinen nach dem Durchbruch zurück nach Baden. Der Familienkonzern setzte 2025 rund 1,2 Milliarden Euro um, 6,7 Prozent weniger als im Jahr davor.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenDas österreichische Fachblatt Baublatt meldete den vorzeitigen Durchbruch am 12. Oktober. Das Konsortium Ferrovial Bemo fuhr für den Netzbetreiber National Grid einen 2,2 Kilometer langen Kabeltunnel zwischen Tilbury und Gravesend auf, mit einem Mixschild von Herrenknecht und in viereinhalb Monaten.
Nach dem Durchbruch beginnt für Herrenknecht der zweite Teil des Geschäfts. Viele Maschinen kauft der Konzern nach dem Einsatz zurück und bereitet ihre Teile in Kehl für den nächsten Tunnel auf.
2024 blieben vor Steuern 89,4 Millionen Euro bei 1,29 Milliarden Euro Umsatz, für 2025 hat Herrenknecht bisher keine Gewinnzahl veröffentlicht.
Das Wichtigste in Kürze
- 2024 setzte Herrenknecht 1,29 Milliarden Euro um und verdiente vor Steuern 89,4 Millionen Euro, eine Marge von 6,9 Prozent. Für 2025 meldet der Konzern einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro.
- Der Konzern erzielt 94,9 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Aus Asien-Pazifik kamen 2024 Aufträge über 622 Millionen Euro, aus Europa 428 Millionen Euro nach 695 Millionen Euro im Vorjahr.
- Kunden zahlen kräftig an: Ende 2024 deckten Anzahlungen von 435 Millionen Euro 88,9 Prozent des Werts der halbfertigen Maschinen.
- Die Herrenknecht AG hatte Ende 2024 Rückkaufverpflichtungen über 228 Millionen Euro. Gebrauchte Teile bereitet das Werk in Kehl auf, mehr als 10.000 Komponenten im Jahr.
- Chinesische Hersteller bauen nach Darstellung chinesischer Staatsmedien sieben von zehn Schildmaschinen der Welt. Herrenknecht veröffentlicht keine eigenen Marktanteile.
Fünf Fragen an den Tunnelbauer aus der Ortenau
1 In welchem Jahr zog Herrenknecht von Lahr nach Schwanau-Allmannsweier? Aufklappen ↓
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2 Welchen Anteil am Konzernumsatz 2024 hatten die Maschinen für Verkehrstunnel? Aufklappen ↓
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3 Wie viele Herrenknecht-Maschinen kehren nach dem Durchbruch zurück nach Baden? Aufklappen ↓
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4 Wie viel Prozent des Werts der halbfertigen Maschinen deckten Ende 2024 die Anzahlungen der Kunden? Aufklappen ↓
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5 Wo entstand die größte Tunnelbohrmaschine, die Herrenknecht je gebaut hat? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Herrenknecht und wie fing alles an?
Martin Herrenknecht gründete 1975 in Lahr ein Ingenieurbüro, aus dem 1977 die Herrenknecht GmbH wurde. Der 84-Jährige führt den Vorstand bis heute, die Firma hat er in eine Familienstiftung eingebracht.
Juristisch besteht das Unternehmen seit 1977, damals als Herrenknecht GmbH. Den 50. Geburtstag feierte Herrenknecht im Juli 2026, mit rund 2.300 Gästen in der Baden-Arena in Offenburg.
Das Ingenieurbüro stammt von 1975, die GmbH von 1977, das Jubiläumsjahr passt zu keinem der beiden genau. Die Pressemitteilung zur Gala bezeichnet die Wahl als „pragmatisch entschieden“ und als ganz im Sinne des Gründers.
Das Büro sollte Maschinen entwerfen, die im Tunnelbau leistungsfähiger und sicherer arbeiten als die damals üblichen Vortriebsmaschinen. 1980 zog die junge Firma von Lahr in den Schwanauer Ortsteil Allmannsweier, ein Dorf in der Rheinebene zwischen Offenburg und Lahr. Dort steht bis heute der größte Produktionsstandort. Die Firmenchronik verzeichnet zwei Jahre nach dem Start die erste Umsatzmillion, umgerechnet in Euro, erwirtschaftet von sechs Beschäftigten. 1984 folgte die erste Auslandstochter in Sunderland in England.
Die Firma aus der Ortenau zählt zu jenen deutschen Hidden Champions, die in ihrer Nische weltweit vorn liegen und außerhalb der Branche kaum jemand kennt. Die Aktien der Herrenknecht AG sind nicht börsennotiert, Jahresabschluss und Lagebericht stehen im Unternehmensregister.
- 1975Martin Herrenknecht eröffnet in Lahr ein Ingenieurbüro für Tunnelbautechnik.
- 1977Aus dem Büro wird die Maschinenbaufirma Herrenknecht GmbH.
- 1980Umzug von Lahr nach Schwanau-Allmannsweier, bis heute größter Produktionsstandort.
- 1984Erste Auslandstochter in Sunderland in England.
- 1998 bis 2007Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und Ausrichtung auf Asien.
- 2010Hauptdurchschlag im Gotthard-Basistunnel mit der Herrenknecht-Maschine „Sissi“.
- 2014Im Werk Nansha in China entsteht eine Maschine mit 17,6 Metern Durchmesser.
- 2016DIE STIFTUNG meldet, das Unternehmen gehöre nun einer Familienstiftung.
- 2023Mehrheit am Bohrunternehmen H. Anger’s Söhne, Ausbau der Erdwärme.
- 202650-Jahr-Feier und Auftrag für eine 16,4-Meter-Maschine für den Lower Thames Crossing.
Den Flugbetrieb am Flugplatz Lahr führt eine Gesellschaft, deren Geschäftsführer Martin Herrenknecht ist. Im Juli 2026 berichtete die Badische Zeitung, er wolle den Betrieb weitere 15 Jahre führen und dort in einen Hangar für Rettungshubschrauber investieren.
Eine Stiftung statt eines Erbes
Anfang 2016 meldete das Fachmagazin DIE STIFTUNG, Martin Herrenknecht habe sein Unternehmen in eine Familienstiftung eingebracht. Name, Satzung und Anteile der Stiftung legt Herrenknecht nicht offen.
Der Lagebericht verweist nur auf einen Abhängigkeitsbericht nach dem Aktiengesetz, den ein Unternehmen unter der Kontrolle eines herrschenden Gesellschafters erstellen muss.
Im Vorstand sitzt neben dem Gründer sein Sohn Martin-Devid Herrenknecht. Das Magazin der südbadischen Industrie- und Handelskammern stellte ihn im Dezember 2024 als 38 Jahre alten Produktionsvorstand vor, als „zweite Generation“.
Finanzvorstand und Vize ist Michael Sprang, dazu kommt Ulrich Schaffhauser. Im Juli 2026 nannte Herrenknecht mit Olivier Kraft ein weiteres Mitglied eines erweiterten Vorstands. Einen Nachfolger an der Spitze hat das Unternehmen nicht benannt.
Den Aufsichtsrat führt seit April 2023 Bertram Kandziora, früher Vorstandschef von Stihl, einem anderen Familienkonzern aus Baden-Württemberg. Sein Stellvertreter ist Günther Oettinger, ehemals Ministerpräsident des Landes und EU-Kommissar.
- Gründung: Ingenieurbüro 1975 in Lahr, GmbH 1977, seit 1980 in Schwanau.
- Eigentum: Eine Familienstiftung, keine Börse.
- Führung: Gründer Martin Herrenknecht mit 84 Jahren an der Spitze des Vorstands.
Wie wurde aus dem Ingenieurbüro ein Weltkonzern?

Mit immer größeren Maschinen für immer schwierigere Böden und mit Werken dort, wo die Tunnel entstehen. 2024 kam Herrenknecht auf 1,29 Milliarden Euro Umsatz, 4.377 Beschäftigte im Jahresschnitt und Beteiligungen an 60 Tochterunternehmen.
Für die vierte Röhre des Hamburger Elbtunnels baute Herrenknecht in den Neunzigerjahren einen Mixschild mit 14,20 Metern Durchmesser, den die Firmenchronik als damals größten der Welt führt. Ein Mixschild hält den Boden vor dem Schneidrad mit einer flüssigen Stützsuspension stabil, ein Verfahren für Flussquerungen und Böden mit viel Grundwasser.
Zwischen 1998 und 2007 wandelte Martin Herrenknecht die GmbH in eine Aktiengesellschaft um und richtete das Geschäft auf Asien aus. In Shanghai lief eine Maschine mit 15,43 Metern Durchmesser.
Den Ruf in Europa begründete der Gotthard. Am 15. Oktober 2010 gelang der Hartgesteinsmaschine „Sissi“ in der Oströhre des Gotthard-Basistunnels bei Sedrun der Hauptdurchschlag. Herrenknecht beziffert den Anteil seiner Maschinen an den beiden Hauptröhren auf mehr als 85 Kilometer. Auch an der zweiten Röhre des Gotthard-Straßentunnels arbeitet wieder eine Maschine aus Schwanau, im April 2026 erreichte sie nach rund 3,8 Kilometern ihr erstes Etappenziel.
Im Nahen Osten bewies Herrenknecht, dass der Konzern auch große Stückzahlen liefern kann. Für die U-Bahn in Doha waren nach der Firmenchronik 21 Erddruckschilde des Herstellers gleichzeitig im Einsatz. Ein Erddruckschild stützt den Boden mit dem eigenen Aushub und eignet sich für weiche Böden in Städten.
Rekorde in China, Aufträge in London
Die größte Tunnelbohrmaschine, die Herrenknecht je gebaut hat, entstand nicht in Baden. Für eine Straßenverbindung in Hongkong fertigte das Werk im chinesischen Nansha 2014 eine Maschine mit 17,6 Metern Durchmesser und 4.850 Tonnen Gewicht. Herrenknecht führt die Maschine bis heute als größte Tunnelbohrmaschine der Welt.
Im Juli 2026 meldete das britische Fachblatt The Tunnelling Journal den Auftrag für den Lower Thames Crossing östlich von London: eine Maschine mit 16,4 Metern Durchmesser, die größte, die je in Europa zum Einsatz kommen soll, und die größte, die je im Stammwerk entstand. Der Vortrieb soll 2028 beginnen.
Am Brenner-Basistunnel hatten acht Herrenknecht-Maschinen bis November 2025 rund 83,4 Kilometer aufgefahren. Zu solchen Aufträgen gehören neben der Maschine Ersatzteile, Schneidrollen und Fachleute auf der Baustelle. Unter der Themse lieferte Herrenknecht ein umfangreiches Servicepaket mit.
Den nächsten Wachstumsmarkt sieht der Vorstand laut Lagebericht in Indien. Für die U-Bahnen der indischen Metropolen montiert Herrenknecht im Werk Chennai Maschinen mit sechs bis sieben Metern Durchmesser.
Ein Konzern aus Tochterfirmen
Heute hält die Herrenknecht AG über Holdings in Singapur und im Schweizer Altdorf Anteile an 60 Tochterunternehmen. Der Konzern fertigt an zwölf Standorten, sechs davon in Europa, sechs in Asien-Pazifik und Nordamerika, darunter drei in China.
Zu den Tochtermarken zählen der Vermessungsspezialist VMT und die Tiefbohrtochter Herrenknecht Vertical, die seit 2005 Tiefbohranlagen für Erdwärme und Rohstoffe baut.
Ende 2023 übernahm Herrenknecht die Mehrheit am Bohrunternehmen H. Anger’s Söhne aus Hessisch Lichtenau mit rund 150 Beschäftigten. Mit dem Zukauf wächst das Erdwärme-Geschäft, in dem Herrenknecht Bohrungen bis 8.000 Meter Tiefe anbietet.
Gemessen am Umsatz steht der Konzern 2025 wieder auf dem Stand von 2022. 2022 setzte er 1,21 Milliarden Euro um, 2024 dann 1,29 Milliarden Euro. Für 2025 meldet Herrenknecht 1,2 Milliarden Euro.
Die Belegschaft zählt Herrenknecht je nach Bericht unterschiedlich. Im Jahresschnitt 2024 arbeiteten 4.377 Menschen ohne Auszubildende für den Konzern, zum Jahresende 2025 meldet der Konzern 5.432, Leiharbeit eingerechnet.
Wie verdient Herrenknecht tatsächlich sein Geld?

Vor allem mit großen, für ein einziges Projekt gebauten Maschinen für Bahn-, U-Bahn- und Straßentunnel: Der Bereich Verkehrstunnel brachte im Jahr 2024 812 Millionen Euro, 63 Prozent des Umsatzes. Hinzu kommen Rückkauf, Wiederaufbereitung, Miete und Service, die der Konzern nicht einzeln ausweist.
Ein Schwergewicht und vier Nebenbereiche
Der Lagebericht 2024 teilt den Konzernumsatz von 1,288 Milliarden Euro auf fünf Bereiche auf. Das größte Stück liefert Traffic Tunnelling, die Maschinen für Verkehrstunnel mit 4,80 bis 19 Metern Durchmesser. Der Bereich wuchs gegenüber 2023 um 5,9 Prozent auf 812 Millionen Euro.
Utility Tunnelling, kleinere Maschinen bis 4,80 Meter für Kanäle, Leitungen und Pipelines, kam auf 274 Millionen Euro oder 21,3 Prozent. Die Group Brands, Spezialfirmen rund um den Vortrieb von der Vermessung bis zur Logistik, steuerten 128 Millionen Euro bei. Bergbau und Tiefbohrungen brachten zusammen 74 Millionen Euro.
Im Bergbau ist Herrenknecht ein kleiner Anbieter. Seit dem Einstieg 2009 hat der Bereich mehr als 55 Maschinen an rund 30 Kunden in 19 Ländern geliefert.
Fast der gesamte Umsatz entsteht im Ausland, 1,222 Milliarden Euro oder 94,9 Prozent. In Deutschland setzte der Konzern 2024 nur 66 Millionen Euro um.
Die Maschine kommt zurück
Eine Tunnelbohrmaschine wird für genau einen Tunnel ausgelegt, für dessen Durchmesser, Gestein und Wasserdruck. Nach dem Durchbruch braucht der Baukonzern die Maschine meist nicht mehr. Herrenknecht verkauft viele Maschinen deshalb mit einer Zusage, sie später zurückzukaufen.
Im Anhang zum Abschluss der Herrenknecht AG stehen für Ende 2024 Rückkaufverpflichtungen über 227,9 Millionen Euro, nach 204,4 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Gut 74 Millionen Euro davon entfallen auf eigene Tochterfirmen.
Das Magazin Wirtschaft im Südwesten der südbadischen Industrie- und Handelskammern beschrieb im Dezember 2024, wie oft die Maschinen heimkehren: drei von vier nach dem Durchbruch. Die Maschinen landen im Werk Herrenknecht Rebuild Services in Kehl am Rhein.
Vor dem Tor lag damals eine ganze Schiffsladung Teile einer Maschine aus Katar, gedacht als Bausatz für die nächste.
Laut Lagebericht bereitet das Aufbereitungswerk in Kehl auf 100.000 Quadratmetern jährlich mehr als 10.000 Komponenten auf. 2024 kamen Teile mit zusammen 4.900 Tonnen Gewicht durch das Werk. Je Tonne spart die Wiederaufbereitung im Schnitt 71,4 Prozent der Emissionen einer Neuanfertigung, eine Zahl, die der TÜV Süd geprüft hat.
Für Kunden mit Klimavorgaben wird die Emissionsersparnis zum Verkaufsargument.
Der Rückkauf birgt auch ein Risiko. Für drohende Verluste aus den Rückkaufpflichten bildet Herrenknecht Rückstellungen. Der Lagebericht nennt die Kapitalkosten der Rückkäufe ausdrücklich als Risiko. Die Bestände an Gebrauchtteilen lagen Ende 2024 bei 74 Millionen Euro.
Miete statt Kauf
Kleinere Maschinen vermietet Herrenknecht auch. 2024 flossen 40 Millionen Euro in Mietmaschinen und Mietgerät, die Abschreibungen auf den Bestand lagen bei 12 Millionen Euro. Im Leitungsbau wollen Kunden schnell an eine Maschine kommen, der Mietpark stellt sie kurzfristig bereit.
Anzahlung vor Auslieferung
In den acht bis 14 Monaten, in denen eine Großmaschine entsteht, zahlen die Kunden an. Ende 2024 standen den halbfertigen Maschinen erhaltene Anzahlungen von 435 Millionen Euro gegenüber, eine Quote von 88,9 Prozent. Ein Jahr zuvor lag der Wert bei 82,9 Prozent.
Bankkredite braucht Herrenknecht für die Fertigung kaum. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten lagen Ende 2024 bei 14 Millionen Euro, die flüssigen Mittel bei 264 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote bei 49,1 Prozent.
Übrig bleibt eine schmale Marge. 2024 verdiente der Konzern vor Steuern 89,4 Millionen Euro, 6,9 Prozent vom Umsatz. Nach Steuern blieben 55,5 Millionen Euro oder 4,3 Prozent.
Margen einzelner Sparten veröffentlicht Herrenknecht nicht.
Größe ohne Serienfertigung
Klassische Skaleneffekte sind begrenzt, weil fast jede große Maschine ein Einzelstück ist. Größenvorteile entstehen woanders: im Lager für Gebrauchtteile, in Werken in China und Indien, die für Asien fertigen, und in den mehr als 1.660 Projektreferenzen im Verkehrstunnelbau, die der Lagebericht anführt. Im Leitungsbau zählt Herrenknecht rund 2.350 ausgelieferte Maschinen. Jede Referenz hilft beim nächsten Angebot, weil Baukonzerne ihr Risiko an der Erfahrung des Herstellers messen.
Asien wächst, Europa bestellt weniger
2023 kam knapp die Hälfte der Neuaufträge aus Europa, 695 Millionen Euro. 2024 fielen die Aufträge aus Europa auf 428 Millionen Euro, die aus Asien-Pazifik stiegen um 43,9 Prozent auf 622 Millionen Euro. Aus Nahost und Afrika kamen statt 35 nun 151 Millionen Euro. Der Schwerpunkt der Nachfrage liegt damit wieder in Asien.
Stark zugelegt hat die Erdwärme. Der Bereich Exploration steigerte den Auftragseingang 2024 von 26 auf 77 Millionen Euro.
Für 2025 meldet Herrenknecht Aufträge über 1,343 Milliarden Euro, 8,8 Prozent weniger als 2024. Bei einem Projektgeschäft dieser Art entscheidet allerdings nicht der Auftrag über den Umsatz, sondern der Termin, an dem die Baustelle die Maschine abnimmt.
- Maschinen: Verkehrstunnel bringen 63 Prozent des Umsatzes.
- Rückkauf: Rückkaufpflichten der AG über 227,9 Millionen Euro, Aufbereitung in Kehl.
- Anzahlungen: Kunden decken 88,9 Prozent des Werts der halbfertigen Maschinen.
- Marge: 6,9 Prozent vor Steuern im Jahr 2024.
Wie groß ist die Marktmacht von Herrenknecht?

Groß bei schwierigen und großen Tunneln außerhalb Chinas, kleiner nach Stückzahl. Dort liegen chinesische Hersteller vorn, Herrenknecht selbst veröffentlicht keine Marktanteile.
Die Deutsche Presse-Agentur schreibt, Herrenknecht gelte als Weltmarktführer für Tunnelbohrmaschinen. Der eigene Lagebericht ist vorsichtiger. Nach dem Lagebericht verzichtet Herrenknecht mangels neutraler Marktanalysen für die maschinelle Vortriebstechnik auf Aussagen über Marktanteile.
Nach dem Lagebericht kommt in Europa, Nord- und Südamerika, im Nahen und Mittleren Osten sowie in Asien-Pazifik ohne China bei Verkehrstunneln vorwiegend Herrenknecht-Technik zum Einsatz.
Besonders stark sieht sich der Konzern bei schwierigem Untergrund und bei Durchmessern ab zehn Metern. Dort zählen Erfahrung und Referenzen mehr als der Preis.
Die Konkurrenz sitzt in China
Die Wettbewerber im Verkehrstunnelbau kommen laut Lagebericht überwiegend aus China und gehören zu großen, meist staatlich gestützten Konglomeraten. Deren Hauptgeschäft ist oft der Bau selbst. Ein Staatskonzern, der Tunnel baut und die Bohrmaschine dazu liefert, kann Preis und Risiko anders verteilen als ein reiner Maschinenbauer.
Eine Größenordnung nannte im Mai 2024 auf dem World Tunnel Congress in Shenzhen ein Fachmann, den die Onlineausgabe der chinesischen Parteizeitung People’s Daily zitierte: Sieben von zehn Schildmaschinen der Welt stammten aus China, im eigenen Land seien 95 Prozent der eingesetzten Maschinen chinesisch. Unabhängig geprüft ist diese Zahl nicht, sie zeigt aber die Größenordnung.
Im Dezember 2025 nannte sich Herrenknecht in einer Pressemitteilung den letzten westlichen Hersteller von Tunnelbohrtechnik. Europäische und amerikanische Wettbewerber seien in den vergangenen Jahren von chinesischen Konzernen übernommen worden.
Seit dem Lagebericht 2024 steht der Satz über den „verstärkten Wettbewerbsdruck“ durch chinesische Hersteller ausdrücklich im Risikobericht.
Im Leitungsbau ist das Bild gemischter. In China und Südostasien sind viele Baufirmen nach Darstellung des Lageberichts zu kapitalschwach für teure Hochtechnik. Herrenknecht hat dafür einfachere Maschinen für unkomplizierte Bodenverhältnisse entwickelt und tritt dort gegen neue asiatische Anbieter an, die zunächst mit weniger anspruchsvoller Technik gestartet sind.
Wie Herrenknecht Kunden hält
Einen Lock-in-Effekt, also eine feste Kundenbindung über hohe Wechselkosten, kennt der Tunnelbau nicht, jedes Projekt wird neu ausgeschrieben. Die Bindung entsteht durch das Risiko. Ein steckengebliebener Bohrkopf unter einem Fluss kostet den Baukonzern Monate, zieht Vertragsstrafen nach sich und schadet im schlimmsten Fall dem Ruf. Ein Baukonzern, der so rechnet, zahlt für einen Lieferanten mit langer Referenzliste lieber mehr.
Service, Ersatzteile und Fachleute auf der Baustelle binden den Kunden zusätzlich. Über den Rückkauf sitzt Herrenknecht am Ende vieler Projekte wieder mit am Tisch. Zurückgenommene Teile verkürzen die Lieferzeit beim nächsten Auftrag.
In China selbst spielt Herrenknecht eine Doppelrolle. Der Konzern betreibt dort drei Fertigungs- und Montagewerke mit 662 Beschäftigten im Jahresschnitt 2024 und baut dort auch Maschinen für andere Länder Asiens. Gleichzeitig wachsen die chinesischen Rivalen vor der eigenen Werkstür.
Laufende Kartellverfahren gegen Herrenknecht sind nicht bekannt.
- Stärke: Große Durchmesser und schwieriger Untergrund außerhalb Chinas.
- Schwäche: Nach Stückzahl liegen chinesische Hersteller vorn.
- Bindung: Referenzen, Service und Rückkauf statt Vertragsfesseln.
Wer ist bei Herrenknecht eigentlich das Produkt?

Kein Kunde wird hier vermarktet, das Produkt ist die Maschine. Dafür hängt jeder an jedem: Baukonzerne brauchen eine Maschine, die exakt zum Boden passt. Herrenknecht braucht Bauherren, deren Projekte pünktlich starten. Verschiebt sich der Baubeginn eines Tunnels, wartet die fertige Maschine im Werk.
Herrenknecht verkauft selten an den eigentlichen Bauherrn. Den Kabeltunnel unter der Themse bestellte der Netzbetreiber National Grid, die Maschine kaufte das Baukonsortium Ferrovial Bemo. Beim Lower Thames Crossing ist der Bauherr die Straßenbehörde National Highways, der Kunde von Herrenknecht eine Arbeitsgemeinschaft der Baukonzerne Bouygues und Murphy.
Der Baukonzern verantwortet den Vortrieb und sucht sich den Maschinenlieferanten aus.
Am Anfang der Kette steht meist ein öffentlicher Auftraggeber oder ein Netzbetreiber. Der Lagebericht 2023 hält fest, die Branche sei stark von öffentlichen Infrastrukturmaßnahmen und Investitionspaketen geprägt.
Abhängig vom Kalender anderer
2024 hatte Herrenknecht einen deutlich steigenden Umsatz angekündigt und blieb unter dieser Prognose, weil fertige Tunnelbohrmaschinen wegen verzögerter Bauprojekte nicht ausgeliefert werden konnten.
Der Konzern hatte die Maschinen gebaut, abrechnen konnte er sie erst später. Den Umsatz bestimmt damit der Bauzeitenplan eines fremden Projekts.
Herrenknecht sichert seine Forderungen über Anzahlungen, Akkreditive und Bankgarantien ab. Die Kunden verlangen ihrerseits Bürgschaften, dafür steht dem Konzern eine Avallinie über 400 Millionen Euro zur Verfügung.
Auf der Lieferseite will Herrenknecht nicht erpressbar sein. Für jedes Beschaffungsteil arbeitet der Konzern mit mindestens zwei Lieferanten, Schlüsselkomponenten fertigt er selbst.
2024 stiegen die Ausgaben für fremdbezogene Leistungen um 32 auf 113 Millionen Euro, auch für Leiharbeit und Fremdfertigung.
Auch die eigenen Werke im Ausland hängen am Stammwerk. Für zwei Maschinen mit 15,62 Metern Durchmesser für ein Straßenprojekt in Mumbai lieferte Schwanau Ende 2024 die Kernkomponenten, montiert wurde im indischen Werk in Chennai. So nutzt Herrenknecht niedrigere Lohnkosten und Zollvorteile vor Ort, behält das Herzstück der Technik aber in Baden.
Das Wissen sitzt in Schwanau
Die eigentliche Abhängigkeit liegt in den Köpfen. Am Stammsitz arbeiteten 2024 im Schnitt 2.178 Menschen, fast die Hälfte des Konzerns. Rund 1.270 von ihnen sind seit über zehn Jahren dabei. Der Lagebericht 2024 nennt den Verlust von Schlüsselkräften erstmals als Risiko für technisches Wissen und Innovationskraft.
Leser begegnen Herrenknecht meist als Fahrgäste. Wer durch den Gotthard fährt, in einer U-Bahn in Doha sitzt oder Strom über einen Kabeltunnel bezieht, nutzt Röhren, die von Maschinen aus der Ortenau aufgefahren wurden. Bezahlt werden die Röhren von Steuer- und Gebührenzahlern, bei Herrenknecht kommt davon der Anteil für die Maschine an.
Was kostet eine Tunnelbohrmaschine wirklich, und wer trägt die Kosten?

Einen Listenpreis veröffentlicht Herrenknecht nicht, Auftragswerte hält der Konzern unter Verschluss. Die Konzernrechnung zeigt dafür die Kosten: Von 100 Euro Gesamtleistung gingen 2024 58,29 Euro in Material und Fremdleistungen, 22,53 Euro an das Personal. Vor Steuern blieben 6,41 Euro.
Als Herrenknecht im Februar 2024 den Auftrag über fünf Maschinen für die Bahnstrecke zwischen Lyon und Turin bekanntgab, nannte das Unternehmen den Wert mit Hinweis auf die vereinbarte Vertraulichkeit nicht, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete.
Auch für die Rekordmaschine des Lower Thames Crossing kennt die Fachpresse keinen Auftragswert.
Das Fachmagazin Technik-Einkauf nennt für große Tunnelbohrmaschinen eine Spanne von 10 bis 50 Millionen Euro. Herrenknecht bestätigt solche Werte nicht. Den Preis bestimmen Durchmesser, Gestein und Wasserdruck, dazu kommen Nachläufer, Förderbänder, Separationsanlagen und Fachleute auf der Baustelle.
Ein Paket statt einer Maschine
Unter der Themse lieferte Herrenknecht neben dem Mixschild ein Anlagen- und Servicepaket: ein Fahrzeug, das pro Fahrt alle sechs Betonsegmente eines Tunnelrings zur Maschine brachte, und eine Separationsanlage, die mehr als 90 Prozent des Wassers wiederverwendete. Start- und Zielschacht hob eine Schachtabsenkanlage von Herrenknecht aus, die der Hersteller als größte in Europa bezeichnet. Jeden dieser Bausteine stellt Herrenknecht eigens in Rechnung, alle Beträge fließen in den Konzernumsatz.
Wohin 100 Euro fließen
Die Rechnung unten bezieht sich auf die Gesamtleistung von 1,394 Milliarden Euro, nicht auf den Umsatz. Bei einem Maschinenbauer mit langen Projekten zeigt diese Größe besser, was im Jahr tatsächlich gebaut wurde, weil halbfertige Maschinen eingerechnet sind.
| Je 100 Euro Gesamtleistung 2024 | Betrag | Einordnung |
|---|---|---|
| Material und Fremdleistungen | 58,29 € | Stahl, Komponenten, Leiharbeit und Fremdfertigung, insgesamt 813 Mio. € |
| Personal | 22,53 € | Löhne, Gehälter und Sozialabgaben, insgesamt 314 Mio. € |
| Sonstige betriebliche Aufwendungen | 14,99 € | unter anderem Transporte, Vorsorge für Verlustaufträge und Nacharbeiten |
| Abschreibungen | 2,05 € | davon 0,86 € auf Mietmaschinen |
| Sonstige Erträge und Finanzergebnis | plus 4,27 € | unter anderem aufgelöste Rückstellungen und Zinserträge |
| Ergebnis vor Steuern | 6,41 € | insgesamt 89,4 Mio. € |
| Steuern | 2,43 € | insgesamt 33,9 Mio. € |
| Jahresüberschuss | 3,98 € | insgesamt 55,5 Mio. € |
Rechnung der Redaktion aus der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung 2024. Die Werte gelten für den ganzen Konzern, eine Kalkulation für eine einzelne Maschine veröffentlicht Herrenknecht nicht.
Wer am Ende bezahlt
Die Kosten trägt zuerst der Baukonzern, der die Maschine kauft, und am Ende der Bauherr. Bei Bahn-, Straßen- und Stromtunneln sind das Staaten, Verkehrsbehörden und Netzbetreiber.
Über deren Budgets landet der Preis bei Steuerzahlern und Stromkunden.
Der Kunde zahlt außerdem früh. Ende 2024 deckten seine Anzahlungen 88,9 Prozent des Werts der halbfertigen Maschinen. Die Fertigung ist damit zum größten Teil vorfinanziert. Das Risiko, zurückgekaufte Maschinen wieder unterzubringen, trägt dagegen Herrenknecht. Ob Herrenknecht steigende Stahlpreise vertraglich weitergibt, legt das Unternehmen nicht offen. Belegt ist, dass die Materialquote 2024 um 0,8 Prozentpunkte auf 58,3 Prozent der Gesamtleistung stieg. Währungsrisiken aus Aufträgen in fremder Währung sichert der Konzern mit Devisentermin- und Optionsgeschäften ab.
- Preis: Herrenknecht nennt keine Auftragswerte, Branchenschätzungen reichen von 10 bis 50 Millionen Euro.
- Kosten: 58,29 Euro je 100 Euro Gesamtleistung gehen in Material und Fremdleistungen.
- Zahler: Am Ende Steuerzahler und Stromkunden, über Bauherren und Baukonzerne.
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Gewonnen haben die Eigentümer, vertreten durch die Familienstiftung, die Belegschaft in Schwanau und Bauherren, deren Vortrieb schneller vorankommt. Unter Druck stehen die Standortgemeinde im Streit mit dem Gründer und Herrenknecht selbst im Preiskampf mit chinesischen Staatskonzernen.
| Gruppe | Entwicklung | Einordnung |
|---|---|---|
| Aktionäre (Familienstiftung) | Dividende 1,80 € je Aktie, zusammen 11,4 Mio. € für 2023 und erneut für 2024 vorgeschlagen | gut 20 Prozent des Jahresüberschusses 2024 |
| Vorstand | Gesamtbezüge 5,86 Mio. € (2024) | vier Mitglieder laut Abschluss |
| Belegschaft Schwanau | 2.178 Beschäftigte im Schnitt 2024, 101 mehr als 2023 | knapp die Hälfte des Konzerns |
| Werk Kehl | mehr als 10.000 aufbereitete Komponenten im Jahr | bereitet zurückgekaufte Teile auf |
| Bauherren | Themse-Kabeltunnel: Durchbruch 49 Tage vor Plan | kürzere Bauzeit auf der Baustelle |
| Lieferanten | Fremdleistungen plus 32 Mio. € auf 113 Mio. € (2024) | Herrenknecht arbeitet mit mindestens zwei Lieferanten je Teil |
| Westliche Wettbewerber | nach Darstellung von Herrenknecht von chinesischen Konzernen übernommen | Markt im Westen dünnt aus |
| Gemeinde Schwanau | Streit um Blumenkübel, Drohung mit Verlagerung von Service und Erdwärme | abhängig von einem großen Arbeitgeber |
Die Eigentümer entnehmen wenig
Für 2024 schlug der Vorstand eine Dividende von 1,80 Euro je Aktie vor, zusammen 11,4 Millionen Euro, wie im Jahr davor. Gemessen am Jahresüberschuss von 55,5 Millionen Euro bleibt der größte Teil im Unternehmen.
Das Eigenkapital stieg 2024 von 581 auf 613 Millionen Euro, der Konzern ist solide finanziert.
Der Vorstand erhielt 2024 Gesamtbezüge von 5,86 Millionen Euro, der Aufsichtsrat 893.000 Euro. Wie sich die Bezüge auf einzelne Personen verteilen, muss eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft nicht offenlegen.
Was die Belegschaft davon hat
Die Beschäftigten am Stammsitz bleiben lange. Das Durchschnittsalter lag 2024 bei 41 Jahren, rund 1.270 Menschen arbeiten seit über zehn Jahren in Schwanau. Im Jahresschnitt bildete der Konzern 191 junge Leute aus und übernahm fast alle nach dem Abschluss. Der Frauenanteil am Stammsitz blieb mit 16 Prozent niedrig, typisch für einen Maschinenbauer mit vielen gewerblichen Berufen.
Ein Dorf und sein Weltkonzern
Am stärksten profitiert die Region. Im Jahresschnitt 2024 arbeiteten in Deutschland 2.681 Menschen für den Konzern, davon 2.178 am Stammsitz in Schwanau und rund 150 im Aufbereitungswerk in Kehl.
Wie eng Gemeinde und Konzern verflochten sind, zeigte im Juni 2026 ein Streit, den Dr. Web bereits als teures Politikum um Blumenkübel beschrieben hat. Der Staatsanzeiger berichtete, Martin Herrenknecht erwäge, das Servicegeschäft und die Tiefengeothermie aus Allmannsweier zu verlagern, etwa nach Rust. Im Juli zitierte die Badische Zeitung ihn mit einem Satz über den Stammsitz: „Den behalten wir. Das ist eine Garantie.“
Die Gemeinde hängt damit an den Entscheidungen eines einzigen Arbeitgebers. Umgekehrt braucht das Unternehmen Straßen, Flächen und Genehmigungen der Gemeinde. Für beide Seiten steht mehr auf dem Spiel als ein paar Pflanzkübel in einer Tempo-30-Zone.
Wer im Wettbewerb verliert
Verloren haben die westlichen Maschinenbauer, die heute chinesischen Konzernen gehören. Herrenknecht nennt sich den letzten westlichen Hersteller von Tunnelbohrtechnik. Für Bauherren in Europa bleiben damit weniger Anbieter ohne chinesische Eigentümer, eine Lage, die bei kritischer Infrastruktur politische Fragen aufwirft.
Bei Herrenknecht haben die Kunden halbfertige Tunnelbohrmaschinen schon zu 89 Prozent angezahlt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie politisch ist Herrenknecht?

Politischer als die meisten Mittelständler. Der Gründer mischt sich öffentlich in die Bundespolitik ein, das Unternehmen meldete 2025 Ausgaben für Interessenvertretung zwischen 320.001 und 330.000 Euro und das China-Geschäft macht Herrenknecht zum Gesprächspartner der Außenpolitik.
Lobbyregister und Fördergeld
Im Lobbyregister des Bundestags steht die Herrenknecht AG unter der Nummer R007310. Als vertretungsberechtigt nennt der Eintrag Martin Herrenknecht und Finanzvorstand Michael Sprang. Das Unternehmen ist Mitglied in 19 Verbänden, darunter dem Bundesverband der Deutschen Industrie, dem Maschinenbauverband VDMA, dem Wirtschaftsrat der CDU, dem Bund der Steuerzahler Baden-Württemberg und dem Ostasiatischen Verein. Zwei Gesetzesvorhaben nennt der Eintrag ausdrücklich: ein Gesetz, das Genehmigungen für Erdwärmeprojekte beschleunigen soll, und das Infrastruktur-Zukunftsgesetz, das Planung und Bau großer Verkehrsprojekte vereinfachen soll. Beide würden Herrenknecht nützen, das eine dem wachsenden Erdwärme-Geschäft, das andere dem Tunnelbau in Deutschland.
2025 erhielt Herrenknecht vom Bundesforschungsministerium eine Zuwendung zwischen 770.001 und 780.000 Euro. Gefördert wird die Entwicklung eines Fahrzeugs für seismische Messungen, wie sie vor Erdwärmebohrungen nötig sind.
Ein Gründer mit Meinung
Martin Herrenknecht ist CDU-Mitglied und äußert sich regelmäßig zur Bundespolitik. Im Mai 2026 warf er Teilen der SPD in einem Brief an die Bundesregierung mangelnden Reformwillen vor, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete.
Im selben Brief warnte er davor, dass Wähler aus Enttäuschung zur AfD wechseln könnten.
Gegen die AfD hat er auch als Gastgeber Position bezogen. 2020 ließ er als Teilhaber eines Hotels in Schwanau eine Buchung der Partei für ihren Bundesparteitag in Offenburg stornieren, berichtete der Schwarzwälder Bote.
Vor Ort bietet er sich als Helfer an. Im August 2026 schlug er dem Schwarzwälder Boten zufolge vor, für eine gesperrte Bahnbrücke in Lahr Fertigungskapazitäten in seinem Werk zur Verfügung zu stellen: „Einen jahrelangen Prozess des Planens und Prüfens können wir uns nicht leisten.“
Auch das Bundeswirtschaftsministerium kommt nach Schwanau. Im August 2026 besuchte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Stefan Rouenhoff das Werk, im Mittelpunkt stand die Tiefengeothermie. Im Aufsichtsrat sitzt mit Günther Oettinger ein früherer Ministerpräsident, der heute eine Firma für Politikberatung führt. Herrenknecht hat damit kurze Wege in die Landespolitik und nach Berlin.
Russland und China
In Russland war Herrenknecht über Jahrzehnte aktiv, unter anderem bei U-Bahnen in Moskau und St. Petersburg. 2016 forderte der Gründer im Handelsblatt, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben, 2018 verlieh ihm Russland den Orden der Freundschaft. Nach dem Angriff auf die Ukraine erklärte das Unternehmen am 1. März 2022, man stehe voll hinter der Haltung der Bundesregierung und den Sanktionen. 2023 und 2024 löste der Konzern zwei russische Tochterfirmen auf.
In China fertigt Herrenknecht, verkauft dort und konkurriert zugleich mit heimischen Herstellern. Im Dezember 2025 besuchte Außenminister Johann Wadephul das Herrenknecht-Werk in Nansha bei Guangzhou. Der Gründer sagte bei dem Besuch: „Unsere Standorte in China, auch der in Nansha, bleiben für uns strategisch wichtig.“ Laut Pressemitteilung standen Marktzugang und geänderte Regeln für ausländische Firmen im Mittelpunkt.
Exportkontrollen und Sanktionsrecht nennt der Lagebericht als Compliance-Risiko. Herrenknecht hat dafür ein eigenes Prüfverfahren für Exporte eingerichtet.
Steuern und Nachfolge
Die Holdings in Singapur und der Schweiz bündeln Beteiligungen in Asien und Europa. Der Lagebericht weist für 2024 eine Konzernsteuerquote von 35,9 Prozent aus, ein Wert, der gegen eine aggressive Steuergestaltung spricht. 2022 drückte eine Steuernachzahlung nach einer Betriebsprüfung den Gewinn.
Die heikelste Frage ist die Nachfolge. Der Gründer ist 84 Jahre alt und führt den Vorstand. Die Familienstiftung soll das Unternehmen zusammenhalten, über ihre Satzung und die Rolle der Familie in den Gremien schweigt Herrenknecht. Eine geregelte Übergabe an der Spitze hat der Konzern bisher nicht angekündigt.
- Lobby: Ausgaben 2025 zwischen 320.001 und 330.000 Euro, Mitglied in 19 Verbänden.
- Russland: Sanktionskritik 2016, Bekenntnis zu den Sanktionen 2022, Töchter aufgelöst.
- Nachfolge: Familienstiftung, Gründer 84, keine angekündigte Übergabe.
Was könnte Herrenknecht zu Fall bringen?

Kein einzelnes Ereignis, eher drei langsame Kräfte: der Preisdruck chinesischer Staatskonzerne, verschobene Großprojekte und der Generationswechsel an der Spitze. Existenzbedrohende Risiken sieht der Vorstand im Lagebericht 2024 nicht.
Am schwersten wiegt die Konkurrenz aus China. Chinesische Hersteller liefern inzwischen auch nach Europa. Die Onlineausgabe von People’s Daily berichtete im Mai 2024, der Staatskonzern China Railway Engineering Equipment Group montiere eine Maschine für eine Schnellfahrstrecke auf Sizilien.
Ein Anbieter mit staatlich gestütztem Kapital kann Preise verlangen, bei denen ein Familienunternehmen auf Dauer nicht mithalten kann.
Das zweite Risiko sind Terminverschiebungen. Schon 2024 verfehlte Herrenknecht die Umsatzprognose. 2025 meldet Herrenknecht einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro, obwohl der Vorstand ein „etwas höheres Umsatzniveau“ angekündigt hatte.
Die Gründe für den Rückgang hat Herrenknecht noch nicht erläutert, ein geprüfter Abschluss für 2025 liegt bislang nicht vor.
Hinzu kommt die Abhängigkeit von öffentlichen Haushalten. Die Aufträge aus Europa fielen 2024 von 695 auf 428 Millionen Euro. Kippen Infrastrukturprogramme in einer Haushaltskrise, trifft der Ausfall zuerst den Auftragseingang und mit Verzögerung voll den Umsatz.
Die Risiken in der eigenen Bilanz
Mit Rückkaufverpflichtungen über 227,9 Millionen Euro hat sich die Herrenknecht AG an den Wiederverkaufswert ihrer Maschinen gebunden. Sinkt der Bedarf an gebrauchten Teilen, weil weniger gebaut wird, stehen in Kehl teure Lagerbestände.
Beim Personal kommen zwei Probleme zusammen. Herrenknecht sucht Fachkräfte, die auf dem Arbeitsmarkt knapper werden, und hängt zugleich an langjährigen Spezialisten, deren Wissen schwer zu ersetzen ist.
An der Spitze steht ein 84-jähriger Gründer, dessen Nachfolge nicht öffentlich geregelt ist.
Ein seltenes, aber folgenschweres Risiko wäre ein schweres Unglück auf einer Baustelle mit Herrenknecht-Maschine, das den Ruf beschädigt. Der Ruf ist im Tunnelbau das wichtigste Verkaufsargument, er lässt sich nur langsam wieder aufbauen.
Kleinere Risiken hat der Konzern abgesichert. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten hält Herrenknecht wegen des geringen Geschäftsvolumens in der Region für beherrschbar. Neu im Blick sind Cyberangriffe: Ein Systemausfall oder größere Datenverluste könnten laut Lagebericht beträchtliche Schäden verursachen.
Drei Szenarien bis 2031
Im günstigen Fall heben Erdwärme, Kabeltunnel für Stromnetze und große Projekte wie der Lower Thames Crossing den Umsatz erstmals über 1,3 Milliarden Euro. Im mittleren Fall bleibt Herrenknecht bei 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro, mit schwankenden Jahren je nach Baustellenkalender. Im ungünstigen Fall verliert der Konzern Ausschreibungen außerhalb Europas an chinesische Anbieter und muss Kapazität in Schwanau abbauen. Alle drei Fälle sind Einschätzungen der Redaktion, keine Prognosen des Unternehmens.
Was bedeutet Herrenknecht für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für Verbraucher ist Herrenknecht unsichtbar, für die Region ein großer Arbeitgeber, für viele Zulieferer ein wichtiger Großkunde. Der deutsche Markt selbst ist klein: 2024 setzte der Konzern im Inland 66 Millionen Euro um, 5,1 Prozent des Umsatzes, beschäftigte hier aber 2.681 Menschen.
Die Tunnel entstehen im Ausland, entwickelt und gefertigt werden die Maschinen zu großen Teilen in Baden. Auch die 16,4-Meter-Maschine für den Lower Thames Crossing entsteht im Stammwerk. Der Tunnel wird in England gebaut, ein Teil der Wertschöpfung bleibt in Deutschland.
Für den Standort ist diese Exportlogik ein Vorteil, solange die Kosten in Schwanau konkurrenzfähig bleiben.
Wo Herrenknecht in Deutschland bohrt
Die Energiewende bringt Aufträge zurück ins Inland. Im Juli 2026 meldete Herrenknecht, die Maschine „Elsa“ habe für die Stromtrasse SuedLink auf 5,2 Kilometern die Elbe unterquert, im Auftrag des Netzbetreibers TenneT. Mit dem Netzausbau wächst der Markt für Kabeltunnel, durch die Höchstspannungsleitungen laufen.
Ein zweites Feld ist die Erdwärme. Im Juli 2026 genehmigte das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau den Betriebsplan für ein Tiefengeothermie-Projekt, das der Energieversorger Badenova und Herrenknecht nahe Freiburg gemeinsam umsetzen. Die Wärme soll einmal rund 20.000 Haushalte versorgen.
Am Stammsitz in Allmannsweier baut der Konzern seit Januar 2026 ein neues Forschungszentrum.
Für Zulieferer aus dem Mittelstand ist Herrenknecht ein großer Kunde mit klaren Regeln. Für jedes Beschaffungsteil sucht der Konzern mindestens zwei Lieferanten, Schlüsselkomponenten fertigt er selbst. Ein Stahlbauer oder Hydraulikspezialist teilt sich solche Aufträge deshalb mit mindestens einem zweiten Lieferanten, wächst aber mit dem Projektgeschäft mit.
Was andere Mittelständler lernen können
Das Geschäftsmodell enthält zwei übertragbare Ideen. Die erste sind hohe Anzahlungen im Großanlagenbau: Hersteller von Einzelstücken können sich die Fertigung zu einem großen Teil von Kunden vorfinanzieren lassen, Herrenknecht kam Ende 2024 auf eine Anzahlungsquote von 88,9 Prozent. Die zweite ist der Rückkauf als Teil des Angebots. Herrenknecht verkauft dem Kunden faktisch die Nutzung einer Maschine für ein Projekt und holt die Teile danach zurück. Für Hersteller teurer Spezialmaschinen kann das Modell den Verkauf erleichtern, bindet aber Kapital und verlangt ein eigenes Werk für die Aufbereitung.
Für Kommunen gilt die Lehre aus Schwanau. Ein Weltkonzern im Ort bringt Arbeitsplätze und Steuern, er verlangt aber Gehör im Rathaus. Ein Streit um Verkehrsberuhigung kann so schnell zur Standortfrage werden.
Drei Szenarien für die nächsten zwölf Monate
Optimistisch: Der Abschluss 2025 zeigt trotz geringeren Umsatzes einen stabilen Gewinn, neue Kabeltunnel und Erdwärmeprojekte füllen die Auftragsbücher. Realistisch: Der Umsatz pendelt um 1,2 Milliarden Euro, die Belegschaft in Schwanau bleibt stabil, der Wettbewerb mit China drückt auf die Preise. Pessimistisch: Weitere Projekte verschieben sich, der Konzern passt Kapazitäten an.
Unsere Einordnung: Herrenknecht ist ein Lehrstück dafür, wie ein Familienunternehmen ohne Börse und mit wenig Bankschulden zu einem der führenden Anbieter der Welt aufsteigen kann. Bei der Transparenz bleibt der Konzern unter seinem Rang. Marktanteile, Preise und für 2025 eine Gewinnzahl veröffentlicht Herrenknecht nicht. Für ein Unternehmen, das vom Vertrauen der Baukonzerne und Bauherren lebt, ist diese Zurückhaltung eine dünne Auskunft.
Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von Herrenknecht

Anzahlungsquote
Die Anzahlungsquote setzt die Anzahlungen der Kunden ins Verhältnis zu den halbfertigen Erzeugnissen in der Bilanz. Die Kennzahl zeigt, wie weit Kunden die laufende Fertigung vorfinanzieren. Bei Herrenknecht lag die Quote Ende 2024 bei 88,9 Prozent, ein Jahr zuvor bei 82,9 Prozent.
Auftragsbestand
Der Auftragsbestand umfasst alle bestellten, aber noch nicht abgerechneten Leistungen. Herrenknecht unterscheidet zwischen dem Bruttowert von 1,382 Milliarden Euro Ende 2024 und dem Nettowert von 892 Millionen Euro, bei dem bereits begonnene Maschinen abgezogen sind. Der Bestand gibt einen Hinweis auf den Umsatz der Folgejahre.
Avallinie
Eine Avallinie ist ein Kreditrahmen, aus dem eine Bank Bürgschaften und Garantien für ein Unternehmen stellt. Im Anlagenbau verlangen Kunden solche Garantien etwa für Anzahlungen und Gewährleistung. Herrenknecht kann bis Februar 2027 auf eine Avallinie über 400 Millionen Euro zurückgreifen.
Erddruckschild
Ein Erddruckschild ist eine Tunnelbohrmaschine, die den abgebauten Boden selbst als Stütze vor dem Schneidrad nutzt. Der Druck in der Abbaukammer hält die Ortsbrust stabil. Der Maschinentyp eignet sich für weiche, bindige Böden und ist im U-Bahn-Bau verbreitet, etwa bei den Projekten in Doha.
Ergebnis vor Steuern (EBT)
Das Ergebnis vor Steuern, abgekürzt EBT, zeigt den Gewinn eines Unternehmens nach Zinsen, aber vor Ertragsteuern. Herrenknecht steuert den Konzern nach Umsatz und EBT. 2024 erreichte das Ergebnis vor Steuern 89,4 Millionen Euro, für 2025 hat der Konzern noch keinen Wert veröffentlicht.
Exportquote
Die Exportquote gibt an, welcher Teil des Umsatzes im Ausland entsteht. Bei Herrenknecht lag die Quote 2024 bei 94,9 Prozent, nur 66 Millionen Euro Umsatz kamen aus Deutschland. Eine so hohe Quote macht ein Unternehmen abhängig von Wechselkursen und ausländischen Infrastrukturbudgets.
Gesamtleistung
Die Gesamtleistung addiert zum Umsatz die Veränderung der fertigen und halbfertigen Erzeugnisse sowie selbst erstellte Anlagen. Bei Unternehmen mit langen Fertigungszeiten zeigt die Kennzahl besser als der Umsatz, wie viel im Jahr produziert wurde. Herrenknecht kam 2024 auf 1,394 Milliarden Euro.
Hidden Champion
Ein Hidden Champion ist ein Unternehmen, das in einer engen Marktnische weltweit vorne mitspielt und trotzdem kaum öffentliche Bekanntheit hat. Geprägt hat den Ausdruck der Berater Hermann Simon. In Deutschland stehen dafür oft familiengeführte Mittelständler aus kleineren Orten, Herrenknecht aus Schwanau ist ein typisches Beispiel.
Lock-in
Als Lock-in bezeichnet man eine Bindung, die Kunden den Wechsel zu einem anderen Anbieter erschwert, etwa durch Verträge, Schnittstellen oder hohe Umstellungskosten. Im Tunnelbau entsteht diese Bindung weniger durch Verträge, weil jedes Projekt neu ausgeschrieben wird. Wichtiger sind Referenzen, Service auf der Baustelle und Rückkaufzusagen.
Mixschild
Ein Mixschild ist eine Tunnelbohrmaschine, die den Boden vor dem Schneidrad mit einer Stützflüssigkeit aus Wasser und Ton stabilisiert. Das Gemisch transportiert den gelösten Boden zugleich ab, eine Separationsanlage trennt ihn wieder heraus. Der Maschinentyp eignet sich für Flussquerungen und Böden mit viel Grundwasser.
Rückkaufverpflichtung
Eine Rückkaufverpflichtung ist die vertragliche Zusage eines Verkäufers, eine verkaufte Sache später zu einem vereinbarten Preis zurückzunehmen. Herrenknecht gibt solche Zusagen für Tunnelbohrmaschinen. Im Anhang der Herrenknecht AG standen Ende 2024 Rückkaufverpflichtungen über 227,9 Millionen Euro.
Schneidrad
Das Schneidrad sitzt an der Stirnseite einer Tunnelbohrmaschine und löst den Boden oder das Gestein. Bestückt ist das Rad je nach Untergrund mit Schneidrollen, Messern oder Schälmessern, die sich abnutzen und regelmäßig getauscht werden. Durchmesser und Bestückung legt der Hersteller für jedes Projekt eigens fest.
Tübbing
Ein Tübbing ist ein vorgefertigtes Betonsegment. Aus mehreren Tübbingen setzt die Tunnelbohrmaschine hinter sich einen Ring der Tunnelwand zusammen. Beim Kabeltunnel unter der Themse setzte die Maschine im besten Monat 712 solcher Ringe, die zusammen 926 Meter Tunnel ergaben.
Wiederaufbereitung
Bei der Wiederaufbereitung, im Maschinenbau auch Remanufacturing genannt, werden gebrauchte Komponenten so aufgearbeitet, dass sie in neuen Maschinen wieder eingesetzt werden können. Herrenknecht betreibt dafür in Kehl am Rhein ein Werk mit 100.000 Quadratmetern. Laut Lagebericht spart die Aufbereitung je Tonne im Schnitt 71,4 Prozent der Emissionen einer Neuanfertigung.
FAQ: Warum kauft Herrenknecht seine Tunnelbohrmaschinen zurück?

Wem gehört Herrenknecht?
Herrenknecht gehört einer Familienstiftung, in die Gründer Martin Herrenknecht sein Unternehmen eingebracht hat, wie das Magazin DIE STIFTUNG Anfang 2016 meldete. Name, Satzung und Anteile der Stiftung veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Ist Herrenknecht an der Börse?
Nein. Die Herrenknecht AG ist eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft. Jahresabschluss und Lagebericht stehen im Unternehmensregister, Quartalszahlen veröffentlicht der Konzern nicht.
Wer ist Chef von Herrenknecht?
Vorstandsvorsitzender ist Gründer Martin Herrenknecht, der im Sommer 2026 seinen 84. Geburtstag feierte. Zum Vorstand gehören außerdem Finanzvorstand Michael Sprang, Ulrich Schaffhauser und Martin-Devid Herrenknecht. Den Aufsichtsrat leitet Bertram Kandziora.
Wie viele Mitarbeiter hat Herrenknecht?
Zum Jahresende 2025 zählte Herrenknecht 5.432 Beschäftigte ohne Auszubildende, Leiharbeit eingerechnet, dazu 238 Auszubildende. Im Jahresschnitt 2024 zählte der Konzern 4.377 Beschäftigte ohne Leiharbeit, 2.178 davon am Stammsitz in Schwanau.
Wo hat Herrenknecht seinen Sitz?
Der Stammsitz liegt in Schwanau-Allmannsweier im Ortenaukreis in Baden-Württemberg. Weitere Werke betreibt der Konzern unter anderem in Kehl, in China, Indien und Thailand, insgesamt an zwölf Fertigungs- und Montagestandorten.
Welche bekannten Tunnel hat Herrenknecht gebohrt?
Herrenknecht-Maschinen fuhren große Teile des Gotthard-Basistunnels und des Brenner-Basistunnels auf. Hinzu kommen die vierte Röhre des Hamburger Elbtunnels, U-Bahnen in Doha und zuletzt ein Kabeltunnel unter der Themse, an dem der Durchbruch im September 2026 gelang.
Quellen
27 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 27.10.2026
- Herrenknecht AGJahresabschluss und zusammengefasster Lagebericht 2024 (Konzern und AG), hinterlegt im Lobbyregister des Deutschen Bundestags
- Herrenknecht AGZusammengefasster Lagebericht und Jahresabschluss 2023, Testatsexemplar, hinterlegt im Lobbyregister des Deutschen Bundestags
- Herrenknecht AGKonzernseite Group mit Eckzahlen 2025
- Herrenknecht AGPressemitteilung: Tunnelvortrieb unter der Themse deutlich vor Zeitplan beendet, 08.10.2026
- BaublattTunnelvortrieb unter der Themse vorzeitig geschafft, 12.10.2026
- Herrenknecht AGPressemitteilung: 50 Jahre Hightech in Action, 06.07.2026
- Herrenknecht AGUnternehmen, Firmenchronik
- DIE STIFTUNGHerrenknecht AG in Familienstiftung überführt, 02.02.2016
- Wirtschaft im Südwesten, Magazin der IHKs im SüdwestenDevid gegen Goliath, 02.12.2024
- The Tunnelling JournalHerrenknecht to supply record-breaking TBM for Lower Thames Crossing, 14.07.2026
- Herrenknecht AGPressemitteilung: German Foreign Minister Dr. Johann Wadephul visited Herrenknecht Factory in Nansha, 09.12.2025
- People’s Daily Online, veröffentlicht von Hebei EnglishChina’s tunneling equipment enjoys worldwide popularity, 03.05.2024
- Stuttgarter Zeitung (dpa/lsw)Tunnelbohrmaschinen-Hersteller Herrenknecht: SPD habe ihren Kompass verloren, 29.05.2026
- Staatsanzeiger Baden-WürttembergStreit um Blumenkübel: Unternehmer droht mit Verlagerung, 24.06.2026
- Badische ZeitungUnternehmer Martin Herrenknecht zum Standort in Schwanau: Den behalten wir, 14.07.2026
- Deutscher Bundestag, LobbyregisterRegistereintrag R007310 Herrenknecht AG
- Pforzheimer Zeitung (dpa)Herrenknecht liefert Bohrmaschine für Bahnstrecke Lyon-Turin, 29.02.2024
- Technik-EinkaufDie größten Tunnelbohrmaschinen der Welt
- Herrenknecht AGProjektbericht Gotthard-Basistunnel, Hauptdurchschlag Oströhre, 15.10.2010
- Herrenknecht AGPressemitteilung: 83.4 kilometers through alpine rock, 17.11.2025
- Herrenknecht AGPressemitteilung: Tunnelbohrmaschine beendet Unterquerung der Elbe, 08.07.2026
- Herrenknecht AGPressemitteilung: Badenova und Herrenknecht bündeln ihre Kräfte für regionale Erdwärme, 27.07.2026
- Schwarzwälder BoteÄrger um gesperrte Bahnbrücke: So will Martin Herrenknecht den Verkehr in Lahr wieder rollen lassen, 07.08.2026
- Schwarzwälder BoteSpatenstich in Schwanau: Baustart für das neue Forschungszentrum von Herrenknecht, 09.01.2026
- Schwarzwälder BoteParteitag: Herrenknecht wirft AfD aus seinem Hotel, 2020
- HandelsblattTunnelbauer Martin Herrenknecht: Die Sanktionen gegen Russland müssen weg, 2016
- Kontext WochenzeitungDie Schwarzwald-Connection, 09.03.2022
