Artikel teilen

Auf 77 mal 20,6 Metern Grundfläche soll im Wanzl-Werk Kirchheim im Unterallgäu ein mehr als 25 Meter hohes Hochregallager entstehen. Am Stammsitz Leipheim schließt der Einkaufswagenhersteller bis 2030 zwei von drei Werken. Kirchheim gewinnt damit an Gewicht, obwohl auch dort 130 Stellen wegfallen.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen

„Kirchheim ist und bleibt ein zentraler Produktionsstandort von Wanzl“, sagt Wanzl-Chef Peter Allaart. Der Kirchheimer Marktrat hat dem Hochregallager bereits zugestimmt und erlaubt, eine Halle zu versetzen.[1] Einen Baubeginn nennt Wanzl bisher nicht.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Mehr als 15 Millionen Euro fließen in den kommenden zwei Jahren in das Werk Kirchheim.
  • Kern ist ein automatisiertes Palettenlager in einem Hochregallager mit 77 mal 20,6 Metern Grundfläche.
  • In Leipheim schließen die Werke 1 und 2 bis 2030, die Fertigung zieht in Werk 4 um.
  • Bis 2030 fallen an beiden Standorten 650 Stellen weg, 130 davon in Kirchheim.

Was baut Wanzl in Kirchheim?

Grünes Regal mit Einkaufswagen und Kirchheim-Schild vor weißem Hintergrund
Wanzl verlegt Leichtbauhalle nach Norden und errichtet Hochregallager mit automatisierter Palettenanlage zur effizienteren Kommissionierung und Materialflusssteuerung

Auf dem Gelände im Süden des Werks steht heute eine Leichtbauhalle von rund 34 mal 10 Metern. Wanzl versetzt die Halle nach Norden und baut an ihrer Stelle das Hochregallager. Darin soll eine automatisierte Palettenanlage die Kommissionierung und den Materialfluss im Werk steuern. „Wir können dadurch künftige Mengen stabiler und effizienter abwickeln“, sagt Allaart.[1]

In Werk 3 stanzt, biegt, schweißt, galvanisiert und beschichtet Wanzl Bauteile, die dort auch montiert werden: in Serie, in Kleinserien oder als Muster für Kunden. Der Zweite Bürgermeister Georg Baur lobte die Investition im Marktrat als „sehr, sehr positiv“.[1]

Warum wächst Kirchheim, während Leipheim schrumpft?

Im Dezember 2025 kündigte Wanzl an, Fertigung samt Montage der vier Werke in Leipheim und Kirchheim auf zwei Werke zu konzentrieren. Als Gründe nannte das Unternehmen hohe Standortkosten in Deutschland und eine über Jahrzehnte gewachsene Struktur, die keine modernen Logistikprozesse und keine Automatisierung zulasse. Zugleich baut Wanzl den Standort im tschechischen Hněvotín zum vollständigen Produktionswerk aus. Bis 2030 plant Wanzl in Deutschland Investitionen im mittleren zweistelligen Millionenbereich, wie sich das Geld auf die Standorte verteilt, sagte das Unternehmen damals nicht.[2]

Nach der Einigung vom Mai 2026 fallen bis 2030 statt der zunächst genannten 900 Stellen noch 650 weg, 520 in Leipheim und 130 in Kirchheim. Von heute rund 2.150 Arbeitsplätzen an beiden Standorten sollen mindestens 1.500 bleiben. Den Abbau will Wanzl über Fluktuation und Renteneintritte erreichen, befristete Verträge laufen aus.[3] Für Kirchheim meldet Wanzl in den vergangenen Monaten trotzdem eine wachsende Belegschaft.[1]

Wanzl baut in Kirchheim aus und in Leipheim ab
Was Wanzl an den beiden schwäbischen Standorten investiert und abbaut
über 15 Mio. €
investiert Wanzl in den kommenden zwei Jahren in das Werk Kirchheim
über 25 m
hoch wird der Lagerneubau auf 77 mal 20,6 Metern Grundfläche
650 Stellen
fallen bis 2030 weg: 520 in Leipheim, 130 in Kirchheim
mind. 1.500 von 2.150
Arbeitsplätzen an beiden Standorten sollen bleiben
Zeitplan des Umbaus
Dezember 2025
Wanzl will vier Werke auf zwei konzentrieren und nennt rund 900 betroffene Stellen
Mai 2026
Nach der Einigung sollen 650 Stellen über Fluktuation und Renteneintritte wegfallen
Oktober 2026
Der Kirchheimer Marktrat stimmt dem Hochregallager zu, die Stadt Leipheim genehmigt den Umbau von Werk 4
April bis Juni 2027
Werk 4 in Leipheim stellt zwei Beschichtungslinien auf Zink um
August 2027
Eine neue Tauchlackieranlage in Werk 4 soll in Betrieb gehen
bis 2030
Die Werke 1 und 2 in Leipheim schließen, die Fertigung zieht in Werk 4 um

Was bedeutet der Umbau für die Region?

Mit dem Hochregallager bekommt Kirchheim die automatisierte Logistik, die in den alten Leipheimer Hallen nicht unterzubringen ist. In Leipheim bündelt Wanzl die Fertigung der Einkaufswagen im verbleibenden Werk 4. Dort stellt das Unternehmen von April bis Juni 2027 zwei Beschichtungslinien von Nickel-Chrom auf Zink um.[4]

Mit einem automatisierten Lager ist Wanzl im Mittelstand nicht allein: Wicke automatisiert sein Lager in Sprockhövel für 50 Millionen Euro, Bauerfeind baut in Zeulenroda-Triebes ein Shuttle-Lager für mehr als 45.000 Behälter. Für Bestandshallen bieten Hersteller wie Jungheinrich inzwischen Paletten-Shuttles zum Nachrüsten an. Wanzl investiert nicht als einziges Unternehmen im Unterallgäu: Helsing steckt 18 Millionen Euro in den Standort Mattsies.

Bieten Sie in Schwaben Fördertechnik oder Stahlbau an, lohnt sich jetzt die Frage nach den Ausschreibungen für Kirchheim. Arbeitgeber aus der Region, die um Fachkräfte werben, finden bis 2030 unter den Leipheimer Beschäftigten wechselwillige Kandidaten.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Augsburger Allgemeine (Mindelheimer Zeitung)Wanzl investiert über 15 Millionen Euro: Standort in Kirchheim wächst und wird moderner (24.10.2026, aktualisiert)27.10.2026
  2. WanzlWanzl plant strategische Neuaufstellung16.12.2025
  3. Radio AugsburgWanzl Stellenabbau: 650 Jobs in Leipheim und Kirchheim fallen weg15.05.2026
  4. Augsburger Allgemeine (Günzburger Zeitung)Neue Pläne: So baut die Firma Wanzl das verbleibende Werk 4 in Leipheim um21.10.2026

Mehr Newshunger?

4,1 10 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?