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Mercedes-Benz traut sich im Pkw-Geschäft für 2026 nur noch zwei bis drei Prozent bereinigte Umsatzrendite zu, angepeilt waren drei bis fünf Prozent. Als Gründe nennt der Stuttgarter Konzern den schwierigen chinesischen Markt und höhere Materialkosten im vierten Quartal. Ausgerechnet das dritte Quartal fiel beim Ergebnis besser aus als von Analysten erwartet.

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Um 9:58 Uhr am Dienstag veröffentlichte Mercedes-Benz die Ad-hoc-Mitteilung, einen Tag vor dem regulären Quartalsbericht.[1] Die Aktie verlor bis zum späten Vormittag zeitweise mehr als 4 %. Anleger erhielten am selben Morgen bessere Quartalszahlen und einen schlechteren Ausblick.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Mercedes-Benz senkt die erwartete bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte für 2026 auf 2 bis 3 %.[1]
  • Das Konzern-EBIT soll nur noch das Vorjahresniveau erreichen, der Free Cashflow des Industriegeschäfts deutlich darunter liegen.
  • Im dritten Quartal lag das Konzern-EBIT mit 1,77 Mrd. € über den Erwartungen der Analysten, der Free Cashflow mit 172 Mio. € weit darunter.

Was ändert Mercedes-Benz an der Prognose?

Silbernes Spielzeugauto auf Waage mit „Abbezahlt“-Schild, Display zeigt „2-3%“
Volkswagen senkt Gewinnziele für Pkw-Sparte, behält Transporter- und Finanzdienste-Ziele. Konzern-EBIT auf Vorjahresniveau erwartet, Free Cashflow deutlich schwächer

Die Senkung trifft die Pkw-Sparte am härtesten. Transporter und Finanzdienste behalten ihre Ziele von 8 bis 10 beziehungsweise 12 bis 14 %. Für den Konzern erwartet der Vorstand beim EBIT nun das Niveau des Vorjahres, bisher stand ein deutlicher Anstieg im Ausblick.[1] Der Free Cashflow des Industriegeschäfts soll deutlich unter dem Vorjahr landen, statt leicht darunter.

Der Vergleichswert von 2025 ist niedrig: Damals sank das Konzern-EBIT um 57 % auf 5,8 Mrd. €, unter anderem belastet von Abfindungen aus dem Sparprogramm.[2] Den angekündigten Anstieg für 2026 begründete Mercedes im Februar vor allem mit dem Wegfall dieser Einmalkosten. Bleibt das Ergebnis trotzdem auf Vorjahreshöhe, hat das laufende Geschäft ungefähr so viel Ertrag verloren, wie der Wegfall der Abfindungen einbringt.

Den Weg über die Ad-hoc-Mitteilung schreibt Artikel 17 der Marktmissbrauchsverordnung vor: Eine kursrelevante Prognoseänderung muss sofort an die Öffentlichkeit, auch einen Tag vor dem Quartalsbericht. Für einen Ausblick, den Volkswagen 2023 nur per Pressemitteilung verbreitete, setzte die BaFin ein Bußgeld von 1,2 Mio. € fest.

Warum trifft China Mercedes so hart?

Mercedes setzte 2025 in China 551.900 Pkw ab, knapp ein Drittel seines weltweiten Absatzes von 1,8 Mio. Autos.[2] Im dritten Quartal 2026 verkaufte der Konzern dort 31 % weniger als ein Jahr zuvor; Nio überholte Mercedes, BMW und Audi erstmals beim Quartalsabsatz. Fehlt in einem Markt dieses Gewichts fast ein Drittel der Stückzahl, verteilen sich Entwicklungs- und Fabrikkosten auf weniger Autos. Die Marge schrumpft dann schneller als der Umsatz.

Volkswagen kappte im September die Renditeprognose auf höchstens 1 %, auch wegen des schwachen China-Geschäfts. Schaeffler schrieb 240 Mio. € auf Anlagen ab, weil europäische Autobauer in China weniger Stückzahlen abrufen als geplant.

Mercedes-Benz senkt den Ausblick für 2026
Vorläufige Zahlen zum dritten Quartal und geänderte Jahresprognose, Stand 27. Oktober 2026
2–3 %
bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte 2026, bisher 3 bis 5 %
1,77 Mrd. €
Konzern-EBIT im dritten Quartal, Analysten erwarteten 1,6 Mrd. €
172 Mio. €
Free Cashflow des Industriegeschäfts im dritten Quartal, erwartet waren 422 Mio. €
−31 %
Pkw-Absatz von Mercedes in China im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr

Was sich an der Jahresprognose ändert

Pkw-Rendite
2 bis 3 % statt 3 bis 5 %
Konzern-EBIT
auf Vorjahresniveau statt deutlich darüber
Free Cashflow
Industriegeschäft deutlich unter Vorjahr statt leicht darunter
Transporter
unverändert 8 bis 10 % bereinigte Umsatzrendite
Finanzdienste
unverändert 12 bis 14 % bereinigte Eigenkapitalrendite

Mercedes verdiente im dritten Quartal an 100 Euro Pkw-Umsatz 2,50 Euro, mit Transportern fast das Vierfache.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was folgt daraus für Zulieferer?

Sinkt die Marge beim Hersteller, wächst der Preisdruck auf die Lieferkette. Mercedes bietet in Untertürkheim und Berlin Abfindungen von bis zu 330.000 €. Mit Aios aus Überherrn ist ein Mercedes-Zulieferer insolvent. Für Ihre Planung ergeben sich zwei Schritte:

  • Planen Sie Mengen für 2027 nach den aktuellen Abrufen Ihrer Autokunden, nicht nach den Rahmenverträgen.
  • Prüfen Sie Zahlungsziele und Kreditlimits bei Kunden aus der Autoindustrie, bevor neue Aufträge anlaufen.

Die vollständigen Zahlen zum dritten Quartal legt Mercedes-Benz am Mittwoch, 28. Oktober, vor.[1]

Quellen

2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Mercedes-Benz Group AGMercedes-Benz Group AG passt den Ausblick für das Gesamtjahr 2026 basierend auf im vierten Quartal erwarteten Effekten an (Ad-hoc-Mitteilung nach Art. 17 MAR, 27. Oktober 2026, 9:58 Uhr)
  2. Mercedes-Benz Group AGGeschäftsbericht 2025

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