Ola Källenius, Chef von Mercedes-Benz und Präsident des Herstellerverbands ACEA, hält die geplanten Made-in-Europe-Regeln der EU für einen Kostentreiber. Ein modernes Auto bestehe aus Tausenden Teilen aus aller Herren Länder, sagte der Schwede auf der Konferenz Berlin Global Dialogue. Wenige Tage zuvor hatten Berlin und Paris strengere Herkunftsregeln für geförderte Elektroautos vereinbart.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Man gewinnt an Widerstandsfähigkeit, das ist gut, aber man treibt auch die Kosten in die Höhe. Es ist ein Balanceakt“, sagte Källenius laut Bloomberg.[1] Europa dürfe keine Insel werden, die den Handel mit den USA, China, Japan, Südkorea und Indien einstellt.
Das Wichtigste in Kürze
- Källenius warnt als ACEA-Präsident, strengere Herkunftsregeln machten die Autoproduktion teurer.
- Deutschland und Frankreich wollen Förderung ab 2028 an Montage in Europa und 70 % europäische Wertschöpfung ohne Batterie binden.
- Berlin übernimmt dabei die französische Linie, nach der weniger Partnerländer als europäisch gelten.
Was planen Berlin und Paris für Elektroautos?

Am Rand des EU-Gipfels in Brüssel verständigten sich Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron am 15. Oktober auf einen Entwurf, den EUobserver eingesehen hat.[2] Als europäisch gilt danach ab 2028 nur ein Elektroauto, das in Europa montiert wird und dessen Bauteile ohne Batterie zu mindestens 70 % aus europäischer Wertschöpfung stammen. Nur solche Autos bekämen beim Kauf oder Leasing noch öffentliches Geld. Auch Behörden dürften nur noch diese Modelle beschaffen.
Die Autoregeln sollen ein eigenes Gesetz werden, getrennt vom geplanten EU-Industriegesetz, dem Industrial Accelerator Act, aber gleichzeitig verabschiedet. Mit dem Entwurf halten Berlin und Paris ein Tauschgeschäft fest, über das Handelsblatt und FAZ Anfang Oktober berichtet hatten: Frankreich akzeptiert lockerere CO2-Ziele für Neuwagen im Jahr 2035, Deutschland im Gegenzug die strengere Herkunftsregel.
Warum treiben Herkunftsregeln die Kosten?
Im Gesetzentwurf der Kommission vom 4. März gelten bei Förderprogrammen auch Länder mit einem EU-Freihandelsabkommen als europäischer Ursprung, darunter Südkorea und Großbritannien. Nach Angaben des Wissenschaftlichen Dienstes im EU-Parlament rechnet die Kommission mit etwa 20 solchen Staaten.[3] Teile aus diesen Ländern zählen dann zur europäischen Quote. Frankreich will den Kreis enger ziehen, Berlin hat diese Linie im Oktober übernommen.
Zählt ein Lieferland nicht mehr als europäisch und rutscht ein Modell dadurch unter 70 %, muss der Hersteller die Teile aus diesem Land ersetzen oder auf die Förderung verzichten. Für Batteriezellen enthält schon der Kommissionsentwurf eigene Herkunftsvorgaben. Für diese Zellen liegt der Aufpreis bereits auf dem Tisch: Zellen aus EU-Werken kosten laut einer Studie im Auftrag der ACEA 24 bis 33 % mehr als Importe. Die Umweltorganisation Transport & Environment rechnet für 2030 mit rund 500 Euro Mehrkosten je Elektroauto durch EU-Zellen.
Die Lockerung beim CO2-Ziel hilft Mercedes, die strengere Herkunftsregel verteuert dagegen den Einkauf. Britische Hersteller fürchten nach Angaben ihres Verbands SMMT um ihren größten Exportmarkt, weil geförderte Autos in der EU montiert sein sollen. Källenius warnte, Europa dürfe angesichts der Rückkehr des Protektionismus nicht naiv sein.[1]
Berlin hat lockerere CO2-Ziele gegen strengere Herkunftsregeln getauscht. Für Zulieferer wird der Ursprungsnachweis damit zum Verkaufsargument.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
EU-Industriegesetz
- Partner mit EU-Freihandelsabkommen zählen bei Förderprogrammen als europäischer Ursprung
- regelt neben Autos auch Stahl, Zement, Aluminium und Batterien
Eigene Regeln für Elektroautos
- Montage in Europa ab 2028
- Berlin übernimmt die französische Linie, nach der weniger Länder als europäisch gelten
- im Gegenzug lockerere CO2-Ziele für Neuwagen
Wann entscheidet die EU, und was sollten Zulieferer prüfen?
Die irische Ratspräsidentschaft arbeitet am dritten Kompromisstext für das Industriegesetz und hofft auf eine Einigung bis Mitte November.[2] Die übrigen Mitgliedstaaten müssen der deutsch-französischen Linie noch zustimmen. Für eine qualifizierte Mehrheit im Rat sind 15 Staaten nötig, die zusammen 65 % der EU-Bevölkerung vertreten.
- Zulieferer sollten den Ursprung jedes Bauteils schon jetzt dokumentieren und beziffern, welcher Anteil aus Freihandelspartnern wie Japan, Südkorea oder Großbritannien stammt. Die Autohersteller müssten die 70-Prozent-Schwelle für geförderte Modelle ab 2028 belegen.
- Fuhrparkverantwortliche, die ab 2028 mit staatlicher Förderung leasen wollen, sollten sich vom Händler schriftlich bestätigen lassen, dass das Modell die Herkunftsregel erfüllt.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- BloombergBericht über die Äußerungen von Ola Källenius beim Berlin Global Dialogue (21. Oktober 2026, hinter Bezahlschranke)
- EUobserverGermany and France want own Made in Europe rules for cars outside EU industry law
- Europäisches Parlament, Wissenschaftlicher DienstInternational dimension of the proposed Industrial Accelerator Act
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