Chinas Handelsministerium droht Großbritannien mit Gegenmaßnahmen, falls London die EU-Zölle auf Elektroautos aus China übernimmt. Auslöser ist eine Äußerung des britischen Staatsministers für Handel, Anas Sarwar. Für die britischen Autowerke hängt an der Entscheidung der Zugang zu ihrem wichtigsten Exportmarkt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Dreimal überlegen, dann handeln“ und nicht „nach der Pfeife der EU tanzen“: So mahnte ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums am Montagabend die Regierung in London.[1] Sollte Großbritannien Elektroautos aus China beschränken, werde Peking entschlossen Gegenmaßnahmen ergreifen.
Das Wichtigste in Kürze
- Staatsminister Anas Sarwar spricht laut Politico weiter mit der EU über Zölle.
- Großbritannien erhebt bislang 10 Prozent Zoll auf E-Autos aus China, die EU bis zu 45,3 Prozent.
- Laut Financial Times knüpft Brüssel den Vorrang für Autos aus europäischer Fertigung an eine engere Abstimmung mit London.
Was plant London?

Großbritannien und die EU müssten im Gleichschritt handeln, um Chinas Vormacht in der Autoindustrie zu begegnen, sagte Sarwar am 15. Oktober dem Magazin Politico. Zollsätze und Termine nannte der Minister nicht.
Laut einem Bericht der Times vom 4. Oktober stellt Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds bereits ein Zollpaket zusammen. Gegenüber Reuters erklärte die Regierung am selben Tag, bislang gelte kein Sonderzoll auf Elektroautos aus China.
Warum drängt Brüssel auf gleiche Zölle?
Das geplante EU-Industriegesetz, der Industrial Accelerator Act, bindet öffentliche Aufträge und Förderung für Elektroautos an eine Endmontage in der EU. In der Fassung des Entwurfs wären britische Autos auf ihrem größten Markt nicht mehr wettbewerbsfähig, warnt der Branchenverband SMMT.[2] Im August gingen 54,1 Prozent der britischen Autoexporte in die EU.
Laut Financial Times verlangt Brüssel höhere Zölle, weil die EU fürchtet, Großbritannien könne zum Einfallstor für chinesische Autos werden.
Wie hat Peking bisher reagiert?
Drei Monate nach dem Start der EU-Untersuchung zu Elektroautos leitete Peking im Januar 2024 ein Antidumpingverfahren gegen Weinbrand aus der EU ein. Seit Juli 2025 gelten Zölle von 27,7 bis 34,9 Prozent, Cognac-Häuser mit Mindestpreiszusage bleiben verschont.
Im Streit um die Elektroautos selbst spricht Peking von einer „sanften Landung“: Seit Brüssels Leitlinien vom Januar können Hersteller Mindestpreise anbieten, statt den Ausgleichszoll zu zahlen.[4]
Der chinesische Markt zählt für britische Werke weniger als der europäische: 2025 gingen 6,3 Prozent ihrer Autoexporte nach China.[3]
Peking kann London mit Gegenzöllen drohen, Brüssel mit dem Ausschluss vom größten Absatzmarkt. Die zweite Drohung wiegt schwerer.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Streit für deutsche Hersteller?
Chinesische Gegenmaßnahmen gegen britische Autos träfen auch deutsche Konzerne: BMW baut in Oxford den Mini und in Goodwood Rolls-Royce, Volkswagen lässt in Crewe den Bentley fertigen.
Ab 1. Januar 2027 verschärfen sich zudem die Ursprungsregeln zwischen EU und Großbritannien. Ohne Einigung fallen auf die meisten Elektroautos und Plug-in-Hybride Zölle an. Die SMMT rechnet mit Kosten von mindestens 1,6 Milliarden Euro (EZB-Kurs vom 19. Oktober).[2] An der britischen Fertigung hängen laut Verband 250.000 Stellen in der EU-Lieferkette.
Zulieferer mit britischen Kunden sollten ihre Ursprungsnachweise für 2027 prüfen und Lieferverträge auf Zollklauseln durchsehen.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Handelsministerium der Volksrepublik China商务部新闻发言人就英方称将共同应对中国汽车产业占主导地位事答记者问 (Sprechererklärung vom 19. Oktober 2026, Chinesisch)
- SMMTVehicle manufacturing grows alongside £1bn investment boost but EU trade threats loom
- SMMTTough year for Auto but new models and Industrial Strategy can deliver growth
- Handelsministerium der Volksrepublik China商务部新闻发言人就中欧混动汽车、电动汽车磋商共识答记者问 (Sprechererklärung vom 12. Oktober 2026, Chinesisch)
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