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Vier Gründer des chinesischen KI-Konzerns Zhipu arbeiteten von 2018 bis 2021 an einem Forschungsprojekt, das ein chinesisches Institut mitbezahlte, wie Bloomberg am 19. Oktober berichtete. Der britische Inlandsgeheimdienst MI5 ordnet dieses China General Technology Research Institute (CGTRI) dem chinesischen Ministerium für Staatssicherheit zu.

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Auf 78 Seiten hielt die dreiköpfige Projektleitung ihre Ergebnisse fest. Li Juanzi stammt laut Bloomberg aus Zhipus Gründungsteam. Die Nachrichtenagentur wertete den unveröffentlichten Bericht aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Bloomberg gehörte Li Juanzi zur Projektleitung, Tang Jie, Xu Bin und Konzernchef Zhang Peng wirkten mit.
  • Mitfinanzierer war das CGTRI, das nach Einschätzung von MI5 Forschung für Chinas Geheimdienst bezahlt.
  • Ob die Gründer davon wussten, ist laut Bloomberg unklar; Zhipu beantwortete eine Anfrage nicht.

Was sollte das Projekt leisten?

Briefumschlag mit Aufkleber „Absender unbekannt“ und Lupe mit Fragezeichen darauf
Forscher entwickelten KI-Werkzeuge zur Analyse sozialer Medien, Ereigniserkennung und Netzwerk-Kartierung. Eine Wissensdatenbank zu „Schlüsselpersonen mit China-Bezug“ war geplant. Budget: 2,94 Millionen Yuan (392.000 Euro)

Laut Projektbericht sollten die Forscher KI-Werkzeuge entwickeln, die Beiträge in sozialen Netzwerken auswerten, Ereignisse erkennen und Beziehungen zwischen Personen abbilden. Geplant war eine Wissensdatenbank zu „Schlüsselpersonen mit China-Bezug“, welche Personen gemeint sind, bleibt offen. Das Budget lag bei 2,94 Millionen Yuan, rund 392.000 Euro (EZB-Kurs vom 19. Oktober: 1 Euro = 7,4991 Yuan). Neben dem CGTRI zahlte die Nationale Naturwissenschaftliche Stiftung Chinas (NSFC) mit.

James Mulvenon von der US-Sicherheitsberatung Pamir Consulting las den Bericht für Bloomberg und stuft die Arbeit als Dual-Use-Forschung ein, also zivil wie militärisch nutzbar. Nach seiner Einschätzung sollte das Projekt die KI-gestützte Erkennung und Verfolgung bestimmter Personen voranbringen.

Warum ist der Geldgeber heikel?

MI5 schreibt in seiner Warnung, das CGTRI habe sehr enge Verbindungen zum Ministerium für Staatssicherheit und bezahle Forschung, die dessen technische Fähigkeiten für Spionage verbessere.[1] Mehr als 100 Wissenschaftler mit Bezug zu Großbritannien arbeiteten laut MI5 an solchen Projekten mit, manche ohne zu wissen, wer zahlte.

Seit der Warnung können sich britische Forschende kaum noch auf Unwissen berufen: Der National Security Act von 2023 bestraft Hilfe für einen fremden Nachrichtendienst auch dann, wenn jemand hätte erkennen müssen, dass er einem fremden Nachrichtendienst hilft.[1] Zhipu kommt in der Warnung nicht vor, die chinesische Botschaft in London nennt die Vorwürfe laut Bloomberg haltlos. Die USA setzten Zhipu schon im Januar 2025 auf die Entity List, die Exportsperrliste des US-Handelsministeriums, weil das Unternehmen mit KI-Forschung die Modernisierung des chinesischen Militärs voranbringe.[2] Zhipu wies den Vorwurf laut Bloomberg als unbegründet zurück.

Ein Forschungsbericht belegt noch keine Spionage. Der Fall zeigt, wie gut sich ein Geldgeber hinter staatlicher Förderung verstecken kann.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Das Forschungsprojekt in Zahlen
4 Jahre
Laufzeit von Januar 2018 bis Dezember 2021
392.000 €
genehmigtes Budget, umgerechnet aus 2,94 Millionen Yuan
4 Gründer
von Zhipu tauchen im Projektbericht auf
28,5 Mrd. €
Börsenwert von Zhipu in Hongkong

Was heißt das für Hochschulen und Firmen in Europa?

Der Rat der EU empfiehlt seit Mai 2024, die Finanzierungsquellen und die institutionelle Anbindung von Forschenden offenzulegen.[3] Die Empfehlung ist rechtlich nicht bindend. Für Kooperationen mit chinesischen Partnern heißt das: erfragen und schriftlich festhalten, wer ein Projekt letztlich bezahlt, wie MI5 den britischen Hochschulen rät.

Unternehmen, die Zhipus Modelle über Amazon Bedrock nutzen, betrifft der Bericht nicht direkt, denn Bloomberg beschreibt Forschung aus den Jahren 2018 bis 2021. In jedes Verzeichnis der eingesetzten KI-Modelle gehören trotzdem Herkunft und Ort der Datenverarbeitung. Zwei jüngere Fälle zeigen den Grund: Zhipus Coding-Werkzeug ZCode lud im September ungefragt die komplette Git-Historie in die Cloud; zivile US-Bundesbehörden müssen DeepSeek-Produkte inzwischen entfernen. Modelle mit frei herunterladbaren Gewichten wie GLM-5.3-Flash laufen auch auf eigenen Servern, dann gelangen keine Eingaben zu Zhipu.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. MI5 (Security Service)Security Service Espionage Alert: China General Technology Research Institute (CGTRI)30.09.2026
  2. U.S. Department of Commerce, Bureau of Industry and Security, Federal RegisterAddition of Entities to and Revision of Entry on the Entity List (Dokument 2025-00704)16.01.2025
  3. Rat der Europäischen UnionEmpfehlung des Rates vom 23. Mai 2024 zur Stärkung der Forschungssicherheit (C/2024/3510, Amtsblatt vom 30. Mai 2024)

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