Zivile US-Bundesbehörden dürfen keine Produkte von DeepSeek mehr kaufen und müssen vorhandene entfernen, auch Software anderer Anbieter auf Basis von DeepSeek-Modellen. Das US-Heimatschutzministerium (DHS) hat die Anordnung am 20. Oktober im Federal Register veröffentlicht, unterschrieben war sie schon am 24. Juli.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenHeimatschutzminister Markwayne Mullin unterzeichnete die Anordnung mit der Nummer 2026-01 im Sommer, bekannt wurde sie 88 Tage später.[1] Die Sperre reicht über DeepSeeks eigene App hinaus bis zu Produkten, die andere Firmen mit DeepSeek-Modellen bauen.
Das Wichtigste in Kürze
- Zivile US-Bundesbehörden dürfen DeepSeek-Produkte nicht mehr beschaffen und müssen vorhandene sofort entfernen.
- Die Pflicht gilt auch für Produkte und Dienste Dritter, die auf DeepSeek-Modellen aufbauen, unabhängig vom Serverstandort.
- Verteidigungsministerium und Geheimdienste fallen nicht unter die Anordnung.
- In Deutschland lehnten Apple und Google 2025 eine Sperre der DeepSeek-App ab, die Berlins Datenschutzbeauftragte beantragt hatte.
Was verlangt die Anordnung von den Behörden?

Rechtsgrundlage ist der Federal Acquisition Supply Chain Security Act von 2018, ein Gesetz zur Sicherheit der Lieferkette bei Bundesbeschaffungen. Auf Empfehlung eines Regierungsgremiums für Beschaffungssicherheit streicht das DHS DeepSeek, verbundene Unternehmen und deren Produkte aus allen Beschaffungswegen der zivilen Behörden. Vorhandene Produkte müssen aus den IT-Systemen verschwinden.[1]
Als Risiken nennt die Anordnung Server in China, auf die chinesische Behörden nach dortigem Recht weitreichend zugreifen dürfen, sowie die Erfassung personenbezogener Daten bei der Registrierung. Laut Anordnung können auch die Modelle selbst Schadcode oder Schwachstellen enthalten. Ausnahmen mussten Behörden binnen 60 Tagen nach Erlass schriftlich bei der Cybersicherheitsbehörde CISA beantragen.[1]
Warum trifft die Sperre auch fremde Software?
Der entscheidende Satz steht im Geltungsbereich: Entfernt werden müssen auch Produkte Dritter, die auf Grundlage von DeepSeek-Modellen entwickelt wurden.[1] Der Standort des Rechenzentrums spielt damit keine Rolle. Ein Fachverfahren mit einem nachtrainierten DeepSeek-Modell auf US-Servern fällt nach dem Wortlaut ebenso darunter wie die App. Welche Produkte gemeint sind, listet das DHS nicht auf. Chinesische Modelle stecken längst auch in westlichen Diensten: Firmenkunden von OpenAI nutzen etwa Kimi K3 direkt im Coding-Agenten Codex.
Das Muster ist bekannt. 2017 verpflichtete das DHS die Bundesbehörden, Kaspersky-Software zu entfernen, 2024 folgte ein Verkaufsverbot in den gesamten USA.[2] Seit dem 13. Oktober verweigert die Telekomaufsicht FCC Funkgeräten mit Chips von Huawei und ZTE die Zulassung, auch wenn ein anderer Hersteller sie baut. Im August hatte das Weiße Haus chinesische Modelle mit frei herunterladbaren Gewichten noch von seiner neuen Sicherheitsprüfung ausgenommen.
Washington sperrt für seine Behörden jedes Produkt, in dem DeepSeek steckt. Ohne Verzeichnis seiner KI-Modelle kann kein Zulieferer das prüfen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Anbieter in Deutschland?
Ein vergleichbares Beschaffungsverbot fehlt in der EU. Die Berliner Datenschutzbeauftragte meldete die DeepSeek-App 2025 nach dem Digital Services Act bei Apple und Google als rechtswidrigen Inhalt, weil der Dienst nach ihrer Auffassung Nutzerdaten ohne ausreichende Garantien nach China übermittelt. Beide Konzerne lehnten eine Sperre ab, die Behörde kündigte eine Beschwerde an.[3]
Softwarehäuser mit Kunden in US-Bundesbehörden brauchen eine vollständige Übersicht, welches KI-Modell in welchem Produkt zum Einsatz kommt, eingebundene Dienste von Drittanbietern eingeschlossen. Ein selbst betriebenes DeepSeek-Modell sendet von sich aus keine Daten nach China, für die US-Anordnung ändert das nichts. Firmen ohne US-Behördengeschäft sollten die App zumindest von Dienstgeräten fernhalten, denn nach Einschätzung der Berliner Behörde verstößt die Datenübermittlung nach China gegen die DSGVO.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- U.S. Department of Homeland Security, Federal RegisterNotice of Order Regarding Exclusion and Removal of DeepSeek Products from Federal Civilian Executive Branch Information Technology Systems and Procurements (Dokument 2026-21447)
- CISABOD 17-01: Removal of Kaspersky-branded Products (13. September 2017, mit Hinweis auf das Verbot von 2024)
- Berliner Beauftragte für Datenschutz und InformationsfreiheitJahresbericht 2025, Kapitel IV.5: Beantragte Sperrung der chinesischen KI-App DeepSeek
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