Die KI-Distillation chinesischer Anbieter ist seit dem 8. September 2026 ein Fall für drei US-Sicherheitsbehörden. NSA, FBI und CISA werfen DeepSeek, Alibaba, Moonshot, MiniMax, StepFun und Z.AI vor, die Fähigkeiten großer US-Modelle wie Claude, ChatGPT, Gemini und Grok im industriellen Maßstab abgeschöpft zu haben. Die beschuldigten Firmen und Peking weisen den Vorwurf zurück.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- NSA, FBI und CISA nennen in einem gemeinsamen Advisory sechs chinesische KI-Firmen, die US-Modelle per Distillation kopiert haben sollen.
- Betroffen sind laut Behörden Modellfamilien von Anthropic (Claude), OpenAI (ChatGPT), Google (Gemini) und xAI (Grok).
- Der Zugang lief den Angaben zufolge über gefälschte Konten-Pools, Zwischenhändler und geteilte Premium-Abos, seit mindestens 2024.
- Für europäische Nutzer rücken die Herkunft offener chinesischer Modelle und die Nachweispflichten des EU AI Act in den Blick.
Was wirft das Advisory den Firmen vor?

Systematisch abgeschöpft haben die sechs Firmen die Ausgaben westlicher Sprachmodelle, so der zentrale Vorwurf der US-Behörden. Genannt werden Milliarden von Token über Millionen einzelner Anfragen, gezielt auch die verborgenen Gedankenketten der Modelle, aus denen sich das eigentliche Können ablesen lässt.[1]
Gefälschte Konten und Grauimport-Proxys bildeten laut Advisory den Weg dorthin. Die Anbieter sollen ihre Herkunft über anonymisierte Konten-Pools verschleiert, Anfragen über Zwischenhändler geleitet und Premium-Abos über ganze Entwicklerteams geteilt haben, um die Nutzungsbedingungen der US-Anbieter zu umgehen.
Wie funktioniert Distillation überhaupt?
Ein Lehrer-Schüler-Prinzip steckt hinter dem Begriff. Ein kleineres Schüler-Modell lernt aus den Antworten eines starken Lehrer-Modells und übernimmt dessen Können zu einem Bruchteil der Trainingskosten. Greift ein Schüler-Modell nicht nur die Antwort, sondern die begründenden Zwischenschritte ab, kopiert es den Denkweg selbst, wie schon der Umgang mit großen Sprachmodellen zeigt.
Alte Wurzeln hat der Verdacht. OpenAI hatte DeepSeek bereits Anfang 2025 verdächtigt, seine Modelle per Distillation angezapft zu haben, und die Nutzungsbedingungen von Anthropic und OpenAI verbieten das Training konkurrierender Modelle ausdrücklich. Neu ist, dass jetzt drei Geheimdienste sechs Firmen namentlich benennen und den Vorgang als staatsnahe Kampagne einordnen.
Distillation macht aus jedem öffentlich zugänglichen Spitzenmodell eine Blaupause für die Konkurrenz. Der Vorwurf trifft nicht nur China, er stellt das Geschäftsmodell teurer Frontier-Modelle grundsätzlich infrage.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Unternehmen in der DACH-Region?
Die Herkunft der Modelle wird zur Prüffrage. Ein Betrieb, der offene Modelle wie GLM von Z.AI oder das quelloffene MiniMax einsetzt, arbeitet womöglich mit einem Modell umstrittener Abstammung. Der EU AI Act verlangt von Anbietern universeller KI-Modelle eine Dokumentation der Trainingsdaten, und ein Distillation-Verdacht wirft genau dort Fragen auf.
Eine BSI-Bewertung gehört vor den Produktiveinsatz. Das BSI rät bei Software aus Drittstaaten zu einer Sicherheitsprüfung, und die USA hatten zuletzt sogar auf ihre eigene Sicherheitsprüfung chinesischer Open-Weight-Modelle verzichtet. Der Rechtsstreit um die Herkunft bleibt vorerst ein US-Thema, das Reputations- und Lizenzrisiko tragen aber auch europäische Nutzer mit.
Zwei Lehren bleiben für Entscheider. Lizenzbedingungen und Trainingsherkunft eines Modells gehören vor der Einführung geklärt, gerade bei quelloffenen Gewichten aus Drittstaaten. Anbieter eigener Modelle über eine Programmierschnittstelle sichern ihre Ausgaben besser über Ratenbegrenzung, Kontoprüfung und Protokollierung ab, bevor die eigene Denkleistung im nächsten Schüler-Modell landet.
Die genannten Wege der Abschöpfung
- 1Gefälschte Konten-Pools mit verschleierten Identitäten umgehen die Nutzungsbedingungen.
- 2Zwischenhändler und Grauimport-Proxys leiten die Anfragen an die US-Modelle weiter.
- 3Geteilte Premium-Abos über ganze Entwicklerteams erhöhen das Abfragevolumen.
FAQ: Distillation-Vorwurf gegen chinesische KI-Firmen
Was ist KI-Distillation?
Distillation bezeichnet ein Lehrer-Schüler-Prinzip: Ein kleineres Schüler-Modell wird auf den Ausgaben eines starken Lehrer-Modells trainiert und übernimmt dessen Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten. Werden dabei auch die begründenden Zwischenschritte abgegriffen, kopiert das Schüler-Modell den Denkweg, nicht nur das Ergebnis.
Welche Firmen nennt das US-Advisory?
Das gemeinsame Advisory von NSA, FBI und CISA vom 8. September 2026 nennt sechs chinesische KI-Firmen: DeepSeek, Alibaba, Moonshot, MiniMax, StepFun und Z.AI. Betroffen sind laut Behörden Modellfamilien von Anthropic (Claude), OpenAI (ChatGPT), Google (Gemini) und xAI (Grok).
Wie sollen die Firmen an die Modelle gelangt sein?
Laut Advisory liefen die Zugriffe über gefälschte Konten-Pools mit verschleierten Identitäten, über Zwischenhändler und Grauimport-Proxys sowie über gemeinsam genutzte Premium-Abos. Damit sollen die Anbieter die Nutzungsbedingungen der US-Modelle umgangen haben, seit mindestens 2024.
Was bedeutet der Vorwurf für europäische Nutzer?
Wer offene chinesische Modelle einsetzt, betreibt womöglich ein Modell mit umstrittener Abstammung. Der EU AI Act verlangt von Anbietern universeller KI-Modelle eine Dokumentation der Trainingsdaten. Das BSI rät bei Software aus Drittstaaten zu einer Sicherheitsprüfung vor dem Produktiveinsatz.
Bestreiten die betroffenen Firmen den Vorwurf?
Ja. Die chinesische Botschaft in Washington wies die Vorwürfe zurück und sprach von einem gezielten Angriff auf Chinas Entwicklung in der KI-Industrie. Die einzelnen Firmen haben sich überwiegend nicht im Detail geäußert.
Quelle
[1] NSA, CISA und FBI: „China-Based Artificial Intelligence Companies Conducting Industrial-Scale Distillation Campaigns Against U.S. AI Companies“ (AA26-251A)
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