Amazon Web Services bietet seit dem 5. Oktober Zhipus Sprachmodell GLM-5.3 auf Bedrock an und beteiligt das chinesische Unternehmen an jedem Aufruf. Das US-Handelsministerium führt die Firma seit Januar 2025 auf seiner Entity List und begründet den Eintrag mit Beiträgen zur Modernisierung von Chinas Militär. Geld fließt also nach Peking, die Prompts der Kunden bleiben dagegen bei Amazon.

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GLM-5.3 auf Amazon Bedrock steht ausgewählten Firmenkunden über ein US-Profil und ein weltweites Routing-Profil zur Verfügung.[1] Von der Umsatzbeteiligung berichtete zuerst der Schanghaier Finanzdienst STAR Market Daily, das Techportal IT Home griff die Meldung auf.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • AWS zahlt Zhipu einen Anteil je Modellaufruf, die Quote nennen beide Unternehmen nicht.
  • Zhipu steht seit dem 16. Januar 2025 mit zehn Gesellschaften auf der Entity List der USA.
  • AWS betreibt eine Kopie des Modells in eigenen Konten, Zhipu sieht weder Prompts noch Antworten.

Warum darf AWS ein Unternehmen von der Entity List bezahlen?

Weiße Spardose mit Aufdruck
US-Exportkontrolle: Zhipu und neun Töchterunternehmen seit 16. Januar 2025 auf Entity List, da sie Chinas Militär-KI-Forschung unterstützen sollen

Die Entity List verlangt eine Genehmigung, sobald Waren oder Technik aus den USA an eine gelistete Firma gehen. Für Zhipu und neun Gesellschaften der Gruppe gilt dieser Vorbehalt seit dem 16. Januar 2025, weil die Firmen laut US-Handelsministerium mit KI-Forschung Chinas Militär modernisieren.[3] Ein Zahlungsverbot wie auf den Sanktionslisten des US-Finanzministeriums enthält die Liste nicht.

Exportrechtlich zählt deshalb, wohin die Daten fließen. Laut der Kanzlei Sheppard Mullin ist das Herunterladen frei veröffentlichter GLM-Gewichte keine Ausfuhr an Zhipu, kontrollierte Technik in Zhipus gehostete Schnittstelle zu schicken dagegen schon.[4] Amazon umgeht diesen Weg und kopiert für Bedrock die Software jedes Modellanbieters in eigene Bereitstellungskonten, auf die der Anbieter keinen Zugriff hat. Prompts, Antworten und Protokolle bleiben damit bei AWS.[5] Weil die Kontrolle an der Ware ansetzt, mieten chinesische Firmen ebenso legal Nvidia-Rechenzeit in Südostasien.

Was bringt die Umsatzbeteiligung dem Entwickler?

Mit Bedrock gewinnt Zhipu eine Einnahmequelle im Ausland ohne eigene Rechenzentren. Laut STAR Market Daily teilen weitere ausländische Cloud-Anbieter Erlöse mit dem Pekinger Labor, im Inland kam Alibaba Clouds Plattform Bailian hinzu. Huawei Cloud führt GLM-5.3 bereits und strebt eine ähnliche Abmachung an.[2]

Den Zufluss braucht das Unternehmen. Im ersten Halbjahr 2026 setzte Zhipu umgerechnet rund 127 Millionen Euro um, fast fünfmal so viel wie im Vorjahreszeitraum, und verlor 276 Millionen Euro.[2] Im September sammelte der Entwickler über eine zinslose Wandelanleihe und neue Aktien rund 4,35 Milliarden Euro ein.

Neu ist das Muster nicht: Moonshots Kimi K3 startete am 18. September auf Bedrock und lief wenig später auch in OpenAIs Codex. Bei GLM-5.3 geht das Geld an einen Entwickler, den Washington selbst als Sicherheitsrisiko einstuft. Im Startbeitrag hebt AWS 84,5 Punkte im Sicherheitstest CyberGym hervor.[1] Anthropics Red Team hatte Ende September gemessen, dass GLM-5.3 Exploits fast so gut baut wie das eigene Modell Mythos Preview.

Die Entity List kontrolliert Technik, nicht Geld. Amazon nutzt diesen Spielraum und bezahlt einen gelisteten KI-Entwickler pro Aufruf.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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GLM-5.3 auf Amazon Bedrock
Ein Entwickler auf der US-Liste verdient an westlichen Cloud-Kunden
16.01.2025
setzten die USA Zhipu und neun Gesellschaften der Gruppe auf die Entity List
127 Mio. €
Umsatz meldete Zhipu für das erste Halbjahr 2026, fast fünfmal so viel wie ein Jahr zuvor
276 Mio. €
Verlust schrieb Zhipu im selben Halbjahr
753 Mrd.
Parameter umfasst GLM-5.3 laut AWS

Drei Wege zu GLM-5.3

Stand 6. Oktober 2026
Zhipus Schnittstelle
Prompts gehen an Zhipumit US-Technik im Prompt laut Sheppard Mullin genehmigungspflichtig
Zhipu kassiert direktAbrechnung beim Anbieter
Amazon Bedrock
Prompts bleiben bei AWSModellkopie in Konten, auf die Zhipu nicht zugreift
Kein EU-Profilnur US- und weltweites Routing, Zugang für ausgewählte Firmenkunden
Eigener Betrieb
Volle Kontrollefrei veröffentlichte Gewichte auf eigener Hardware
Eigene RechenkostenGrafikkarten und Betrieb tragen Sie selbst

Was heißt das für Unternehmen in Europa?

Mit Bedrock ist die Datenfrage gegenüber Zhipu geklärt, gegenüber der DSGVO noch offen. AWS bietet GLM-5.3 nur über ein US-Profil und ein globales Profil an, das Anfragen auf Rechenzentren weltweit verteilt.[1] Ein EU-Profil wie bei anderen Modellen fehlt bislang. Personenbezogene Daten können auf diesem Weg den Europäischen Wirtschaftsraum verlassen, während Amazon in Europa mit digitaler Souveränität wirbt. Vor einem Test sollten Firmen vier Punkte klären:

  • GLM-5.3 auf Bedrock vorerst nur für Aufgaben ohne personenbezogene Daten einsetzen.
  • Zhipus eigene Schnittstelle meiden, sobald Code oder Dokumente ausfuhrkontrollierte US-Technik enthalten.
  • Den Zugang beim AWS-Kundenteam beantragen, denn Amazon schaltet GLM-5.3 nur für ausgewählte Firmen frei.
  • KI-Anbieter in die regelmäßige Sanktionsprüfung der Lieferanten aufnehmen.

Quellen

[1] AWS Machine Learning Blog: „Introducing GLM 5.3 on Amazon Bedrock“

[2] IT Home: „GLM-5.3 auf der KI-Plattform von Amazon AWS, Zhipu öffnet Kanal für Auslandserlöse“ (chinesisch)

[3] Federal Register: „Addition of Entities to and Revision of Entry on the Entity List“, 16. Januar 2025

[4] Sheppard Mullin via National Law Review: „Choosing Between U.S. and Chinese AI Models: The Export Control Risks on Both Sides“

[5] AWS-Dokumentation: „Data protection“ in Amazon Bedrock

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