Anthropic-Chef Dario Amodei erhielt für 2025 eine Vergütung von rund 15,7 Millionen Euro, überwiegend in Aktien und Optionen. Reuters berichtete am Dienstag aus dem Entwurf des Börsenprospekts. Dasselbe Dokument regelt, wie Amodei und seine sechs Mitgründer nach dem Börsengang mit einer einzigen Aktie die Mehrheit der Stimmen behalten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDen Prospekt hat Anthropic vertraulich bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht, in deren öffentlicher Datenbank Edgar lag er am Dienstag noch nicht vor. Die Zahlen stammen deshalb aus der Auswertung von Reuters, die den Entwurf einsehen konnte. Anthropic lehnte gegenüber der Agentur einen Kommentar zu den Zahlen ab. Den Börsengang plant das Unternehmen laut Prospekt frühestens für diesen Herbst, bei einer Bewertung von mehr als 1,7 Billionen Euro.
Das Wichtigste in Kürze
- Dario Amodei bekam 2025 rund 15,7 Millionen Euro, seine Schwester und Anthropic-Präsidentin Daniela Amodei rund 14,3 Millionen Euro.
- Im Juli verdoppelte der Verwaltungsrat beider Grundgehalt auf je rund 1,2 Millionen Euro, weitere Aktienzusagen hängen am Börsengang.
- Über eine Gründergesellschaft lenken die sieben Mitgründer eine Aktie der Klasse F mit 50,1 % der Stimmrechte.
- Nach deutschem Aktienrecht wäre diese Konstruktion unzulässig, Mehrstimmrechte sind hier auf das Zehnfache begrenzt.
Was verdient Dario Amodei bei Anthropic?

Laut der Vergütungstabelle im Prospekt kam Dario Amodei 2025 auf rund 18 Millionen US-Dollar, umgerechnet etwa 15,7 Millionen Euro. Den Großteil machten Aktien und Optionen aus. Daniela Amodei folgte als zweitbestbezahlte Führungskraft mit 16,4 Millionen US-Dollar, rund 14,3 Millionen Euro. Finanzchef Krishna Rao erhielt rund 627.000 Euro und übte zusätzlich Optionen im Wert von etwa 335.000 Euro aus.
Neu gegenüber früheren Berichten aus dem Prospekt sind die Gehaltsdetails. Im Juli 2026 verdoppelte Anthropic das Grundgehalt beider Geschwister auf je 1,4 Millionen US-Dollar, rund 1,2 Millionen Euro. Zuvor bekam jedes der beiden rund 609.000 Euro. In diesem Jahr sagte der Verwaltungsrat ihnen zudem Aktienanwartschaften zu, sogenannte Restricted Stock Units. Ein Teil davon wird nur fällig, wenn beide im Unternehmen bleiben, ein anderer Teil ist an den Börsengang geknüpft, berichtet Reuters.
Im Vergleich der Tech-Chefs liegt Amodei damit im Mittelfeld. Alphabet-Chef Sundar Pichai kam 2025 laut Reuters auf rund 9,5 Millionen Euro, davon 7,7 Millionen Euro für Personenschutz, Amazon-Chef Andy Jassy auf rund 1,8 Millionen Euro. Oracle-Co-Chef Clayton Magouyrk erhielt dagegen rund 546 Millionen Euro. Den Durchschnitt der Chefs im S&P-500-Index beziffert der US-Gewerkschaftsbund AFL-CIO auf rund 19,8 Millionen Euro. Courtney Yu, Forschungschefin beim Vergütungsanalysten Equilar, sieht Amodeis Bezüge für ein Unternehmen dieser Bewertung am unteren Ende, sagte die Analystin der Agentur Reuters.
Aussagekräftiger als die Jahresvergütung wäre der Anteilsbesitz, doch den legt der Entwurf laut Reuters nicht offen. Auch Konzernchefs wie Pichai oder Jassy beziehen vergleichsweise wenig Jahresvergütung, ihr Vermögen steckt in Aktien. Amodei teilt den Gründeranteil zudem mit sechs Mitgründern, sein Gewinn aus dem Börsengang dürfte deshalb kleiner ausfallen als bei anderen Tech-Chefs, schätzt Yu. Laut Prospekt haben sich alle sieben verpflichtet, 80 % ihrer Anthropic-Aktien für gemeinnützige Zwecke einzusetzen. Amodei hatte diese Zusage schon im Januar in seinem Essay „The Adolescence of Technology“ öffentlich gemacht.[1]
Im selben Essay kritisierte Amodei andere Superreiche. „Mich stimmt traurig, dass viele vermögende Menschen, besonders in der Tech-Branche, in letzter Zeit eine zynische und nihilistische Haltung angenommen haben, nach der Philanthropie zwangsläufig betrügerisch oder nutzlos ist“, schrieb der Anthropic-Chef.[1] Auf dieses Zitat verwies Anthropic auch gegenüber Reuters, als die Agentur nach der 80-Prozent-Zusage fragte. Welche Summe die Zusage am Ende bedeutet, hängt vom Ausgabepreis und vom bislang unbekannten Anteilsbesitz ab.
Wie sichern sich die Gründer die Kontrolle über Anthropic?
Den Kern der Konstruktion bildet eine neue Gründergesellschaft, im Prospekt Founder LLC genannt. Ihr gehören zunächst die sieben Mitgründer an. Zum Kreis zählen Dario und Daniela Amodei, Chief Compute Officer Tom Brown und der Forscher Chris Olah. Mit Mehrheitsbeschluss lenken die sieben eine einzige Aktie der Klasse F. Diese Aktie verleiht 50,1 % der Stimmrechte bei wichtigen Beschlüssen, etwa bei der Wahl eines Teils des Verwaltungsrats. Über diesen Teil des Prospekts hatte Reuters schon Ende September berichtet.
Den Verwaltungsrat teilen sich zwei Lager. Daniela Amodei, Dario Amodei und ein noch unbenanntes Mitglied werden nach dem Börsengang von den Aktionären der Klassen F und A gewählt. Die übrigen vier Sitze besetzt der Long-Term Benefit Trust, ein Gremium aus fünf Treuhändern ohne finanzielle Beteiligung an Anthropic. Ihm gehören unter anderen der frühere US-Notenbankchef Ben Bernanke und der Sicherheitsexperte Richard Fontaine an.[2] Die Klasse-A-Aktien für Privatanleger verleihen eine Stimme je Aktie. Gegen die 50,1 % der Gründer können selbst alle Klasse-A-Aktionäre gemeinsam keine Mehrheit bilden.
Für den Fall eines Zerwürfnisses sieht der Prospekt Regeln vor. Ein Mitgründer verliert seinen Platz in der Gründergesellschaft, sobald er ausscheidet, stirbt, zu viele Aktien verkauft oder aus wichtigem Grund abberufen wird. Sind nur noch zwei Gründer oder deren Nachfolger übrig, beginnt das Sonderstimmrecht auszulaufen. Anthropic warnt im Prospekt selbst, die Struktur könne zu Entscheidungen führen, die den finanziellen Interessen der Aktionäre zuwiderlaufen.
Klasse F: eine einzige Aktie, gelenkt per Mehrheitsbeschluss der sieben Mitgründer in der Founder LLC.
Klasse A: Aktien für Anleger an der Börse, eine Stimme je Aktie.
Bei Pichai entfallen 7,7 Mio. € auf Personenschutz. Der Anteilsbesitz der Gründer steht nicht im Prospektentwurf und ist hier nicht enthalten.
Spannender als Amodeis 15,7 Millionen Euro ist die eine Aktie, mit der sieben Gründer die Mehrheit behalten, egal wie viele Anleger einsteigen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie regeln andere Tech-Gründer Stimmrechte und Spenden?
Mehrstimmrechte sind im Silicon Valley üblich. Anthropic verteilt die Macht aber anders. Beim Börsenstart von SpaceX im Juni bündelte Elon Musk die Kontrolle bei sich selbst. Zusätzliche Aktien mit Sonderstimmrecht erhält Musk laut Reuters erst, wenn SpaceX 7,5 Billionen US-Dollar wert ist und eine Million Menschen auf dem Mars leben. Bei Anthropic liegt die Mehrheit nicht bei einer Person, sondern bei einem Kreis von sieben Menschen, die seit der gemeinsamen Abspaltung von OpenAI im Jahr 2020 zusammenarbeiten.
Auch die Spendenzusage hat Vorbilder. Mark Zuckerberg und Priscilla Chan kündigten 2015 an, 99 % ihrer Facebook-Aktien über die Chan Zuckerberg Initiative einzusetzen, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung statt einer klassischen Stiftung. Bei Anthropic bleibt bislang offen, wann und über welches Vehikel die Gründer ihre Aktien abgeben. OpenAI-Chef Sam Altman koppelt den Börsengang seines Unternehmens dagegen an Sicherheitsnachweise und nennt keinen festen Zeitplan.
Der Prospekt nennt die Gründer besonders geeignet, die Mission des Unternehmens zu hüten. Als Beleg für den Vorrang der Sicherheit führt Anthropic den Verzicht auf Bild- und Videomodelle an, um die Rechenleistung für Forschung und Sicherheit zu reservieren. Welche Risiken das Unternehmen sonst offenlegt, von abtrünnigen KI-Modellen bis zum operativen Verlust, zeigt der Dr.-Web-Beitrag über 80 Seiten Risikofaktoren im Prospekt. Wie stark Anthropic dabei an Partnern hängt, belegt der Kredit von Broadcom über bis zu 36,5 Milliarden Euro.
Was bedeutet die Struktur für Anleger und Kunden in Deutschland?
Eine deutsche Aktiengesellschaft könnte das Stimmrechtsmodell von Anthropic nicht übernehmen. Seit dem Zukunftsfinanzierungsgesetz von 2023 erlaubt das Aktiengesetz zwar wieder Mehrstimmrechtsaktien, begrenzt die Sonderrechte aber auf höchstens zehn Stimmen je Aktie. Bei börsennotierten Gesellschaften erlöschen die Sonderrechte, sobald die Aktie den Besitzer wechselt. Spätestens zehn Jahre nach dem Börsengang laufen die Mehrstimmrechte aus, die Satzung kann die Frist um bis zu zehn Jahre verlängern. Bei der Wahl des Abschlussprüfers zählt jede Mehrstimmrechtsaktie ohnehin nur einfach.[3] Eine Aktie mit 50,1 % aller Stimmen sprengt diesen Rahmen um ein Vielfaches.
Für Privatanleger in Deutschland heißt das: Klasse-A-Aktien von Anthropic bringen eine Beteiligung am Wert, aber praktisch keinen Einfluss auf Strategie und Führung des Unternehmens. Die Gründer können Entscheidungen gegen kurzfristige Renditeinteressen durchsetzen. Genau davor warnt der Prospekt selbst.
Unternehmen, die Claude im Alltag einsetzen, sollten die Konstruktion beim Einkauf mitdenken:
- Die Produktstrategie bestimmen auch nach dem Börsengang die Gründer. Funktionen, die Anthropic aus Sicherheitsgründen zurückhält oder nur ausgewählten Kunden freigibt, wie zuletzt das Cybersicherheitsmodell Mythos Preview, bleiben voraussichtlich die Regel.
- Für Bild- und Videogenerierung brauchen Sie dauerhaft einen zweiten Anbieter, denn Anthropic entwickelt solche Modelle laut Prospekt nicht.
- Rahmenverträge sollten Preise, Modellversionen und Nutzungsrichtlinien über mehrere Jahre festhalten, denn Aktionäre können bei Anthropic keinen Kurswechsel erzwingen.
Wie Anthropic sein Geld verdient, erklärt die Analyse zum Geschäftsmodell von Anthropic. Erst Ende September hatte US-Präsident Donald Trump den Anthropic-Chef zum Abendessen ins Weiße Haus geladen. Vermögen und Firmen der Branchengrößen vergleicht der Beitrag zu den 15 reichsten Tech-Milliardären, weitere Meldungen über die prägenden Köpfe der Branche sammelt das Archiv der Tech-Titanen.
FAQ: Dario Amodei, seine Vergütung und die Kontrolle über Anthropic
Wie viel hat Dario Amodei 2025 verdient?
Laut dem Entwurf des Anthropic-Börsenprospekts, aus dem Reuters berichtete, erhielt Amodei 2025 rund 18 Millionen US-Dollar, etwa 15,7 Millionen Euro. Den Großteil machten Aktien und Optionen aus. Sein Grundgehalt verdoppelte Anthropic im Juli auf rund 1,2 Millionen Euro.
Wer kontrolliert Anthropic nach dem Börsengang?
Die sieben Mitgründer lenken über eine Gründergesellschaft eine einzige Aktie der Klasse F mit 50,1 % der Stimmrechte bei wichtigen Beschlüssen. Vier der sieben Sitze im Verwaltungsrat besetzt der Long-Term Benefit Trust, ein Gremium aus fünf Treuhändern ohne finanzielle Beteiligung.
Was haben die Anthropic-Gründer zum Spenden zugesagt?
Alle sieben Mitgründer wollen laut Prospekt 80 % ihrer Anthropic-Aktien für gemeinnützige Zwecke einsetzen. Dario Amodei hatte die Zusage bereits im Januar 2026 in seinem Essay „The Adolescence of Technology“ öffentlich gemacht.
Wäre eine solche Struktur in Deutschland erlaubt?
Nein. Das Aktiengesetz erlaubt seit 2023 zwar Mehrstimmrechtsaktien, begrenzt sie aber auf das Zehnfache einer normalen Stimme. Bei börsennotierten Firmen erlöschen die Sonderrechte spätestens nach zehn Jahren, verlängerbar um bis zu zehn Jahre. Eine Aktie mit 50,1 % aller Stimmen wäre unzulässig.
Quellen
[1] Dario Amodei: „The Adolescence of Technology. Confronting and Overcoming the Risks of Powerful AI“, Januar 2026
[2] Anthropic: „The Long-Term Benefit Trust“, 19. September 2023, aktualisiert am 9. September 2026
[3] Bundesministerium der Justiz: § 135a Aktiengesetz, Mehrstimmrechtsaktien
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