BYD hat im September 180.700 Autos im Ausland verkauft, rund 9.000 weniger als im August. Die Bremse sitzt nach einer Analyse des chinesischen Portals ifeng nicht bei den Kunden, sondern im Laderaum der Autofrachter.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer BYD-Export hängt an Schiffen wie der BYD Xi’an, die Mitte September rund 7.000 Neuwagen im britischen Hafen Royal Portbury ablud.[1] Insgesamt setzte der Konzern im September 463.561 Fahrzeuge ab, 17 Prozent mehr als vor einem Jahr, im Ausland aber 4,6 Prozent weniger als im Vormonat.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- BYDs Auslandsabsatz sank von 189.466 Fahrzeugen im August auf 180.700 im September.
- Die acht eigenen Autofrachter schaffen gut eine Million Fahrzeuge im Jahr, das Exportziel für 2027 liegt bei über 2,5 Millionen.
- Die Tagescharter für einen mittelgroßen Autofrachter stieg seit Ende 2025 von rund 38.000 auf 62.500 Euro.
- Großbritannien bereitet laut The Times Zölle von bis zu 45 Prozent auf chinesische E-Autos vor.
Warum verkauft BYD im Ausland plötzlich weniger?

Die Nachfrage wächst schneller als die Flotte. BYD betreibt acht eigene Autofrachter, die zusammen gut eine Million Fahrzeuge im Jahr transportieren.[1] Von Januar bis September verkaufte BYD rund 1,34 Millionen Autos im Ausland, allein im September gingen fast 40 Prozent aller BYD-Verkäufe ins Ausland. Für den Rest muss der Konzern Laderaum auf dem freien Markt chartern.
Auf diesem Markt konkurriert BYD mit allen chinesischen Herstellern zugleich. Die weltweite Autofrachterflotte wächst laut ifeng um 7,6 Prozent im Jahr, neue Schiffe brauchen zwei bis vier Jahre bis zur Ablieferung. Schon nach den Halbjahreszahlen räumte BYD gegenüber Analysten ein, dass fehlender Laderaum das Exportwachstum begrenzt.
Was kostet BYD der Engpass?
Die Jahrescharter für einen Autofrachter mit 6.500 Stellplätzen stieg nach Daten des Schiffsmaklers Clarksons von rund 38.000 Euro am Tag Ende 2025 auf rund 62.500 Euro im Juni 2026.[1] Diese Charterraten verteilen sich am Ende auf jedes exportierte Auto. Wie stark knapper Laderaum die Verlader belastet, zeigte im Sommer bereits der Gewinnsprung von Hapag-Lloyd in der Containerschifffahrt.
BYD bestellt deshalb nach. Laut Branchenberichten von Mitte September hat BYD zehn zusätzliche Frachter mit je 9.200 Stellplätzen und Flüssiggasantrieb bestellt, geliefert werden sie zwischen 2027 und 2029. Mit dieser Bestellung wüchse die Flotte auf 18 Schiffe mit mehr als 130.000 Plätzen. Eigene Schiffe senken die Transportkosten je Auto laut ifeng um 30 bis 40 Prozent gegenüber gecharterten Frachtern.
Eigene Schiffe lösen BYDs Frachtproblem, gegen Zollmauern hilft nur ein Werk im Zielmarkt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Die Zollmauern in Europa
Was bedeutet der Stau für Käufer in Deutschland?
In Deutschland meldete das Kraftfahrt-Bundesamt für BYD im September 85,6 Prozent mehr Neuzulassungen als im Vorjahresmonat, der Marktanteil lag bei 2,4 Prozent.[3] Seit dem Start der neuen E-Auto-Förderung entfallen knapp 15 Prozent der Bewilligungen auf chinesische Marken. Laut ifeng haben sich die Lieferzeiten für BYD-Bestellungen in Europa von vier auf acht bis zehn Wochen verlängert, in einzelnen Regionen auf mehr als zwölf. BYD hat diese Angaben nicht bestätigt.
Den dauerhaften Engpass verortet ifeng an Land. Auf BYD-Elektroautos erhebt die EU neben dem regulären Einfuhrzoll von 10 Prozent seit Oktober 2024 einen Ausgleichszoll von 17 Prozent.[4] Großbritannien, wo im September 20.129 neue BYD zugelassen wurden,[5] erwägt laut The Times einen Aufschlag nach EU-Vorbild. Die Montage im ungarischen Szeged soll Ende 2026 anlaufen. GAC geht denselben Weg und lässt in Österreich fertigen. Flottenmanager mit BYD-Bestellung sollten:
- einen verbindlichen Liefertermin samt Rücktrittsrecht in den Kaufvertrag schreiben lassen,
- sofort verfügbare Lagerfahrzeuge beim Händler gegen eine Neubestellung abwägen,
- den Restwert von Importmodellen im Leasingangebot kritisch prüfen, weil Zollstreit und Ungarn-Montage die Neuwagenpreise verschieben können.
Quellen
[1] ifeng (Phoenix New Media): „Rückblick auf BYDs Auslandsgeschäft im September“, 6. Oktober 2026 (chinesisch)
[2] BYD Company, Börsenmitteilung HKEX: Produktions- und Absatzzahlen September 2026 (englisch, PDF)
[3] Kraftfahrt-Bundesamt: „Fahrzeugzulassungen im September 2026“, Pressemitteilung 41/2026
[4] Europäische Kommission: Endgültige Ausgleichszölle auf Elektroautos aus China (englisch)
[5] BYD UK: „BYD achieves highest ever UK sales in single month and quarter“
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