2.783 Terawattstunden Solarstrom gegen 2.703 Terawattstunden aus Kernkraftwerken: Der World Nuclear Industry Status Report sieht die Photovoltaik 2025 erstmals vor der Kernkraft. Der Vorsprung gilt netto, also ohne den Eigenverbrauch der Reaktoren, brutto führt die Atomkraft noch knapp.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Für alle, die eine boomende Branche erwartet hatten, ist die Lage der Atomindustrie ziemlich ernüchternd“, sagte Mycle Schneider dem Fachmagazin pv magazine. Der Pariser Energieberater gibt den World Nuclear Industry Status Report heraus und begleitet die Kernkraft seit Jahrzehnten kritisch. Der Branchenverband World Nuclear Association meldet für dasselbe Jahr einen Erzeugungsrekord der Reaktoren.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Statusbericht lieferten Solaranlagen 2025 netto 2.783 Terawattstunden, Kernkraftwerke 2.703 Terawattstunden.
- Brutto gerechnet liegt die Kernkraft noch knapp vorn, die Denkfabrik Ember erwartet den Wechsel für 2026.
- Die Atomstromerzeugung wuchs 2025 nur in China, im Rest der Welt sank sie leicht.
- In Deutschland deckte die Photovoltaik im Juni 2026 schon 35,5 % des Stroms.
Wie knapp ist der Vorsprung?

Der Statusbericht vergleicht Nettowerte, also den Strom, der tatsächlich ins Netz fließt. Brutto, samt Eigenverbrauch der Kraftwerke, kamen die Reaktoren auf 2.845 Terawattstunden. Gemessen am Anteil der Bruttoerzeugung liegt die Kernkraft mit 8,8 % damit noch knapp vor der Photovoltaik mit 8,7 %.[1]
Auch die Londoner Denkfabrik Ember sieht die Solarenergie 2025 noch knapp dahinter und erwartet, dass Solar- und Windstrom 2026 jeweils mehr liefern als die Atomkraft. Von April bis September 2025 lag die Sonne nach Ember-Zahlen bereits vorn.[2]
Warum wächst die Photovoltaik so viel schneller?
Entscheidend ist der Zubau. 2025 kamen weltweit 510 Gigawatt Solarleistung hinzu, die installierte Leistung der Kernkraft stieg um 1,5 Gigawatt. Für fast dieselbe Strommenge brauchte die Photovoltaik allerdings gut sechsmal so viel Leistung: 2.383 Gigawatt gegen 368,6 Gigawatt in Betrieb. Reaktoren laufen rund um die Uhr, Solarmodule nur bei Tageslicht.[1]
Die Lücke nach Sonnenuntergang füllen zunehmend Batteriespeicher: 2025 gingen Großspeicher mit 104 Gigawatt ans Netz, 79 % mehr als im Vorjahr. Bei den Kosten verweist der Bericht auf die Kostenberechnung der Investmentbank Lazard für die USA: umgerechnet rund 60 € je Megawattstunde für Solarstrom aus Großanlagen und 187 € für Atomstrom.[1] Batteriespeicher, die vier Stunden lang Strom liefern, decken Lastspitzen inzwischen günstiger ab als neue Gasturbinen. Frankreich rechnet für sechs neue Reaktoren vom Typ EPR2 samt Zinsen mit 153,6 Milliarden Euro.
Den Rekord der Kernkraft verdankt die Branche allein China: Dort stieg die Atomstromerzeugung um 7,6 %, außerhalb Chinas sank sie leicht. Zugleich sind 73 Reaktoren im Bau, so viele wie seit 1987 nicht mehr, 37 davon in China.[1] Die World Nuclear Association sieht die Kernkraft „mit neuem Wachstum und wachsender politischer Rückendeckung“ ins Jahr 2026 gestartet und wirbt dafür, die Leistung der Kernkraftwerke bis 2050 zu verdreifachen.[3] Italiens Parlament hat für die Rückkehr zur Atomkraft gestimmt, die Schweiz hat im Juni 2026 den Weg für neue Atomkraftwerke freigemacht.
Über netto oder brutto lässt sich streiten, über die Wachstumsraten nicht.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Zwei Zählweisen, zwei Sieger
Was heißt das für Unternehmen in Deutschland?
Hierzulande lieferten Kernkraftwerke 2025 keinen Strom mehr, Wind kam auf 28,5 % und die Photovoltaik auf 15,5 % der Nettoerzeugung. Im Juni 2026 deckte die Sonne 35,5 % des Stroms, mehr als alle fossilen Kraftwerke zusammen.[1] Am früheren Atomstandort Philippsburg baut EnBW einen Batteriespeicher mit 400 Megawatt. Für Betriebe wird damit immer wichtiger, wann sie Strom verbrauchen.
- Prüfen Sie gerne, welche Maschinen, Kühlanlagen oder Ladevorgänge sich in die Mittagsstunden verschieben lassen.
- Fragen Sie Ihren Versorger nach einem dynamischen Tarif. Seit Januar 2025 muss jeder Stromlieferant einen anbieten, sofern ein intelligentes Messsystem eingebaut ist.[4]
- Rechnen Sie bei einer eigenen Solaranlage einen Batteriespeicher mit durch, damit der Mittagsstrom auch die Abendschicht versorgt.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Mycle Schneider ConsultingThe World Nuclear Industry Status Report 2026 (Paris, September 2026, englisch, PDF)
- EmberGlobal Electricity Review 2026 (21. April 2026, englisch)
- World Nuclear AssociationWorld Nuclear Outlook Report 2026 (Stand 16. Oktober 2026, englisch)
- Bundesministerium der Justiz§ 41a EnWG, Lastvariable, tageszeitabhängige oder dynamische und sonstige Stromtarife sowie Festpreisverträge (abgerufen am 19. Oktober 2026)
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