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Alibabas Forschungsinstitut DAMO hat am 19. Oktober in Shenzhen den Prozessorkern XuanTie E908A vorgestellt, der Steuergeräte im Auto bis zur strengsten Sicherheitsstufe ASIL D absichern soll. Grundlage ist der offene Befehlssatz RISC-V, für den anders als bei Arm keine Lizenzgebühren anfallen. In Europa plant Infineon eine eigene RISC-V-Familie für Autos.

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Auf der Branchenkonferenz RISC-V Summit China in Shenzhen, die noch bis zum 20. Oktober läuft, sagte DAMO-Chefwissenschaftler Meng Jianyi, inzwischen seien mehr als sechs Milliarden XuanTie-Chips ausgeliefert worden.[2] XuanTie ist die Marke, unter der DAMO Prozessorkerne an Chipentwickler lizenziert. Die XuanTie-Baureihen reichen von sparsamen Kernen für eingebettete Systeme bis zum Hochleistungskern C950 für Server, mit dem E908A zielt DAMO auf die Sicherheitselektronik von Autos.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • DAMO legt den Prozessorkern E908A für Sicherheitsrechner, Domänensteuergeräte und Gateways im Auto aus.
  • DAMO nennt den E908A den ersten RISC-V-Kern, der die Sicherheitsstufen ASIL B und ASIL D zugleich erfüllt.
  • Der geplante Nachfolger C950A soll fünfmal so viel Rechenleistung bringen wie heutige RISC-V-Chips fürs Auto.
  • Infineon hat im März 2025 eine RISC-V-Familie seiner Auto-Mikrocontroller angekündigt.

Was soll der E908A im Auto leisten?

Modellauto, Prozessor mit orangefarbenem Gurt und Anhänger mit Aufschrift „Stufe D“
Sicherheitsrechner E908A überwacht Chip-Kerne und greift bei Fehlern ein. Domänensteuergeräte koordinieren Antrieb und Fahrwerk, Gateway verbindet Fahrzeugnetze

Chiphersteller sollen den E908A als Sicherheitsrechner einsetzen, der die übrigen Rechenkerne eines Chips überwacht und bei einem Fehler eingreift. Daneben nennt DAMO Domänensteuergeräte, die etwa Antrieb oder Fahrwerk bündeln, und das Gateway, über das die Datennetze im Fahrzeug Nachrichten austauschen.[1]

Die Norm ISO 26262 teilt Fahrzeugfunktionen in die Stufen ASIL A bis D ein, D gilt etwa für Lenkung und Bremse. Für den E908A nennt DAMO eine Einzelfehler-Kennzahl (SPFM) von mehr als 90 Prozent.[1] Die Kennzahl misst, welcher Anteil möglicher Hardwarefehler nicht allein zu einem gefährlichen Ausfall führt. ISO 26262 verlangt mindestens 90 Prozent für ASIL B und 99 Prozent für ASIL D. Wie der E908A diese Lücke schließt, hat DAMO nicht erläutert.

RISC-V-Kerne für ASIL D bietet auch der taiwanische Anbieter Andes an, dessen Kerne und Entwicklungsprozesse die Prüfgesellschaft SGS-TÜV Saar schon 2022 zertifiziert hat.

Warum drängen chinesische Chipentwickler mit RISC-V ins Auto?

RISC-V entstand 2010 an der University of California in Berkeley. Auf dem offenen Befehlssatz darf jeder Hersteller eigene Prozessoren entwerfen, ohne Lizenzgebühren zu zahlen. Die Spezifikation verwaltet die Stiftung RISC-V International mit Sitz in der Schweiz.[2] Arm-Kerne setzen dagegen einen Lizenzvertrag voraus; um einen solchen Vertrag stritten Arm und Qualcomm bis vor ein Geschworenengericht in Delaware.

Chinas Autobauer entwerfen ihre Chips zunehmend selbst: Li Auto verkauft seinen Mach-Chip inzwischen an andere Hersteller, XPeng setzt den dritten eigenen KI-Chip ein. Ein lizenzierbarer Kern für die Sicherheitsfunktionen erspart den Chipteams der Hersteller einen Teil der Eigenentwicklung. Für Alibaba ist der Kern fürs Auto ein weiteres Geschäftsfeld neben den eigenen KI-Chips für Rechenzentren. Der Marktforscher Omdia erwartet, dass 2030 rund ein Viertel aller ausgelieferten Prozessoren auf RISC-V beruht.[2]

Ein offener Befehlssatz spart Lizenzgebühren. Ins Steuergerät kommt ein Prozessorkern aber erst mit einem Sicherheitsnachweis, den ein Prüfer unterschreibt.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Alibabas RISC-V-Kerne auf dem Weg ins Auto
Angaben von DAMO auf dem RISC-V Summit China in Shenzhen, Oktober 2026
> 6 Mrd.
XuanTie-Chips hat DAMO nach eigener Zählung ausgeliefert, 2024 lag die Zahl erstmals über 4 Milliarden
ASIL B + D
Sicherheitsstufen nach ISO 26262, für die DAMO den E908A auslegt
> 90 %
Einzelfehler-Kennzahl SPFM des E908A, die Norm verlangt für ASIL D 99 Prozent
5 ×
so viel Rechenleistung soll der Nachfolger C950A bringen wie heutige RISC-V-Autochips

Was bedeutet das für Zulieferer und Einkäufer in Europa?

Infineon kündigte im März 2025 an, seine Auto-Mikrocontroller der Marke AURIX um eine RISC-V-Familie zu erweitern, und arbeitet dafür im Gemeinschaftsunternehmen Quintauris mit.[3] An der Münchner Firma sind außerdem Bosch, NXP, Nordic Semiconductor, Qualcomm und STMicroelectronics beteiligt.

Chinesische Chips erreichen europäische Autos auch über deutsche Zulieferer, Bosch etwa bringt Chips für Fahrerassistenzsysteme von Horizon Robotics nach Europa. Wie schnell solche Lieferketten zum Risiko werden, hat der Streit um Nexperia gezeigt. Entwicklungsabteilungen sollten deshalb für jeden RISC-V-Kern das Zertifikat nach ISO 26262 samt Sicherheitshandbuch anfordern, statt sich auf Ankündigungen zu verlassen. Für Bauteile mit chinesischem Kern lohnt sich zudem ein zweiter Lieferant, der denselben Befehlssatz nutzt.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. IT HomeAlibaba DAMO stellt den Auto-Prozessor XuanTie E908A vor und zeigt erstmals einen Produktplan für Autochips (Titel übersetzt)19.10.2026
  2. IT HomeDAMO-Chefwissenschaftler Meng Jianyi: Mehr als sechs Milliarden XuanTie-Chips ausgeliefert (Titel übersetzt)19.10.2026
  3. InfineonInfineon brings RISC-V to the automotive industry and is first to announce an automotive RISC-V microcontroller family06.03.2025

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