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Etwa 90 Minuten lang war das Instagram-Konto des Protestbündnisses No Kings am 17. Oktober nach Angaben der Organisatoren nicht erreichbar, während eines landesweiten Aktionstags. Meta führt die Sperre auf ein Werkzeug mit dem KI-Modell Claude von Anthropic zurück, das stoßweise Profile, Beiträge und Hashtags abrief. Instagrams Nutzungsbedingungen verbieten solche automatisierten Abrufe, auch aus einem angemeldeten Konto heraus.

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„Die plötzlichen, massenhaften Abrufe kurz hintereinander glichen eher automatisierten Bot-Zugriffen als einem Menschen, der ganz normal auf unseren Diensten surft“, schrieb Metas Kommunikationschef Andy Stone am Sonntag auf X.[1] Am Samstag hatte Stone die Sperre noch mit ungewöhnlich häufigem Posten, Teilen und Kommentieren erklärt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Metas Schutzsysteme nahmen das Konto am 17. Oktober vom Netz, eine erneute automatische Prüfung stellte den Zugang nach etwa einer Stunde wieder her.
  • Auslöser war laut Meta ein Claude-Werkzeug, dessen Abrufrate stoßweise auf rund das Vierfache des vorherigen Werts stieg.
  • Welches Werkzeug das war und wer damit arbeitete, sagt Meta nicht.
  • In der EU müsste Instagram eine solche Sperre begründen, über Beschwerden dürfen dort nicht allein Maschinen entscheiden.

Was hat die Sperre ausgelöst?

Oranges Stoppuhr-Gerät auf der rechten Seite eines offenen, leeren Notizbuchs auf weißem Grund
Claude-Werkzeug rief Meta-Inhalte mit vierfacher Rate ab. Meta sperrte das Konto fälschlicherweise, entsperrte es nach einer Stunde automatisch und entschuldigte sich

Laut Meta zeigte sich der Anstieg vor allem im Leseverhalten des Kontos. Metas Systeme stellten am 17. Oktober fest, dass ein Claude-Werkzeug Profile, Beiträge und Hashtags abrief, stoßweise mit rund der vierfachen Rate des vorherigen Werts.[1] Eine erneute automatische Prüfung stufte die Sperre etwa eine Stunde später als Fehler ein und gab das Konto frei. Meta bat um Entschuldigung.

Nach Angaben des Bündnisses, die Bloomberg zitiert, hatten die Administratoren erst um 17:33 Uhr New Yorker Zeit wieder vollen Zugriff. No Kings mobilisiert gegen die Politik von Präsident Donald Trump und meldete für den Aktionstag zur vorzeitigen Stimmabgabe vor den Zwischenwahlen am 3. November fast 3.000 Veranstaltungen. Von Anthropic lag bis Montagmittag keine Stellungnahme vor.

Warum fällt ein lesender KI-Agent auf?

Instagram untersagt, ohne ausdrückliche Erlaubnis automatisiert auf Informationen zuzugreifen oder diese zu erfassen, selbst wenn der Zugriff aus einem angemeldeten Konto erfolgt.[2] Metas Abwehr reagierte nach Stones Schilderung auf Takt und Menge der Abrufe. Ein Browser-Agent öffnet in der Sitzung des Nutzers Seite um Seite, schneller als jeder Mensch. Anthropic bietet selbst eine Erweiterung für Chrome an, mit der Nutzer Claude im Browser Aufgaben erledigen lassen. Ob genau diese Erweiterung beteiligt war, sagte Meta nicht. Die Sperre trifft in jedem Fall das Konto, in dem der Agent liest.

Den umgekehrten Fall erlebte Meta im September: Amazon sperrte Metas Einkaufsagenten Muse aus und berief sich auf die eigenen Nutzungsbedingungen, weil sich der Agent unerkannt in Kundenkonten anmeldete. Auch der Betreiber einer kleinen Spenderdatenbank drosselte KI-Scraper mit einer festen Grenze von 30 Anfragen je zehn Sekunden und IP-Adresse.

Ein KI-Agent im Instagram-Konto liest im Namen des Inhabers: Sperrt Meta, steht dessen Kanal still.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Vom Abruf bis zur Freigabe
Was Meta und das Bündnis zur Sperre vom 17. Oktober sagen und was in der EU gälte
rund 4-fach
stieg laut Meta die Abrufrate des Claude-Werkzeugs stoßweise gegenüber dem vorherigen Wert
etwa 1 Stunde
verging bis zur Freigabe durch eine erneute automatische Prüfung
23:33 Uhr
MESZ hatte das Bündnis nach eigener Angabe wieder vollen Zugriff (17:33 Uhr in New York)
fast 3.000
Veranstaltungen in allen 50 Bundesstaaten meldete No Kings für den Aktionstag
6 Monate
mindestens müssen Plattformen in der EU nach dem DSA Beschwerden gegen eine Kontosperre annehmen

Was bedeutet der Fall für Unternehmen in der EU?

In der EU wäre die Sperre an den Digital Services Act gebunden. Instagram müsste dem Kontoinhaber eine klare und spezifische Begründung schicken und angeben, ob die Entscheidung mit automatisierten Mitteln fiel.[3] Gegen die Sperre steht dem Nutzer mindestens sechs Monate lang ein kostenloser Beschwerdeweg offen, über Beschwerden dürfen nicht allein Maschinen entscheiden. Danach bleibt der Weg zu einer zertifizierten außergerichtlichen Streitbeilegungsstelle.[3]

Für Firmen und Instagram-Agenturen, die Konten mit KI-Agenten pflegen oder auswerten lassen, empfehlen sich drei Regeln:

  • Abrufe laufen über Metas offizielle Schnittstelle für Geschäftskonten, nicht über einen Agenten im angemeldeten Browser.
  • Agenten rufen Inhalte nur gedrosselt ab, ihre Aufträge werden protokolliert, damit sich bei einer Sperre belegen lässt, was im Konto lief.
  • Die Sperrbegründung wird gesichert und die Beschwerde fristgerecht eingelegt.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Andy Stone (Meta)We have continued to dig into the root cause here, Beitrag auf X18.10.2026
  2. InstagramNutzungsbedingungen (gültig ab 1. Januar 2025), Abschnitt zu unbefugtem Zugriff
  3. Verordnung (EU) 2022/2065Gesetz über digitale Dienste, Artikel 17, 20 und 21

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