Der Textilveredler Lindenfarb in Aalen-Unterkochen stellt Ende Oktober den Betrieb ein. Für die rund 100 Beschäftigten fand der Insolvenzverwalter keinen Investor. Nach drei früheren Insolvenzen seit 2016 endet damit eine Textilveredlung, die seit 1952 in Unterkochen arbeitet.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Es gab keinen Investor, der den Betrieb übernehmen wollte“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli von der Kanzlei Pluta.[1] Die Belegschaft erfuhr auf einer Betriebsversammlung von der Schließung. Bis Ende Oktober arbeitet Lindenfarb die vorhandenen Aufträge ab, die Beschäftigten erhalten fristgerechte Kündigungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Lindenfarb stellt den Betrieb in Aalen-Unterkochen Ende Oktober 2026 ein.
- Rund 100 Beschäftigte verlieren ihre Stelle, im August nannte Pluta noch 110.
- Von 2021 bis 2024 summierten sich die Verluste auf rund 8,85 Millionen Euro.
- Das Insolvenzverfahren soll Ende Oktober eröffnet werden.
Was passiert mit den Beschäftigten in Unterkochen?

Seit dem 25. August führt Bananyarli den Betrieb als vorläufiger Verwalter, die Löhne sichert höchstens drei Monate lang das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit ab.[2] Mit der Behörde will Pluta den Beschäftigten nun bei der Suche nach neuen Stellen helfen. Über die Zukunft des Geländes laufen laut Pluta noch Gespräche.[1]
Die Schließung steht fest, umgesetzt wird sie bis Ende Oktober. Eine Stellungnahme von Betriebsrat oder IG Metall fand sich in den Berichten nicht.
Warum fand sich für Lindenfarb kein Investor?
Lindenfarb färbt, bleicht, wäscht und beschichtet technische Textilien im Auftrag, vor allem für die Autoindustrie, daneben für Luftfahrt, Medizin, Bau und Bekleidung.[2] Pluta nennt als Ursachen den Rückgang der Aufträge und deutlich gestiegene Kosten, darunter für Energie.
Der Umsatz sank laut Schwäbischer Zeitung von 18,88 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 13,82 Millionen Euro 2024. Das Geschäft mit externen Kunden brach 2024 um mehr als die Hälfte ein, die Energiekosten lagen rund 75 Prozent über dem Schnitt der Jahre 2018 bis 2020.[1] Eine Vier-Tage-Woche ab 2023 und Kurzarbeit ab Ende 2024 halfen nicht, der Gesellschafter Strähle + Hess stützte den Betrieb mit Darlehen.
Einen Lohnveredler treffen Auftragsrückgang und Energiepreise zugleich. Färben und Trocknen brauchen viel Wärme. Kürzen Autohersteller und Zulieferer ihre Mengen, fehlen dem Dienstleister zuerst die Aufträge, die Anlagen verursachen aber weiter Fixkosten.
Was bedeutet die Schließung für die Ostalb?
Lindenfarb meldete 2016, 2019 und 2020 Insolvenz an, die laufende Sanierung sollte bis 2027 dauern.[1] Im Ostalbkreis ist Lindenfarb nicht die einzige Insolvenz dieses Herbstes. Für Varta in Ellwangen begann am 1. Oktober das Insolvenzverfahren, der Druckgießer Schüle in Schwäbisch Gmünd saniert sich unter dem Schutzschirm.
In Aalen selbst wächst zugleich die Rüstungsfertigung: Hensoldt baut auf dem früheren Triumph-Areal eine Fertigung mit mehreren hundert Stellen auf. Kunden aus der Autoindustrie müssen Aufträge, die über Ende Oktober hinausreichen, bei einem anderen Veredler unterbringen.
Quellen
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