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Villiger zieht die Zigarrenfertigung bis Ende 2027 aus Waldshut-Tiengen ab und verlegt sie an den Stammsitz in der Schweiz sowie nach Indonesien. Von den 190 Arbeitsplätzen im Werk fallen 40 weg. Am Hochrhein bleiben nach 115 Jahren Produktion nur Verpackung, Logistik und Vertrieb.

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Rund eine Milliarde Zigarren und Zigarillos verlassen jedes Jahr die Werke von Villiger in der Schweiz, in Deutschland, Brasilien, Indonesien und Nicaragua.[1] Den Abbau in Tiengen meldete zuerst der Südkurier. Konzernchef Christoph Schüpbach begründet den Schritt mit Überschneidungen bei Produkten und Produktionsabläufen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Villiger beendet die Fertigung in Waldshut-Tiengen schrittweise bis Ende 2027.
  • 40 von 190 Stellen fallen weg, Kündigungen schließt Villiger nicht aus.
  • Die Produktion geht nach Pfeffikon im Kanton Luzern und nach Jember auf Java.
  • Der deutsche Absatz von Zigarren und Zigarillos sank seit 2007 um rund zwei Drittel.

Was bleibt vom Werk in Waldshut-Tiengen?

Horizontale Zigarre mit weißer Banderole und grünem „Java“-Anhänger vor weißem Grund
Produktion verlagert sich bis 2027 nach Pfeffikon und Jember. Tiengen behält Verpackung, Etikettierung und europäischen Vertrieb. Etwa 20 Prozent der Stellen entfallen

Bis Ende 2027 übernehmen der Stammsitz Pfeffikon und das Werk Jember schrittweise die Produktion.[1] In Tiengen bleiben Verpackung, Etikettierung und Versandvorbereitung für den europäischen Markt, dazu Logistik und Vertrieb. Rechnerisch fällt gut jede fünfte Stelle weg.

„Die Konsolidierung der Produktion ist ein wichtiger Schritt, um das Unternehmen für die Zukunft besser aufzustellen“, sagt Schüpbach.[1] Den Abbau will Villiger zunächst über natürliche Fluktuation, Ruhestand und interne Wechsel erreichen, Kündigungen schließt das Unternehmen laut t-online nicht aus.[2]

Der Plan ist angekündigt, eine Einigung mit dem Betriebsrat ist nicht bekannt. Betriebsrat und Gewerkschaft NGG äußerten sich in den Berichten nicht.

Warum zieht Villiger die Fertigung aus Deutschland ab?

2007 wurden in Deutschland noch 6,5 Milliarden Zigarren und Zigarillos versteuert, 2025 nur noch 2,1 Milliarden, rund zwei Drittel weniger. Die Destatis-Zahlen stammen aus einer Stellungnahme des Bundesverbands der Zigarrenindustrie (BdZ).[3] Bei sinkenden Stückzahlen rechnet sich die Fertigung ähnlicher Sorten in mehreren Werken immer weniger.

Jember im Osten Javas ist das Hauptanbaugebiet des Besuki-Tabaks, den Hersteller als Deckblatt um Zigarren wickeln. Die Fertigung rückt dort an den Rohstoff heran. Pfeffikon ist dagegen Stammsitz und Hochlohnstandort. Dieser Teil der Verlagerung folgt nicht dem Lohngefälle, sondern der Bündelung am Hauptsitz.

Der Bundestag beschloss am 15. Oktober eine höhere Tabaksteuer, für Zigarren und Zigarillos gilt sie ab dem 1. März 2027.[4] Der BdZ hatte gewarnt, die Hersteller müssten die höhere Steuer beim Kauf der Steuerzeichen vorstrecken, während eine Kiste Zigarren oft monatelang im Handel liegt.[3] Villiger nennt die Steuer nicht als Grund. Die Abgabe hängt ohnehin am Verkauf in Deutschland: Auch eine Zigarre aus Jember braucht für den deutschen Handel eine Banderole.

Villiger: Zigarren aus Pfeffikon und Java statt vom Hochrhein
Was die Verlagerung für das Werk Waldshut-Tiengen bedeutet und wie der Markt schrumpft
40 von 190
Stellen fallen im Werk Waldshut-Tiengen bis Ende 2027 weg, gut jede fünfte
2,1 Mrd.
Zigarren und Zigarillos wurden 2025 in Deutschland versteuert, 2007 noch 6,5 Milliarden
151 Mio. €
Jahresumsatz der Gruppe, umgerechnet aus 140 Millionen Franken zum EZB-Kurs vom 16. Oktober 2026
1.200
Beschäftigte zählt Villiger weltweit, mit Werken in fünf Ländern
Welcher Standort künftig welche Aufgabe übernimmt
Pfeffikon, Schweiz
Der Stammsitz im Kanton Luzern übernimmt einen Teil der Fertigung.
Jember, Indonesien
Das Werk liegt im Hauptanbaugebiet des Besuki-Tabaks und übernimmt den anderen Teil.
Waldshut-Tiengen
Ab Ende 2027 bleiben Verpackung, Versandvorbereitung, Logistik und Vertrieb für Europa.

Was bedeutet der Abzug für die Branche und den Südwesten?

Villiger ist nicht der erste Tabakhersteller, der Fertigung aus Deutschland abzieht. Philip Morris beendete im Juli 2025 die eigene Zigarettenproduktion in Deutschland und schloss das Werk in Dresden. Der BdZ zählt in der deutschen Zigarrenherstellung 1.600 tarifgebundene Beschäftigte.[3]

Im Südwesten häufen sich Verlagerungen und Schließungen. Die Walter AG verlegt 160 Stellen aus Münsingen, Stihl bringt die Entwicklung seiner Mähroboter nach China. Festo verlagert den Spritzguss in die Türkei; am Bodensee will Körber laut Südkurier die Fertigung in Konstanz schließen. Für Fachhändler und Großkunden ändert sich bei Villiger wenig, Bestellung und Auslieferung laufen weiter über Tiengen.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. BlickZigarrenhersteller Villiger stellt deutsche Produktion ein17.10.2026
  2. t-onlineTraditionswerk seit 1911: Villiger stellt Zigarrenproduktion in Deutschland ein18.10.2026
  3. Bundesverband der ZigarrenindustrieStellungnahme zur Änderung des Tabaksteuergesetzes01.10.2026
  4. Deutscher BundestagBundestag beschließt Erhöhung der Tabaksteuer15.10.2026

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