Khosla Ventures, der Wagniskapitalfonds von Vinod Khosla, führt eine Finanzierungsrunde über 43,5 Millionen Euro beim indischen Klinikbetreiber Even Healthcare an. Even zahlt seinen Ärzten feste Gehälter statt Geld pro Test oder Operation und betreibt dafür in Bengaluru eigene Krankenhäuser. Khosla sieht darin ein Modell für Indien und andere Länder.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIndische Krankenhäuser verdienen in der Regel mehr, sobald Patienten zusätzliche Tests, Eingriffe oder längere Aufenthalte bekommen, auch ohne medizinischen Bedarf. So beschreibt TechCrunch den Markt, in dem Even antritt.[1] Gründer Mayank Banerjee stieß in Partnerkliniken auf Untersuchungen und Operationsempfehlungen, die das Start-up für unnötig hielt, und setzte deshalb auf eigene Häuser.
Das Wichtigste in Kürze
- Khosla Ventures führt die Series-B-Runde über 43,5 Millionen Euro an, Alpha Wave beteiligt sich.
- Even ist danach 261 Millionen Euro wert, dreimal so viel wie vor 18 Monaten.
- Ärzte bekommen feste Gehälter, Boni hängen an den Behandlungsergebnissen.
- Deutsche Klinikbudgets löst die Krankenhausreform erst ab 2028 teilweise von den Fallzahlen.
Worauf setzt Vinod Khosla bei Even?

Khosla Ventures ist seit der Seed-Runde 2021 an Even beteiligt und erhöht jetzt den Einsatz. Mit der neuen Runde hat Even insgesamt mehr als 104 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld fließt in fünf weitere Krankenhäuser in Bengaluru, die in den nächsten sechs Monaten öffnen sollen. Die beiden bestehenden Häuser erreichten laut Banerjee binnen eines Jahres die operative Gewinnschwelle, Abschreibungen nicht eingerechnet.
Khosla begründet die neue Runde mit dem Gesamtpaket: Even verbinde Finanzierung, Technik und Versorgung, statt einzelne Teile eines zersplitterten Systems zu flicken. Ziel sei, bessere Behandlungsergebnisse zu belohnen statt einer größeren Zahl von Leistungen. „Die bisherigen klinischen und wirtschaftlichen Ergebnisse bestärken uns darin, dass daraus ein wichtiges neues Modell für die Gesundheitsversorgung in Indien und über Indien hinaus werden kann“, erklärte Khosla in einer Mitteilung.
Wie verdient ein Krankenhaus ohne Mengenanreiz?
Bei Even hängt das Arztgehalt nicht an der Zahl der Tests oder Operationen: Die Ärzte bekommen feste Gehälter. Boni richten sich nach den Ergebnissen, die Patienten selbst melden, bei Knieprothesen etwa nach dem Oxford Knee Score für Schmerz und Beweglichkeit. Auch die Klinikleitung verdient nicht an der Zahl der Eingriffe. Jeder Beschäftigte erhält Anteile am Unternehmen.
Den größten Teil der Einnahmen zahlen allerdings weiterhin Patienten für ihre Behandlung. Mit Versicherern arbeitet Even an einem Modell, bei dem das Start-up für vermiedene Klinikaufenthalte Geld bekommt. Weniger als ein Prozent der Patienten kehren laut Even ungeplant ins Krankenhaus zurück, branchenüblich seien 8 bis 15 Prozent. Versicherer sparten nach Even-Angaben mehr als 4,6 Millionen Euro.
Profitabel arbeitet Even noch nicht. Im Geschäftsjahr 2025 stand laut den bei Behörden eingereichten Abschlüssen ein Verlust von 8,3 Millionen Euro bei 2,5 Millionen Euro Umsatz. Im August strich Even laut dem Portal Entrackr rund 350 Stellen.
Series B unter Führung von Khosla Ventures, Alpha Wave beteiligt sich
Dreimal so hoch wie vor 18 Monaten, laut Even
Zwei Häuser in Betrieb, fünf weitere sollen binnen sechs Monaten öffnen
- Mehr Tests, Eingriffe und Liegetage bringen mehr Umsatz, auch ohne medizinischen Bedarf
- Feste Arztgehälter, Boni nach Behandlungsergebnis
- Anteile am Unternehmen für alle Beschäftigten
- Laut Even unter 1 % ungeplante Wiederaufnahmen, branchenüblich 8 bis 15 %
- Verlust im Geschäftsjahr 2025: 8,3 Mio. € bei 2,5 Mio. € Umsatz
Feste Arztgehälter reichen nicht, solange die Klinik an jeder Behandlung verdient. Entscheidend sind erst die Verträge mit den Versicherern.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Kliniken und Investoren im DACH-Raum?
Deutsche Krankenhäuser rechnen ihre Behandlungen über Fallpauschalen ab. Die Krankenhausreform führt eine Vorhaltevergütung ein, die wirtschaftlich motivierte Mehrleistungen dämpfen soll. Zusammen mit dem Pflegebudget erhalten Kliniken ab 2028 rund 60 Prozent ihrer Betriebskosten weitgehend unabhängig von den aktuellen Fallzahlen. Voll wirksam wird die Regel ab 2030.[2] Berechnet wird die Vorhaltung allerdings ebenfalls aus Fallzahlen.
Klinikbetreiber, die ihre Budgets bis 2030 neu planen, finden bei Even zwei prüfbare Kennzahlen: veröffentlichte Behandlungsergebnisse und die Quote ungeplanter Wiederaufnahmen. Siemens Healthineers will Berichten zufolge sein indisches Krebsklinik-Netz abgeben, weil der Klinikbetrieb nicht zum Kerngeschäft gehört. Khoslas Fonds setzt dagegen genau auf den Betrieb. Weitere Beteiligungen des Investors sammelt das Archiv der Tech-Titanen.
FAQ: Khosla Ventures und Even Healthcare
Was ist Even Healthcare?
Even ist ein Klinikbetreiber aus Bengaluru, 2021 von Mayank Banerjee, Matilde Giglio und Alessandro Ialongo gegründet. Das Start-up betreibt zwei eigene Krankenhäuser, versorgt rund 250.000 Mitglieder gegen einen regelmäßigen Beitrag und beschäftigt etwa 650 Menschen, darunter rund 300 Ärzte.
Wie viel Geld bekommt Even von Khosla Ventures?
Khosla Ventures führt eine Finanzierungsrunde über 50 Millionen Dollar an, umgerechnet 43,5 Millionen Euro. Wie viel davon der Fonds selbst zahlt, nennen die Beteiligten nicht. Alpha Wave beteiligt sich ebenfalls. Even ist danach 261 Millionen Euro wert.
Warum zahlt Even seinen Ärzten feste Gehälter?
Ärzte sollen keinen finanziellen Grund haben, zusätzliche Tests oder Operationen zu empfehlen. Boni richten sich nach den Behandlungsergebnissen, die Patienten selbst melden. Auch die Klinikleitung verdient nicht an der Zahl der Eingriffe.
Was ändert die Krankenhausreform an der Klinikfinanzierung?
Eine Vorhaltevergütung soll wirtschaftlich motivierte Mehrleistungen dämpfen. Zusammen mit dem Pflegebudget erhalten Kliniken ab 2028 rund 60 Prozent ihrer Betriebskosten weitgehend unabhängig von aktuellen Fallzahlen. Voll wirksam wird die Regel ab 2030.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
Mehr Newshunger?
- Siemens Healthineers trennt sich von seinem indischen Klinikgeschäft
- 200 Millionen Euro für Start-ups: Warum Fresenius jetzt zum Wagniskapitalgeber wird
- Vinod Khosla finanziert eine Kappe, die Gedanken in Text übersetzen soll
- Vinod Khosla greift Factory öffentlich an, obwohl sein Fonds an beiden Rivalen beteiligt ist
- MD-Prüfquote: Koalition rechnet mit 1.000 Euro Ersparnis je Klinik
- Warum sind unsere Krankenkassen chronisch pleite?
- Wer sind die 15 reichsten Tech-Milliardäre?
