Hensoldt liefert künftig die Sensorik für Boeings unbemannte Kampfdrohne MQ-28 Ghost Bat. Der Aalener Konzern ist dem deutschen Industrieteam beigetreten, das die Drohne der Luftwaffe verkaufen will. Für Boeing zählt dabei vor allem ein möglichst deutscher Stempel auf einer amerikanischen Plattform.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenHensoldt hat auf der Farnborough Airshow eine Absichtserklärung mit Boeing unterzeichnet und steigt damit in das deutsche Industrieteam für die Kampfdrohne MQ-28 Ghost Bat ein. Elf Meter lang, rund 3.700 Kilometer Reichweite, gesteuert von einer künstlichen Intelligenz: Diese Drohne soll ab Ende des Jahrzehnts neben bemannten Kampfjets der Luftwaffe fliegen. Den Ausschlag geben dabei nicht die Tragflächen, sondern die Sensoren.
Das Wichtigste in Kürze
- Hensoldt liefert Sensorik, Missionssystem-Integration und Instandhaltung für die MQ-28, sofern die Bundeswehr die Drohne auswählt.
- Zum deutschen Team gehören außerdem Rheinmetall, Diehl Defence und Rohde & Schwarz; Boeing wirbt mit einer souveränen, in Deutschland verankerten Lösung.
- Die Luftwaffe plant rund 400 größere Kampfdrohnen ab 2029, zunächst als Brücke bis zum europäischen Kampfflugzeug-System FCAS.
- Boeings US-Plattform konkurriert um diesen Auftrag mit Airbus, das der Bundeswehr bis 2029 ein eigenes System liefern soll.
Was ist eine Loyal-Wingman-Drohne?

Eine Loyal-Wingman-Drohne ist ein unbemanntes Kampfflugzeug, das per KI autonom fliegt und einem bemannten Jet zuarbeitet: als Sensor, Störsender oder Waffenträger. Der Pilot gibt nur grobe Aufträge vor, den Rest plant und fliegt die Maschine selbst.
Boeing hat die MQ-28 in Australien für die Royal Australian Air Force entwickelt, wo die Drohne seit 2024 im Dienst steht.[1] Ein handelsübliches Turbofan-Triebwerk bringt die Maschine auf hohe Unterschallgeschwindigkeit, damit der Verbund mit Jets wie der F-35 zusammenbleibt.
Der Reiz dieses Konzepts liegt in der Arbeitsteilung. Teure, bemannte Jets bleiben auf Distanz, während günstigere Drohnen in die Gefahrenzone vorstoßen, aufklären und im Zweifel als Erste verloren gehen. Solche autonomen Begleiter gehören zu einer neuen Generation militärischer Robotik, im Fachjargon Collaborative Combat Aircraft.
Warum sind die Sensoren der eigentliche Hebel?
Ohne präzise Sensorik bleibt eine Kampfdrohne blind. Radar und elektronische Aufklärung entscheiden, ob die MQ-28 Ziele früher erkennt als der Gegner und ihre Daten an den bemannten Jet funkt. Genau diesen Teil steuert Hensoldt bei.
Hensoldt bringt plattformunabhängige Sensortechnik, die Integration der Missionssysteme und die Instandhaltung über die gesamte Lebensdauer ein, sofern die Bundeswehr die MQ-28 beschafft. Der Konzern gehört zu Europas führenden Radaranbietern und baut sein Sensorgeschäft derzeit stark aus.
„Dem Industrieteam von Boeing beizutreten, ist für Hensoldt ein logischer nächster Schritt“, sagt Dietmar Thelen, Leiter der Sparte Multi-Domain Solutions. Boeing-Deutschlandchef Michael Haidinger nennt Hensoldts Kompetenz bei Sensorik und Missionssystem-Integration einen entscheidenden Gewinn für das Team.
Hensoldt verkauft hier nicht nur Radar, sondern eine Eintrittskarte in das autonome Luftkriegsgeschäft der nächsten Jahrzehnte. Riskant bleibt der Schritt trotzdem, denn Boeings US-Drohne tritt gegen Airbus und das europäische FCAS an.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie passt die MQ-28 in die Pläne der Luftwaffe?
Die Luftwaffe will ab 2029 rund 400 größere Kampfdrohnen einführen, zunächst als Brücke bis zum Kampfflugzeug-System FCAS um 2040. Boeings MQ-28 bewirbt sich um diesen Auftrag, konkurriert aber mit Airbus, das der Bundeswehr ein eigenes CCA-System liefern soll.
Die Bundeswehr plant zwei Klassen unbemannter Begleiter: leichtere Muster von vier bis fünf Tonnen für Aufklärung und elektronische Kampfführung sowie eine Zehn-Tonnen-Klasse für Angriff und Luftüberlegenheit. Bemannte Eurofighter und F-35 sollen die Drohnen im Gefecht steuern.
Für Boeing ist das Team der Hebel, eine ausländische Plattform politisch verkäuflich zu machen: Je mehr deutsche Wertschöpfung, desto leichter fällt der Zuschlag. Denselben Weg gehen bei Land- und Marinetechnik längst andere, etwa die Panzerallianz um Deutz.
Die USA sind weiter: Dort fliegen mit Andurils YFQ-44A und General Atomics’ YFQ-42A bereits erste CCA-Prototypen. Offen bleibt die heikelste Frage, die weder Meldung noch Pressemitteilung beantworten: Über den Waffeneinsatz soll auch bei autonomen Systemen ein Mensch entscheiden, und Deutschland pocht auf diese Kontrolle.
Das deutsche Industrieteam von Boeing
Vom Testflug zur Luftwaffe
Für Entscheider aus Industrie und Technik lohnt der Blick auf die Lieferkette hinter der Drohne. Sensorik, Missionssysteme und Software entscheiden über den Zuschlag, nicht die Zelle. Ob Boeing oder Airbus das Rennen macht, klärt sich mit der Entscheidung der Bundeswehr ab 2029.
Was ist die MQ-28 Ghost Bat?
Was liefert Hensoldt für das MQ-28-Programm?
Kauft die Bundeswehr die MQ-28 Ghost Bat?
Wer entscheidet bei autonomen Kampfdrohnen über den Waffeneinsatz?
Quelle
[1] Boeing: „MQ-28 Ghost Bat“
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