Deutz zahlt 1,6 Milliarden Euro für den Flensburger Militärfahrzeugbauer FFG und begleicht einen Teil davon mit eigenen Aktien. Die bisherigen Eigentümerfamilien werden dadurch zum größten Anteilseigner des Kölner Motorenherstellers. Über die dafür nötige Kapitalerhöhung stimmen die Aktionäre am 24. August ab.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBei der Deutz-FFG-Übernahme entscheidet eine virtuelle außerordentliche Hauptversammlung am 24. August 2026 nicht über den Kaufpreis, sondern über die eigene Verwässerung. Auf der Tagesordnung steht eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage, und zwar unter Ausschluss des Bezugsrechts.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Deutz übernimmt 100 Prozent der FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft für 1,6 Milliarden Euro, teils bar, teils in neu ausgegebenen Aktien.
- FFG hat 2025 rund 760 Millionen Euro umgesetzt und beschäftigt mehr als 1.100 Menschen.
- Die FFG-Eigentümerfamilien erhalten bis zu 29,9 Prozent an Deutz und streben zwei Aufsichtsratssitze an.
- Der Vollzug wird für Ende 2026 bis zum ersten Quartal 2027 erwartet.
Was bekommt Deutz für 1,6 Milliarden Euro?

Kettenfahrzeuge. FFG produziert, wartet und modernisiert militärische Rad- und Kettenfahrzeuge, darunter Bergepanzer und Mannschaftstransporter. Das Unternehmen beliefert die Bundeswehr, weitere NATO-Streitkräfte und die Ukraine.[1]
Auftragspolster. Der Auftragsbestand beträgt laut Deutz ein Vielfaches des Jahresumsatzes von rund 760 Millionen Euro. Der Kaufpreis entspricht damit gut dem Doppelten dessen, was FFG im vergangenen Jahr erlöst hat.
Deutz-Chef Sebastian Schulte begründet den Zukauf mit dem Zuschnitt des kombinierten Portfolios: „Zusammen mit FFG wird DEUTZ zu einem führenden nationalen Systemanbieter für militärische Fahrzeuge, Antriebe und Energielösungen.“ FFG bleibt operativ eigenständig und bildet künftig den Kern der Business Unit Defense.
Warum sind es ausgerechnet 29,9 Prozent?
Kontrollschwelle. Ab 30 Prozent der Stimmrechte gilt ein Aktionär nach § 29 Absatz 2 WpÜG als Kontrollinhaber und muss nach § 35 WpÜG allen übrigen Aktionären ein Pflichtangebot unterbreiten. Die 29,9 Prozent liegen exakt eine Nachkommastelle darunter.
Die FFG-Familien werden damit größter Anteilseigner, ohne den Streubesitz auskaufen zu müssen. Zwei Aufsichtsratssitze beanspruchen sie zusätzlich, an der paritätischen Besetzung des Gremiums hält Deutz fest.[1]
Verwässerung. Die neuen Aktien entstehen über eine Sachkapitalerhöhung unter Bezugsrechtsausschluss. Bestehende Aktionäre können also nicht mitzeichnen und tragen den Anteilsverlust allein, dürfen ihn am 24. August aber selbst beschließen.
Was der Kölner Motorenbauer für den Flensburger Fahrzeughersteller zahlt und wer danach mit am Tisch sitzt.
Die entscheidende Nachkommastelle: Ab 30 Prozent der Stimmrechte gilt ein Aktionär nach § 29 Absatz 2 WpÜG als Kontrollinhaber und muss allen übrigen Aktionären ein Pflichtangebot machen. Mit 29,9 Prozent bleiben die FFG-Familien knapp darunter.
Der Fahrplan bis zum Vollzug
Ist der Zukauf ein Einzelfall?
Einkaufsserie. Deutz hat 2026 im Monatstakt aufgerüstet. Anfang Juni ist die Übernahme des Generatorenherstellers Maxi Trust abgeschlossen worden, Anfang Juli ist im Werk Ulm der Serienstart des unbemannten Bodensystems Gereon gefolgt.[2] Auf der Fachmesse Eurosatory hat der Konzern im Juni erstmals überhaupt ausgestellt.
Das Muster reicht weit über Köln hinaus. In Neuss baut Rheinmetall aus einem früheren Autozulieferer Deutschlands wohl größte Satellitenfertigung, Hensoldt macht aus einem Aalener Traditionswerk eine Radarfertigung, und beim VW-Werk Osnabrück hängt der Rettungsplan an einem Rüstungsgeschäft.
Die interessante Zahl in diesem Deal ist nicht die Milliarde, sondern das Komma. 29,9 Prozent sind kein Zufall, sondern die teuerste Nachkommastelle im deutschen Aktienrecht.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was sollten Entscheider jetzt prüfen?
Programmlaufzeiten. Deutz verweist auf Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren im Verteidigungsgeschäft. Für Zulieferer aus dem Maschinenbau verschiebt sich damit ein Nachfrageblock, der weit über den üblichen Off-Highway-Zyklus hinausreicht.
Lieferanten, die heute Komponenten für Bau- und Landmaschinen fertigen, sollten deshalb prüfen, ob ihre Qualifizierung für wehrtechnische Programme ausreicht. Ähnliche Verschiebungen zeichnen sich bei TKMS mit den F128-Fregatten und bei der Entscheidung über die A400M-Flotte ab.
Freigaben. Der Vollzug steht neben dem Aktionärsvotum unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Bei Rüstungszielen tritt neben die Fusionskontrolle regelmäßig eine Investitionsprüfung nach der Außenwirtschaftsverordnung, was den Zeitplan bis Anfang 2027 erklärt.
Aktionäre und Zulieferer haben also denselben Stichtag im Kalender: Ohne die Zustimmung am 24. August entsteht weder die Kapitalerhöhung noch die neue Defense-Säule.
Quellen
[1] DEUTZ AG: „DEUTZ beschleunigt Transformation durch Milliarden-Transaktion im Defense-Bereich“, 9. Juli 2026
[2] DEUTZ AG: Außerordentliche Hauptversammlung 2026 und Pressemitteilungen
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