Apple und das US-Justizministerium sondieren einen Vergleich im Kartellverfahren um das iPhone. Das Verfahren läuft seit März 2024. Die entscheidenden Öffnungen hat allerdings längst eine andere Behörde erzwungen, und die sitzt in Brüssel.

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Ein Kartellvergleich kostet Apple diesmal womöglich erstaunlich wenig. Bloomberg hat am 17. Juli 2026 berichtet, dass beide Seiten in den vergangenen Wochen Vergleichsentwürfe ausgetauscht haben.[1] Verhandelt wird über Zugeständnisse, die im europäischen iOS bereits im Code stehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Apple hat dem Justizministerium 2026 mehrere Vergleichsangebote gemacht, ein Termin für die Hauptverhandlung steht nicht fest.
  • Die Klage vom 21. März 2024 wirft dem Konzern vor, Super-Apps, Cloud-Gaming, fremde Wallets und Smartwatches auszubremsen.
  • Genau diese Sperren hat der Digital Markets Act in der EU bereits geöffnet, begleitet von einem Bußgeld über 500 Millionen Euro.
  • Am 8. Juli 2026 hat das Gericht der Europäischen Union Apples Klage gegen die Gatekeeper-Einstufung abgewiesen.

Worum streiten Apple und das US-Justizministerium?

Roter Apfel mit Gabel und Etikett:
US-Justizministerium klagt gegen Apple: Vorwurf technischer Sperren statt Produktqualität. Klage am 21. März 2024 mit 16 Generalstaatsanwaltschaften eingereicht

Das Justizministerium wirft Apple vor, seine Stellung bei Smartphones durch technische Sperren abzusichern statt durch bessere Produkte. Gemeinsam mit 16 Generalstaatsanwaltschaften hat die Behörde am 21. März 2024 vor dem Bundesbezirksgericht in New Jersey geklagt.[2]

Vier Sperren stehen im Zentrum: Super-Apps mit eigenem Programm-Ökosystem, Cloud-Gaming-Dienste, fremde digitale Brieftaschen am NFC-Chip und Smartwatches anderer Hersteller. Ein Antrag Apples auf Abweisung ist am 30. Juni 2025 gescheitert. Seitdem läuft das Verfahren ohne festen Verhandlungstermin.

Der Markt für Bezahldienste ordnet sich unterdessen ohnehin neu, wie das Übernahmeangebot von Stripe und Advent für PayPal zeigt.

Warum wäre ein Vergleich für Apple so günstig?

Apple hat die meisten strittigen Sperren längst geöffnet, weil europäisches Recht es verlangt hat. Das Justizministerium verhandelt damit über Zugeständnisse, die technisch bereits existieren.

Der Digital Markets Act zwingt Apple seit iOS 17.4 zu einem Auswahlbildschirm für den Standardbrowser, zu fremden App-Marktplätzen und zu alternativen Browser-Engines. Neue Schnittstellen öffnen den NFC-Chip im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum für Bank- und Wallet-Apps.

Erbeten hat die Kommission diese Öffnung nicht. Im April 2025 hat sie gegen Apple ein Bußgeld über 500 Millionen Euro verhängt.[3] Der gesetzliche Rahmen reicht bis zu 10 Prozent des weltweiten Konzernumsatzes.

Brüssel trägt damit die politischen Kosten, Washington erntet die fertige Umsetzung. Das Muster wiederholt sich: Im Juli 2026 hat die Kommission Google die Öffnung von elf Android-Funktionen für KI-Assistenten vorgegeben, und beim ERP-Riesen SAP hat sie die Wahlfreiheit bei der Wartung durchgesetzt.

Apples billigster Vergleich ist der, den Brüssel schon bezahlt hat. Was in Washington als Zugeständnis verhandelt wird, läuft in Europa seit zwei Jahren im Code.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Apple im Zangengriff zweier Kartellbehörden

Washington verhandelt 2026 über Öffnungen, die Brüssel längst erzwungen hat. Stand: 21. Juli 2026.

Waage
21.03.2024
Klage eingereicht

Das US-Justizministerium klagt vor dem Bundesbezirksgericht in New Jersey.

Behörde
16
Mitklagende Staaten

Generalstaatsanwaltschaften von Bundesstaaten und District tragen die Klage mit.

Geldscheine
500 Mio. €
EU-Bußgeld gegen Apple

Verhängt am 23. April 2025 wegen Verstoßes gegen den Digital Markets Act.

Diagramm
10 %
Maximaler DMA-Rahmen

So viel vom weltweiten Konzernumsatz darf die Kommission höchstens verlangen.

Schild
08.07.2026
Gatekeeper bestätigt

Das Gericht der Europäischen Union weist Apples Klage gegen die Einstufung ab.

Dieselben vier Streitpunkte, zwei Rechtsräume

Europäische Union: bereits umgesetzt

Fremde App-Marktplätze und Direktinstallation von der Entwickler-Website sind seit iOS 17.4 möglich.

Der NFC-Chip steht Bank- und Wallet-Apps im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum offen.

Ein Auswahlbildschirm für den Standardbrowser ist Pflicht, fremde Browser-Engines sind zugelassen.

Vereinigte Staaten: in Verhandlung

Super-Apps mit eigenem Programm-Ökosystem sollen nicht länger ausgebremst werden.

Cloud-Gaming-Dienste und fremde digitale Brieftaschen stehen als Zugeständnis im Raum.

Smartwatches anderer Hersteller sollen dieselben Schnittstellen erhalten wie die Apple Watch.

Was ändert sich für Entwickler im deutschsprachigen Raum?

Kurzfristig nichts. Der Digital Markets Act gilt unabhängig vom US-Verfahren, und die europäischen Öffnungen bleiben auch dann bestehen, wenn Apple sich mit dem Justizministerium einigt.

Interessant wird der Vergleich dort, wo er über den DMA hinausgeht. Verpflichtet sich Apple in den USA zu Zusagen bei Smartwatches oder Super-Apps, entsteht Vereinheitlichungsdruck: Zwei getrennte Codebasen zu pflegen, lohnt sich für den Konzern immer weniger.

Für einen Rückbau der europäischen Sonderwege spricht derzeit wenig. Am 8. Juli 2026 hat das Gericht der Europäischen Union Apples Klage gegen die Gatekeeper-Einstufung abgewiesen und alle Apple-Stores als eine Einheit gewertet. Ähnlich deutlich ist das Gericht zuletzt im Markenstreit um OpenAI ausgefallen.

Prüfen Sie deshalb jetzt, welche Ihrer iOS-Funktionen auf EU-Sonderschnittstellen aufsetzen, und dokumentieren Sie diese Abhängigkeiten sauber. Einigen sich beide Seiten auf einen weltweiten Standard, ändern sich Fristen und Schnittstellen schnell. Apple hat am 17. Juli 2026 Nvidia als wertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst und verhandelt aus einer Position der Stärke.

Quellen

[1] Bloomberg: „Apple, DOJ Hold Early Settlement Talks in Antitrust Lawsuit Over iPhone“

[2] US-Justizministerium: „Justice Department Sues Apple for Monopolizing Smartphone Markets“

[3] Europäische Kommission: „Commission closes investigation into Apple’s user choice obligations“ (23. April 2025)

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