Mercedes-Benz baut die zivile G-Klasse künftig zum Militärfahrzeug um. Gemeinsam mit Rheinmetall besiegelte der Konzern am 16. September das Programm Team Wolf, das die British Army mit Fahrzeugen wie Timber Wolf und Silver Wolf ausrüstet. Den lukrativen Teil übernimmt Rheinmetall im britischen Telford. Für deutsche Zulieferer zeigt der Schritt, wo die nächsten Rüstungsaufträge entstehen.

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Auf der britischen Rüstungsmesse DVD 2026 stand am 16. September ein alter Bekannter im Tarnanstrich: die Mercedes-Benz G-Klasse, umgebaut zum Militärfahrzeug. Mercedes-Benz und Rheinmetall besiegelten dort ihre Partnerschaft Team Wolf. Neu im Programm sind zwei Modelle für die British Army: Timber Wolf und Silver Wolf.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Mercedes-Benz und Rheinmetall haben am 16. September 2026 die Partnerschaft Team Wolf für das Land Mobility Programme der British Army besiegelt.
  • Alle Fahrzeuge (Timber Wolf, Silver Wolf, Shadow Wolf, Caracal) basieren auf der zivilen G-Klasse.
  • Bewaffnung, Führungstechnik und Sensorik integriert Rheinmetall im Werk Telford; bis zu 50 Prozent der Wertschöpfung sollen aus Großbritannien kommen.
  • Der Schritt reiht sich in den Umbau der deutschen Industrie zum Rüstungslieferanten ein, von Schaeffler bis Hensoldt.

Was verbirgt sich hinter Team Wolf?

Ein Geländewagen, halb silber-metalle, halb olivgrün geteilt, vor weißem Hintergrund
Team Wolf entwickelt militärische G-Klasse-Varianten für die British Army. Rheinmetall UK und Mercedes-Benz UK integrieren Rüstungstechnik in vier Fahrzeugbaureihen

Team Wolf ist eine Fahrzeugallianz von Rheinmetall UK und Mercedes-Benz UK, die die G-Klasse zu einer Familie militärischer Geländefahrzeuge für das Land Mobility Programme der British Army ausbaut. Mercedes-Benz liefert die Fahrzeugtechnik, Rheinmetall steuert die Rüstungsintegration bei.

Vier Baureihen teilen sich dieselbe Basis. Neben dem 2025 gezeigten Shadow Wolf und der modularen Caracal-Familie präsentierten die Partner auf der Messe DVD 2026 die neuen Modelle Timber Wolf und Silver Wolf. Die Varianten reichen vom Truppentransport über den Sanitätsdienst bis zum Führungsfahrzeug.

Zusammengebaut und militärisch aufgerüstet werden die Fahrzeuge im Vehicle Integration Centre bei Rheinmetall BAE Systems Land in Telford. „Das Integrationszentrum in Telford ist zentral für diesen Anspruch“, sagte Rebecca Richards, Geschäftsführerin von Rheinmetall UK.[1]

Warum wird eine zivile G-Klasse zum Militärfahrzeug?

Eine erprobte Serienplattform verkürzt die Entwicklung und senkt Kosten wie Risiko, weshalb moderne Rüstungsprojekte lieber ein bewährtes Fahrgestell aufrüsten, als ein Fahrzeug von Grund auf zu entwerfen. Die G-Klasse fährt seit 1979 in Armeen weltweit, ihre Technik ist ausgereift und millionenfach erprobt.

Der eigentliche Wert steckt heute in der Elektronik über dem Fahrgestell. Rheinmetall rüstet die Fahrzeuge mit Schutz, Führungssystemen und Sensorik nach, ein Ansatz, den die Branche als Software-Defined Defence bezeichnet und den auch Hensoldt für die Bundeswehr vorantreibt. Rheinmetall veröffentlicht sogar Teile seiner Battlesuite-Schnittstellen offen, um fremde Systeme schneller anzubinden.

Über allem steht eine Bedingung moderner Beschaffung: Bis zu 50 Prozent der Wertschöpfung sollen aus Großbritannien stammen, verteilt auf rund 30 britische Zulieferer.[1] So bindet London die Aufträge an heimische Arbeitsplätze; Mercedes-Benz zahlt für den Marktzugang mit lokaler Fertigung.

Team Wolf zeigt, wo die Marge im Rüstungsboom sitzt: in der Integration und der Software über dem Fahrgestell, nicht im Blech selbst. Mercedes liefert die bewährte G-Klasse, den lukrativen Teil sichert sich Rheinmetall in Telford.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Team Wolf in Zahlen
Was hinter der Rüstungspartnerschaft von Mercedes-Benz und Rheinmetall steckt
4
Baureihen auf einer Plattform: Timber Wolf, Silver Wolf, Shadow Wolf und Caracal
50 %
angepeilte Wertschöpfung aus Großbritannien
~30
britische Zulieferer im Programm, samt kleiner und mittlerer Betriebe
1979
seit diesem Jahr fährt die G-Klasse in Armeen weltweit

Was bedeutet der Schwenk für den Standort Deutschland?

Team Wolf steht für einen breiten Umbau der deutschen Industrie: Konzerne verlagern Kapazitäten ins Rüstungsgeschäft, weil die Zeitenwende volle Auftragsbücher verspricht, während das klassische Geschäft schwächelt. Die Verteidigung wird zum zweiten Standbein, gerade für Autohersteller im teuren E-Auto-Umbau.

Der Zulieferer Schaeffler fertigt neuerdings Kampfdrohnen mit dem Partner Delair, Rheinmetall baut inzwischen sogar eigene Fregatten, und Volkswagen verkauft sein Werk Osnabrück an einen Rüstungsinvestor. Der Rheinmetall-Kurs hat sich seit 2022 vervielfacht, während die klassische Autokonjunktur stockt.

Der Haken zeigt sich in Telford. Weil Abnehmerländer wie Großbritannien hohe lokale Wertschöpfung fordern, entstehen die gut bezahlten Integrationsjobs im Zielmarkt, also in Telford statt in Sindelfingen oder Graz. Mercedes-Benz liefert die Plattform und ringt zu Hause um Lohnkosten, den Aufpreis der Militärversion kassieren britische Betriebe.

Für deutsche Zulieferer zählen zwei Punkte. Anbieter von Dual-Use-Komponenten sollten früh die Zertifizierung für Wehrtechnik angehen; für Lieferungen in ausländische Programme ist eine lokale Präsenz im Abnehmerland Pflicht. Die Nachfrage ist da, die Wertschöpfung verteilt sich aber neu.

FAQ: Mercedes-Benz und Rheinmetall bauen die G-Klasse zum Militärfahrzeug

Welche Modelle gehören zur Team-Wolf-Familie?

Zur Team-Wolf-Familie gehören Timber Wolf und Silver Wolf (beide neu auf der DVD 2026), der 2025 vorgestellte Shadow Wolf und die modulare Caracal-Reihe. Alle Modelle basieren auf der Mercedes-Benz G-Klasse und decken Rollen vom Truppentransport bis zum Führungs- und Sanitätsfahrzeug ab.

Was bedeutet Software-Defined Defence?

Software-Defined Defence beschreibt Wehrtechnik, deren Fähigkeiten vor allem über Software, Vernetzung und Sensorik entstehen statt über die Hardware allein. Ein bewährtes Fahrzeug oder Gerät wird per offener Schnittstelle mit Führungs-, Aufklärungs- und Waffensystemen verbunden und lässt sich per Update erweitern.

Warum steigen deutsche Autokonzerne ins Rüstungsgeschäft ein?

Deutsche Autokonzerne suchen im Rüstungsgeschäft ein zweites Standbein, weil die Verteidigungsausgaben seit der Zeitenwende stark steigen, während der teure Umstieg aufs E-Auto die Margen drückt. Werke, Plattformen und Zulieferketten lassen sich dual nutzen, ziviler wie militärischer Bedarf teilt sich dieselbe Basis.

Wird die zivile Mercedes-Benz G-Klasse weiter angeboten?

Ja. Die zivile G-Klasse bleibt als Serienmodell im Programm. Team Wolf nutzt die G-Klasse lediglich als Basis für eigenständige Militärvarianten, die Rheinmetall separat aufrüstet und integriert; das zivile Modell für den Straßenverkehr ist davon nicht betroffen.

Was ist das Land Mobility Programme der British Army?

Das Land Mobility Programme ist das Beschaffungsvorhaben der British Army für eine neue Generation leichter und mittlerer Militärfahrzeuge. Team Wolf bewirbt sich mit der G-Klasse-Familie um diesen Bedarf und verspricht dabei eine hohe britische Wertschöpfung von bis zu 50 Prozent.

Quelle

[1] Rheinmetall: „Rheinmetall UK and Mercedes-Benz UK advance Team Wolf partnership for the future of British Army mobility“

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